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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-28 · Heft 17 (28.4.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 deutschen Krieg§presie ve r w a l t uug mitcrftcfjcnb-en jüdischen Zeitungen Polens ist es schon in -einer ganzen Reihe von Fällen gelungen, die Angehörigen von: Verbleib ihrer vor Jahresfrist und noch länger in Gefangenschaft geratenen Familienmitglieder in Kenntnis zu setzen. An der dem Referenten zur Hauptleitung übergebenen Gefangenenseelsorge sind Kultusbeamte und sonstige Vertrauenspersonen beteiligt." In der Aussprache ergänzt Dr. C o h n (Bonn) die Mitteilungen des Referenten; 'sodann gibt Dr. Tawrogi Kenntnis von den einschlägigen Verhältnissen im 21. Armeebezirk (Saarbrücken) und Tr. L e v i von denen im 7. Bezirk (Münster). Es ergibt sich, daß weder für Gefangenennoch für Garnison- oder Lazarettseelsorge der Rabbiner eine einheitliche Regelung durchgeführt, ist. Doch zeigen die örtlichen Maßuah.men, daß die militärischen Behörden gern zu einer solchen geschritten wären, wenn die rabbinischen Verbände rechtzeitig und nachdrücklich bei ihnen vorstellig geworden wären. Dies bestätigt, laut Mitteilung von Dr. Kahlberg, die vorbildliche Regelung der Angelegenheit im 4. Armeebezirk (Magdeburg), woselbst den! Rabbiner Dr. Jarobus ein besonderes Verdienst in dieser Hinsicht zukommt. Für den 7. Armeebezirk soll nunmehr Dr. Jacob (Dortmund) mit der Wahrnehmung und Regelung der Angelegenheit betraut werden. Die Frage, vb Gefangene zur Thora aufgerufen werden dürfen, wird bejaht, da während des Gottesdienst nicht der Gesichtspunkt des feindlichen Ausländers, sondern der der religiösen Verpflichtung maßgebend ist. Der Anbringung des Symbols des Eisernen Kreuzes auf jüdischen Kriegergrabmälern soll ans Vorschlag voll Dr. Frank widerraten werden; man solle sich mit der Ehren» bezeichnnug „Ritter des Eisernen Kreuzes" begnügen. Nach der Mittagspause erstattete Dr. Kahlberg Bericht über die Verhandlungen des Mitteldeutschen Rabbinerverbandes auf den jüngsten Tagungen in Halle. Die wichtigsten Ergebnisse waren: 1. Die Gründung einer Zeitschrift für die rabbinischen Interessen soll mit allen Kräften augestrebt werden. 2. Im Zeichen des Burgfriedens sollen die deutschen Rabbiner ihre früheren, religiösen Streitigkeiten vergessen und zu einer dauernden Einigung zu gelangen suchen. 3. Der Allgemeine Rabbinerverband i. D. sei aufzufordern, baldmöglichst eine Tagung zur Erledigung dringlicher Angelegenheiten einzuberufen, auch seinerseits die Vorarbeiten für eine Verbesserung des Judengesetzes von 1847 in die Hand zu nehmen. Es folgte eine längere Debatte, an der sich Dr. Jacob, Dr. Samuel, Dr. Hanover und Dr. Tawrogi beteiligter!, worauf einstimmig folgende Resolution angenommen wurde: „Der Rheinische Rabbinerverband nimmt mit lebhafter Genugtilllng. Kenntnis von den Verhandlungen des Mitteldeutschen Rabbinerverbandes, erklärt sich im wesentlichen mit dessen Bestrebungen zur Herbeiführung des religiösen Friedens einverstanden, wünscht diesen den besten Erfolg und wird sie tatkräftig unterstützen." Nach sehr interessanten Ausführungen Tr. Samuels zmn „Jüdisch-deutschen Problem" gelangten verschiedene Einzelfragen zur Beratung. Zu einen! wissenschaftlichen Bortrage, der mehrmals zurückgestellt werden mußte, erhielt zum Schluß Dr. Norden das Wort: „Z!lr Exegese von Genesis 3, 22." An der Hand der Uebersetzungeu, insbesondere der Targmnim, erörtert Referent die sprachliche Seite der schwierigen Bibelstelle und mit Beziehung auf die Religionsphilosophen (insbesondere Mainmni, Seser harnmadda) die interessante Frage nach dem Verhältnis der inenschlicheu zur göttlichen Intelligenz und Willensfreiheit. Tr. Jacob gab dazu kurze Ergänzungen und wies bei dieser Gelegenheit auf wichtigere Kriegsschriften hin, wie die von Cohen, G e i g e r , S a m uel, W o h l g e in n t, die zum Versenden au Soldaten ins Feld und an Lazarette geeignet seien. Die iuhaltreiche Tagung, von der noch die Frage der Seelsorge an jüdisch-polnischen Industriearbeitern, ferner ein wissenschaftlicher Vortrag von Dr. S eheste lonntz „Judentum und Parsismus" abgesetzt werden mußten, fand erst um 7 Uhr abends ihren Abschluß. ii. Offenbach a. M., 20. April. Die neue Synagoge, die aur Sonntag, dm 16. d. M., vormittags durch einen feierlichen Weiheakt ihrer Bestimmung übergeben wurde, ist von den beiden einheimischen Architekten Fritz Schwarz und Karl Wagner erbaut worden. Die äußere einfache, strenge Architektur des mächtigen Kuppelbaues, der von zwei kurzen, gedrungenen Türmen flankiert ist, wirkt trotz der geringen Breite der Goethestraße als ein imponierendes Straßenbild. Die Innenarchitektur init ihrer in ruhiger, warmer Abtönung gehaltenen Ausschmückung macht einen vornehmen und feierlichen Eindruck. Der Vorsitzende der Ofsenbacher israelitischen Gemeinde, Justizrat Dr. M. Golds ch m i d t hielt die Festansprache. Oberrabbiner Dr. Goldschmidt hielt die Festpredigt. Ein ausführlicher Bericht folgt. — Frankfurt a. M., 21. April. Rabbiner Dr. Nobel hat die Berufung auf das Wiener Oberrabbiuat nbgelehnt und wird i n Frankfurt bleiben. Dr. Nobel wirkt seit fünf Jahren hier und erfreut sich der größten Wertschätzung bei den Mitgliedern der israelitischen Gemeinde, die seinen Entschluß, nicht nach Wien zu gehen, freudig begrüßen werden. Zu dieser Entsagung mag wohl h auptsächlich eine von 1400 Personen unterschriebene Adresse bei getragen haben, in der es u. n. heißt: „Wir empfinden es als Herzensbedürfnis, Ihnen unseren innigen Wunsch auszusp rechen, daß Sie auch weiterhin Ihre reich gesegnete und dem dankbarsten Verständnis begegnende Wirksamkeit in unserer geliebten Gemeinde fortsetzen und den uralten Glanz des Frankfurter Rnbbinates weiterhin erhalten und urehreu mögen." n. Mainz, 21. April. Am vorigen Samstag verschied im 65. Lebensjahre Herr Arnold K ahn, Mitinhaber der Firma Kahn und Haas, hier. Er war Mitglied des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft, Vorsitzender des Israelitischen Jungvereins, Literaturvereins, Begründer und Vorsitzender des Vereins zur Unterstützung ortsangehöriger armer israelitischer Schulkinder, Vorstand des dritten israelitischen Krankenpslegevereins usw., in früheren Jahren lange Zeit Mitglied des Vorstandes des kaufmännischen Vereins. Der Heimgegangene war ein äußerst wohltätiger Mann, der auch seiner Gemeinde und mehreren Vereinen Vermächtnisse hinterließ. Man verdankt gerade in letzter Zeit seiner Anregung, daß aus den Mitteln verschiedener Vereine in weitherziger Weise Beträge für Kriegssürsorae zur Verfügung gestellt wurden. Das Leichenbegängnis fand aur Sonntag nachmittag unter starker Anteilnahme statt. Grsterreich-Angsm. Z. Wien, 21. April. Die hier eintreffenden Berichte ans den Gebieten Polens, die von der österreichisch-ungarischen Armee okkupiert sind, besagen, daß die Lage unserer dortigen Glaubensgenossen sich erfreulicherweise zusehends bessert, und daß diese, welche so viele Jahre unter der russischen Knute geseufzt hatten, erst jetzt frei aufatmen und die Segnungen einer humanen, gerechten Verwaltung genießen. Ganz besonders kommen die österreichisch-ungarischen Behörden den Inden in bezug auf ihre speziellen religiösen Forderungen entgegen. Wie bekannt, wurde vor einiger Zeit in! österreichisch-ungarischen Okkupationsgebiete das Tabakmonopol eingeführt. Bei der Verteilung der Trasikkonzessionen wurden auch die Juden entsprechend berücksichtigt. Ein großer Teil derselben konnte jedoch die Wohltaten dieser Konzessionen nicht genießen, weil er sich nicht entschließen wollte, die Trafiken, wie vorschriftsgemäß, mn Samstag offen zu halten. In letzter Zeit empfing, wie dem „Leinberger Tagblatte" gemeldet wird, General» gouverneur Freiherr v. D i l l e r eine jüdische Deputation aus Nowo- Nadvmsk, welche ihm die Bitte unterbreitet hatte, den jüdischen Trafikanten die Erlaubnis zu erteilen, die Trafiken am Samstag gesperrt zu halten. Ter Generalgonverneur versprach, diese Bitte zu erfülle!!. Hoffentlich wird dies auch in den anderen Städten des Okkupationsgebietes geschehen. Ein ähnliches Entgegenkonunen haben die österreichisch-ungarischen Behörden den Juden auch in einer anderen Angelegenheit erwiesen. Bei den Kreiskömmandos Piotrkow und Nowo-Radomsk wurden Arbeitsvermittlungsstellen eröffnet,!un den Arbeitswilligen und -fähigen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Auch Juden nehmen zahlreich diese Vermittlungsstellen in Anspruch. Sie scheuen die schwersten Arbeiten nicht und finden besonders beim Straßenbau Beschäftigung. Rur war ihnen zunächst der Umstand hinderlich, das; sie aus religiösen Gründen am Samstag nicht arbeiten wollten. Um ihnen entgegenzukommen, wurde ihnen diesbezüglich eine Konzession gewährt, und sie werden schon am Freitag nachmittags von der Arbeit befreit. Freilich müssen sie dann bis Montag früh ruhen und arbeiten nur fünfeinhalb Tage in der Woche, aber sie nehmen diese Mühe gern ans sich, um nur nach den religiösen Vorschriften leben zu können. — Wie ans Prag berichtet wird, brach dort in der Nacht zum 8. d. At. ein bisher unbekannter Dieb in die Piukassyuagoge ein. Der Einbrecher scheint ein ganz junger, unerfahrener Anfänger zu sein. Er fam zuerst auf die Frauengalerie, ließ sich sodann an zusmnm en geb undenen Draperien hinab und entfernte aus einer Thora das Silber. Ter Dieb nahm jedoch das Silberzeug und die Silbergeräte nicht mit, da ihm dies offenbar zu gefährlich schien, sondern begnügte sich damit, die beiden Kassen, die sich an den beiden Ten!pel-

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