Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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261 IX. Alma langweilte sich in ihrem Zimmer und blätterte in einem Album, für datz sie nicht das geringste Interesse zu-haben schien. Die anderen Herrschaften, wenigstens die älteren, hatten sich zu einem Mittagsschläfchen zurückgezogen, und sie wußte nicht, was sie mit der Zeit ansangen sollte. Sie stand auf und begab sich nach dem dunklen und kühlen Korridor, wo sie durch eine halbgeöffnete Tür ihren schnarchenden Vetter erblickte, der ungeniert auf dem Sopha lag, die erloschene Zigarette auf dem Perserteppich neben sich. Einen Augenblick dachte sie daran, dem Schlafenden irgendeinen Possen zu spielen; aber sie ließ diese Absicht bald wieder fallen. Bei Karol konnte man nie wissen, wie er einen Scherz aufnahm. Statt dessen betrachtete sie ihn forschend, durchdringend und schließlich mit einem energischen Kopsschütteln, als wollte sie etwas Häßliches von sich abwehren. Sie ging wieder nach ihrem Zimmer zurück und stellte sich vor den Spiegel, der ihr ihre in Unordnung geratene Frisur zeigte; mit flinken Händen stellte sie -diese wieder her. Man konnte ja nie wissen, wem mau etwa im Park begegnete. Karol allerdings nicht, der schnarcht ja weiter. Ihr fiel jetzt ein, daß sie ihn in den letzten Tagen sehr schlecht behandelt; warum, wußte sie selbst nicht; sie konnte sich manches nicht erklären und sie verstand auch ihr eigenes Herz nicht mehr. Nein, an Karols Schmeicheleien lag ihr gar nichts, auch nicht an seiner Person. Sicherlich war es nur ihrem Schönheitsempfinden juzuschreiben, daß sie in der letzten Zeit so viel Sorgfalt auf ihr Aeußeres verwendete. - Oder sollte etwa Schmulikoss still kritisierender Blick dieses veranlaßt haben? — Sie sann lange darüber nach, konnte aber zu keiner befriedigenden Antwort gelangen. Sie wußte nicht, was in ihrem Innern vorging, sie mochte sich sträuben, soviel sie wollte, ihre Gedanken klanunerten sich immer wieder an den einen Punkt und legten allen anderen Interessen und Begehren einen eisernen Riegel vor. (Fortsetzung folgt.) raß. affe deine Hände Sein stets hilfsbereit, Flüchte deine Seele Fort aus dieser Zeit. Suche stille Stunden Fern von dieser Welt, Die der Menschheit Blüten Wie ein Schnitter fällt. Hält an deinem Glauben Fest im Sturmgetos', Hoff' für deine Enkel Auf ein beßres Los. Ottilie Franzos. Lur neuen Kriegsanleihe. V^un einer Leihe spreche der Jurist, Der Bürger nicht, dein sich ihr Sinn erschlossen! Dem Staat zu geben, was des Staates ist. Die Mahnung ist von neuem nun erflossen. Dem Staat zu geben, was des Staates ist! In dieser Zeit der großen Wertenthüllung Ist dies das Maß, an dem ein jeder mißt, Wie er bestand am Tag der Pflichterfüllung. Und, wenn er hier in Schmuck der Waffen nicht. Wenn er ins Grau der Ziffern nur sich kleidet, Es ist derselbe Geist, der Geist der Pflicht, Der in dem Felde unfern Sieg entscheidet. Ein jeder zeichne sich auf seine Art In jenes Buch, an dem lvir alle schreiben: Bleibt auch sein Name nicht darin bewahrt, Sein Teil am Werk, sein Teil am Sieg lvird bleiben! Emil Spiegel. („Prager Tagblatt", 9. April 1916.) Msdumrnal Pvn Dr. med. Rudolf Pinner, Assistenzarzt der Reserve und Abteilungsarzt in einem Feldartillerieregiiuent. n Südgälizien tobt die Schlacht. A Aus tausend Feuerschlünden Blitzt auf des Todes grimme Macht, Wettert der Sturm, der knatternd kracht Als wie ans Höllengründen. Gen Oesterreichs Doppeladler rückt Das Russenvolk in Scharen. Doch ward es immer noch zerstückt. Kein Angriff ist ihm je geglückt Trotz sturmgewaltiger Scharen. Zurück, zurück! — Der General Knirscht in verbißnem Grimme: „Und bleibt uns allen keine Wahl, Nehmt hier das Volk in hoher Zahl" - Er spricht's mit heis'rer Stimme. „Nehmt alles Volk und treibt es vor. Nehmt Greife, Frauen, Kranke, Reißt von dem Synagogenchor Die Kinder, treibt sie vor das Tor, Als die lebendige Schranke! Treibt vor euch her zur grimmen Schlacht Ins Feuer unserer Feinde, Zu brechen ihre wilde Macht, Treibt vor als Schutz, der uns bedacht, Die jüdische Gemeinde"! Das Wort ist kaum dem Mund entflohn, Da war es schon geschehen. Rußlands betrunkner Hundejohn Peitscht gegen den Kanvnenton Die Frau in Kindeswehen. „Peitscht vor, Pascholl, das Kind, den Greis, Beim Angriff sich zu decken. Gebt Waffenlose teuflisch preis, Peitscht sie zum kampfdurchtobten Kreis, Hinein in Haß und Schrecken!" Mit Lanzenstich und Kolbenstoß, Mit Flüchen und mit Hieben Gestoßen in des Todes Schoß Und zu entsetzlich finsterm Los Ohnmächtig hingetrieben. Zum Himmel klingt manch wehes Wort. Umsonst! Umsonst das Klagen! Der Feuersturm nimmt alles fvrt . . . Nadworna heißt des Todes Ort, Nadworna heißt nun Kl, Des Jammers Onal drang himmelan. Achttansend sind's gewesen Achttausend, deren Blut verrann. Von denen keiner Schlimmes sann, Achttansend sind's gewesen!