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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-02 · Heft 22 (2.6.1916) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 22 (2.6.1916)
Date
1916-06-02
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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257 Der Deutscheil- und I n b c it h affe r Dr. Frederit van Eeder: gerüffelt. Dr. Frederik van Eedeu, der in dem deutschfei udlieheu „Amsterdannner Weekblad voor Nederland" Professor Reinhardt vorn Deutschen Theater als Regisseur, als Juden und als Deutschen durch den Schmutz geschleift hatte, erhält dafür von dem and) in Deutschland wohlbekannten Schauspieler und Leiter der Schanspielgesellschaft „Hel Ivoneel", W. Rohaards, ben folgenden Rüssel: . Van Eedeu, Deinen Aufsatz in der „Ooroeue" über Rein Hardt hättest Du aus Rücksicht auf Dich selbst ungeschrieben lassen sollen. Er stellt die Weise, in welcher „man" hier das Gastspiel der deutschen Künstler unter der persönlichen Leitung Reinhardts dazu benutzt hat, um seiner antideutschen Stimmung mal so recht von Herzen Lust zu machen, ins hellste Licht. Das; so etwas der Fall sein würde, war zu erwarten, lind es wird deshalb Reinhardt wohl auch nicht befremdet haben. Aber dem, was Du, durchaus nicht int Zusammenhang mit diesen Ausführungen, in Deinen: Wochenblatt über den Regisseur Reinhardt unserem holländischen Publikum vor Allgen zu bringen gewagt hast, fehlt nicht allein auch nur der Schein eines Urteils, es ist vielmehr nichts anderes als eine Beschimpfung. Der Getroffene ist denn auch llicht Reinhardt, sondern Du bist es und mit Dir das Land, das Dich unter seine Künstler rechnet. Der Regissellr Reinhardt steht, trotz mancher Unzulänglichkeiten und Irrungen, infolge seiner sechzehnjährigen Arbeiten als Bühuenreformer und Schallspieler in Deutschland hoch ergaben über Deinen beleidigenden Worten und mit weit mehr Recht, als Du ihn zu den Köchen und Lchneidergeselleu zll werfen gewagt, könnte er Dir mlter den Krämern uild Bäckern eilleir Platz einräumeu. Hast Du denn in Deiner augenblicklichen deutschfeiudlicheu Stimmung ganz darauf vergesseil, mit welchem Verlangen Du noch vor kurzem den Ansführuilgen Deiner eigeileil, ins Delltsche übersetzten Bühuenwerke all den Reinhardt-Theatern unter der persönlichen Leitung Reinhardts ent gegengesehen hast? Kallust Dll Dich wirklich nicht mehr erinnern, welche Mühe Dll Dir gegeben hast, lllll einen der Dramaturgen des „Deutschen für Deine Geisteskinder zll erwärmen? Ist dies alles Deinem Gedächtnis entschwuildeil? Ulld hätte nicht schon dieser Umstand alteiil Dich davoll zurnck- Rilteu lnüssen, die Anwesenheit der Reinhardtschen Trilppe hierzulailde zll einem Persönlichen Angriff auf den Regisseur Reinhardt zu benutzen? Ist denn Dein Abscheu vor den: „jüdischen" Berlin so groß imb gewaltig, daß er Dich so ohne weiteres zum Riederschreibeu bewußter Unlvahrheiten treibt? Oder sollte Dir wirklich das Repertoire der drei Reinhardt-Theater so durchaus unbekannt sein, daß Du glaubst, berechtigt zll sein Zll der Behauptung, Reinhardt habe sich in ferner rchzehnjähriaell Laufbahn als Bühnenleiter allf die Ausführung klassi- >cher Stücke beschränkt, von denen jedermann behauptet, sie feien schön? Die Wahrheit ist, daß in ganz Deutschland und Oesterreich neben dem „Deutschen Theater" mit seinem Kannnersprel-Tl;cater fein Vveites Theater zu finden ist, in lvelchenl lvährend -der letzten zeh'.l aahre so viel jüngere Bühnenschriftsteller ails allell Ländern imb w viele ältere, noch wenig oder - überhaupt llicht gespielte Autoren '.u Wort gekommen sind! Dies ist doch wohl eines der größten Verdienste 'tz'einhnrdts." Der feinsinnige D'Anmmzio 1!. hat diese moralische Ohrfeige stittschlveigelld quittiert. Wohl will er sich all anderer Stelle von dem berechtigten Vorwurf, ein Indent)asser zu fein, lveiß waschen. Er ftaunnelt: „Unter poeeavi! Das Judentum und die jüdische Beloegung genießen ineine vollste Sympathie." Feige ist er also auch noch. Der Dichter des „Kleinen Johannes" ist wirtlich tief gesunken. Der letzte aktive Milche Mksier im Deutschen Seiche: Major Maximilian Marx, München. ie „A. Z. d. I." gedachte im Jahre 1915 eines soeben verschiedenen pensionierten bayerischen jüdischen Offiziers, der als letzter aktiver Oberleutnant im Heeresverband seines Heimatlandes bezeichnet wurde. Aber von einem leibhaftigen Majorisraelitischen Glaubens, welcher nicht etwa aus Reserve oder Landwehr hervorgegangen oder durch hervorragende Leistungen infolge der Kriegsereignisse so weit befördert worden wäre, wußte man bisher in weiteren jüdischen Kreisen des Deutschen Reiches noch nichts. Von einem solchen soll in: nachfolgenden die Rede fein. Im 74. Lebensjahr verschied am 12. Februar infolge eines Schlaganfalls zir München, seiner Geburts-, Heimats- und langjährigen Wohnstätte, der Major a. D. M a x i m i l i a n Bk a r x, ein Bruder des vor wenigen Jahren verstorbenen hochangesehenen Advokaten Justizrat Dr. Marr. Im Jahre 1842 hatte er zll Müllchell als Sohn eines Hauptmanns das Licht der Welt erblickt. Nach vollendetem Ghmnasialbesnch widmete sich der mathematisch hervorragend bewährte und aus eigenem Antrieb zu den technischen Ratnrwissensehasten drängende junge Manu mit ausgezeichnetem Erfolge dem Studium des Berg- und Hüttenwesens. Einen guten Einblick in seine soldatische Wirksamkeit sowie in die lehrreiche Art seiner Verwendung veranschaulicht eine Uebersicht seiner militärischen Laufbahn. Jur Jahre 1864 trat der Zweiundzwanzigjährige als Freiwilliger in das in München garnisonierende bayerische Genieregiment ein. Unterleutnant im Geniestab wurde et* im Juni 1866 unmittelbar vor Ansbruch des Preußisch-Oesterreichi'scheu Krieges, au dein er bei der bayerischen Abwehr des preilßischen Einmarsches in Unterfranken tatkräftig teilnahm. Nach der vorschriftsmäßigen Kommandierung zur Artillerie- und Ingenieurschule wurde er int Januar 1868 zur Stadtlind Festllngskommandantur Ingolstadt versetzt. Bei Ansbruch des Krieges 1870/71 gehörte er dem Gouvernement der rheinpfälzischen Festung Germersheim an, welches ihn längere Zeit zum Einschlieszungskorps des tapfer verteidigten lothringischen Platzes Bitsch beorderte. Nach dein Deutsch-Französischen. Krieg winde Marr Adjutant beiur Etappenkormnando Würzburg, darauf Platzgenievffizier in Nürnberg. Im April 1872 kam er zmn 2. Pionierbataillon, in bem er dann 1876 — in seinem Siegfried Brünn gestorben am lUai (vgl. rir. 2)' Dr. Kahaue,

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