Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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80. Jahrgang Nr. 18 Berlin, 5. Mai 1916 Der Gemetndevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". korrrlpondenzm und Aschrichten. SeutMlsnd. &&& Berlin, 2. Mai. Die L e h r a n st a l t für b i c Wissen- ) dp et f t des Judentums versendet soeben den 34. Jahresbericht, dem wir folgende Angaben entnehmen: Auch in diesem Jahre ist die Tätigkeit an der Lehranstalt birrd) den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden, indem wiederum ein Teil der Hörer der Einberufung nun Militärdienst Folge leisten mußte. Es kommt hinzu, daß die Anmeldung neuer Studierender infolge des Kriegszustandes gleichfalls erheblich nachgelassen hat. Von den Hörern ist im vergangenen Jahre Tr. Max Licht enstein auf dem Felde der Ehre gefallen. Es gereicht der Anstalt zu besonderer Genugtuung, daß sie seine erste und einzige wissenschaftliche Arbeit „Tie Grundlagen und die Entwicklung der Bedeutung des Wortes Nephesch" in den „Schriften der Lehranstalt" veröffentlichen konnte, so daß sein Name für alle Zeiten mit der Hochschule verknüpft bleiben wird. Das Mitglied des Lehrerkollegiums, Rabbiner Tr. B a e ck, versieht nach wie vor die Dienste eines Feldpredigers. In diesem Jahre ist ferner noch von den Dozenten Tr. Taub l er zum Militärdienst einberufen worden. Trotz dieser erschwerenden Umstände ist es erfreulicherweise gelungen, den Betrieb der Lehranstalt, wenn auch mit einiger Einschränkung, aufrecht zu erhalten. In der am 29. April 1915 abgehaltenen Generalversammlung, über die wir seinerzeit ausführlich berichteten, wurden die ausscheidendeu 'Nitglieder des Kuratoriums, die Herren Siegfried Brün n. Geheimer Aegierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger und Mar Weiß einstimmig wiedergewühlt. Dem Anträge des Kuratoriums gemäß hat die Generalversammlung den verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Geheimen Justizrat Dr. Herman Veit Timon, in Würdigung seiner großen Verdienste um die- Lehranstalt, zmn immerwährenden Ehrenmitglied ernannt. Die von der Generalversammlung vollzogene Wahl des Herrn Direktor Oskar Wassermann zum Kurator ist von diesem angenommen worden. Am 27. Oktober 1915 feierte das Mitglied des Kuratoriums Herr Geheimer Regierungsrat Professor Tr. Hermann Cohen die fünfzigste Wiederkehr des Tages seiner Doktorpromotion. Aus diesem Anlaß entsandte das Kuratorium eine Abordnung, die dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche des Kuratoriums uberbrachte. Dem früheren Dozenten Tr. Pah u d a, der auf den an der Madrider Universität errichteten Lehrstuhl für jüdisch-spanische Geschichte und Literatur berufen wurde, wird gewünscht, daß es ihm vergönnt sein möge, die ihm zuteil gewordene ehrenvolle Aufgabe im Interesse des Judentums zu erfüllen. ilL11 ehrenden Worten wird im Bericht des verstorbenen Moritz Manheimer, des hochverdienten Begründers der an der Lehranstalt bestehenden Moses-Mend-elsfohn-Toleranz-Stiftung, gedacht und eine eingehende Würdigung des um die Lehranstalt hochverdienten Mannes für den kommenden Jahresbericht angekündigt. Im Laufe des Berichtsjahres haben die Hörer Dr. Fritz Bernstein, Dr. Rudolf Ferda, Dr. Engen Gärtner, Philipp K a tz, Dr. Siegfried Klein und Alex L e w i n die Rabbinatsprüsung bestanden. Von ehemaligen Hörern wurden berufen: Dr. Julius Cohn zum Großherzoglichen Landesrabbiner des Fürstentums Birkenseld, Dr. Siegbert N e u s e l d zum Rabbiner in Briefen. Dr. Fritz Leopold Steint h a l ist zum Feldgeistlichen bestellt worden, ebenso versieht Dr. Rudolf Ferda in Oesterreich die Dienste eines Feldpredigers. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug a) im Sommersemester 1915: 28; 19 aus Deutschland, 6 aus Oesterreich-Ungarn, 1 aus Rumänien, 2 aus Palästina; b) im Wintersemester 1915/16: 25; davon stammten 16 aus Deutschland, 5 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus Rumänien, 2 aus Palästina. Sämtliche ordentlichen Hörer hatten gemäß der Vorschrift der Statuten das Zeugnis der Reife für das akademische Studium. Für die Jahre 1916/17 werden folgende Preisaufgaben gestellt: a) für die Moses-Atendelssohn-Prämien-Stiftung: „Der Einzelzeuge im talmudischen Recht." Ablieferungstermin ist der 1. Oktober 1916; b) für den S.-Maybaum-Fonds: „Die in der Synagoge übliche Seelenfeier soll auf ihren Ursprung und ihre Wandlungen hin untersucht werden." Als Ablieferungstermin ist der 1. April 1917 festgesetzt worden. Von der Dr.-M.-KirschsteiN-Stiftung war für das Jahr 1915 folgende im Jahre 1914 bereits ausgeschriebene Preisaufgabe von neuem gestellt worden: „Die Organisation und Verwaltung der jüdischen Gemeinden soll auf der Grundlage des griechisch-römischen Vereinswesens untersucht und dargestellt werden." Da wiederum eine Bearbeitung nicht eingegangen ist, wird die Preisaufgabe wiederholt. Ablieferungstermin ist der 1. Oktober 1916. Eine der Ausgaben, deren Lösung sich als immer dringlicher erweist, ist die Sicherung der Lage der Dozenten durch Regelung ihrer Pensions- und Reliktenverhältnisse. Ihr wurden im Laufe des Berichtsjahres zwei Stiftungen gewidmet. Zmn Andenken an ihren verstorbenen Gemahl, Herrn Geheimen Justizrat Dr. Herman Veit Sirnvn, der! unvergeßlichen langjährigen Vorsitzenden des Kuratoriums, hat Frau Hedwig Simon aeb. Stettiner 10 000 Mark in deutscher Kriegsanleihe zur Begründung einer Herman - Beit- Simon - Stiftung gespendet, deren Zinsen zu Pensionszwecken Verwendung finden sollen. Aus einer 'lehtwilligen Zuwendung des Herrn Kommerzienrat Emanuel Alexander - Katz in Görlitz von 10 000 Mark wurde mit Zustimmung des Testamentsvollstreckers eine Emannel- Alexander-Katz-Stiftung errichtet, deren Zinsen ebenfalls dem Lehrerpensionsfonds zufließen sollen. Seit dem Ausbruch des Krieges ist in der Zahl der bisherigen Mitglieder ein erheblicher Rückgang eingetreten. Rur der unermüdlichen Werbetätigkeit des Herrn Rendanten Mar W e i ß ist es zudanken, daß beim Jahresabschluß keine allzu großen Verluste zu beklagen sind. Das Lokalkomitee in Frankfurt a. M. hat wie bisher feine Tätigkeit ansgeübt. Denr Leiter des Komitees, Herrn Direktor Tr. Adler, spricht das Kuratorium herzlichsten Tank aus, ebenso den vielen Spendern für ihre im Jahre 1915 eingegangenen Gaben, die in Gemäßheit der Statuten beziehungsweise nach Bestimmung der Geber verwendet worden sind. Der Kassenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 104 565,72 Mark. Das Hauptvermögen der Anstalt wuchs von 1279 834,22 Mark auf 1 300 603,59 Mark. Das Kuratorium ist aus folgenden Herren zusammengesetzt: Geheimer Jnstizrat Prof. Dr. Albert Mosse, stellvertretender Vorsitzender. Jnstizrat Leo L i l i e n t h a l, Schristsührer. Justizrat Dr. Arnold Seligsohn, stellvertretender Schriftführer. Max Weiß, Rendant. Siegfried Brünn, Kontrolleur. Oberregiernngsrat Dr. Paul Meyer, Frankfurt a. M. Geheimer Negierungsrat Professor Tr. Hermann Cohen. Geheimer Regiernngsrat Professor Dr. Ludwig Geiger. Professor Tr. Martin P h i l i p p s o n. Assessor a. D. Dr. Eduard S a ch s. Direktor Oskar W a s s e r m a rt n. 22 Berlin, 2. Mai. In der Borstandssitzung des Vereins z it r II n f e r st ü tz n n g j ü di s che r S ch ü l e t am 26. v. 9JL hielt Herr Direktor Tr. M. H o l z m n n n eine kurze Gedachtnislrede auf den am 20. Februar d. I. verstorbenen, seit 1864 dem Vorstand angehörenden Vorsitzenden Herrn Geheimen Sanitätsrat Dr. Julius Blumenthal. Mit großer Liebe hat sich der Verstorbene den Interessen des Vereins gewidmet und sich stets bemüht, die osl' dürftigen Mittel zu ergänzen und den Zwecken des Vereins neue Freunde zu werben. Mit Freundlichkeit und Milde nahm er sich der Zöglinge an und suchte sie auch ans ihrem späteren Lebenswege zu fördern. Der Verein hat immer im stillen seine Wirksamkeit entfaltet, aber um so hoher ist sein Wirken z.u bewerten, das besonders in unserer Zeit an Bedeutung gewinnt. Denn der Verein macht es sich 51tr Ausgabe, fleißigen und fähigen jüdischen Schülern das Schulgeld zu bewilligen, damit sie die oberen Klassen, möglichst bis zum absolvierten Abiturinm, besuchen können. Aber gerade jetzt sind manche Eltern durch ungünstige Vermögens^ läge oder durch den Kriegsdienst des Vaters außerstande, das Schullgeld auszubringen. Sicher werden auch nach dem Kriege die Anforderungen an den Verein gesteigerte sein, sowohl infolge der Bedürftigkeit der hier lange ansässigen Familien als auch wegen des Zuströmens von oft recht begabten und unterstühungs.nmrdigen, vom Osten eingewanderten Glaubensbrüdern. Daher ist die Gewinnung neuer Mitglieder dringend erforderlich. Auf den Antrag des Herrn Dr. Holzmann wurde Julius Blumenthal zum immerwährenden Ehrenmitglied des Vereins ernannt mib fein Sohn Herr Professor Tr/ Ferdinand Blumenthal zum Vorsitzenden an Stelle des Verewigten.