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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-12 · Heft 19 (12.5.1916) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 19 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 endlichen orten in ck derart chte. e Frage t diesen, Von den ivährend löst; die >erz einmd fuhr n Spieß du mich Gabriel, m Leibe c Strafe cht bloß hast du : wieder Pen. lefallen? Examen e Pläne Wehmut e meine machen Präfekt bedeutet Gabriel; es hat n. Die >ast, der Schrit! m. Dn tt durcl Jä Keinen; sie still nnft dl; Beweg irgeno rr, ehe, tammeunserer ng, daß les von;tzt habe hten in solchen hast bei zu be- Stiefei zu der Melodie, die er erst vor einigen Tagen in der Synagoge bei dem Gottesdienst gehört. — Endlich aber sprach er doch, >md eine grimmige Wut war in seinen Worten unverkennbar. „Meinetwegen! Meine Aufgabe ist es, die Ruderstange zu führen, nicht aber Moral- und Sittenpredigten zu halten. Wenn die Vorsehung es so bestimmt hat, daß alle Gesetzgeber dieses Landes ihre Fähigkeit dazu erst erlangen, nachdem sie vom Taufwasser bespült werden, dann ist es auch Sache der Vorsehung und nicht meine. Ebenso mußt du deine Taten mit dir selbst ausmachen. Ich enthalte mich jedes Urteils darüber." „Dann können wir ja weiter plaudern," sprach Gabriel mit einer gewissen Erleichterung. Er wolle die Erbitterung in Baruchs Worten nicht heraushören. „Was willst du also noch mehr wissen?" „Die Ursache deines Herkommens." „Der Präfekt ist bei Torakow zu Besuch, und ich befinde mich in seiner Begleitung." „Und du — du — wohnst bei — bei — Torakow?" scharf und schneidend stieß Baruch diese Frage hervor. „Natürlich! Als Begleiter des Präfekten, wo sollte ich sonst wohnen?" „Du bist Torakows Gast und sitzest an seinem Tische?" Gabriel preßte die Lippen zusammen und sagte mit scheinbarer Gleichgültigkeit: „Was ist denn eigentlich Befremdliches dabei?" „Nun," erwiderte Baruch ausweichend, „kommt es dir nicht selbst fremd vor? Als du aus Ditomsk weggingest, hast du wohl eher an alles andere gedacht als daran, daß du eines Tages TorakowS Gast fein würdest. Ist es nicht so, Gabriel?" „Ja, ja; es ist so. Aber, Baruch, dennoch wirst du mich nicht täuschen. Ich kenne dich ja zu genau, daß du eine Frage nicht zweimal wiederholst, nur um einen Gegensatz zwischen einst und jetzt sestzustellen. Also, bitte, sage mir, welche Absichten verfolgst du mit deiner wiederholten Frage? Ich will es wissen." Statt zu antworten, bedeckte Baruch sein Gesicht mit beiden Händen, und Gabriel mußte mit Befremden wahrnehmen, daß dessen ganzer Körper vor unterdrücktem Lachen sich schüttelte. „Willst du mir nicht wenigstens die Ursache deiner Lustigkeit mitteilen, damit ich mich auch daran beteiligen kann," rief Gabriel ernstlich böse. „Die Sache läßt sich nämlich nach zwei Seiten auffassen; sie birgt sowohl die höchste Komik als auch den tiefsten Ernst in sich," erwiderte Baruch, bei dem das Lachen schon wieder verflogen war. „Du freilich wirst diesem Humor keinen Geschmack abgewinnen." — Nach diesen Worten ging eine merkliche Veränderung in seinem Wesen vor, und mit kaum be-;ähmbarer Wut ries er laut: „Höre, Gabriel, wenn du bei Torakow als Gast weilst, dann bist du der Gast des Mannes, der den Tod deiner alten Eltern auf dem Gewissen hat!" (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Geschichte der Freren Stadt Frankfurt a. M. 1814 bis 1866). Von Richard Schwemer, im Aufträge der städtischen Historischen Kommission. 3. Band, 1. Teil Frankfurt a. M., Joseph Baer u. Co., 1915. Veröffentlichungen der Historischen 'Kommission der Stadt Frankfurt, a. M., V., 1/ Teil. Der dritte Band der Geschichte von Frankfurt a. M. enthält auch manches über die Juden. Am neugierigsten war ich, ob und wie die Frankfurter Reformbewegung 1843 darin behandelt wäre. Meine Wißbegierde wurde nicht voll befriedigt. Im Text nämlich heißt es nach einer Darstellung der Känrpfe innerhalb des Protestantismus und Katholizismus S. 79: „Die Kämpfe, die im Judentum sich zwischen starren Talrnudisten und Reformfrenndeu entwickelten und in denen der edle Gabriel Rießer ein Führender war, traten nur wenig an die Oberfläche/' Das ist nun freilich recht kurz und überdies vollkommen falsch; denn erstens wird der Inhalt dieser Kämpfe nicht richtig allgegeben, und zweitens hat Rießer, der gewaltige und erfolgreiche Emanzipationskämpfer, urit diesen Frankfurter Resormstreitigkeiten gar nichts zu tun. Er war innerlich viel eher ein Gegner dieser Bestrebungen als ihr Anhänger. Noch weniger ihr Führer, wie aus den Briefen von M. A. Stern an Rießer hervorgeht, die in meiner „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" vor vielen Jahren veröffentlicht worden sind. Diese Neformstreitigkeiten sind in mannigfachen Arbeiten über die Geschichte des Judentums ausführlich behandelt; der Verfasser telmt offenbar keine von ihnen; denn in den Anmerkungen weist er nur auf einzelne politische, nichtjüdische Zeitungen hin. Wenn er dabei die Ernennung des Leopold Stein zum Frankfurter Rabbiner 1845 erwähnt, so ist dies eine Gemeindeangelegenheit, die mit den Resormkämpsen, einem privaten literarischen Streit, nicht das geringste zu tun hat. Interessant ist aber, daß der preußische Gesandte die Angelegenheit für wichtig genug hielt, um feiner Regierung einen Bericht darüber abzuftatten, 7. September 1843. Da dieser Bericht kurz ist, so mag er hier folgen: „In den letzten Wochen habe ich Cw. Königl. Majestät Ministeriuni wiederholt über den heftigen Zwiespalt unter den hiesigen Juden ausführlich Bericht erstattet. Die jetzige Sachlage kann man in kurzem folgendermaßen bezeichnen: die ungläubige Partei ist bei weitem die zahlreichere und hat namentlich in dem Gemeindevorstand und dem Gemeindeausschuß ausschließlich Einfluß so wie ihr auch die Gunst der Mehrheit des Senats zur Seite steht. Allerdings zerfällt sie in sehr verschiedene Nuancen der Meinung, aber ihre meisten Mitglieder gehen weit über bloßes Abwersen eines großen Talmudismus hinaus, und nicht wenige bekennen den krassesten Unglauben. Der von mehreren der letzteren beabsichtigte Neformverein entbehrt aller positiven Basis. Dadurch, daß die hiesige sanitätspolizeiliche Behörde, indem sie die Gegenwart eines Arztes bei jeder Beschneidung eines jüdischen Knaben vorschrieb, zugleich durch einen nicht ohne Absicht gewählten Ausdruck diesen Akt als fakultativ bezeichnet, ist den Reformlustigen der Anlaß zu einer auch äußerlich hervortretendeu Desorganisation des Judentums geboten worden." Von sonstigen die Juden betreffenden Notizen sei nachstehendes hervorgehoben. In den Frankfurter Mürzunruhen (Anfang März 1848) wurde von einer Volksversammlung die staatsbürgerliche Gleichheit ohne Unterschied des Glaubens angenommen. Gegen diesen Beschluß kamen der Behörde Bedenken und der Senat erklärte sich trotz eines Protestes des schon genannten Rabbiners Leopold Stein gegen die Gleichstellung. Merkwürdig ist auch hier ein offizieller Bericht von Curtius, in dem es heißt (6. März 1848): „Das Gerücht sagt, die Juden hätten, um ihre vollständige Emanzipation durchzusetzen, Geld unter die Unruhestifter verteilt, welche am Sonnabend den „Römer" förmlich belagert hielten." Ob ein gelegentlich (S. 149) ausgewiesener Literat Dr. Phil. Löwenstein aus Steinbach ein Jude war, läßt sich nicht seststellen. Die Mitteilung (S. 92), daß die Juden zu dem Montagskränzchen wie zu dem Liberalismus aller Spielarten überhaupt ein gewaltiges Kontingent stellten, ist von großem Interesse. Vielfache Bemerkungen beziehen sich auf das Haus Rothschild, in denen freilich nicht die Zugehörigkeit der Inhaber dieses Hauses zunr Judentum besonders hervorgehoben, sondern einfach ihre Geldmacht konstatiert wird. Besonders wichtig sind die Mitteilungen über bk Geldknappheit in Frankfurt 1848 und über die Unmöglichkeit, die der Chef des Hauses konstatiert, für den Wiener Platz von Frankfurt aus etwas zu tun (S. 380). Ferner die Ausführungen über die finanziellen Beziehungen des Hauses Rothschild zu dem Kurfürsten von Hessen und die über ben proletarischen Zorn gegen die Macht des Geldhauses, der in Aeußerungen von A. Weill und dem bekannten Gedichte von Karl Beck (beide mitgeteilt S. 387) zum Ausdruck kommt. Ferner sei auf einen Bericht über die Zahlungseinstellung des Hauses v. Haber u. Eo. in Karlsruhe hingewiesen, das in Frankfurt eine Filiale hatte. Die Inhaber dieses Hauses waren jüdischen Ursprungs, übrigens mit dem Hause Rothschild nahe verwandt (S. 100). Auch darüber gibt es einen offiziellen Bericht (S. 390), der geradezu dem Hause Rothschild den Zusammenbruch des Karlsruher Hauses schuld gibt. Die Geschichte der Paulskirche oder vielmehr die des in jener Kirche tagenden deutschen Parlaments wird gemäß dem Charakter

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