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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-26 · Heft 21 (26.5.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 21 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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9 Tie Wohttätigkeitszentrale kann in ihrem Geschäftsbericht auch feststellen, daß in a 11 e n <y ä 11 e n , in denen das Polizei-Präsidium sogleich oder nachträglich die Sa m m e l e x l a u bnis v e r s a g t e, sie aus Grund ihres reichhaltigen Materials und ihrer langjährigen Erfahrungen von vornherein einen a b l e h n e n - den Stand p u n k t eingenommen hatte. Die Wohltätigkeitszentrale hatte sich im abgelaufenen Geschäftsjahre besonders häufig mit den u n o r g a n i s i e r t e n L i e b e s g a b e n s n m m l u n g e n einzelner Truppenteile, Kompagnien, Bataillone, Abteilungen nslv. zu befassen, die, so einwandfrei die Absicht meist sein mag, doch einen Mißbrauch der Gebefreudigkeit des Publikums darstellt. Sie stehen aber auch im Widerspruch zu einen! ausdrücklichen Verbot des K r i e g s m i n i st e r i u m s , das lediglich die staatlichen Abnahmestellen und die offiziellen Sammlungen der Eisenbahn-, Flieger-, Lustschiffer-, Kraftfahrtruppen und der Marine anerkennt. Gesuche für Soldaten- und Kriegssürsorge bilden überhaupt den überwiegenden Teil der an die Kaustnannschaft gelangenden Bitten. So hatte die Wohltätigkeitszentrale im letzten Jahre allein 100 neugegründete derartige Organisationen zu prüfen. Charakteristisch für die Zersplitterung ist, daß von diesen zur Berücksichtigung nur 25 empfohlen und 5 anheimgegeben werden konnten, während bei 70 Organisationen von einer Unterstützung abgeraten werden mußte. Stiles in allem beweisen die Erfahrungen der Wohltätigkeitszentrale, daß nicht oft und nicht dringend genug die Bevölkerung davor g e!v n r n t werden kann, p r ü f n n g s l o s allen an sie gelangenden S a m in l un ge u zu e n ts p r ech en, weil der Zweck ein guter zu sein scheint. Gerade das Vorhandensein der erhöhten Gebebereitschaft macht es besonders dringend wünschenswert, daß n u r d a gegeben wird, wo sowohl die Persönlichkeit der Leiter wie der Zlveck und die Organisation der Verwaltung eine wirklich f o z i a l e u n d z lv e ck m ä ß i g e D e r io e n d u n g d e r M i t t e l gewährleisten. Es ist daher alle n K a u f l e u t e n dringend zu raten, v o r de r E r l e d i g u n g derartiger Gesuche A u s k u n f t bei der W o h l t ä t i g k e i t s z e n t r a l e der Berliner K a u f m a n n s ch a f t W 3 5, Flott w c H ft r a ß e 4, einzuholen. Privatpersonen seien ans das Archiv der „Zentrale für private Fürsorge", die sich ebenfalls Flottwellstraße 4 befindet, hingewiesen. Berlin, 23. Mai. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Unteroffizier Vlax L e w inski, Unteroffizier Hans Sachs, Infanterist Alfred U ck o, Feldwebel Willy Teichma itn, Kanonier Felir G reiffe n b e r a, Assistenzarzt Tr. Richard Z i m m t, Kaufmann Jakob E o h u, Assistenz- und Bataillonsarzt Dr. Lo effler, Gefreiter Erich Hi r sch b erg (Groß-Berlin). — Tie gleiche Auszeichnung erhielten: praktischer Arzt Tr. L. Spanier (Hannover), Gefreiter Joseph F r b h l i ch (Köln), Gefreiter Siegmnnd S t r a u ß, Sohn des Herrn Joseph Strauß (Kreuznach), Unteroffizier Sallh S ch n l e r (Gloivitz in Pommern), Feldwebel Karl A u e r b a ch (Tnisburg), Gefreiter Walter Freu nd (Mülheim a. Ruhr), Unteroffizier Kurt Röttgen (Wattenscheid), Gefreiter Malermeister Salti Blnnt e n t h a l (M.-Gladbach), Gefreiter Karl S e l i g m a n n (Düsseldorf), Unteroffizier Julius Bei fuß, Gefreiter Malermeister Gustav Friesein (Frankfurt a. M.), Kanonier Mar Goetz (Königsberg i. P.). Unteroffizier Jakob Wolf (Densheim), Otto E o h n, Soldat bei der Luflschifftrtrnppe (Fraustadt), Jäger Alfred Z a m o r h i Lebno in Westpreußen), Bizeivachtineister Herbert B i e r m a n n (Gern, Rens;), Offizierstellvertreter Mar Bannt: Neligionslehrer nild Kantor der Shnagoaengeineinde Köln: Leutnant Rechtsanwalt Tr. Mur H i r s ch b e r a, Sohn des Kommerzienrats F. Hirschbcrg (München): Bizeivachtineister Ernst Schloß lWürzburg); Leutnant Ltto Hellmann, Sohn des Kominerzienrats Hermann H e l l m a n n lBainbera); Abteilnngsarzt Dr. E. R o s e n b a u m, Uitteroffizier Willi Hornstein, Gefreiter Alfred Sauer, Bizeivachtineister Ludwig K a tz e n st ein, Bizelvachtmeister Mar Weisuer, Inhaber der Firma Gerson Weisner (Kassel); Gefreiter Bernhard W ü r z b e r g e r (Frankfurt a. M.); Max L o n d o n, Kantor und Lehrer der Israelitischen Neligionsgerneinde in Mainz; Musketier Heinrich S t r n u ß (Gnudershofen i. Elf.); Bizefeldivebel Fritz Schiff, Sohn des Kantors Mar Schiff (Mannheim); Lazarettinspektor Rechtsanwalt Tr. Gustav Kahn (Pirmasens); Krankenpfleger Hermann B i r it b e h (Stettin); Infanterist Moritz I e r o ch i m (Schneidemühl); Leutnant d. R. Hugo Blüthe, Sohn des Lehrers Blüthe (Kaiserslautern): Assistenzarzt Mar R osenberg (Bremerhaven); Unterarzt Erich Korn (Waldenburg i. Schl.) Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt: Oberleutnant und Kompagnieführer Rechtsanwalt Tr Al a n n e b e r g (Oppeln in Oberschlesien). Königsberg i. Pr., 19. Mai. Am 30. v. M. fand hier im Bersammlimassaal der Neuen Synagoge eine Versammlung statt, einbernfen vom Verband der SynagOigengemeinden Ostpreußens,, der jüdischen Gemeinde Königsberg und dem Jüdischen Frauenbund, zu der Delegierte der jüdischen Frauenvereine Ostpreußens in reicher Zäh! erschienen waren. Herr Stadtrat Eichelbaum (Insterburg) stell ß fünf Programinpitnkte zur Diskussion: a) Die ergänzende Für sorgt für die Kriegerfainilien, b) die dauernde Fürsorge für Kriegswaiseu (nicht in Waisenhäusern), e) die Fürsorge für die schulentlassene weibliche Jugend (durch Berufsberatung usw.), 6) Förderung des Religions Unterrichts, v) rechtzeitige Vorbereitung für die Arbeit nach dem Kriege. In verschiedenen Reden wurde die Bereitwilligkeit zur ge nieinsamen Arbeit ausgesprochen, und es wurde von der Vorsitzendet des Jüdischen Frauenbundes, Fräulein Bertha Pap p e n h e i m, her vorgehoben, daß die Frau immer zur Stelle ist, wo, wie hier, setzt No: ist und die große Familie ihrer bedarf. Sie legt besonderen Wer auf den Kinderschuh, der sich ans die Kinder aller Altersstufen dn Kriegsbeschädigten beziehen muß, und auf die hauswirtschastliche Ans bildung, die jeder Berufsbildung vorangehen oder gleichzeitig mit ich stattfinden muß; ferner ans die gleichwertige Ausbildung tw Knaben und Mädchen, die besonders bei künftigen Aufgaben der Grenzverschiebung von einschneidender Bedeutung sein wird. Ta nach wurde eine Ortsgruppe Königsberg des Jüdischen Frauenbundes gegründet, und zahlreiche Vertreter der Frauen'vereine 'aus der Provinz meldeten ihren Beitritt zum- Indischen Frauenbund. Am Abend fand dann eine große Versammlung statt, in der drei Red nerinuen ans dem Vorstand des Jüdischen Frauenbundes die jüdische Franenfrage und die Organisation des Bundes beleuchteten. Vor überfülltem Saal im Artushof nahm Frau Tr. Frankl (Berlins das Wort und gedachte zunächst der schweren Krieasschäden Ost Preußens, bei deren Heilung die jüdische Frauenwelt in geschlossene' Gesamtheit nicht fehlendürfe. Nicht mit Kalk nud Eisen alleinwird der Wiederaufbau erfolgen, sondern soziale Fürsorge, vereinte Arben aller nach den gleichen Zielen strebenden Organisationen wird mit helfen. Fragen jeder Art, besonders die der weiblichen Jugend, müsse! in den Kreis der Tätigkeit mitauf-genoinmen werden, und man höbe daß eine große Landeseruppe mit ihrer Zentrale in Königsberg sich in gemeinsam gestecktem- Ziel an dieser Arbeit beteiligen werde Wenndie Zeit des Kampfes vorüber und der Sieg errungen sei, ivird, soll die Nachwelt einst sagen können, daß die jüdische Frm in der Zeit der Not stark nud fest gewesen Ist. — lieber die Ziele mtr Einrichtungen des Jüdischen Frauenbundes sprach Frau Elementim Krämer (München). Sie erinnert daran, daß vor dein Krieg On Preußen für die Süddeutschen nur ein Zipfel am äußersten Ende de Landkarte war und- Königsberg die Stadt, in der Kant geboren. Eri der Krieg hat den anderen Deutschen diese Provinz „zärtlich nahe gebracht, und dies einander Nähergekommensein ist einer der Wert den der Krieg geschaffen hat. Was Ostpreußen erlitten, haben all anderen Deutschen miterlitten. und jeder wird helfen auf seine Art der Jüdische Frauenbund in seiner. Die Rednerin spricht dann weite von der Gründung des Bundes iin Jahre 1904, von seiner zivbl' jährigen Arbeit, seinen 185 angeschlofsenen Vereinen, die 43 000 Seele' umfassen, erläutert den Begriff einer Ortsgruppe an Hand derjenige von München, bespricht die Fürsorgetätigkeit, die Mitarbeit des Bund:' bei der Bekämpfung des Mädchenhandels usw. — Ihr folgte als dritt Rednerin Fräulein Bertha Pappenheim (Frankfurt a. M.), d' über Erziehungsfragen sprach, wie sie den Jüdischen Frauentum beschäftigen. Die beiden Zauberworte der Gegenwart: Organisatim und Disziplin erhalten erst durch das Hinzukommen der „ErziehuigV ihren vollen Wert. Erziehung zur Einjuchheit in Lebensführung' unt Gesinnung, Ehrfurcht vor den Gesetzen des Staates, vor den Gebotei der Religion seien die Hanptinomente. Eine tiefe Ehrfurcht müsser wir hierfür empfinden, eine gleiche, wie wenn wir ein mnkelloch Stück Bernstein, ein fest gewo,rdenes Stück Sonne, das aus Imvi vergangenen Jahrhunderten die stürmische See -an die Oberfläch gespült hat. in die Hand nehmen. „Wenn es stürmt, kommt mehr Bernstein ans Land, und stürmisch war es in Ihrem Lande." Nall Schlußworten von Frau Dr. Frankl, und nachdem sich zahlreich Anwes-ende in die Mitgliederliste des Jüdischen Frauenbundes ein-

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