Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- Seite 239 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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239 - . vli'bcii uuijitcn, ist für sie ein wahrer Todesschlag. Schon acht zgochen liegen sie in der Kälte unter freien: Himmel und ernähren sich mit dem Brot und Messer, das arme, gute Menschen ihnen bringen. Ich möchte um Hilfe bitten für alle achtzigtausend Einwohner des ehemaligen Kälisch, das jetzt in Trümmern liegt, nie sich in die kleinen umliegenden Städtchen geflüchtet haben. >lber allen kannst Du nicht helfen, mit unseren armen Eltern edoch mutzt Du Mitleid haben. Mir ist es gelungen, einen Passierschein zu bekommen, so aß ich mich nach Deutschland begeben konnte. Jetzt bin ich u Breslau." 6. &n Gericht eines Juden über eine inissrilche Gelsndtlchskt sm dtutlchen Lmlerhnke vor taulend Jahren. Bon Dr. P. N i e g c v. ie festliche Aufnahme der Abgeordneten der bulgarischen Sobranje in Deutschland beweist die Aufrichtigkeit und Herzlichkeit der Empfindungen des deutschen Volkes für das ait ihm verbündete Volk der Bulgaren. Bei dieser Gelegenheit urf wohl daran erinnert werden, daß bereits vor einem Jahrausende enge und oft herzliche Beziehungen zwischen Deutschand und Bulgarien geherrscht haben. Ich habe an anderer -teile darauf hingewiesen, daß seit dem Jahre 822 eine über- ,us bedeutsame Gemeinschaft der Interessen zwischen dem srankenreiche und dem heldenhaften Volke an der unteren Lonau bestand, die erst mit dem Ende des ersten bnlgarichcn Reiches ihre Unterbrechung fand. Die Bulgaren waren a die Grenznachbarn der Ostmark des Frankenreiches, so daß rcundfchaftliche Beziehungen mit ihnen für das deutsche Volk überaus wichtig waren. Ueber die letzte bulgarische Gesandtschaft im Jahre 973 besitzen wir den Bericht eines jüdischen Augenzeugen, der in seinem arabisch geschriebenen Reisetagebuch auch einige wert- .wlle Mitteilungen über sein Zusammentreffen mit den bulwrischen Gesandten am deutschen Kaiserhof bietet. Es ist nicht sicher, ob der Jude Ibrahim ibn Jakub seine leise durch Europa als Kaufmann oder als Mitglied einer iplomatischen Abordnnug gemacht hat. Nicht einmal sein leimatland ist ilns bekannt. Er kann ebensogut aus dem amals arabischen Spanien wie aus einem nordafrikanischen ande gekommen sein. Der Bericht über seine Reise, die ihn is nach Prag und Ostdeutschland und nördlich bis Schwerin ährte, wurde wegen seiner Wichtigkeit in den zweiten Teil cs „Buches der Wege und der Länder" (Kitab al-inasalik wal- •amalik) des spanischen Gelehrten Abu Ubaid al-Bekri ausgenommen. Der Leidener Gelehrte De Goeje hat ihn dort ntdeckt und auf seine Wichtigkeit nachdrücklich hingewiesen, reinen Wert als Quelle für die deutsche Geschichte erkannte uerst W. Wattenbach, der ihn in der zweiten Auslage der! Übersetzung des Widukind von Corvei (Leipzig 1882, S. 138 iä 147) behandelte. Seitdem haben deutsche und russische Geehrte wiederholt über diesen Reisebericht geschrieben, am ausährlichsten F. Westberg in den „Mitteilungen der Petersburger kaiserlichen Akademie" (1899, 8. Serie, 3. Band). Westberg vertritt mit großer Entschiedenheit die Annahme, aß Ibrahim im Jahre 965 den deutschen Kaiser Otto in Magdeburg gesprochen und die bulgarischen Gesandten dort getroffen hat, da das bulgarische Reich bereits 971 sein Ende -lunden hat. Westberg übersieht aber, daß das westbulgarische »eich noch bis 1019 bestand und daß die deutsche Ostmark aerade an Westbulgarien grenzte. Allerdings weilte Otto I. in Juni und Juli des Jahres 965 in Magdeburg. Vom Empfang ausländischer Gesandten in diesem Jahre ist aber nichts bctauut. Dagegen haben wir wiederholte Berichte über die Aufnahme bulgarischer Abgeordneter im Jahre 973. So berichten die Jahrbücher des Thietmar im Anschluß an! die Annalen von Quedlinburg: „Von da ging der Kaiser Otto nach Quedlinburg, wo er das Osterfest mit Dank gegen Gott fröhlich verlebte. Ans des Kaisers Befehl kamen hierher die Herzöge Misecv nnd Bolizlavo und Abgesandte der Griechen, Beneventer, Ungarn, Bulgaren, Dünen und Slawen samt allen Großen des Reiches." Die Jahrbücher von Altaich wissen ebenfalls zu erzählen: „Kaiser Otto der Aeltere und sein kaiserlicher Sohn Otto kamen mit den kaiserlichen Gattinnen am! 19. März nach Quedlinburg. Sie feierten hier den Ostcrtag, der auf den 23. März fiel. Hierher kamen auch Gesandte der Griechen, der Beneventer mit Geschenken, zwölf Fürsten der Ungarn und zwei der Bulgaren." Lamperts Jahrbücher haben diesen Bericht noch ein wenig erweitert: Kaiser Ltto war im August 972 aus Italien heimgekehrt. Er hatte am Palmsonntag des folgenden Jahres das Grab der Edgitha in Magdeburg besucht. In Quedlinburg feierte er Ostern. Unter den ausländischen Gesandten, die ihm hier huldigten, waren auch die der Bulgaren. Von Quedlinburg zog der Kaiser nach Merseburg, wo er am 1. Mai 973 das Himmelfahrtssest feierte. Bereits am 7. Mai starb er in Memleben. Entweder auf der Reise nach Quedlinburg, wenn nicht dortselbst, hat Ibrahim ibn Jakub die Gesandten der Bulgaren gesehen und gesprochen. Im 1. Absatz des 5. Kapitels im 2. Teile von Abu Ubaids Buch heißt es hierüber: „Was nun den König der Bulgaren betrifft, so sagt Ibrahim, der Sohn des Jakub, so habe ich sein Land nicht betreten. Aber ich habe seine Gesandten in der Stadt Magdeburg gesehen, als sie zu König Otto kamen. Sie trugen enge Kleider und waren mit langen Gürteln geschmückt, an denen Knöpfe aus Gold und Silber befestigt waren. Ihr König ist hohen Ranges; er trägt eine Krone, hat viele Beamte und gebietet lind verbietet nach Ordnungen lind Gesetzen wie nur ein mächtiger König. Die Bulgaren sind sprachenkundig. Sie haben das Evangelium in die slawische Sprache übersetzt und sind selbst Christen." Fast ein Jährtalisend liegt zwischen der Gesandtschaft an Kaiser Ottos Hof und dem Besuch der Vertreter des bulgarischen Volkes in Deutschland. Möge das Bündnis zwischen Deutschland und Bulgarien zum Segen für beide Völker sein, die gewaltige gemeinsame Interessen für alle Zukunft verbinden! fingt um flugt. Russischer Sozialroman von M. P u l v e r m a n n. (Fortsetzung.) ^8abriel sprang entsetzt auf, und Baruchs Schulter mit eisernem Griff erfassend, stieß er ihm das eine Wort mit heiserer Stimme entgegen: „Erzähle!" Mit einer kaum wiederzugebenden verächtlichen Gebärde schüttelte Baruch den Arm von sich und begann: „Kurz vor Weihnachten bemerkten wir Juden, daß wieder irgendein Teufel in die Muschiks gefahren war. Finster und verbissen gingen sie umher, und es mehrten sich allerlei Anzeichen, daß sie abermals etwas Böses gegen uns im Schilde führten. Aber auch wir trafen diesmal unsere Vorkehrungen,