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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-19 · Heft 20 (19.5.1916) · p. Seite 232

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 20 (19.5.1916)
Date
1916-05-19
Page
Seite 232 (sequence 4)
Language
German
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232 In seiner Begrüßungsansprache -gedachte Professor Guttmann Zunächst der schweren Zeit des Krieges und der Stellung der Religion mit ihren Friedensidealen in dem uns -aufgezwungenen Kampf. Des weiteren berührte er die seit der letzten Generalversammlung durch den Vorstand erledigten Geschäfte, besonders verweilte er bei der Einrichtung der FeldseeIsor g.e und deren Anerkennung durch die Behörden. Den Feldrabbmern und ihren: vorbildlichen Wirken sprach er den herzlichsten Dankdes Verbandes aus. Sodann gedachte er der seit der letzten Versammlung entschlafenen Mitglieder, unter denen er besonders Vogelstein (Stettin) und Cohn (Kattowitz) erwähnte. Der Bericht schloß mit einen: begeisterten Dank an das deutsche -beer mW seine Führer, die des Vaterlandes Grenzen in so aufopferirngsvoller Weise schützten, und einem Hoch auf den obersten Heerführer, den Kaiser. Den Kassenbericht erstattete für den erkrankten Werner (München) Bl u menthal (Berlin). Es wurde beschlossen, den Geschäftsbericht mit dem Kassenbericht und dein nächsten Punkt der Tagesordnungder M i li t ä r s e el s o r ge, zugleich zur Besprechung zu stellen. In feinem Referate über die Mlitärseelsorae sprach Kopfstein (Bentheim) aleichsalls zu Beginn den Feldrabbinern sür ihre Tätigkeit herzlichsten Dank aus. Er schilderte dann anschaulich die Probleme, die der Krieg in der Seelsorge ergeben hatte, indem zu den Landeskindcru noch der unendliche Strom der Gefangenen kam. Für die bisherige Regelung. die durch den Verband der deutschen Juden geschehen sei. müsse an sich Dank ausgesprochen werden, wenn auch vieles über den Kopf des Rabb i nerve rbaudes und seinen Wünschen entgegen geschehen sei. Die Wünsche, die der Redner zum Ausdruck brachte, leiteten zu einer Besprechung der Stellung der Mititärseelsorge im Frieden über, ß"ir die man Gleichstellung mit den christliche n K o n f e s s t o u e n verlangen müsse. Fn der stellenweise sehr lebhaften Debatte, die sich auch mit der rechtlichen und sonstigen Stellung des Rabbiners überhaupt befaßte, waren sich alle Seiten darüber einig, daß einerseits der Rabbinerstand vollauf und opferfreudig, seine R flickt in diesen Angelegenheiten erfülle, daß andererseits Mißbelliakeiten entstände!: leien, welcke ans den: nickt reckt geklärten Verhältnis zun: Verbände der dentsck.cn Fuden berrühren. Von vielen Seiten wurde in allen religiösen Angelegenheiten ein durchaus selbständiges Vorgehen des Rabbinerverbandes emdsoble,?. von anderer Seite wurde ein vermittelndes Verfahren gewünscht. Da die Ansichten sieb sehr schroff gegenüberstanden. wurde schließlich ^me Verständiaungskommission eineeüwt. Am sollenden Taae leat" sie der Versammlung, nachstehende Eutchließuna vor. welche e i n st i m m i a e Annahme fand: ,.A l s den w e : t v o l I st e n G e!v i n n des n e o e n w ä rti - neu P ö l k e r r i n a e n s. in dem it n>r deutsches Volk aenen eine Welt von Feinden b e-l d e n m ü t ig u m sei n Dasein n n d seine h ö ck st e n G ü t e r k ä m v f t. e r a cktet der Verband der Rabbiner in Deutschland di" Erstarkung des religiösen B e w u ß t s e i n s n n d d i e R ü ck - kehr der Seele Z u Gott. Der Verband h ält es sü r d i e v o r n e h m st e Aufgabe des Rgbbiners gls des ber'it f e n c n Vertreters der : t'r dischen Religion, diese Wirk u n a i n u 1: f >e rer religiös en Gemeinsck a ft f fr r d i e Dauer zu erhalten. Dazu ist n o t in endig, daß d e m Rabbiner die gesetzliche S t e l l u n n geoebe u in e r de die allein die Er fü l l'U n a di es e r?lu f a a b e z u g e w ä h r l e i st e n v e r n: a g. In allen religiösen Angelegenheiten der deut - 'cken F n d e n h e i t hält der R a b b i n e r v e r h a n d in Deutschland eine v o r g ä n g i a e s e l b st ä n d i a e Behandlung durch seine Organe f i'r r unerläßlich. Er i st bereit. Zn ihrer Durchfübrnna mit allen anderen Organisationen z u s a m m e n z u w i r k e n , und e r - w a r t e t, daß Verhandlungen mit den Behörden, soweit sie religiöse Fragen b e r ü h r e n, nur im Einverständnis m it dem R a b b i n e r v e r b a n d in D e u t schlau d geführt werden. Auf dieser Grundlage beauftragt die Generalversammlung. den geschä ft s füh r e nd en Vorstand, eine Verständigung mit dem Verband der deutschen Juden in den darauf bezüglichen Fragen alsbald herbeizuführen." Die weitere interessante Debatte über die oben erwähnten Gegenstände brachte verschiedene Stimmungen und Wünsche zum Vorschein. Fast allseiti'ge Uebereinstimmrmg herrschte darüber, daß die gegenwärtige rechtliche Lage des preußischen Nabbmerstandes eine auf die Dauer unhaltbare sei und daß unabhängig von der Organisationsfrage eine Aenderung angestrebt werden müsse. Es wurde hervorgehoben, daß der Rabbinerverband seinem Vorstände, dem er für seine treue Mühewaltung zu herzlichsten: Danke verpflichtet sei, nicht gut zmnuten könne, die sehr erhebliche Arbeitslast im Nebenamt zu erledigen, und daß daher nach dem Vorbilde anderer Organisationen ein besoldeter Syndikus 'angestellt werden müsse. Auch auf die Notwendigkeit einer Fachpresse wurde hin gewiesen, da dem Rabbiner zur Vertretung seiner idealen Standesinteressen bisher keine rechte Möglichkeit in der Presse gegeben sei. Die Versammlung übergab, indem sie ihr" grundsätzlich" Zustimmung zu beiden Punkten zu erkennen gab. beide Anträge einem Ausschuß, der die Lösung der Fragen vorbereiten soll. Des ferneren wurde eine bereits von: Feutralgusschuß gewählte Gefebeskonnnission bestätigt, welch" die gesamte Stellung d-"s Rabbiners — sowohl die gesetzliche wie die innerhalb der Gemeinde - untersuchen und geeignete Wege zu der dringend erforderlichen Bellern na d'eser Stellung weisen soll. Als Material wurde ihr ein Antrag überwiesen, der au: ehre A blös ir n g der Ge b ü h r e n f ü r K a s rr a l i e n hinzielt. Die Ngchluittagsisitzrrna leitete M n n k (Marburg), da -der Vorsitzende w-eaen eines Tranersglls in der Familie zur Abreise gezwungen war. Rosenberg (Tborn) hielt ein Referat über den indisch m Religionsunterricht an höheren Lehranstalten. Er zeigt-" historisch, wie die bisherige schwierige Lage entstanden wi. und leate sie in ihren: ganzen llnnange dar. Sodann schilderte er in allen Einzelheiten die Wünsche, welche m erfüllen seien, und leate eine Anzahl von Thesen vor. Da der Vortraa im Druck erscheinen wird, kann ans eine Wiedergabe des Inhalts hier verzick-tet werden. Rack langer Debatte wurden die Thesen, bis aus eine, in etwas veränderter Gestalt angenommen. Sie verlan.geu. daß indischer Religionsunterrickt überall eingerichtet werde, wo indische Kinder vorhanden seien, daß die Kosten vor: der Pgtronatsbehörde übernommen werden, daß der Unterricht in allen Klassen erteilt und davon nur befreit werden solle, wenn beim Vorliegen religiöser Bedenken ein vollgültiger Ersgtzuuterricht nachgewiesen sei. Ferner wird verlangt, daß nur Rabbiner und solche Lehrer zur Verwendung gelangen. die ihre B-efähianna nachweifen (inden oberen Klassen akademisch gebildete), daß die Schülerim laufenden und im Reifezeugnis eine Zensur erhalten, und schließlich, daß der südische Religionslehrer zu allen Konferenzen binzuzuzieheu sei, in denen es sich um seine Schüler handelt. Ferner wurde dem Vorschläge des Referenten zugestimmt, daß das Hebräische als Lehraegenstand beim Religionsunterricht dort zu erstrebensei. wo die Schüler ohne Kenntnis des Hebräischen aufzuwachsen drohen, und daß in den Ausnahmefällen, da an den höheren Lehranstalten kein Reliaionsunterricht eingerichtet sei-, der Besuch der Religionsschule der Synagogen gemeinde bis zum 14. Lebensjahre als obligatorisch erachtet werden müsse. Ueber den zugleich vorgelegten Entwurf eines Normallehrplans fand keine Diskussion statt. Die Debatte über die Thesen, die sich in der Bormittagssitzung des folgenden Tages fortschte, wurde abgebrochen, um das Ergebnis der Neuwahlen zu verkünden. Zu Ehrenmitgliedern des- Zentralausschusses werden gewählt: Bloch (Posen), Frank (Köln), Maybanm (Berlin) nnd Rosenthal (Breslau). Mitglieder sind: Appel (Karlsruhe), Vlumenthal (Berlin), Cohn (Jchenhausen), Cohn (Rawitsch), Eschelbacher (Berlin), Freudonthal (Nürnberg), Gronemann (Hannover), Guttmann (Breslau), Horowitz (Frankfurt a. M,), Jacob (Dortmund), Kopfstein (Beuchen), Munk (Marburg), Nobel (Frankfurt a. M.), Rosenthal (Köln), Salfeld (Mainz), Samuel (Essen), Seligmann (Frankfurt a. M.)>, Walter (Bromberg), Werner (München), Winter (Dresden) und Wreschner (Samter). Stellvertretende Mitglieder sind: Baeck (Berlin), Goldmann (Oppeln). Löwenthal (Hamburg), Neumark (Duisburg) und Theodor (Bojanow).

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