Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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« - 2!>Ö-■ - seinen Schulden zu belästigen. Schließlich sollte er sich lieber nm seine eigenen Angelegenheiten kümmern. — Nun, ja; diesen Rat würde er buchstäblich befolgen, aber seine Hauptangelegenheit, um welche er sich kümmern würde, ist — Alma Torakow. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. . Z u m S ch v w u a li s f e st (dem Tage der Offenbarung) 1916. Ein Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heere vom Verband der deutschen Juden. Das kleine Heft enthält Uebersetzungen aus einem Psalm, dem 5. und 2. Buch Moses, das Gemeinde! ied von A. Horwitz für das Schowuaussest, einen großen Teil aus einer Predigt Maybaums: „Ruth, oder wie wir für die Lffeubarungslehre leben und leiden sollen"; ferner ein Lied von Mar Emannel Stern, außerdem eine Anzahl Uebersetzrmgen aus Jesaja, Psalm 73, Sprüche Salomos, Hiob und endlich ,,Urteile über das Zehnwort und die Bedeutung Israels für die Menschheit" ans den Schriften Cornills ititb Stades. Das kleine Heft, das für seinem Zweck sehr gut ausgewählt ist, wird ebenso \vk seine Borgänger seine Aufgabe erfüllen, die darin besteht, den religiösen Sinn der im Felde Stehenden zu wecken und zu beleben. Wir wünschen der kleinen Schrift die weiteste Verbreitung und möchten die Hoffnung nicht unterdrücken, das; für fernere jüdische Festtage derartige Hefte nicht inehr nötig seien, sondern das; wir uns für die Hohen Feiertage dieses Jahres bereits des Friedens erfreuen mögen. G. G. * — Beden, B o r t r ä g e u u d A b h a ii d l ii u g c n , v o n A tfred Stern, 1914. I. G. Eottasche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin. Ich darf kein Bedenken tragen, dies Buch anznpreisen und zu loben, obgleich es mir von den; Verfasser, einem mir seit einem halben Iahrhnudert und länger eng verbundenen Freunde, gewidmet worden ist. Es vereinigt die Vorzüge, die Stern als Schriftsteller und Redner zieren, die strenge Sachlichkeit des ersteren nrrt der glänzenden oratorischen Begabung des letzteren. Das Bach enthält getreu feinem Titel Reden, und zwar hauptsächlich solche zum Gedächtnis Verstorbener, Borträge und Aufsätze, in denen im wesentlichen Persönlichkeiten und Ereignisse aus der französischen und englischen, weniger aus der deutschen Geschichte behandelt werden. Der Verfasser, der sich durch seine großzügige „Geschichte Europas in: neunzehnten Jahrhundert" einen gefeierter; Namen erworben hat, behandelt naturgemäß vielfach Themata ans dein neunzehnten Jahrhundert, geht aber besonders in seinen aufschlußreichen Abhandlungen über Beaumarchais und Wieland und die französische Revolution auf die Literatur des achtzehnten Jahrhunderts ein. Für die Interessen, die untere Zeitschrift Verfolgt, ist besonders wichtig die sehr schöne mib gehaltvolle Rede über Gabriel Riester. Aber auch eine Notiz in dem Aussatz über Moltke ist sehr bedeutsam. Dort wird Seite 197 ff. der „Darstellung der inneren Verhältnisse und des gesellschaftlichen Zustandes in Polen" 1832 gedacht, und die auffallende Tatsache erwähnt, daß „ein so feingebildeter und umsichtiger Schriftsteller sich dazu verführen ließ, über die Juden im allgemeinen und die polnischen irrsbesondere Nachrichten in Umlauf zu setzerr, die er nur ans den trübsten Quellen geschöpft haben konnte". Dann fährt Stern fort: „dahin gehört die Versicherung, die Juden ständen unter einem ungekanuteu Oberhaupte, welches in Asien Hanfe, durch das Gesetz zürn beständigen Umherirren von Ort zrr Ort verpflichtet, den sie den Fürsten der Sklaverei nennen. Auch manche ehrenrührige, in ihrer Allgemeinheit sehr ungerechte Beschuldigung wird gegen diese vermeintlichen Untertanen des unbekannten asiatischen Oberhauptes geschleudert. Ein Stöcker hat nachmals aus diesen Aeußerungen jugendlicher Unkenntnis und Leichtgläubigkeit Kapital zu schlagen gesucht. Als aber 1884 der Herausgeber der Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" Moltkes so gut rvie vergessene Arbeit über Polen wieder abdrucken wollte, erteilte der Feldinarschall, wie ich aus bester Quelle, weiß, seine Erlaubnis dazu unter der Bedingung, daß diese wie andere Stellen gestrichen würden. Jedenfalls ist es eine falsche Pietät zu nennen, daß nach seinem Tode, ohne mit einem Worte dieses Vorgangs zu gedenken, der ursprüngliche Text in seine gesammelte Schriften ausgenommen ist." In einer Amnerkrlng Seite 210 wird als der Gewährsmann für diese Notiz der Herausgeber jener Zeitschrift I. Kürschner Knanrrt irnd ferner darauf hingewiesen, daß Moltkes Darlegungen sich fast wörtlich mit einem Aufsatz berühren, der im Morgenblatt 1831 erschienen war. Schon wegen dieser Anmerkung und der Stelle, worauf sich diese bezieht, verdient die ausgezeichnet geschriebene, an neuen Mitteilungen und trefflichen Gedanken reiche Schrift an dieser Stelle einer Erwähnung. Sie trägt zwar die Jahreszahl 1914, weil sie bereits vor dem Kriege ausgedruckt war, ist aber erst im November 3915 ausgegeben worden. L. G. M -- D i e älteste gedruckte d e u tsche 11 e versetz u n g des j ü d i s che n G e b e t b u ch e s a u s d e m I -a h r e 1 5 3 0. Eine literarhistorische Untersuchung von Dr. Josef Mieses. Verlag R. Löwit. Wien 1915. Ich bin unparteiisch genug, um eine Schrift zu loben, in der häufig und ziemlich stark gegen mich polemisiert wird. Freilich, gegen Untersuchungen-, die ich vor sünsundvierzig Jahren angestellt habe, wenn ich die Resultate auch zum Teil später veröffentlichte. Mieses hat eine fleißige Arbeit geliefert, der man im großen und ganzen beiftiimucn wird, wenn man arrch die große Weitschweifigkeit und die höchst urielegante Schreibweise des Ganzen tadeln muß. Man war bisher über den Ursprung des Gelehrten im Zweifel, der im Jahre 1530 eine Schrift unter dem Titel „der ganz jüdisch glaub" geschrieben hatte. Der Verfasser weist nach, daß dieser, Antonius Margarita, j nach eigener Angabe der Sohn des Rabbiners Samuel Margolis war, der als Rabbiner in Regensburg, später vielleicht in Posen wirkte, nrrd der Enkel des Jakob Margolis aus Nürnberg, der später nach Regensburg karr;. Auch für das Geburtsjahr des Antonius gibt er bestiuunte Angaben, die auf das Jahr 1486 Hinweisen. Arrch die Urteile des Verfassers über das Werk jenes Konvertiten „der ganz jüdisch glaub" sind gewiß unbestreitbar. Es ist nicht gelehrt, sondern im wesentlichen eine Kompilation aus Viktor Carbens Opus Aureimi. Es zeigt manche Urrkenntnis des Hebräischen, falsche oder ungenügende Uebersetzungen, Urrrstellung der Teile eines Satzes, so daß der Verfasser das, was am Anfang stehen müßte, ans Ende setzt und vieles andere. Ferner ein vollkommenes Unverständnis des Aramäischen. So stellt sich Mieses' Untersuchung als eine Bereicherurrg unserer wissenschaftlichen Literatur dar, die wir froh begrüßen müssen» wenn nur auch mit der Art der Darstellung wenig einverstanden sind. G. G. * David K a u s m a n ii: Gesa m rnelte S ch r i f t e n. Dritter Band. Herausgegeben von M. B r a n rr. Frankfurt a. M., Kommissionsverlag von I. Kanfsrnann, 1915. Wir haben unter uns nicht viele Gelehrte, die ein so weites Stndiengebiet umfassen wie der verstorbene David Kaufmann, und noch weniger, deren kleine Arbeiten einen so sympathischen Eindruck machen. Man würde zwar übertreiben, wenn rnarr sagte, daß jeder Aussatz ein Meisterwerk ist, aber alle sind rrnterrichteud und belehrend und auch rn ihrer Form erfreulich. Die Vielseitigkeit Kaufmanns ist geradezu erstaunlich: Geschichte der Medizin, Biblisches, Literaturgeschichtliches im weitesten Umfang. Die Einteilung des Bandes ist die solgerrde: Wissenschaftliche Einzeluntersuchungen zur jüdischen Geschlchte und Literatur (8 Nummern); Abhandlungen über jüdische Kunst und Altertumskunde (4 Nummern); Aufsätze über Leistungen der Juden aus dem Gebiete der medizinischen Wissenschaft (6 Nummern); Besprechungen über Bücher, die die allerverschiedensten wissenschaftlichen Gegenstände behandeln (17 Nummern). Manches, namentlich Feuilletonaussätze n. dgl., ist ziemlich unbedeutend; ob es bei sorgsamerer Auswahl durch anderes hätte ersetzt werden können, vermag ich, da ich Kaufmanns Tätigkeit im einzelnen zu verfolgen nicht imstande bin, nicht zu sagen. Stoff genug war vorhanden; denn nad) den Mitteilungen des Herausgebers findet sich in den drei Bünden, die nun zum Abdrucke gelangt sind, nur ein Sechstel der schriftstellerischen Tätigkeit Kaufmanns vereint, soweit sie nicht in größeren Werken niedergelegt ist. Für meine Renaissance-Studien war nrir besonders wichtig der Aussatz, den ich schon früher benutzt hatte urrd den ich mit Vergnügen hier wiederfinde: Leone de Sommi Portaleone, der Dramatiker und Synagogengründer von Mantua. Ganz besonders erfreulich ist das letzte Stück: „Ein Wort im Vertrauen an Herrn Hvfprediger Stöcker von einen;, dessen Namen nichts zur Sache tut", eine zu Berlin 1880 anonym erschienene Broschüre, vielleicht das einzige Stück unserer Sammlung, das für einen größeren