Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 abct'kutf-eitcit. Jahres 34 Pfleglinge im Stift untergebracht, von xnien 14 ausgetreten, so daß am Schluß desselben 2V im Stift verhieben sind. Am 17. Dezember wurde im Stift in Gegenwart des Vorsitzenden, einiger Vorstandsdamen und der Vorsteherin das ljannkafest gefeiert. Nach dem Anzünden der Lichter richtete der Vorsitzende an die Pfleglinge eine Ansprache, in der er die Jetztzeit ,nt den Tagen der Atakkabäer verglich, irr denen es sich wie heute um inen Existenzkampf eines ganzen Volkes handelte und in welchem die lache der Gerechtigkeit siegte. Hierauf trugen die Pfleglinge entbrechende Gedichte, Gesänge und Musikstücke vor, wodurch sich der Ibeitb zu einem angenehmen und gemütlichen Faunlienabend getnltete. Ter Gesundheitszustand der Pfleglinge war auch im abelanfenen Jahr ein befriedigender. Ter Bericht spricht Herrn Hofrat lr. Frankenburger, der trotz seiner angestrengten Tätigkeit in uiem Militärlazarett den erkrankten Mädchen feinen ärztlichen Beinind in der hingebendsten Weise zuteil loerden ließ, sowie allen vrennden und Gönnern der Anstalt für ihre Spenden warmen Dank ms. Nach Ausweis des Kassenberichts betrugen im vergangenen uchre die Einnahnren 17 200,53 Mark, die Ausgaben 17 057,77 Mark, o daß ein Kassenbestand von 142,76 Mark verblieb. Das Vermögen er Anstalt beträgt 154 052,61 Mark. Der Verein zählt gegenwärtig 1-17 Vlitglieder. Osnabrütk, 12. Mai. Die hiesige Synagogengemeinde, die Nva 500 Seelen umfaßt, vollzog kürzlich die Einweihung ihrer neuen schule, die neben der vor etwa zehn Jahren errichteten Synagoge m der Nolandstraße (in unmittelbarer Nähe des Negierungsebändes) erbaut worden ist. Die neue Schule, die an die Stelle?s alten am Varfüherkloster oeleaenen Unterrichtsloläts tritt, ist ui Baustil der Synagoge gehalten und macht in ihrer äußeren ulssade einen imposanten Eindruck. Die inneren Einrichtungen es dreistöckigen Gebäudes entsprechen natürlich allen Anforderungen der Neuzeit. Ein etwa 625 Quadratmeter großer Spielelatz und Badegelegenheiten sind ebenfalls vorhanden. Bei dem ugentlrchen Festakt in der Synagoge schilderte der Präses der synagogengemeinde, Nentier W i t t g e n st e i n e r, in einem Rückblick üe Geschichte des Baues und der Osnabrücker israelitischen Gemeinde, rie Weiherede hielt Landrabbiner Dr. Hoff m a n n (Emden). Remerungspräsident Bötticher zollte der Gemeinde Anerkennung afür, daß es ihr gelungen sei, gerade in der Kriegszeit den brächten Bau zu Ende zu führen, und Oberbürgermeister Dr. Rißu ü tler überbrache die Glückwünsche der städtischen Kollegien, .reu herzliche Anteilnahme an dem frohen Ereignis ausdrückend, 'ü'meiln'ame Gelinge und Orgelvorträge umrahmten die Feier. &&& Wiesbaden, 12. Mai. Ter Israelitische Unterstützilngserein in Wiesbaden versendet seinen 45. Jahresbericht, dem wir u'gendes entnehmen: Der Beginn des Krieges traf den Verein durch ule Verkettung ungünstiger Umstände ohne jede Barmittel. Verkauf un Wertpapieren war vollstäudig unmöglich, er mußte daher ein uilehen aufnehmen, was nur unter großen Schvierigkeiten gelungen 4. Es kam dazu, daß die außerordentlichen Einnahmen sofort ufhörken und daß er außerdem einen bedeutenden Abgang an Mitliedern zu beklagen hatte. Trotzdem hat der Verein nichts abgechnt, was irgendwie an regelmäßigen wie gelegentlichen IlnterutznngsgeNlchen an ihn gerichtet wurde. Er hat im Gegenteil durch ue mit der Nassau-Loge gemeinsam erfolgte Gründung eines U'legsfürsorgcansschnsses ganz bedeutende Lasten ans sich genommen, ulange es irgend möglich war, hat er es unterlassen, an die Mitlieder mit denl Ersuchen lim einen außerordentlichen Kriegsbeitrag eranzutreten. Bei der langen Dauer des Krieges indessen mH er üne Mittel immer geringer werden, während die Anforderungen ulimer größer und dringlicher wurden. Ein Rundschreiben an die nesige jüdische Bevölkerung hatte einen überaus erfreulichen Erfolg, 'I daß der Verein hoffen darf, mit den vorhandenen Mitteln im lan- 'lwden Jahre nnszukommen. Der Bericht spricht die Befürchtung daß der Verein aller Boraussicht nach auch bei einem bald -tretenden Frieden noch große Aufgaben zn erfüllen haben wird.; 'e Notwendigkeit, den zerstörten Eristenzen der jüdischen Klein- 'völkernng in Stadt und Land zn Hilfe zu kommen, wird beden- "llde Mittel beanspruchen. Im Jahre 1914 hatte der Verein das tchinscheiden des verdienten Vorstandsmitgliedes Herrn Meyer -ulzberger zn beklagen. Auch der langjährige Vereinsarzt -^err Dr. Salseld ist in noch jugendlichem Alter entrissen 'worden. Für Herrn Sulzberger wählte der Vorstand satznngsgemäß Herrn Simon Meier. Die Arztstelle ist einstweilen noch unbesetzt. In die Liste der ewigen Ehrenmitglieder ist Frau Ed. K a h n sel. eingetragen. Der unter der Verwaltung des Vereins stehende Ferienfonds mußte in der Skellenvergebung Einschränkungen walten lassen. Neue Mittel sind, wenn eine Anzahl Kinder heraus soll, unbedingt nötig. Der Bericht schließt mit der Bitte, des Vereines in ernsten wie in heiteren Tagen zn gedenken sowie um die Anmeldung neuer Mitglieder und Erhöhung der Jahresbeiträge. &&& Homburg v. d. Höhe, 12. Mai. Der Israelitische Holz, v e r e i n (gegründet 1818) und der Verein zu r A u 8 st a t t u n g i s r a e l i t i s ch e r M ä d ch e n (gegründet 1886 von Louis Lehmann s. A.) zu Homburg v. d. Höhe veröffentlichten deu Rechenschaftsbericht für das Jahr 1915. Er wird wie folgt eingeleitet: Die Muse der Poesie, die sonst so gern unseren Rechenschaftsbericht begleitete — sie ist verstummt. Trauernd verhüllt sie ihr Angesicht vor dem unendlichen Jammer, der die Welt erfüllt. Kunst — Technik — Wissenschaft- Begriffe, die ehedem jedes Menschenherz höher schlagen ließen —, loas ist aus ihnen geworden! Ihren idealen Zwecken entfremdet, haben sie sich in den Dienst der Zerstörungsmächte begeben! — Wahrlich, wenn jemals der Ansspruch des weisen Königs: „Alles ist eitel" seine Bestätigung erfahren, dann war es in dieser Zeit . . . wann wird sie enden?! — Schmerzliche Verluste an Mitgliedern und Freunden dieser Vereine hat auch das Jahr 1915 gebracht. An erster Stelle wird der hoffnungsvolle, kaum in das Jünglingsalter eingetretene Herr Gustav Emmerich genannt, der im Kampfe fürs Vaterland dahingesunken. Die Tätigkeit der Vereine ist aber durch den Krieg nicht eingeschränkt, sondern zn größeren Anstrengungen - - auch ans dem Gebiete der Kriegsfürsorge - veranlaßt worden. Der minderbegüterte Holzverein mußte daher auf die sonst üblichen Rückstellungen znm Reservefonds verzichten, denn schwächere Einnahmen ans der einen und vermehrte Inanspruchnahme bei hohen Kohlenpreisen auf der anderen Seite standen hindernd im Wege. — In gehobener Rede wie der Anfang ist auch der Schluß des Berichts gehalten: Warm endlich wird die Friedenssonne das finstere Gewölk des Krieges durchbrechen — Menschenhaß in Liebe sich verwandeln?! Gott gebe: bald, recht bald! England. j London, im Mai. Die „Nationale Union für jüdische! Rechte", eine neu begründete jüdische Organisation in England, i hielt vor kurzem in London ein Massemneeting ab, auf welchen! i der Vorsitzende der Union, der bekannte englisch-jüdisch? Journalist z Herr Lncien Wolf, und Herr Israel Z a n g w i l l das Programm dieser Organisation entwickelten. Die Union erstrebt die Gleichberechtigung für die Juden in allen Ländern und hat außerdem ein besonderes Programm für Palästina aufgestellt, in dem sie für Palästina außer der Gleichberechtigung Erleichterung der Einwanderung und Kolonisation sowie für die dortigen jüdischen Kolonien uumizipale > Privilegien verlangt, die eine Renaissance des jüdischen Lebens und! der jüdischen Kultur in Palästina gewährleisten. Die Union hofft, daß! sich alle großen jüdischen Organisationen Englands ans dieses Programm einigen werden. Die jüdische Presse Englands, an der Spitze die „Jewish Ehroniele", steht der neuen Gründung vorläufig skeptisch gegenüber; die „Jewish Ehronicle" bemängelt im besonderen die Unklarheit des Verhältnisses der neuen Union znm Eonjoint Committee, das eigentlich seinerseits die Aufgaben zn erfüllen hätte, die das Programm der Union bilden sollen. Ein Führer der englischen Zionisten, Mr. Herbert B entwich, der Vorsitzende des Order of Ancient Maccabaens, berührte in einem Vorträge, den er auf einen! öffentlichen Meeting in Cardiff über das Thema „Der Zionismus, seine Arbeit und seine Ziele" hielt, die Gründung der neuen Union, der er Sympathien entgegenbringe und deren Versprechen zur Mitarbeit er mit Freuden begrüße. Allerdings könne sich die Zionistische Orgasation auf keine Aendernng ihres in Basel festgelegten Programms einlassen und sich niemals zufrieden geben, bevor dieses nicht in seinem ganzen Umfange realisiert lvorden sei Rußland. M. ß. Petersburg (indirekt), im Mai. Die russische Judenheit batte in der Persönlichkeit von David Feinberg zugleich das Programm für alle dringenden sozialen Ausgaben seit dem Jahre 1870. Soeben ist dieser unermüdliche Arbeiter für das Wohl seiner bedrängten Glaubensgenossen gestorben, und über seinem frischen Grabe aus dem jüdischen Preobraschensky-Friedhos erblüht bereits