Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1916)
- Date
- 1916-05-12
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 des Buches, das eine Lokalgeschichte und nicht ein Abschnitt deutscher Geschichte sein soll, nicht erzählt. Nur die Frankfurter Vorgänge während der Zeit, da das Parlament in Frankfurt tagte, werden dargestellt. Bei diesem vollkommen zu billigenden Verfahren des Verfassers wird natürlich nichts von dem Auftreten Rießers und mancher anderer Juden, die Mitglieder des Parlaments waren, erwähnt. Auch über die Behandlung der Judenfrage in dem Parlament, wobei wiederum Rießer, Mohl und andere hätten erwähnt werden müssen, wird nichts berichtet. Der vorliegende Band geht - nur bis zum Jahre 1851. Aus den letzten Jahren ist nichts Besonderes hervorzuheben. Man sieht ans den vorstehenden Notizen, daß das fleißig gearbeitete, gut geschriebene, ruhig und vorurteilslos abgefaßte Buch gar manches enthält, das auch für die Geschichte der Inden bedeutungsvoll ist. L. G. * — „B o m g e s i ch e r t e n u n d ungesicherten Leben." Ernste Plaudereien von Georg Hermann. Egon Fleischel u. Co., Berlin. 1915. Wenn man das Jüdische in diesem Werk allein erwähnen wollte, so konnte man schnell fertig sein, indem man auf S. 212 sf. verweist, wo über die Entstehung von „Jettchen Gebert" kurz gehandelt wird. Aber dieses Buch eines deutschen Schriftstellers jüdischen Glaubens darf in dieser Zeitschrift auch wegen seines allgemeinen Inhalts und um der Person des Autors willen erwähnt werden. Es ist ein'rein persönliches Werk, ein Brich, in dem der Verfasser, zwar keineswegs nur über sich, aber über den Stand spricht, dem er angehört, und merkwürdige Betrachtungen, oft sprunghaft, selten methodisch, über Schriststellertum, Antorennvte und über das Verhältnis des Dichters zum Publikum und zur Nachwelt anstellt. Vieles darin ist sehr sinnig und -schön, -alles ist anregend, manches reizt zunr Widerspruch. So möchte ich dem Abschnitt über Frühverstorbene, in welchem Hermann den Satz verteidigt: zu früh Verstorbene gäbe es nicht, sondern gerade die, die in jungen Jahren heinigegangen seien, Hütten sich ausgelebt, ein ignoramus oder ein herzhaftes non credo entgegensetzen. Tenn wissen wir oder können wir wissen, ob und was z. B. Schiller und Byron oder die großen Maler und Musiker, die in jugendlichem Alter der Welt entrissen wurden, noch später geleistet hätten? Wir kennen eben nur die eine Seite ihres Wesens (bei Schiller vielleicht mehrere), wir klassifizieren sie danach, aber wir vermögen nicht anzugeben, ob sie nicht wirklich zu anderen Entwicklungen hätten gelangen können, so sehr wir sie in der von ihnen erreichten bewundern und lieben. Aber wie gesagt, das Buch ist so voll von intimen Bekenntnissen, von allgemeinen Betrachtungen und von immer anregenden Plaudereien, daß man von Anfang bis Ende dadurch gefesselt wird, und ich bereite mir selbst eine große Freude, indem ich auch arideren das Werk zu ernster und gesammelter Lektüre empfehle. L. G. * Rabbinische W u n d e r g e s ch i ch t e n des neut e st a m e n t l i ch e n Z,e i t a l t e r s in vokalisiertem Text mit sprachlichen und sachlichen Bemerkungen von Ille. theol. Paul Fiebig, Gymnasialoberlehrer in Gotha. (Aus der Sammlung' „Kleine Texte für theologische und philologische Vorlesungen und Hebungen". Herausgegeben von Hans Lietzmann. Heft 78.) Bonn. Lic. P. Fiebig gehört zu der kleinen Zahl christlicher Theologen, die bei eingehender Beschäftigung mit dem jüdischen Schrifttum dasselbe schätzen gelernt haben und es als einen notwendigen und aufschlußreichen Behelf für die Erklärung des Neuen Testaments heranziehen. Schon aus'diesem Grunde ist die Auswahl von „Rabbinischen Wundergeschichten" zu begrüßen, die der Herausgeber als Material zum Studium und zur Erklärung der zahlreichen Wunder geschichten des Neuen Testaments aus der zeitgenössischen jüdischen Literatur (aus den beiden Talmuden und den älteren Midraschim) zusammengestellt hat. Im Mittelpunkt der Texte steht naturgemäß der sronune R. Ehanina ben Dosa (um 70 n. Ehr.), dessen Verehrung beim Volke in den zahlreichen Legenden zu charakteristischem Ausdruck (Nr. 4 bis 7) kommt. Aus der Reihe der gebotenen 18 Texte erwähne ich ferner die Schilderungen von dem Märtyrertode des Rabbi Akiba (Nr. 12) und des Rabbi Chanina ben Teradjon (Nr. 13) sowie den Bericht über die mannigfachen Wundererscheinungen beim Tode hervorragender Nabbinen (Nr. 16). Was das Aeußere der Textstücke betrifft, so sind dieselben vielfach in den abweichenden Relationen der verschiedenen Quellen angeführt, vokalistert und mit zahlreichen sprachlichen und sachlichen Bemerkungen versehen, wofür dem Herausgeber insbesondere die Studierenden der christlichen Theologie, für die das kleine Heft in erster Reihe bestimmt ist. Dank wissen werden. Es kann nicht Aufgabe dieser kurzen Anzeige sein, im einzelnen daraus hinzuweisen, daß die Vokalisation nicht immer frei von Fehlern ist. Auffällig ist die mehrfach' (S. 21, 22, 23) wiederkehrende Bemerkung, daß die im Texte erwähnten Tradenten „bei Strack nicht erwähnt" sind. Als ob nie ein Wilhelm Bacher gelebt hätte, dessen epochemachende Studien, insbesondere auf dem Gebiete der Haggadah, doch auch von einem nichtsüdi scheu Theologen gekannt und angeführt werden sollten. Zu S. 21 Anm. e) hätte ein Blick in Bachers Agada der palästinensischen Amoräer dem Herausgeber gezeigt, daß R. Aschian ein palästinensischer Amoräer ist, der dem Kreise R. Achas im Anfang des 4. Jahrhunderts angehörte und ein Zeitgenosse des im Texte vorhergenannten R. Zei'ra war (a. a. O. Bd. III, S. 108 u. ö.). lieber R. Jizchak ben Eljaschib (um 300 n. Chr.) s. gleichfalls Bacher a. a. O. Bd. III, S. 450, und Frankel, Mebo hajeruschalmi S. 166 b. Zabdai (vgl. Zebedaios Mark. 1, 19, Matth. 4,21) bar Levi lebte im 3. Jahrhundert (Bacher a. a. O. S. 640), der daneben genannte Jose ben Petras war der Schwiegervater des Josna ben Levi (a. a. O. S. 598). Unzweifelhaft bietet das kleine Heft auf nur 25 Seiten einen lehrreichen Einblick in ein wenig beachtetes Gebiet des jüdischen Schrifttums. Aussig a. E. Dr. Arthur R o s e n z w e i g. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Gottfried Kellers Leben, Briefe und Tagebücher. Auf Grund der Biographie Jakob Baechtholds dargestellt und herausgegeben von Emil E r m a t i n g e r. Erster Band 1915, zweiter Band 1916. Stuttgart und Berlin, I. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger. Der Jüdische Nationalsonds. Bon Adolf Böhm. Herausgegeben vom Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds, Den Haag, Bierkade 8a. Der Jude. Eine Monatsschrift. I. Jahrgang, Heft 1, April 1916. N. Löwit, Verlag, Berlin und Wien. Ter Neue Merkur. Monatsschrift für geistiges Leben. 2. Jahrgang. Februar 1916. Herausgeber Efraim Frisch. Mit Beiträgen von Strindberg, Albrecht, Men de! ss oh n-Bar tholdh usw. Georg Müller Verlag, München und Berlin. Rechenschaftsbericht der Vereinigten Verwaltung der Israelitischer' Kranken-Unterstützungs-Vereine in Mannheim für das Jahr 1915 Im Anhang: Jubiläums-Festpredigt des Stadt- und Konferenz rabbiners Dr. M. S t e ck e l m a ch e r. Jubiläumsausgabe 1816/1916. Alttestamentliche Lyrik. Bon Pfarrer Paul Fleischmann (Berlin) 1. bis 5. Taufend. Praktische Bibelerklärung. Herausgegeben vor K a r l Aue r. Tübingen 1916, Verlag von I. B. E. Mohr. Sprrchsaal. Vom Hilfsverein der Deutschen Inden erhalten wir folgende Zu schrift: „In der Jerusalemer hebräisch-zionistischen Zeitschrift „Hacheruth" stand eine Notiz folgenden Inhalts, die auch in hiesige Blätter übergegangen ist: „Ein Lehrer des Lehrerseminars des Hilfsvereins in Jerusalem erlaubte sich während einer Unterrichtsstunde in der vorletzten Klasse über Juden und . über die jüdischen Kolonien Palästinas beleidigende Bemerkungen zu machen. Die Schüler fühlten sich verletzt und verließen die Schule. Zwei Tage stand die Schule leer, bis die Leitung der Schule versprach, den Lehrer am Ende des Sommersemesters zu entlassen." Wir können auf Grund von telegraphischen Mitteilungen feststellen, daß der ganze Bericht von Anfang bis zu Ende auf Erfindung beruht."