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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-09 · Heft 23 (9.6.1916) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 23 (9.6.1916)
Date
1916-06-09
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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268 W** »1: üÄ2aa i dahin wirken, Sympathien und Unterstützung für die rumänische Judenfrage zu gewinnen. Das Komitee ist der Meinung, daß es durch seine Aktion Den rumänischen Interessen nicht nur keinerlei Eintrag tut, sondern daß es zum Wöhle des Vaterlandes beiträgt, da ja die Emanzipation der rumänischen Juden zu dessen Kräftigung und der Hebung seines Ansehens führen muß, und richtet daher die Bitte an die rumänische öffentliche Meinung, an die rumänische Presse und überhaupt an alle Freunde unserer Sache, daß sie unsere Anstrengungen unterstützen. In der Ueberzeugung, daß die Wirksamkeit unseres Verbandes den wahren Interessen Rumäniens dienen werde und «daß die kommenden Umwälzungen, welche eine neue Welt und andere, humanere Anschauungen hervorbringen werden, auch in Rumänien zur Verbreitung der Ansicht 'beitragen werden, daß ein Staat nur dann gedeihen kann, wenn er gegenüber allen seinen Einwohnern eine Politik Her Freiheit und Gerechtigkeit übt, drückt das Komitee seine Erwartung aus, daß seine Tätigkeit nicht als aus dem rumänischen Volke unfreundlichen Gefühlen entspringend betrachtet werden wird. * Tie „Nordd. Allg. Ztg." enthält nachstehenden bemerkenswerten Artikel: Die I u d e n f r a g e i n 9t u ß l a n d. P e ters b u r g, 29. Mai. Die russischen Zeitungen der letzten Jahre glossieren die zwischen „N o w o j e W r e m j a" und „De m schtschi n a" in der Angelegenheit S u ch o ml i it o \v entstandene Polemik. Ein gewisser Efremow erinnert in „Semschtschina" daran, daß der bekannte Publizist At e n s chiko w anläßlich per von sieben Jahren erfolgten Ernennung Suchomlinows zum Kriägsminister in „Nowoj-e Wremja" schrieb, man werde die Tätigkeit Suchomlinows scharf kontrollieren müssen, da er von Juden tzmgeben sei, die großen Einfluß ans ihn ansübten und ihn geradezu gefangenhielten. Efremow fragt in dem Artikel, weshalb Tk\\= schikow nicht mehr Mut aufbringe, gegen die Inden anfzutrejen. Menschikow erwiderte in „Nowoje Wremja", er wolle jetzt aus dreierlei Gründen über die Juden nicht schreiben. Erstens habe er alles, was er über die Juden zu sagen hätte, bereits gesagt, zweitens sei zu Anfang des Krieges aus den höchsteil Kreisen die Weisung gekommen, nationale Zwistigkeiten und Parteistreitigkeiten für .die Dauer des Krieges zu lmterlassen, drittens sei es Rußlands unwürdig, mit kleineren Nationalitäten, wie den Inden und Litauern, Kämpfe ausznfechten, während die Söhne dieser Nationalitäten für Rußland bluten. Er habe allerdings vor sieben Jahren geschrieben, daß die Juden verderblichen Einfluß ans Snchomlinow ausnbten. Dies habe aber nicht den Tatsachen entsprochen. Er habe gewußt, daß in der Umgebung Suchomlinows sich Deutsche und Oesterreicher befänden, die infolge ihrer Mitwirkung bei seiner Skandalheirat und ihrer Mitbeteiligung an verschiedenen Lieferungen in Kiew ihn in ihrem Bann hielten. Der damalige Ministerpräsident Stolhpin, dein dieser Artikel iin Abzug vorgelegt worden sei, habe jedoch nicht gestattet, daß gegen Deutsche Verdächtigungen ausgesprochen würden. Um aber die Veröffentlichung seines die Oeffentlichkeit warnenden Artikels zu ermöglichen, habe Menschikow, wie er sich ansdrücktc, zur „jüdischen Sauce" gegriffen und aus Deutschen Inden gemacht; so habe sein Artikel erscheinen dürfen. * Leider beginnen, in Deutschland schon wieder antisemitische Anstrengungen. Als bedauerliche Proben solcher Bemühungen mögen zwei Artikel dienen. Der erste aus der „Welt am Montag" hat folgenden Wortlaut: Wie's gemacht wird. Eine in dieser Zeit des offiziellen „Burgfriedens" besonders interessante Lektüre bietet der „Hammer", der sich zwar „parteilose Zeitschrift für nationales Leben" nennt, in der Tat aber das Organ des fanatischsten Antisemit i s m u s ist. Er enthält regelmäßig eine Rubrik „Umschau", in der ans der ganzen Welt alle Notizen zusammengetr-agen werden,, in denen Juden oder vermeintliche Inden eine ungünstige Rolle spielen. Wie dabei Verfahren wird, das wollen wir einmal an dem Beispiel der Nummer des 15. Mai kurz charakterisieren. Da wir! z. B. der auch von im§ behandelte große Militärlieferungs-Schwüi delprozeß in Preßburg erwähnt. Sorgfältig werden alle jü'bifd klingenden Namen der Mitangeklagten erwähnt. Nicht erwähn aber wird der katholische Propst, der die unersreulichste Rolle unt i den Angeklagten spielt. Mitten unter all den kurzen Notizen über die Juwel und Kar funket, Kohn und Rosenbaum liest man: Am 20. April ist in Neukölln (Berlin) der dreijährige Kna Rudolf Kreiser aus der Ziethenstraße 68 spurlos verschwunden. („D. Tagesztg." Nr. 209.) Ter naive Leser fragt sich erstaunt: warum die Reproduktiv, einer so gleichgültigen, alltäglichen Notiz? Der Durchschnittslech des „Hammer" aber sagt sich: Aha! Christenknabe unmittelbar vn Ostern „spurlos" verschwunden! Denkt an Tisza-Eszlar, Könitz usn.! Bon besonderer Perfidie ist nachstehende Notiz aus der famos?« „Umschau": Es wird uns berichtet, in Berlin und Frankfurt a. M. hm, sich ein Frauenbund gebildet, der auf die Jugenderziehung Einfluß üben will im Sinne einer Unterdrückung der kriegerische, Instinkte. Der neue Bund, au dessen Spitze einige angesehene I sraelitinn e n stehen, soll von E n g l a n d a u s unterst ü tz t werden. . Wie heißt dieser angebliche Frauenbund? Welches sind die Naim i, der „angesehenen Israelitinnen"? Wo ist der Beweis für die „.eng lische Unterstützung"? Der „Hammer" wird sich hüten, auf bin Fragen zu antworten. Er kan n natürlich nicht antworten. Abcr der Zweck der Notiz ist klar: Judenhaß sott um jeden Preis verbreitet werden. In dem zweiten, der im „Berl. Tagebl." stand, lesen wir: Die S chw e st e r d e r „Kreuz-Zeit u n g". Die „Kreuz-Zeitung" spricht in ihrer gestrigen Acorgenmunmer vc„ der „Tribuna" und bemerkt in nicht ganz einwandfreiem Deuts,?, daß die „Tribuna" „i n R o in n n ge f äh r d a s s e l b e B l a t k barst e H t wie die „Neue Freie Presse" in Wien und das „Berliner Tag - blatt" in Berlin." Soviel uns bekannt ist, gehört die „Tribuna" denjenigen italienischen Blättern, die sich immer durch Kriegshetzer i und chauvinistisches Gebaren besonders hervorgetan haben. Richtig t wäre also wohl zu sagen, daß sie „in Rom ungefähr dasselbe Blatt dmstellt wie die „K r e u z - Z e i t it n g" in Berlin." Gleichfalls in der „K r e u z - Z e i t u n g" darf ein gewisser Ir. v e n K h a t) n a ch unter der Ueberschrift „E in Na ch w o r t zu r K u n - v e r st e i >g e r u n g Ster n" eine a n t i s e m i t i s ch e P l a u d e r i von besonderer Feinheit verösfentlichen. Dieser v. Khaynach sagt zunäc! l seine ungeschminkte Meinung über den Bankier Julius Stern, der „sic', wie so viele seinesgleichen tun, eine G e m ä l d e s a m m l u n g a legte", was in den All gen des v. Khaynach — da nicht „viele seinegleichen" sich eine Gemäldesammlung anlegen — bereits eine schimp liche Handlungsweise zu sein scheint. Tann äußert er sich ironn , absprechend über die Witwe des Bankiers, die ihrem Gatten sreiwill i ill den Tod folgte, und er versichert, „eine gewisse Presse" habe die? Dilettantin „als eine der größten Künstlerinnen aller Zeiten und all.r Länder gepriesen". Tie Dame habe den Tod in den Havelfluten uicir ans Gram gesucht, sondern nur deshalb, „weil die Hinterlassen sch?«: ihres Mannes nur so wenige Millionen betrug, daß sie damit zu v.? hungern fürchtete." Dieses Ereignis sei „für die in gewissen Kreise herrschende Lebensauffassung so ungemein bezeichnend". Alan ka- ' nicht sagen, daß diese Aeußerungen über Tote bezeichnend für irgeu welche Kreise seien, denn das ist doch wohl nicht der Full. Sie fi> nur bezeichnend für den Fr. v. Khaynach und für das Blatt, das de gleichen seinen Lesern vorsetzt. Mit den kunstkritischen Bemerkunge. die dann folgen, und mit den Auslassungen über den Berliner Kuw Handel lvollen wir uns keineswegs befassen. Dagegen möchten w r lloch den Satz wiedergeben: „Es ist eitel Schwindel und Humbug, da? diese jüdisch-französischen Künstler einen so ungeheuren Wert nebe? telltontsch-hullilischer Armseligkeit repräsentieren." Wer in der „Kren Zeitung" über Kunst schreibt, braucht nicht zu wissen, daß weder Mam noch Monet, weder Degas, noch Gauguin, noch Cezanne, noch Reno r jüdisch waren oder sind und daß von sämtlichen Impressionisten m r der eine, Pissaro, ans einer jüdischen Familie stammte. Und lim bat Eindruck, daß es sich bei der ganzen Angelegenheit vor allem um eil e Reklame für jüdische Künstler handelte, zu vervollständigen, bericht-l

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