Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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machte, was aus ihm zu machen war, und ihn über die Schulzeit hinaus mit liebevollem, tätigem Interesse förderte. Kantor Sommer beschlos; mit dem Kaddisch-Gebet die weihevolle Feier, die Zeugnis davon gab, daß in dem flüchtigen Werden und Vergehen unserer furchtbaren Zeit die Achtung und Verehrung für den Toten lebendig geblieben ist. Grsterrrich-Angarn. Z. Wien, 19. April. Unter besonders starker Beteiligung der Wiener Wohlsahrtsinstitutionen, der Frauenwohltätigkeitsvereine, an deren Spitze die Präsidentin des Frauenwohltät.igkeitsvereins des ersten Bezirkes, Frau Baronin Charlotte K ö n i g>s wa r t e r , sowie hervorragender Einzelpersonen fand vor kurzem die Delegiertenversammlung der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen statt. Nach einem Nachruf, den der Vorsitzende Herr Heinrich Men dl dem im Vorjahre verschiedenen Präsidenten der Zentralstelle, Herrn Landesausschuß Tr. Gustav Kohn, gewidmet, erstattete Sekretär Dr. M. L ö w y den Tätigkeitsbericht, in welchem auf die infolge des Kriegs Notstandes außerordentlich erhöhte Tätigkeit der Humanitären Vereine und der Zentralstelle hingewiesen wurde. Das vom Vorsitzenden erstattete Referat über die mit Rücksicht aus den dermalen verschärften Notstand besonders dringende Organisierung und Zentralisierung der A rmenpfleg. e wurde mit allgemeiner Zustimmung ausgenommen und den dies>- bezüglichen Bestrebungen der Zentralstelle allseitige Unterstützung zugesagt. In das Kuratorium wurden Herr kaiserlicher Rat Dr. S. K r ü g. e r , Frau Emilie We i tz , Frau Regine K o P st e i n wieder- und Frau Direktor Regine U l l m a n n , Frau Dozent Sophie Grünfeld, Frau Anita Müller, Professor Tr. Wilhelm Roth und Dr. Rudolf F ü r t h neugewählt. — Der Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) iu Wien veranstaltete am 29. v. M. im Tempel in der Zirkusgasse einen Festgottesdienst aus Anlaß des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans Mehmed V. Ghazi. In dem Gotteshause hatte sich eine sehr zahlreiche andächtige Menge versammelt. Ferner waren erschienen in Vertretung des ottomanischeu Botschafters am Wiener Hose Hussein Hilmi Pascha, der Botschaftsrat Dr. Refchad B l a c q u e Bei, der Delegierte des ottomanischen Roten Halbmondes für Oesterreich Dr. H i k m c i Bei, die Botschaftssekretäre T ew f i k Bei und Nouri Zia Bei und Nedjai Esfendi, in Vertretung des Kriegsministers FML. v. W u k e l l i c und Major Jsmet D z i n i c, für das österreichische Komitee des Roten Halbmondes Hofrat Tr. Friedrich K a r m i n s k i und Hinek v. R u z i c s k a , Baron K ö n i g s w a r t e r, Polizeibezirksleiter Dr. Brandhuber v. E tsch f e l d , Handelsattache Bo n dy Bei, türkischer Justizrat Tr. August Libitzki, in Vertretung der Kultusgemeinde Präsident Tr. Alfred Stern, Landesschulrat Dr. Spitzer und kaiserlicher Rat Dr. Lieben, Bezirksvorsteherstellvertreter Roll, Hofrat Dr. Schlag. Rabbiner Michael Papo sprach das Gebet für den Sultan. Ten Abschluß bildete die Sultanhymne von Tewsik Bei Davond und die österreichische Lolkshyrnne. Nach dem Gottesdienst empfing der Botschafter H u s s e i n Hilm i Pascha den Vorstand der sephardischen Gemeinde in Audienz. Von MH und jfern. ----- Einer der nationalliberalen Führer Groß-Berlins, der Landtagsabgeordnete Tr. Paul L i e p m a n n (Charlottenburg) beging am 24. Mai seinen 60. Geburtstag. Amtsgerichtsrat Tr. Liepmann vertritt in; Abgeordnetenhaus den Wahlkreis Teltow- Beeskow-Storko-w-Charlottenburg. Liepmann hat sich durch Herans- - gäbe mehrerer Schriften über „Englisches Strafrecht itnb Strafverfahren" schriftstellerisch betätigt. — Stadtverordneter S a - linger, einer der ältesten Mitglieder der Schöneberger Stadtverordnetenversammlung, begeht am 28. Mai seinen 75. Geburts^ tag. Stadtverordneter Sulinger ist seit einer langen Reihe von Jahren Vertreter des sechsten Wahlkreises in der ersten Abteilung. -- Der Charakter als Geheimer Sanitätsrat ist verliehen worden den Sanitätsräten Dr. Selmar Pehser in Charlottenburg und Dr. Martin Saalfeld in Schöneberg. Den Titel als. Sanitätsrat haben erhalten die Aerzte Dr. Selmar Cohn, Dr. Siegfried Freund, Dr. Hugo H o r w i tz , Dr. Nathan L i p p m a n n , Dr. Ludwig L o e w e n m e y e r , Dr. Max Löwe nst ein, Dr. Salomon Link; Dr. Martin Meyer, Dr. Arnold Nathans o n , Dr. Richard Simon, Dr. Gerhard R u b e n in Groß- Berlin. - Den; Oberarzt der Reserve Alfred Singer (Berlin), Sohn des verstorbenen Koblenzer Rabbiners Dr. Moritz Singer, ist das Ritterkreuz des österreichischen Franz-Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen worden. — Dr. Max Lehmann, Inhaber der chemischen Fabrik Dr. Max Lehmann u. Co. in Berlin, ist zum Major befördert und gleichzeitig mit dem Ludwigskreuz ausgezeichnet worden. — Das diamantene Doktorjubliäum und gleichzeitig die goldene Hochzeit feierte in diesen Tagen Geheimer Sanitätsrat Dr. Albert Cohn. Der noch außerordentlich rüstige Arzt wurde am 26. November 1832 tu Glogau geboren. Er studierte in Berlin, Leipzig und Würzburg. Die Doktorpromotion Würzburg war damals Ausland — fand am 23. Mai 1856 in Bonn statt. Allen Ehrungen zu dieser doppelten seltenen Feier — die goldene Hochzeit feierte er am 15. d. M. hat sich der Jubilar durch eine Reise entzogen. — Am 16. d. M. beging das Ehepaar Händel, Berlin, Neue Königstr. 16, das Fest der goldenen Hochzeit. — In körperlicher Rüstigkeit und Frische vollendete am 12. d. M. Herr Jakob I a k m u s in Mohrungen, das älteste Mitglied der jüdischen Gemeinde, das 80. Lebensjahr, lieber drei Wahlperioden gehört er der Stadtverordnetenversammlung an. Eine Deputation der städtischen Körperschaften überreichte dem in weiten Kreisen von Stadt und Land bekannten und geachteten alten Herrn eine Glückwunschadresse. - Der bekannte Münchener Großindustrielle Dr. Ludwig Wassermann wurde vom Reichskanzler znm Mitglied des Beirats der Reichsbranntweinstelle ernannt. Er ist auch der Kommentator des Neichsbrannllveingesehes. — Dieser Tage fand auf dem israelitischen Friedhöfe iu Tann a. Rh. die Beerdigung des schon am 15. September 1914 in Frankreich gefallenen Kriegers Karl F r e u d e n t h a l statt. Ein stattlicher Trauerzug, voran mehrere Kriegervereine und eine Gewehrsektion, bewegte sich nach' den; Friedhof, wo Lehrer H c ch t eine tief ergreifende Grabrede hielt. — In Wien ist der frühere Reichsratsabgeordnete und Dozent Dr. Arthur Mahler nach schwerem Leiden gestorben. Zur kaufmännischen Laufbahn bestinnnt, wandte er sich bald kulturhistorischen Studien zu und habilitierte sich als Dozent an der Universität Prag. Er wirkte auch zeitweilig als Dozent am amerikanischen archäologischen Institut und an der Universität in Ron;. Mahler war später Mitglied des österreichischen Reichsrats für den galizischen Bezirk Trembovla, schloß sich dem jüdisch-nationalen Klub an und fand als vortrefflicher Redner viel Beachtung. Er stand erst im 45. Lebensjahr. ~ Anläßlich seines 60jährigen Geburtstages erhielt Advokat Leon Ravenna aus Ferrara (Italien) außerordentliche Beweise seiner großen Beliebtheit vor; seiten der italienischen Juden, die an ihm einen tüchtigen Fürsprecher für alle jüdischen Interessen haben. — Der „Cri de Paris" erzählt, daß Alfred Treysus, der unglückselige Held der „akknire", die vor zwanzig Jahren die Welt erregte, eine Artillerieabteilung des verschanzten Lagers bei Paris kommandiert. Sein Sohn wurde kürzlich wegen seiner heroischen Haltung bei Douaumont .in der Tagesorder lobend erwähnt. Ein Enkel fiel jüngst in der Champagne. — Der Bischof von S h e l m s f o r d beantwortete in einer Predigt in St. Paul die Frage, weshalb nicht der Sieg die Waffen Englands und seiner Alliierten bisher gekrönt hat. Ohne im geringsten den Sieg in Zweifel ziehen zu wollen, müsse er doch sagen, daß alle Nationen in irgendeiner Weise Gott vergessen haben. Rußland besonders durch seine schmachvolle Behandlung der Inden. -- Dr. CH. Hochmann, Privatdozent für Mathematik an der Odessaer Universität, ist hochbetagt gestorben. Er war einer der ersten Gründer der jüdischen Mittelschulen in Rußland und war als Pädagoge in ganz Rußland hochgeschätzt. — Wie „Dagens Nyheter" melden, betragen laut offiziellen Angaben der russische!; Militärstatistik die Verluste der russischen Armee vom 1. Januar 1915 bis zum Ende des Jahres 1 942 610 Mann. Davon sind gefallen 406 348, in den Spitälern infolge ihrer Verwundung gestorben 265 716, infolge anderer Ursachen in den Spitälern gestorben 201 122, vermißt sind 476155, verwundet 573 269 Mann. Die Juden, die weniger als 4% der Gesamtbevölkerung betragen, sind an den Verlusten mit 4,5% beteiligt. (Das schließt selbstverständlich nicht aus, daß die russischen Juden auch von amtlichen Stellen als Verräter und Drückeberger bezeichnet werden. Anm. d. Red.) Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.