Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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SO. Jahrgang Nr. 21 Berlin, 26. Mai 1916 Der Gemeindevote. DStllagt zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". lkorrelponven?en und Nachrichten. SrutschlanS. Berlin, 23. Mai. Vor kurzem hat die D e u L s ch e O r i e n tbeselischaft den 30. Band ihrer wissenschaftlichen Veröffent- :chungen herausgegeben, der, mitten in der Kriegszeit zum Abschluß -cbracht, eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse der rund chn Jahre zurückliegenden Synagogenexpedition nach ^aliläa enthält. Von den Verfassern ist der Leiter der Exedition, Negierungsbaumeister Dr. Heinrich Kohl, nach Volladung der Vorarbeiten'für die Veröffentlichung im Herbst 1914 n§ Feld gezogen und bereits am 26. September in der Nähe von -teims für sein Vaterland gefallen. Sein Reisegefährte und Mitarbeiter, der Archäologe Professor Dr. Earl Watzinger in Ziehen, hat die Arbeit zu Ende geführt. Durch diese erste Unterrehmung der D. O.-G. auf dem Boden Palästinas ist ein wichtiges, isher vergessenes Gebiet antiker Architektur neu erschlossen. Die -alWischen Synagogenruinen sind die einzigen bedeutenderen erurltenen Reste jüdischer Synagogen aus demspäteren Altertum '.nd waren bisher nur in ungenauen Ausnahmen bekannt. In der reuen Veröffentlichung sind auf 18 Tafeln und in über 300 Abildungen sämtliche Architekturveste nach Zeichnungen und Photoraphien wiedergegeben; Grundrisse und Rekonstruktionen erläutern as Bild der aus Trümmern neu gewonnenen Bauten, und die Wiedergabe eines Modells der Synagoge von Tell Hum (Kaernaum) vermittelt auch dem Laien eine Vorstellung, von ihrer ursprünglichen Erscheinung. In ausführlicher Darstellung wird ie historische Stellung dieser so in die Architekturgeschichte des lltertums eingeführten Bauten untersucht, ihre Zeit und ihre Beeutung bestimmt. Von verschiedenen Seiten, aus der Prüfung er Bauglieder, der jüdischen Embleme und der heidnischen und i'ldischen literarischen Ueberlieserung, ergibt sich ein einheitliches Resultat. Seit der Wende des zweiten und dritten Jahrhunderts, nter dem Kaiserhaus des Septimius Severus, sind diese Bauten nt ihrem starken heidnischen Einschlag und der gegen die strenge lufsassung des jüdischen Gesetzes verstoßenden reichen figürlichen Dekoration entstanden. Es ist dies die Zeit, in der die Mischna efammelt wurde, eine Blütezeit des galiläischen Judentums, zu eren Beginn die geistliche Leitung der jüdischen Gemeinden Galiläas er Patriarch Jehuda-ha-Nafi I. besaß, von dessen nahen Begehungen zu dem jungen Kaiser Caracalla der Talmud zu beichten weiß. Von hier aus erweitert sich die Darstellung zu einem leberblick über die Bauform der antiken Synagoge überhaupt, die is in die hellenistische Zeit zurückverfolgt wird, aus der wir ie großarti-ge Synagoge in Alexandria; durch die im almud überlieferte Schilderung kennen. Ein Ausblick am Schluffe rist.auf die wichtigen Zusammenhänge hin, die den neu erhlosienen. Bautypus. der. Synagoge mit den ersten bastlikalen irchenbauten der Konstantinischen Zeit in Palästina verbinden; die rage der Einwirkung, der Bau form der Synagoge' auf die christche Basilika wird von der Grundlage des architektonischen Tat- ''standes aus neu geprüft. Z/D Berlin, 23. Mai. Zur Beisetzungsfeier des Herrn S i eg - ried Brünn fand sich am Donnerstag, den 18. d. M., eine oeraus große Zahl von Teilnehmern aus allen Kreisen, die sich it jüdischen Interessen beschäftigen, aufdern Friedhof in Weißensee ilammen, Rach vorangegangenenl'Chorgesang hielt Rabbiner Dr. warschauer die Trauerrede: Das Persönlichkeitsbild des Enthlafenen stünde allen Anwesenden lebhaft vor Augen und sei in iner schärf ümrissenen Gestalt allen bekannt. Siegfried Brünn -t sich selbst sein Leben geschmiedet. Als Kaufmann von..herwragender Begabung hat er seinen früh erworbenen Wohlstand i edelster. Weise zum Segen feiner Mitmenschen und zu seiner genen Höherbildung verwandt. Besonders angeregt wurde feine eistige Entwicklung durch die Umgebung, die er im Kreise des Oheims nd Pflegevaters seiner Gattin, des hervorragenden Vertreters jüdischer Interessen, Sanitätsrat Dr. Salomon N e u m a n n, genoß. In feiner Gattin fand er die verständnisvolle Förderin seiner edlen Absichten. Aus dem Gebiete der sozialen Fürsorge für seine Glaubensgenossen hatte Siegfried Brünn wohl so manchen Mitstrebenden, aber in seinem Eintreten für ihre geistigen Interessen nahm, er eine einzigartige Stellung ein; besonders der Heranwachsenden Jugend und ihrer Gewinnung für die jüdische Sache war sein eifrigstes Bestreben gewidmet, weil er in ihr mit Recht die Zukunft des Judentums erblickte, an die er leidenschaftlich glaubte." Mit tränenerstickter Stimme des nahen Freundes gedenkend, weihte Geheimrat Professor Dr. Hermann Cohen namens der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums dem Kurator und Mäzen herzliche Abschiedsworte. Als Vertreter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, dessen Ausschuß der Verstorbene seit einem Jahrzehnt angehörte, widmete der geschäftsführende Vorsitzende, Professor Dr. Kali scher, ihm Worte der Anerkennung und des Dankes. Seine Fürsorge innerhalb des Gemeindebundes war vornehmlich der Heranwachsenden Jugend zugewandt; drei Stiftungen, die er beim Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gegründet hat, sind diesen Zwecken geweiht. Die eine dient der Erhaltung des Religionsunterrichts in kleinen Gemeinden, die andere den Ferienfortbildungskursen für jüdische Lehrer; die dritte ist dazu bestimmt, jüdischen Beamten in kleinen Gemeinden-, die sich um die Bestrebungen des Verbandes der Jugendveveine verdient machen, Prümiengaben git gewähren. Als letzter Redner legte Rechtsanwalt Dr. Apfel für den Verband der I n g e n d v e r e i n e, an dem das ganze Herz des bis ins hohe Alter jugendfrischen Mannes gehangen hatte, das Bekenntnis' ab, im Sinne des verewigten Freundes weiter zu wirken, um die Begeisterung der jungen Juden für das Judentum zu wecken und zu erhalten. Namens der zahlreich erschienenen Logenmitglieder fügte er noch hinzu, daß Siegfried Brünn die Tendenz des B n e - B r i th - O rd en s verkörpert habe, die sich ausdrückt in der Devise: Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht. Dann wurden die sterblichen Ueberreste der Familiengruft übergeben. Berlin, 23. Mai. Der verdienstvolle Gelehrte Rabbiner Dr. M. S. Zuckermandel (Breslau), dessen Lebensbild in voriger Nummer dieses Blattes gezeichnet wurde, beging seinen 80. Geburtstag in Berlin im engsten Familienkreise. Trotzdem der würdige Jubilar von einer öffentlichen Feier Abstand genommen hatte, wurden ihm mancherlei Ehrungen in zahlreichen Telegrammen und Briefen zuteil. Unter anderen gratulierten der Vorstand der Breslauer Synagogengemeinde, das Lehrerkollegium des Breslauer R a b b i n -e r s e m i n a r s, Rektor Professor Dr. S ch w a r z und die Dozenten der Jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien, Professor Dr. Laible in Rotenburg o. d. Tauber. EXD Berlin, 23. Mai. Die W o h l t ä t i g k e i t s z e ii t r a f c der Berliner Kaufmannschaft Vers endet ihren Geschäftsbericht über das Jahr 1915, der einen erfreulichen Fortschritt in den Bemühungen erkennen läßt, B e r st ä n d n i s für eine o r d n u n g s g e m ä ß e Mittelsa m m lung f ü r Wohlfahrtszwecke, zu erwecken. Das starke Bedürfnis der Bevölkerung, der durch den. Krieg hervorgerufenen Not Abbruch zu tun, hat, so Wertvolles im allgemeinen geleistet worden ist, doch auch zur Folge gehabt, daß zahlreiche überflüssige Neugründungen vorgenommen wurden. Sie gingen sehr oft von Personen ans, die zwar in bester Absicht handelten, doch keinerlei Sachkenntnis besaßen, jedoch auch von solchen, die Nebenzwecke persönlicher oder sachlicher Art damit verbanden, und von Abenteurern, die lediglich einen bequemen Erwerb suchten. Erfreulicherweise erfolgte die nach der Bundesratsverordnung vom 22. Juli 1915 -erforderliche behördli ch e Prüfung in steigendem Maße auch unter dem Gesichtspunkt, Zersplitterungen zu vermeiden. Es ist dadurch jedenfalls ein wertvolles Mittel geschaffen worden, die gröbsten Schäden, vor allem unlautere Machenschaften, zu beseitigen oder wesentlich einzuschränken. Auf dieser Grundlage gewinnt die Beratungstätigkeit für die einzelnen Geber, wie sie von der Wohltätigkeitszentrale für die Berliner Kaufmannschaft ausgeübt wird, doppelte Bedeutung.