Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Dr. fronet. Er hob unter anderem hervor, wie das geistige Interesse des jungen Juristen und Gelehrten ganz besonders lvirtschastlichen, komumnalpolitischen linb Verkehrssragen galt. Sowohl von der Generaldirektion der Staatseisenbahnen als auch von der Zentralstelle für Gewerbe und Handel wurde ihm Gelegenheit gegeben, sich ans diesen ihm besonders zusagenden Gebieten zu betätigen. Besonders -ehrenvoll war es für ihn, das; er vom Kaiser- Wilhelm-Jnstitut mit einer wissenschaftlichen Arbeit betraut wurde. Namens der kommunalen Vereinigung wurde durch deren zweiten Vorsitzenden, Bankier Stnber, ein Kranz niedergelegt. — Stratzburg i. Elf», 26. Mai. Die israelitische Gei w erbos ch u l e hat vor kurzem ihr neues Schuljahr eröffnet. Nach vollendeter Lehrzeit wurden fünf Zöglinge entlassen. Um ihnen ihr weiteres Fortkommen zu erleichtern, erhalten diese noch drei Monate lang in der Anstalt unentgeltlich ihre Beköstigung. 18 Schüler sind neu ausgenommen worden, so daß ihre Zahl aus 61 gestiegen ist. Die israelitische Gewerbeschule nimmt arme Knaben des Bezirks Unterelsaß auf und führt sie ausnahmslos bem Handwerk zn. Wohnung, Beköstigung, Unterricht und Erziehung wird ihnen in per Anstalt unentgeltlich gewährt. Zur Erlernung des Handwerks sind sie in den Werkstätten von Handwerksmeistern in der Stadt nntergebracht. Indem die Anstalt, ungeachtet der großen sinan- | stellen Schwierigkeiten, mit denen sie seit langen Monaten zn kämpfen hat, ihren ruhigen Gang weiter geht, erwirbt sie sich unstreitig das größte Verdienst nicht nur um das Wohl ihrer armen Zöglinge, sondern auch das einheimische Handwerk erfährt durch sie eine wirki ui me Förderung. Diese segensreiche Wirksamkeit der Anstalt verdient volle Anerkennung und allseitige Unterstützung. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß bereits zehn ehemalige Zöglinge den Heldentod ans dein Sehlachtfeld gestorben sind; mehrere haben sich das Eiserne Kreuz erworben. Schwei» z. Zürich, 26. Mai. Ein hier soeben gegründetes Komitee P r o causa iuclaica hat sieh zur Aufgabe gestellt, die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt ans die Jndenfrage zn lenken. Diese umfaßt die zwei großen jüdischen Probleme: die Forderung der Gleichberechtigung, dnreh deren Erfüllung Millionen von entrechteten Juden in den Besitz der Menschenrechte gelangen sollen, und die Frage der kolonisatorischen Emigration desjenigen Teiles des jüdischen Volkes, der nach eigener kultureller und wirtschaftlicher Existenz strebt. Das Komitee will zunächst und in erster Linie die Forderung der Gleichberechtigung der Juden in Rußland, Polen und Rumänien zur Diskussion stellen und. die Welt von der Notwendigkeit der politischen und wirtschaftlichen Befreiung der jüdischen Massen in diesen Ländern überzeugen. In Rußland und Polen leben mehr als sechs Millionen Hilden in den traurigstell Verhältnissen, entrechtet, znsmnmengedrängt, ohne Freizügigkeit, immer blutige Pogrome fürchtend, der Willkür einer unverantwortlichen Bllreaukratie - ausgeliefert. In Rumänien werden 250 000 Juden, trotz des Berliner Vertrages und der formellen Versprechungen der rumänischen Negierung, als Fremde betrachtet und einer Versolgungs- und Unterdrückungsgesetzzelmug ansgesetzt, die zur völligen Verarmung und Ausrottung führt. Das Komitee wird über alle diese Fragen Propagnudabroschüren und Flugblätter herausgeben, Konferenzen einberufen, sich mit den großen, jüdischen Körperschaften in den neutralen und kriegführenden Ländern in Verbindung setzen, um zu einer gemeinl'amcn Aktion, hauptsächlich bei Anlaß der Friedensverhandlungen, zu gelangen. Das Komitee wird darauf achten, daß die Presse, alle politischen Parteien und gemeinnützigen Verbände, die das Ideal der Gerechtigkeit vertreten, sich der jüdischen Sache annehmen. Das Komitee ersucht Juden und Christen, welche die gute Sache unterstützen wollen, um Zustimmungserklärungen sowie materielle Spenden. Das Komitee besteht aus folgenden Herren: Präsident: I. Drehfus-Brodsky, Basel, Präsident des Schweizer. Jsr. Gemeindebundes. Vizepräsidenten: H. Boneff, Vizepräsident des Schweizer. Jsr. Gemeindebundes, Bern; Dr. jur. A. Mamelok, Oberrichter, Zürich; Dr. Aimo Schwöb, Pres, de Comm. Jsr. de Geneve. Bureanmitglieder: Julius Bär, Bankier; Hermann Eonheim, New Dort, z. Z. in Zürich; Dr. Felix Pinkns, Redakteur. Mitglieder: I. Abraham, Mitglied des Zentralkomitees des Schweizer. Jsr. Gemeindebundes, Zürich; Dr. jur. Charles Bollag, Rechtsanwalt, Zürich; S. Erlanger sen., Präs, des Jsr. Kultusvereins, Luzern; Dr. jur. D. Farbstein, Kantonatsrat, Zürich: L. Neuburger, Präs, der jüdischen Gemeinde, St. Gallen: CH. Levy-Schlvob, Präsident der israelitischen Gemeinde Lausanne: H. Schmuklerski, Präs, der jüd. Gemeinde, Zürich: Dr. Phil. S. D. Steinberg, Redakteur, Zürich. Bureanadresse: Zürich, Postfach 15 377. Wertsendungen: Jul. Bär u. Co., Zürich, Bahnhofstr. 48. Der Ausruf ist von einer stattlichen Anzahl hervorragender Schweizer Persönlichkeiten, auch viele;: Nichtjuden, mit unterzeichnet. Gk'lrrrrich-Angarn. 0. W. Budapest, 20. Mai. Im Sitzungssaale der Obec-! stadthauptmannschast spielte sich vor kurzem eine erhebende Feier ab, in deren Rahmen der Witwe Jakob Goldstein, geb. Rosa Feldbau er, wohnhaft in Budapest, eine Bronzestatuette und 500 Kronen in barem Gelde, Geschenke des Königs, überreicht wurden. Die Brouzestatuette, die 50 Zentimeter hoch ist, stellt einen Tiroler Kaiserjäger dar; in den Sockel ans Marmor sind die Initialen des Namens des Königs und die ungarische Krone -eingraviert. Frau G o t d st e t n erhielt die Geschenke vom König deshalb, weil ihre sieben Söhne Kriegsdienste leisten, sie selbst aber in bedrängter Lage sich befindet. Der älteste Sohn ist 34 Jahre alt, der Jüngste 20 und kämpft an der Front. Ihr! Sohn Des: der, ein Tischlergeselle, geriet anfangs des Krieges in russische Gefangenschaft, aus welcher er jedoch entfloh und sich in Leurberg so lange verborgen hielt, bis unsere Truppen die Stadt befreiten. Hierauf meldete er sich sofort zu neuem Dienste. Er kan: an die italienische Front, wo er an den Folgen der erhaltenen Verwundungen den Heldentod starb. Ihr Sohn Julius, ein Goldarbeiter, und der nächste, Beta, Handelsangestellter, sind i n italienischer Gefangenschaft. A l e r a n der, gleichfalls Handwerker, ist in rnssischer Gefangenschaft. Ihre Söhne Ander, Buchdrucker, und G e z a, Elektrotechniker, kämpfen auf dem Kriegsschauplätze. Ihr ältester Sohn I g n a tz endlich wird jetzt ausgebildet. Frau G o l d - stein, welche 52 Jahre alt ist und von ihren Söhnen erhalten lvnrde, erhält, seit dem Einrücken ihrer Ernährer bloß eine monatliche Unterstützung von 36 Kremen. In ihrer bedrängten Lage ent* schloß sich Frau Goldstein, an die Kabinettskanzlei des Königs ein Bittgesuch zn richten. Dieser Tage kamen nun der Oberstadthauptmannschaft die obenerwähnten Geschenke mit der Weisung zn, sie namens Seiner Al a j e st ä t Frau Goldstcin in: Rahmen einer entsprechenden Feier überreichen zu lasse::. Cberstadkhauptmanm Stellvertreter Jnnocenze Al n r k o v i ch hat nun vor den versammelten Polizeibeamte:: der überglücklichen Witwe das Geschenk des Monarchen überreicht. Frau Goldstein, der sämtliche Beaucken herzlich gratulierten, dankte tiefgerührt für die väterliche Fürsorge des Königs. Der Feier wohnte auch der Chef des Wohltätigleitsamtes der Budapester israelitischen Religionsgemeinde, Herr Blücher, bei, der versprach, daß die Religionsgemeinde für Frau Goldstein sorgen werde. „Pester Lloyd" vom 10. d. Al. meldet ferner: Joh. Deut s ch in Csendlat hat acht Söhne beim Militär. Seine Majestät ließ Herrn Deutsch ein Geschenk von 500 Krone:: und eine silberne Uhr mit Monogramm überreichen. Das Geschenk lvnrde von: Herrn Obergespan in feierlicher Weise übergebe::. Dolen. z. Lodz, 26. Mai. In der letzten Sitzung des bei der jüdische:: Gememdeverwaltimg bestehenden D et m e n a u s s ch u s s e s f ü r K indersr s v r g e wurde beschlossen, keine Kinder mehr in Pflege zu geben, da dazu keine Aliktel mehr vorhanden sind. Zum Unterhalt der Halbwaisen loird aus den Mitteln der Gemeindeverwaltung eine einmalige Unterstützung gewährt loerden. Da die Zahl der obdachlosen und Verlvaisten Kinder gewachsen ist, so wurde beschlossen, bei::: Alagistrat um die Bewilligung eines entsprechenden Geldbetrages vorstellig zu loerden. Ans Kosten der Gemeindeverwaltung werden gegenlvärtig 80 Kostkinder unterhalten. Zlvei Kinder werden einem Handloerker zur Lehre übergeben loerden. Der Schriftführer wurde beauftragt, die Kinder in den Schulen unterzubringen. Der Vorschlag, für die Kostkinder einen Fröbelgarten zn errichten, soll vom Vorstande der Gemeindeverwaltung geprüft loerden. — Vorigen Dienstag fand auch eine Sitzung des Garten- und Sportausschusses des Lodzer örtlichen Fürsorgerats mit Vertretern der Lodzer Sportvereine statt, in der die Angelegenheit der Veranstaltung von Sportsestlichkeiten zugunsten des in: Juni stattfindenden Sammeltages unter der Losung „Rettet die Kinder!" beraten lvnrde. Die Gartenfestlichkeiten findei: in: Helenenhof, in: QneUpark und in den Parken an der Bahn- und