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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-19 · Heft 20 (19.5.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 20 (19.5.1916)
Date
1916-05-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 eine Frucht seiner sorgsamen Güte. Gr hatte letztwillig gebeten, die ihm zugedachten Blumenspenden in Gaben für notleidende Juden zu verwandeln, und bei seiner feierlichen Bestattung wurde bekanntgegeben, daß eine Feinberg-Stistung vorbereitet wird, für die noch am selben Tage 6000 Rubel gezeichnet wurden. In Kowno erblickte Weinberg das Licht der Welt im Jahre 1840, und 1863 siedelte er. nach Petersburg über, wo er sich sogleich der sozialen Hilssarbeit füf die Juden widmete. Seiner Anregung sind die Chorsynagoge dort zu danken und die 18 70 entstandene Gemeindeverwaltung, in der er das Sekretariat übernahm, das er bis zuletzt noch ehrenamtlich leitete. Biel wirkte er sodann für die Schaffung eines wohlgeordneten jüdischen Waisenhauses. Als der Vertreter von Baron Hirsch, A. White, 1891 in Petersburg eintraf, um mit der russischen Regierung wegen der jüdischen Auswanderung zu verhandeln, da inachte Feinberg mit ihm eine Reise durch Rußland, um ihn mit der Lage der Juden bekanntzumachen. All die hierbei von White gesammelten Eindrücke boten eine Unterlage für die Gründung des Petersburger Komitees für die jüdische Kolonisation. Seit 1892 bekleidete Feinberg in diesem Komitee das Amt des Sekretärs und entfaltete viel Energie bei der Auswanderung russischer Juden nach Argentinien. Ihm Zu Ehren ist auch eine der argentinischen Kolonien „Feinberg" benannt worden. In der letzten Zeit beschäftigte ihn neben vielen anderen gemeinnützigen Arbeiten die Fürsorge für die jüdischen Opfer des Krieges, für die ein besonderes Komitee im Anschluß an die Gemeinde gebildet wurde. Von Ash und fern. — Der Jüdische F r a u e u b n n d hat nunmehr seine Informationsreise durch vier Delegierte in das zerstörte Ostpreußen machen lassen im Anschluß an die Gründung der Ortsgruppe Königsberg und in Zusammenarbeit mit dein Verband der Shnagogengemeinden Ostpreußens, hat die Städte Alleustein, Ortelsburg, Hohenstein und Soldan besuchen lassen, wo sich die Delegierten mit den Vertretungen der Kultusgemeinden ins Einvernehmen gesetzt haben. — Am vorigen Sonnabend ist Herr Siegfried Brünn, eines der angesehensten und geehrtesten Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde, im 78. Lebensjahre verschieden. Der plötzliche Heimgang dieses opferwilligen Mannes bedeutet für das deutsche Judentum, an dessen sozialen und kulturellen Bestrebungen er den regsten Anteil genommen, einen schweren, kaum zu ersetzenden Verlust. Nekrolog folgt. - Professor Joseph Schlesinger, Oberlehrer am Lessing-Ghmnasium in Berlin, ist nach kurzem schweren Leiden, 57 Jahre alt, am 14. d. Bl. gestorben. —- Herr Salomon Basch, Berlin, Neue Promenade 7, vollendet am 19. d. M. in voller Rüstigkeit kein siebzigstes Lebensjahr. Derselbe gehört zu den ältesten ständigen Besuchern der alten Synagoge. - Professor Dr. Niko-dem C a r o, dem Berliner Chemiker, Leiter der nach dem Franck-Caroschen Verfahren arbeitenden Reichsstickstosfwerte, wurde vom König von Bayern das König-Ludwig-Kreuz verstehen. -- Dem Assistenzarzt d. R. Tr. Gerhard Salomon (Charlottenbnrg) wurde das Ritterkreuz des Alb recht so rdens zweiter Klasse mit Schwertern verliehen. — Aus Anlaß seines goldenen Doktorjnbiläums ist Herrn Geheimrat Dr. Adolf Baginsky der Kronenorden dritter Klasse verliehen worden!. — Der König von Bulgarien hat dem Generaldirektdr der Projektions-Aktiengesellschaft Union Paul D a v i d s o h n das Offizierskrenz des Alexanderordens verliehen. Dem Hofjuwelier Eugen Marcus in Berlin ist vom Fürsten Leopold zur Lippe das Kriegsverdienstkreuz am weißen Bande und vom Kaiser Franz Josef von Oesterreich das Ehrenkreuz zweiter Klasse vom Roten Kreuz verliehen worden. — Dem Rechtsanwalt und Notar Jnstizrat E l k u s in Meseritz ist beim Ausscheiden aus der Tätigkeit als Rechtsanwalt und dem Amte als Notar der Note Adlerorden vierter Klasse verliehen worden..Aus Ostrowo wird uns geschrieben: Stadtrat Krauskops hat der Stadt anläßlich seines sechzigsten Geburtstages einen Betrag von zweitausend Mark überlviesen, dessen Zinsen alljährlich am Geburtstage des Stifters an arme Krieger, Kriegerfrauen und Hinterbliebene" verteilt werden sollen. — In der Stadtverordneteniversamlnlung zu Rogasen -erfolgte die Einführung des Justizrats Hahn, der das Amt des Stadtverordnetenvorstehers über ein Menschenalter innegehabt hat, als Ratsmaun. Er tritt an die Stelle des bisherigen Ratsmanns und Stadt ältesten I a st r o w , der über 44 Jahre der Stadtverwaltung anghört hat. — Im Krojanke macht sich seid zehn bis -fünfzehn' Jahren ei: stetiger Rückgang der jüdischen Schüler bemerkbar. Während vor diesen. Zeitraum die Schükerlisten 120 Schüler und darüber nachwiesen, is infolge häufigen Fortznaes jüdischer Familien diese Zahl auf. 5' heruntergegangen. — Das von dem Rabbiner Dr. M e i s e l s. A. be gründete Israelitische Waisenhaus in Stettin war auch in diese schweren Kriegszeit bemüht, seine segensreiche Tätigkeit zu entfalte: Im Laufe des Jahres 1915 verließen drei Zöglinge die Anstalt, nachdei sie die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erlam haben. Es verblieben acht Knaben im Waisenhause. Bon de früheren Zöglingen stehen fünf im Felde, einer starb den Heldento fürs Vaterland. Die Einnahmen des Instituts betrugen im letzte Rechnungsjahre 15 454,94 M., die Ausgaben 13 579,15 M. — De Stadtverordnetenvorsteher Kommerzienrat Fritz Plaut (Leipzig Inhaber der Firma Plaut u. Schreiber in Jeßnitz in Anhal ist im 64. Lebensjahre gestorben. — Zum Leutnant de Reserve im Reservedragonerregiment Nr. 4 wurde de Sohn des Direktors des Philanthropins zu Frankfurt a. M Referendar E r n st Adler, ernannt. — In der Nacht znm 6. d. 9Dwurde, wie aus Frankfurt a. M. gemeldet wird, der 77jährige Pr' datier Ern st H ey m a n n in seiner Wohnung ermordet. Der Möi der hat sein Opfer anscheinend durch ein Taschentuch erstickt. O Raubmord vorliegt, ist noch nicht festgestellt worden. — Der Rel> gionslehrer der israelitischen Gemeinde in Mosbach, Max H an a n e: ist an den Folgen eines Schlagansalls gestorben. Ende letzten Jahr: hatte er sein 55jähriges Jubiläum als Lehrer feiern können: 50 Iah: übte er in dieser Gemeinde sein Lehramt aus. — Man sch-reibt im aus Wien: Unter .großer Beteiligung fand am 30. v. M. die W erdigung des langjährigen Vizepräsidenten der türkischen israelitische Gemeinde, des türkischen Großhändlers A b r a h a m Albnla , stab Die große Zahl -der Trauergäste gab Zeugnis von der allgemeine Wertschätzung, die sich der Verblichene unter den Mitgliedern d sephardischen Kolonie erworben hatte. Es erschien der gesamte Bo stand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) imh Führung des Präsidenten M o s co de M a j o . die Tempelvorsiest und Vorstände der Woh.ltätigkeitsan stalkn des Verbandes und d-esst aesamte Beamtenschaft sowie zahlreiche Trauergäste. Die Gedenkred bi.'lt der Rabbiner Chacharn Michael P a p o : dann sprachen Vorsteh.' Leon Haim, für die Freunde V. Münz, für die Familie Jab Straßberg. — In Budapest konstituierte sich eine 150 Personen za. lende Kommission zur Gründung eines jüdischen Waisenhauses, d bereits über ansehnliche Geldmittel für diesen Zweck verfüat. — Dr Privatdozent für semitische Sprachen und Geschichte des altsemitisch Ostens an der Universität Lemberg, Dr. Moses S ch o r r , erhie den Titel eines außerordentlichen Professors. — Die letzte Verlust!n der polnischen Legionen enthält die Namen der vor dein- Feinde e kall-enen Juden Heinrich K a tz, Salomon Kisch, Sigmund Rapp, vort und Leon Reis mann. — Sir Matthew Nathan, 11nb staatssekretär bei der Regierung, des Vizekönigs von Irland, ist z rückgetreten. Wie der „Jewifh Chronicle" uns Washington te! graphisch gemeldet wird, tritt Morgenitz au von seinem Post als amerikanischer Botschafter in Konftantinopel zurück. Als st' Nachfolger wird ein bekannter jüdischer Anwalt, Mr. Abram I. Elkr genannt, der somit der dritte Jude wäre, der die Vereinigt Staaten in Konstantinopel vertreten würde. Eine offizielle Nachri« ans Washington liegt noch nicht vor. — Aus New-?)c wird geschrieben: Auf der jüngst stattgefundenen siebent-. Jahresversammlung der jüdischen Landwirte hielt Herr Jae Schiff die Festrede. Er sprach darin als seine Ansicht aus, daß d künftigen jüdischen Einwanderer sich der Landwirtschaft z«. inenden müssen. Die erste Ausgabe sei. sie zu guten Amerikanern ' machen, und das ist in beit überfüllten Hafenstädten sehr schwer. De halb müssen sie sich der Landwirtschaft Zuwenden. Auch sei anz> nehmen, daß, wenn sich der Jude wieder dem Ackerbau, der ursprüng liehen Beschäftigung des jüdischen Volkes, widmen würde, ihm daii auch die Religion, des Volkes größter Schatz, ein Quell der Begeist rung und des Idealismus sein werde. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrabe 58. Verantwortlich Kr den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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