Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 gezeichnet hatten, endete der Abend mit einem Beisammensein alter Delegierten und ihrer Königsberger (Gastgeber. W. Posen, 19. Mai. In der Historischen Gesellschaft sprach Herr Stadtrat Arthur Krönthal über die Hindenburg-Häuser in Posen und ihre Bewohner, nachdem er durch Forschungen und aus Grund von Urkunden des Geheimen Stadtarchivs in Berlin, des Posener Stadtarchivs, des Grundbuchamtes, der städtischen Bauaktien, polizeilichen Seelenlisten das' Material zusammengetragen hatte. Mit besonderer Spannung folgten die Versammelten den fesselnden Ausführungen des Vortragenden. An den Vortrag, der mit großein Beifall ausgenommen wurde, knüpfte sich noch eine weitere Aussprache. N. Hamburg, 19. Mai. Seit Ausbruch des Krieges bis Ende des Jahves 1915 sind 130 Angehörige der D e u t sch - I s r a e litis ch e n G e in e i n d e auf dem Felde der Ehre gefallen. Für die Bestattung gefallener Krieger, deren irdische Ueberreste hierher üöergeführt worden sind, hat der Vorstand der Gemeinde einen besonderen £etl des Friedhofes in Ohlsdorf als Ehrenfriedhos bestimmt. Bisher ruhen hier achtzehn deutsche Krieger und ein in Hamburg verstorbener russischer Kriegsgefangener. Gemeindevorstand und Reprüsentantenkollegium haben beschlossen, diese Gräber dauernd in Pflege zu nehmen. Es wird auch beabsichtigt, später auf diesem Ehrensriedhof ein gemeinsames Denkmal zu errichten, auf dem die Namen aller in diesem Kriege für ihr Vaterland gefallenen Hamburger Juden zu ehrendem Gedächtnis verewigt werden sollen. Die erste Rate hierfür ist bereits von den Gemeindekollegien bewilligt worden. Einen besonders weiten Umfang hat die von der Kommission für das Wvhlfahrtswesen organisierte Kriegshilfe für in Not geratene Gemeindeinitglieder angenommen. Die Kommission hat seit Ausbruch des Krieges bis Ende 1915 im ganzen 125 000 Mark und davon im Jahre 1915 allein 100 000 Mark verausgabt, welche Summe aber uoch weit überschritten wird durch die Bewilligungen derjenigen Institutionen, die in gemeinschaftlicher Arbeit mit der Kommission die gleichen Ziele verfolgt haben. Die Kommission für das Armenwesen hat seit Kriegsbeginn ihr Arbeitsfeld wesentlich erweitern müssen. Die Pfleglinge erhielten außer der bisherigen Barunterstützung und Bekleidung seit Kriegsbeginn regelmäßig Lebensmittel und im Winter Feuerungsmaterial. Aus Gerneiudemitteln ist dem Israelitischen Vorschußinstitut eine Kriegsbeihilfe von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt worden. Das Vorschußinstitut, welches gewerbetreibenden Mitgliedern der Gemeinde gegen Bürgschaft zinsfreie Darlehen gewährt, ist durch diesen Gemeindebeitrag in die Lage versetzt worden, in besondereil Fällen durch den Krieg in Schwierigkeit Geratenen Darlehen auch ohne Bürgschaftsleistung zur Verfügung zu stellen. Auch während des Kriegsjahres 1915 sind der Gemeinde zwei Wohltütigkeitsstiftungen zugewandt worden, und zwar 1. die Joseph-irnd-Julins-Kronheimer- Brautausstattungsstiftung mit einem Kapital von 75 OOO Mark, dessen Zinsen zur Gewährung eines Brautgeldes von mindestens 500 Mark verwendet werden sollen, und 2. das Benedikt-Bunzel-Dermächtnis, dessen Zinsen nach freiem Ermessen des Gemeindevorstandes für Wohltütigkeitszwecke verwendet werden sollen. Das Schulwesen der Gemeinde erforderte während des Jahres 1915 einen Aufwand von rund 85 000 Mark. Oldenburg, 19. Mai. Die diesjährige Sitzung des I ü d i s ch e n Landes g e m e i n d e r a t e s fand unter Leitung seines Vorsitzenden, des Herrn- Landesrabbiner Dr. Mannheimer, am 7. d. M. statt. Es wurde beschlossen, die Waisenfürsorge, die seither durch den Waisenverein rn.it freiwilligen Beiträgen gehandhabt wurde, durch eine gesetzmäßige Steuer voll einem Prozent der Einkommensteuer zu regeln, so daß die dauernde Erhaltung der „Lina Schwabesche Waisenstiftung:" gewährleistet ist. Ferner wurden sämtlichen angestellten jüdischen Lehrern außer den Kriegszulagen von seiten ihrer Gemeinden ans Antrag des Vorsitzenden vom Staatsznschusse ein angemessener Zuschuß bewilligt, den auch die pensionierten Lehrer erhalten. Ein die Allgemeinheit besonders interessierendes Gesetz wurde in dritter Lesung zunl Beschlüsse erhoben, welches Schenkungen und Legate an die Shnagogeugemeinden regelt und folgenden Wortlaut hat: Gesetz betr. Schenkungen an Synagogengemeinden vonl 7. Mai 1916. Bei Vermächtnissen. oder Schenkungen an Synagogengemeinden ist daraus hinzuwirken, daß in die Urkunde eine Bestimmung ausgenommen wird, daß im Falle einer gänzlichen Auflösung der betr. Gemeinde das Vermögen der Landesgemeinde zufällt. Ist eine Synagogengemeinde gänzlich allsgestor'ben, ohne daß vorher Bestimmungen über derartiges Vermögen getroffen lv-orden sind, so übernimmt der Jüdische Landesgemeinderat die Verwaltung des beweglichen und unbeweglichen Eigentums der früheren Gemeinde. Ist in absehbarer Zeit keine Aussicht vorhanden, daß die aufgelöste Gemeinde durch Zuzug wieder neu ersteht, so kann der Jüdische Landesaemeinderat über das bewegliche und unbewegliche Vermögen, sowie'über etwaige der betr. Gerneinde später zufallende Zuwendungen verfügen. Jll erster Linie jedoch soll dieser Gemeindesonds zur Erhaltung des Friedhofes ilnd der sonstigen Grundstücke der betr. Gemeinde Verwendung finden. J. A. Nürnberg, 19. Mai. D e r K önig v o n B a y e r u h a t das Ludwigskreuz f ü r K r i e g s v e rdien st e s o l g e n - den P e r s o n e n v e r l i e h e n : Rosa H o p f, Kaufmannswitwe: Ingenieur L e v y; Kaufmann L e b r echt: Erle n b a ch , Wäsche fab rika nt: Zeiller, Kaustnanrr: K a u ul h e i m e r , Kaufmann; Lina B e r l i n , Privatierswitwe: Kallsmann Ernst F r a n k; Institutsdirektor Moritz G o m b r i ch , 2. Vorsitzender der israelitischen Knltusgemeinde, sämtlich in Nürnberg; Kommerzienrat und Mag.-Rat Louis B e ch m nun; Fabrikbesitzer H e y m a u n; Großkanfmann H olzi n g e r : Rabbiner Dr. N e u b ü r g e r , sämtlich in Fürth; Rabbiner Tr. B a m b e r g e r (Würzburg); Privatier Jakob T r e u in a n n (Bamberg). Das Eiserne K r e ll z erhielte n : Kaufmann Fritz S t e i n l e i n , Oberleutnant im 3. bayerischen Trainbataillon, Sohn des Kaufmanns Karl Steinlcin; praktischer Arzt Dr. Adolf Veith, Oberarzt beim 15. bayerischen Res-erveinfanteriereglment; Feldlazarettinspektor Rechtsanwalt Tr. Gustav Kahn, sämtlich in Nürnberg. Das bayerische M i l i t ä r v e r d i c n st k r e it z z lv eite r K l n s s e erhielt: Bizefeldwebel und Ofsiziersaspirant Wilhelm S t e r n e r , Sohn des Fabrikanten Julius Steruer (Nürnberg). L. Frankfurt a. M., 16. Mai. Von einem jüdischen Obermaschinistenmaat der II-Bvot-Abteilung, Herrn M. H alle r, empfing der bekannte Frankfurter Menscheufreilud, Herr Ludwig Lewisohn, ein Schreiben, in dem der Absender sich in seinem und im Namen seiner 42 Kameraden für die vorzügliche Verpflegung, die sie während der acht Pessachfeiertage im Hause des Herrn Lehrers Katz in Kiel für Rechnung des Erstgenannten genossen haben, bedankt. „Solch schöne Tage in dieser schweren Zeit," so heißt es in denl Schreiben, „sind uns während der ganzen Militärzeit noch nicht vergönnt gewesen." Es wird ferner in dein Briefe der Freude darüber Ausdruck verliehen, daß es im Binnenlande noch Glaubensgenossen gibt, die jener Brüder in Liebe gedenken/ die sich dem beschlverlicheu Seedienst über und unter dem Wasser gewidmet haben. - Auch der russisch-jüdischen Gesangeil-en im Lager bei Metz gedachte Herr Lewisohn und sandte als Ergebnis einer Sanlnllung unter Freunden eineil erheblichen Betrag für deren Feiertagsbeköstigung an Herrn Oberrabbiner Netter in Metz. d. Mainz, 19. Mai. In den Vorstand der Israelitischen Gemeinde zu Mainz wurde Herr Jakob Deutsch, In-. Haber der Firma Gebrüder Deutsch, gewählt. Herr Deutsch entstammt einer alten berühmten jüdischen Familie; dessen Großvater, der den gleichen Namen führte, war ein weit und breit bekanilter und gesuchter Mohel, der tu Vteisenheim in der Pfalz lebte und in desserr heute noch in dem Besitz der Familie befindlichem Mohelbüchlein die Namen alter hervorragender jüdischer Namen zu finden sind, namentlich einiger der heutigen New Uorker Finanzgröszen. Auch das neugeivählte Borstandsulitglied selbst zeichn-et sich durch hohe Bildung und große Wohltätigkeit alls. 22 Aus Baden,' 19. Mai. Am Grabe des vor Jahresfrist kinderlos verstorbenen Hauptlehrers Adolf H eiding 8 selb in F r e i b u r g fand aul 14. d. M. eine schlichte I a h r z e i t f e i e r statt. Auf Veranlassung ehemaliger Schüler und denl Verstorbenen besonders nahestehender Freunde hatte sich mit der leidtragenden Gattin eine ansehnliche Trauerversammlung znsammengefuuden, darunter eine größere Anzahl Vertreter von Vereinen, denen der Heimgegangene lailge Zeit in leitender Stelluilg seine selbstlose Mitarbeit geliehen hatte. Oberlehrer a. D. A. Weil in Freiburg würdigte als Studiengenosse in warm empfundenen Worten Heidingsseld als Juden und Menschell, als Gatten und Freund; Oberhandelslehrer Zivi, Vorstand der Handelsschule in Bruchsal, gedachte als ehemaliger Schüler des Verewigten pietätvoll dessen segensreicher Wirksamkeit als Lehrer, der nach den: Beispiel Pestalozzis ans jedem Schiller