Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-05 · Heft 18 (5.5.1916) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 18 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229251--72203-3284631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

2 Berlin, 2. Mai. Das- Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: B-izewachtmeister Dr. Theodor Alexander; Unteroffizier der Landwehr Max Katz; Gefreuter Herbert Lobfenzer; Gefreiter Fritz Blumenau; Gefreiter Meyer Levh; Alexander Erich Hirschfeld; Unteroffizier Richard Brandt; Qfsizi-ersafpirant Unteroffizier Bernhard Schwab; Unteroffizier Leo Ehrlich; Dr. Adolf Weiß, Mzewachtmeister des 1. Gardedragonerregiments, dritter Sohn des Herrn Max Weiß (Groß- Berlin). Die -gleiche Auszeichnung erhielten: Ossiziersafpirant Vizewachtmeister der Reserve Franz Wolfes, Sohn des Justizrats Dr. Wolfes; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Otto Lehmann, Sohn der Witwe Frau Adela Lehmann (Hannover); Unteroffizier der Reserve Referendar Ernst Oppenheimer (Kassel); Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Stud. jur. Alexander Lewh (Dresden); Gefreiter Hugo H e hmann (Oppeln); Bataillonsarzt Dr. S ch l e - sing e r (Kempen i. P.); Gefreiter Leo B e r n st e i n (Riesenburg). in. Köpeniek-Berlin, 2. Mai. In einem Rundschreiben hat der Vorstand der hiesigen- Synagogengemeinde alle Mitglieder aufgefordert, dem Vorstande mitzuteilen, wenn ein Mitglied der Gemeinde oder ein Familienangehöriger derselben auf dem Felde der Ehre fällt oder eine hohe Auszeichnung erhält. Leider ist dieser Bitte, obwohl sie schon gleich nach Beginn des Krieges erging, nicht entsprochen worden. Rur durch die Zeitung erfuhr der Gemeindevorstand, daß bereits sieben Kämpfer für das Vaterland den Heldentod starben, darunter ein Offizier und ein Feldunterarzt. Das Eiserne Kreuz erhielte!, bis jetzt Stabsarzt Dr. P ifferling, Leutnant Dr.'Sch übler (gefallen), Leutnant Z i p p e r t, Oberarzt Dr. G o st y n s k i, Feldzahnarzt Bernstein, der Vorsitzende unserer Gemeinde und Unteroffizier d. L. C h r a p l e w s k i. Gewiß ist diese Aufzählung lückenhaft; denn es ist anzunehmen, daß in den vielen Orten, die zu unserer Gemeinde gehören, noch Mitglieder wohnen, die obige Bitte des Vorstandes noch nicht erfüllt haben. Da diese Mitglieder doch nicht der Ehrenpflicht, gewünschtes Material dem Vorstande zukommen zu lassen, sich entziehen wollen, bedarf es wohl nur dieses Hinweises, um die an der Peripherie der Reichshauptstadt wohnenden Mitglieder unserer Gemeinde an ihre Pflicht zu erinnern. W. Labiarr, 28. April. Vor einigen Tagen wurde die Anzeige erstattet, daß der Händler Jude! B'lumberg aus der Memeler Straße von einem Geschäftsgang bis zum späten Abend nicht zurückgekehrt sei. Die Spur des Vermißten führte nach der Katharinensträße 6. Bei der Durchsuchung der Wohn räume wurde die Leiche des Blumberg in einer kleinen Dachkammer aufgefunden. Nach dem Befund einer daneben liegenden Wohnung mußte der Mord dort ausgeführt worden sein. Die Wohnung hatte der Seefahrer und Arbeiter Johann Theodor Karkling inne. Da er in letzter Zeit keine Arbeit hatte, benutzte er die Abwesenheit seiner Frau an dem fraglichen Tage, um bei Blumberg einen Stuhl und ein Paar alte St-iefel zu verkaufen. Bei dieser Gelegenheit sah er, daß der Händler eine größere Summe Geldes bei sich führte. Er veranlaßte diesen nun, zu ihm zu kommen, wo er ihn ermordete. Karkling bestritt zuerst alles, gab dann aber zu, die Tat allein mit einem Hammer ausgesührt zu haben, um sich in den Besitz des Geldes des Mthändlers zu setzen. J. F. Kattowitz, 28. April. Unter einer Beteiligung, wie man sie in der Stärke wohl hier kaum früher gesehen haben dürfte, wurde gestern der verblichene Rabbiner der Synagogengemeinde Dr. Jakob Cohn zu Grabe getragen. Lange vor 3 Uhr hatten sich die Trauergäste in der neuen Synagoge versammelt, die für die Trauerfeier in entsprechender Weise schwarz ausgeschlagen wurde. Auf dem Tische, wo sonst die Gesetzesrollenverlesen werden, stand der schlichte Sarg. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. Erzpriester Geistlichen Rat Schmidt mit dem Pfarrer der Peter-Paul-Kirche, den Pastor prim. Boß, den Pfarrer Müller von der altkatholischen Gemeinde; ferner erschienen Oberbürgermeister Pohl mann, der Reichsbankdirektor Hirsekorn, die. Rektoren aller Schulen, sämtliche Stadtverordnete, der Gesamtvorstand der jüdischen Gemeinde, sämtliche Rabbiner O be r schl e si e n s im Ornat und eine Anzahl auswärtiger Rabbiner, Kantoren und Lehrer. Schließlich -hatten auch alle jüdischen Gemeinden Oberschlesiens Deputationen entsendet. Die Feier selbst eröffnete Oberkantor Singer mit einem Trauerchoral, worauf der Stadtälteste und Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Sal. Wiener, in tiefer Ergriffenheit, von dem entschlafenen Geiste lichen Abschied nahm. Nach der Trauerrede des Rabbiners Dr. de Haas sprachen noch die Rabbiner Dr. Kopfstein (Beuthen), Dr. E p p e n st e i n (Berlin) und Dr. Braun schweig, er (RYP nik). Nach einem Choral wurde der Sarg gehoben und auf den Leichenwagen gebracht, dem eine große Anzahl Schulkinder voraus»- ging und dem eine nach Tausenden zählende Trauerversammlung auf den Friedhof nach der Gartenstraße folgte. Hier wurde der Sarg von den Vorständen des Brüdervereins zur Grabstelle getragen. Nachdem Oberkantor Singer einen Psalm gesungen hatte, sprachen noch die Herren Rabbiner Dr. Goldschmidt und Justizrat Berger aus Königshütte, Rabbiner Dr. Wreschner (Samter), Vorstand Kober (Breslau) und schließlich Dr. Altmann (Berlin), der Schwiegersohn des Verblichenen. Die -letzten Sonnenstrahlendes. zur Neige gehenden Tages vergoldeten noch die ersten Erdschollen, die auf das Grab dieses ausgezeichneten Mannes fielen, der in unserer Stabt und Gemeinde wohl für immer unvergeßlich bleiben dürfte. 6. Hamburg, 28. April. Im Hamburger Logenhaus, Hartungstraße 9/11, befindet sich schon seit mehr als einem Jahre ein I fr aelitisches Kriegs-Abend heim, das bis 115 Personen beiderlei Geschlechts jeden Wend gastlich aufnimmt und ihnen neben einem ganz billigen warmen Essen einen überaus behaglichen Aufenthaltsort bietet. Die Stammgäste, zu denen auch Nichtjuden gehören, beweisen eine dankbare Anhänglichkeit zu dem wohligen Abendheirn, wo sie gute Bücher, Zeitschriften und die Tagesblätter finden und auch Gelegenheit znm ungestörten Schreiben haben. Ganz besonders kam das Abend- Heim seinem Humanitären Zwecke entgegen durch die Abhaltung von Sederabenden für jüdische Männer und Frauen, die der Krieg einsam und heimatlos gemacht hat. Die Gründerin und Leiterin des Wendheims, Frau Alfred Lev h , war liebevoll daraus bedacht, mit ihren Helferinnen dem Passachfest em behagliches und feierliches Gepräge zu verleihen. In den blumengeschmückten Räumen und an der nach Urväter würdiger Art ausgestatteten Tafel fühlten die 65 Gäste sich wie zu Hause und umsponnen von den angenehmsten Erinnerungen des eigenen oder des Elternhauses. Herr Rabbiner Dr. Loewenthal leitete andachtsvoll den Seder und tauchte ihn in eine so warme Stimmung, daß die unter den Tischgenossen anwesenden Soldaten herzlich bedauerten, früher fortgehen zu müssen, um vorschriftsmäßig zur bestimmten Stunde in der Kaserne zu sein. Alle aber nahmen nach der Verlesung der Haggadah und dem schmackhaften Festmahl den befreienden und ermunternden Eindruck mit, einer Gern eins chaft anzugehören, wo die weiche Hand mütterlicher Fürsorge sich den Armen und Verlassenen gern entgegenstreckt und die Schrecken des Krieges zu mildern sucht. Die Förderung und Unterstützung des Kriegs-Abendheims darf als ein sehr dankbares Werk bezeichnet werden, wie die Erfahrung seit seinem Bestehen immer aufs neue beweist. J. A. Nürnberg, 28. April. Eine der hervorragendsten jüdischen Frauen, Frau Bertha Ziemlich, die Witwe des allverehrten, langjährigen hiesigen Rabbiners Dr. Bernhard Ziemlich, wurde unter großer Beteiligung von seiten der Gemeinde, der Kultusverwaltung und Wohltätigkeitsvereine zu Grabe getragen, obwohl sie mit der ihr eigenen Bescheidenheit in ihrem letzten Willen ihr Begräbnis in aller Stille vorgeschrieben hatte. Unsere ganze Gemeinde trauert um die seltene, in ihrem Wesen und Wirken wahrhaft vorbildliche Frau, die ihre ganze Zeit und Kraft den Ausgaben der Nächstenliebe widmete. Aus vornehmem jüdischen Hause stammend — sie war die Tochter des berühmten Rabbiners Manuel Joel, Breslau —, verbanddie Genannte alle Vorzüge des Geistes wie des Herzens mit praktischer Lebenserfahrung und nimmer ruhenden! Schaffensdrang. Im Israelitischen Frauenverein, im Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, im Kindererholungsheim Forth — überall war sie von früh bis spät mit an erster Stelle tätig, überall Gutes wirkend und überall nach dem Rechten sehend. Ihre ganze Persönlichkeit hatte etwas Vornehmes lind Abgeklärtes, wodurch sie nicht nur in allen Kreisen hohes Ansehen genoß, sondern auch bei auseinandergehenden Anschauungen vermittelnd und ausgleichend wirken konnte. Den Armen war sie nicht nur eine Helferin, sondern auch eine Freundin und Beraterin. Trotz ihrer vielfachen Inanspruchnahme in der jüdischen Wohlfahrtspflege übernahm Frau Bertha Ziemlich mit Beginn des Krieges die Leitung einer Kriegskücke für die städtische Kriegsfürsorge und bewährte auch hierbei ihr Geschick und Organisationstalent. Der Tod ereilte die erst 58jährige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.