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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-26 · Heft 21 (26.5.1916) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 21 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 Friede unter den rkonkellionen auch in der Garnison. Unser Bild zeigt die dritte Vereidigung beim Feldartillerieregiment Nr. 75 in Halle, die auf Wunsch des Kommandeurs Herrn Majors v. Succo für alle Konfessionen gemeinsam vorgenommen wird. Vor Ablegung des Eides sprachen der Garnisonpfarrer (Fries), der Dechant (auf dem Bilde sein Vertreter Kaplan Legge) und der Rabbiner (Dr. Kahlberg). Die vorurteilsfreie Gesinnung gegen alle Konfessionen hat der | Herr Major jedesmal dadurch zum Ausdruck gebracht, daß er! die drei Geistlichen bei einem kleinen Imbiß mit dem Offizier- I korps vereinte. Er ist in feiner Rücksichtnahme gegen unsere Glaubensgemeinschaft jo weit gegangen, -daß er beim i zweiten- und drittenmal für den Rabbiner rituelles Essen besorgt hat. K. ' eiferten die reichsten und angesehensten jüdischen Familien. sich „ihren" deutschen Soldaten für alle Mahlzeiten zu sichern: j Ich hätte die dreifache Zahl der Soldaten haben dürfen, keiner wäre von hier weggegangen, ohne sich während der Festtage als Glied einer Familie fühlen zu dürfen. Dabei sind die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde seit Jahren schon wenig beneidenswert. In Friedenszeiten zählt Monastir bei einer Einwohnerzahl von etwa 80 000 ungefähr 7000 jüdische Seelen. Der Krieg war für 2000 Juden und naturgemäß für die am meisten mit Glücksgütern Gesegneten Veranlassung, Stadt und Gemeinde zu verlassen. Die meisten wandten sich nach Saloniki, der jüdischen Stadt, ganz wenige nach der Schweiz und dem übrigen neutralen Auslande. Die meisten aber harrten im festen Gottvertrauen hier aus, an ihrer Spitze der sehr beliebte Großrabbiner Dr. A. Benzion, ein noch junger Mann im Anfang der dreißiger Jahre. Schwere Zeiten hatte Vereidigung beim Leldartillerie-Regiment Nr. 75 in ^alle «. S. 8 8 Weine Andrücke in Wonattir an den letzten Oellachtasen. Von Feldrabbiner Dr. Jacob Sänger. uf nicht ganz einfachem Wege, bestaubt und beschmutzt, war ich nach Monastir gekommen, um die für unsere Soldaten schon vor Wochen festgesetzten Gottesdienste wahrzunehmen. An den ehrwürdigen Großrabbiner Dr. Benzion, einen vollständig europäisch gebildeten Kollegen, hatte ich mich rechtzeitig gewandt, um mit seiner Hilfe den deutschen Kameraden am. Pessachfeste neben der rituellen Verpflegung auch Aufnahme bei den zahlreichen jüdischen Familien gewähren zu können. Alle meine Erwartungen waren übertroffen worden. Im Gegensatz zu einer anderen großen spaniolischen Gemeinde, die mir und meinen damals sehr zahlreichen jüdischen Soldaten durchaus nicht mit jüdischem Solidaritätsgefühl entgegengekvmmen war, hat wohl in Monastir jeder einzelne von uns die große und herzerfreuende Wahrheit des alten jüdischen Wortes nn NI L'N2N brrNV' ba in seinem ganzen Umfange empfunden. Am Abend des Festes wettdie Gemeinde durchzukosten. Insbesondere in den letzten Tagen serbischer Herrlichkeit bekamen die Juden den unglückseligen russischen Einfluß auf die armselige serbische Regierung zu fühlen. Je größer der Druck der vor den Toren der Stadt stehenden Deutschen und Bulgaren wurde, desto zahlreicher wurden die Plagen der Juden. Von der Straße weg wurden sie zum Militärdienst genommen, und sie, die unter der segensreichen türkischen Regierung an liberalste und freundschaftlichste Behandlung gewöhnt waren, wurden nun nach Albanien geschleppt, ohne daß die nächsten Angehörigen benachrichtigt werden konnten. „Ihre Frau, ihre Kinder, ihre Eltern werden noch früh genug erfahren, daß Sie nicht mehr da sind," so lautete die serbische allem Menschen- und Völkerrecht hohnsprechende Antwort dieser Russenschergen. Selbst ein 65 jähriger Mann mußte auf diese Weise Heim und Hof verlassen und sie mit albanischem Boden zwangsweise vertauschen. Dennoch hielten die Juden aus. Die Geschäfte lagen brach, Verdienst gab es nicht, aber das jüdische Herz arbeitete weiter, wovon die österreichischen Gefangenen, soweit sie bei dem Einzug der verbündeten Heere befreit worden sind, gar viel zu berichten wissen. Aber auch Türken und Griechen, denen

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