Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Kriegsfreiwilliger Gefreiter Kurt Salomo n s o h it, Sohn des Stadtrats Salomonsohn (Hohen salza); Vizewachtlneister Georg Jaretzki, Sohn des Herrn H. Jaretzki (Posen); Geschützführer Max Berlowitz (Bromberg); Infanterist Paul Reich (Posen); Obergesreiter Wilhelm Becher (Meseritz); Bataillonsarzt Tr. Schlesinger (Kempen i. P.); Musketier Julius Frey (Halle an der Saale); Ersatzreservist Jacob T Heisebach, Unteroffizier Stephan Kann, Wachtmeister Ist Rosenbaum (Gießen); Vizefeldwebel Bernhard Rosen thal (Frankfurt a. M.); Gefreiter Paul Stern (Tmsbnrg); Gefreiter Ludwig Idstein (Bad Homburgs: Musketier Philipp W o l f s, Theodor O p P e n h e i m o r (Köln); Feldwebelleutnant R. W i t t e n b e r g, Reservist G r a - bowsky (Hamburg); Vizefeldwebel Stud. der Mathematik Julius Bohrend (Königsberg); Unteroffizier Stud. jur. Franz Nathan (Atagdeburg-Friedrichstadt): Stud. Karl Hilb (Mannheim); Gefreiter Otto Perl (Dessau). Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten: Leutnant der Landwehr Walter E allmann (Berlin) und Unteroffizier der Landwehr Wilhelm David (bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse), Sohn des Rentiers Al eher David in Kruschwitz. — Beuthen O.-S., 12. Mai. Am 8. d. M. verschied unser langjähriges Vorstandsmitglied Simon G u t t m a n n im 73. Lebensjahre. Der Verewigte, ein Bruder des Rabbiners Prof. Dr. Guttmann in Breslau, hat unserem Vorstände 41 Jahre ailgehört und in ihm vor möge seiner hervorragenden Eigenschaften eine leitende Stellung eingenommen. Wie ifjm die Gemeindebehörden Nachrufen, hat er sich durch sein unausgesetztes und aufopferndes Wirken für unser Gemeinwesen liub seine Tätigkeit als vieljähriaer Leiter verschiedener Borstandsausschüfse, namentlich als Vorsitzender der Armendepmation, einen elvi gen Denkstein gesetzt. Reiches allgemeines Wissen und besondere Kenntnisse auf dem Gebiete der Religion zeichneten ihn aus. Er war eine feste und zuverlässige Stütze des Judentums, lnustergültig in der Bescheidenheit feiner Lebensführung und der Vornehmheit seiner Lebensanschauung, in seiner Ntenschensreundlichkeit und Liebestätigkeit. W. Aus der Provinz Posen, 12. Mai. P o s e n. Der Weltkrieg hat auch im abgelaufenen Jahr die Tätigkeit des Vereins junger Kaufte ule wesentlich beeinträchtigt. Die ordentlichen Mitglieder stehen zum größten Teil noch immer im heißen Ringen für die Ehre und Erhaltung unteres geliebten Vaterlandes. Nach den bisher zugegangenen Mitteilungen sind von den ordentlichen Mitgliedern des Vereins nnf dem Felde der Ehre gefallen: Arthur Adam, Max Eohn, Karl Goldmann, Siegfried Krause, Albert Lipschütz, Jgulltz Roth Holz, Wilhelm Warschawsti, von den außerordentlichen Mitgliedern unter anderen Julius Rosenthal. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1915 — 1143; bei einem Abgang von 105 und einem Zugang von 32 war der Mitgliederbestand am 1. Januar 1910 1070. In der ordentlichen Mitgliederversammlung wurden die Herren Geheimer Kommerzienrat Herz, Stadtrat Schleyer und Stadtrat Elkeles aus die Zeit bis Januar 1920 zu Kuratoren wiedergewählt. Ferner fand die Wiederwahl der ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Dr. Franz K a n t o r o w i c z , Fritz K a n t o r o w i c z , Philipp L a ch s und William L e i s e r bis zum 1. Januar 1919 statt. Der Vorstand besteht aus 16 Mitgliedern, von denen Herr Kommerzienrat N. Hamburger erster und Herr Stadtrat Arthur Krön thal zweiter Vorsitzender ist. Schriftführer sind die Herren S. O e l s n e r , Leo E a l v a r y. Das Schatzmeisteramt bekleiden die Herrn S. S m o s ch e w s k i und Alfred Pinn. Pfleger sind die Herren Adolf Herr statt und Oswald K a tz. - Für den ansscheidenden Herrn Kommerzienrat Aronsohn in Bromberg wurde Herr Generaldirektor Dr. P i e t r k o w s k i, Posen, in den Aufsichtsral der „Ostbank für Handel rmd Gewerbe, Polen" gewählt. — Grätz. Hierwlbst starb der Kaufmann Max S a b e r s k i im 64. Lebensjahre. Der Verstorbene war wegen seiner vorzüglichen Eharaktereigenschaften bei allen Mitbürgern geachtet und geschätzt. Als ehemaliger Soldat wurden ihm militärische Ehren erwiesen. Für seine Bemühung um Errichtung eines Kriegerdenkmals wurde er mit der Verleihung eines Ordens belohnt. 2/D Magdeburg, 12. Mai. Wie die d e n t s ch e R e g i e r n n g inmitten des kulturvernichtenden Krieges bemüht ist, kulturs ö r d e r n d zu wirken, erhellt sich aus folgendem. Ter Borstand der Synagogengemeinde erhielt vom hiesigen Wohlfahrtsamt die Mitteilung, daß es der jüdischen Volksschule in einem von Deutschen be setzten Städtchen Russisch-Polens an deutschen Fibeln und Lesebüchern fehle. In dem an das Wohlfahrtsamt gerichteten Schreiben wurde zum Ausdruck gebracht, daß bei einem Besuch der Schule seitens des Orts kommandanten, des Bürgermeisters und des Stabsarztes „mit hoher Freude" konstatiert werden konnte, wie sehr der deutsche Sprachnnter nicht in dieser Schule geübt wird. Die Kinder sangen bereits deutsche Volkslieder, deklamierten deutsche Gedichte usw. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß sich der Vorstand sofort bereit erklärte, den Wunsck zu erfüllen. Leider waren wir noch nicht in der Lage, Liederbücher — nicht konfessionell gefärbt — zu dem gedachten Zweck zu erlangen Auch das wird in der nächsten Zeit erst zu ermöglichen sein. Der Ortskommandant hatte die Liebenswürdigkeit, uns mitzuteilen, das die erwähnte Schule seit Ende Dezember 1915 besteht, von etwa 15<> Schülerinnen besucht wird und an ihr zwei Lehrer und zwei Lehre rinnen als Lehrkräfte wirken. Zum Beweis, daß besonderer Wert mit Förderung des Deutschtums gelegt wird und wie sehr diese Bestrebnnger bereits gediehen sind, fügte er die Abschrift des Programms eine^ Kinderabends bei, der einmal zugunsten des dortigen Soldatenheinn und einmal zugunsten der ärmeren jüdischen Bevölkerung veranstalte werden soll. Das Programm lautet: I. Abteilung. 1. Lied: Deutsch land, Deutschland über alles; 2. Deutsches Gedicht; 3. Hebräischec Lied; 4. Hebräisches Gedicht; 5. Lied: „Heideröslein"; 6. Deutsche Gedicht: 7. Hebräisches Lied: 8. Lied: ,,Der kleine Soldat"; 9. Ein Kindertanz. II. Abteilung: Eine Kindervorstellung. — Solche Erfolge in so kurzer Zeit stud nur dadurch erklärlich, daß den jüdische,' Kindern das deutsche Idiom nicht ganz fremd war. 2/^ Dresden, 12. Mai. Am 4. d. Ri. fand hier unter außer ordentlicher Beteiligung die Beerdigung der weitesten Kreisen be liebten Religionslehrerin Frau Flora Wolfsohn statt. Nael dom feierlichen Gesang des Synagogenchores hielt Rabbiner Pro sessvr Dr. Winter die tiefempfundene Trauerrede. Der Redner schilderte die Verblichene als eine gottbegnadete Lehrerin, die es ver standen hat, die Herzen der Kinder derart zu gewinnen, daß fk mit schwärmerischer Liebe an ihr hingen. 2 7 Jahre ha: die Ver blichene mit seltener Hingabe und unermüdlichem Fleiß ihren idealei Berns erfüllt. Auch ihre hohe musikalische Begabung stellte sie stete in den Dienst der Gemeinde. Gar viele Prüfungen sind der Ver klärten auserlegt worden: der Verlust des Gatten, des unvergessenen Oberkantors Wolssohn, sowie der beiden hoffnungsvollen Söhne Zum Schluß betonte der Rabbiner, daß die Dresdener Gemeind; dieser selbstlosen, edlen Frau ein ehrendes Andenken bewahren werde &&& Nürnberg, 12. Mai. Der 13. Jahresbericht des Vereintz s r aelits ch e s M ä d ch e n st i f t E. B. (Max und Elise Heimsch Stiftung) in Nürnberg ist soeben erschienen lind gibt reichlich Kunde itbei die segensreiche Tätigkeit dieser Wohlsahrtseinrichtung. Das Israelitisch Mädchenstist hat den milden Zweck, h.erangewachsenen und einer ge eigneten Häuslichkeit entbehrenden israelitischen Mädchen, die sich v. Nürnberg oder in näherer Umgebung dieser Stadt einem ehrenhafter Beruf widmen, den Schutz eines gesitteten und geordneten Hauswesenzu gewähren sowie auch, falls die Mittel dazu ansreich-en, die Gelegen heit zur Fortbildung zu verschaffen. Den in das Stift anfzunehmen den Pfleglingen wird eine Heimstätte geboten, in der sie unter mutter licher Leitung der Bvrsteheriu neben entsprechender Unterkunft und ritueller Verpflegung nach des Tages Arbeit Erholung und Er srisch-ung, Anregung und Ermunterung zu ihrer Arbeit finden, un ihnen im trauten häuslichen Kreise Ersatz geboten wird für das, nun sie durch ihre Trennung vom Elternhaus entbehren müssen. Di Anstalt wird von der Vorsteherin Frau Bertha Gold schm id geleitet, die es als ihre vornehmste Aufgabe betrachtet, an den ihr anvertrauten Pfleglingen Mutterstelle zu vertreten, d. h. ihnen die nötige körperliche, sittliche und häusliche Pflege zuteil werden zu lassen und ihnen in allen sie betreffenden Angelegenheiten mit Rat und Tal au die Hand zu gehen. Sämtliche Mitglieder der Vorstandschast, ins besondere der Vorsitzende Herr Realschuldirektor a. D. Nt. Gomb v i ch, und die Damen des Ausschusses sind jederzeit bereit, den ihnen von Pfleglingen vorgebrachten ^lugelegenheiten williges Ohr zu leihen. Der Verpsleguugsbeitrag betrügt monatlich 35 Mark und ist am 1. eines jeden Monats au die Vorsteherin im voraus zu bezahlen. Aufgeuommeu werdeu Mädchen nach znrückgelegtem 15. Lebensjahr: in Ansnahniefällen kann die Vorstandschast auch nach zurückgelegtem 14. Lebensjahr die Aufnahme zulasten. Der Aufenthalt im Stift wird auf längstens drei Jahre bemessen. Trotz des Krieges numnt während