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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-28 · Heft 17 (28.4.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 - gängen befanden, mitznnchnten. In den deiden- Kassen dürften sich ungefähr hundert Kranen befunden haben. Am folgenden Tage cvfcljtcn der Chef des Sicherheitsdepartemellts der Polizcidirektivtl, Polizeirat P r v t i lu e n s k i, im Tempel und lies; ihn photographieren. Ter Einbrecher hat die Einrichtung der Synagoge in größte Unordnung '- gebracht, die Vorhänge zerschnitten und die Thorarollen beschädigt. Tie Nachforschungen nach dem Einbrecher sind eingeleitet. — Die Pintassynagoge wurde 1535 von A r o n Bt e s ch u l a m Horwitz erbaut, dach ninnnt man au, daß der ursprüngliche Ban noch beträchtlich älter ist. Tie Synagoge verwahrt mehrere Kostbarkeiten, n. a. auch eine hellfarbene n? olle ne Kutte, welche durch künstliche Stickereien und Pvsamenteriearbeit bekannt ist, ferner eine mit eingestickten Bibelversen bedeckte Fahne ans gelben: Seidenstoff. Amrriks. X. New Nork, im April. Zu Ehren Theodore Roosevelts fand vor kurzem in dem jüdischen Restaurant Litttc Hnngary ein von dem Friedeilsrichter Guastv Hartmann veranstaltetes Bankett statt, an dem bekannte Persönlichkeiten Amerikas teilnahmen, so u. a. der frühere Botschafter Robert Bacon, Senator Nathaniel Elsberg. Bei den verschiedenen Ansprachen, die zu Ehren des Expräsidenten gehalten wurden, bemerkte einer der Redner: „Wir sollten die Mächte znnngen, keinen Pertrag zu schließen, wenn er nicht allen Staatsbürgern ohne Ansehung der Religion gleiche Rechte znsichert." Ans das hin erhob sich Roosevelt und hielt eine Rede, in der er folgendes ansführte: ,,Was der Vorredner sagte, ist ganz meine Ansicht. Soviel ich weiß, ist bisher noch nichts geschehen, um durchzusetzen, daß jeder Mensch nach seinem Wert als Mensch behandelt wird. Es hat mit dem Wert des Menschen nichts zu tun, zu welcher Religion er gehört, ob er nun ein Jude ist oder ein Christ holländischer Abstammung, wie ich es bin. Wenn ich Juden wie Felix Frankfurter in meinem Regiment oder wie Oskar S t r a ll ß in meinem Kabinett hatte, so war es nicht deswegen, weil sie Juden waren, sondern weil sie tüchtige Männer waren, die ans ihren Platz gehörten. Ich unlßte von vielen nicht, ob sie Inden oder Christen seien, und ich habe mich nie darum gekümmert. Ich rede hier nicht nur zu den Anwesenden allein, sondern ich will auch von anderen gehört werden, ich will, daß mich die Regierung höre, gegen die ich mich wenden muß. Timon Wolf schrieb mir, daß die Regierung sich darum bekümmern werde, daß die Inden nach dem Kriege ihr Recht erlangen sollen. In den bisherigen achtzehn Monaten ist aber nicht das Geringste geschehen, das diesen Willen der Regierung zeigen würde. Wir können noch nicht sagen, wie der Frieden ansfallen wird. Wenn ich irgendwelche Rolle bei der Aktion unseres Landes, den Frieden zu vermitteln, erhalten sollte - ich zweifle sehr, daß man mich rufen wird-, an den Verhandlungen teilznnehmen - dann werde ich alles tun, was in meinen Kräften liegt, um dem jüdischen Volte zu Helsen. Ich wünsche, daß wir, die heute beisammen |u:b, auch weiterhin Fühlung miteinander behalten, auch den Kampf für die Gleichberechtigung weiter erfolgreich führen zu können." Von MH und ffern. — Ter seit elf Jahren am Religionsverein Westen in Charlotteubnrg amtierende Rabbiner Tr. Emil Levy, der zurzeit als Feldprediger int Westen steht, ist vorn israelitischen Konsistorium des Unterelsaß einstimmig znm O b e r r a b b inet .Don Straßbn r g und des Bezirks Unterelsaß gewählt worden. Geh ei nt er Sanitätsrat Tr. Heinrich Lew y in Berlin ist dieser Tage im 70., Frau Kommerzienrat Julie Gers o n - Li e b e r m a n n int 79. Lebensjahre gestorben. Tem Berliner Frauenarzt Tr. Georg L i s s a ne r , Ritter des Eisernen Kreuzes, wurde das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens am Bande des Blilitärverdienstkrenzes verliehen. — Der erste Direktor der Preußischen Pfandbriechank, Geh. Kommerzienrat und Handelsrichter Jacob Tannenbanm, ist in Wiesbaden, wo er zur Erholung weilte, im Alter von 68 Jahren plötzlich verschieden. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Kattowitz, Herr Tr. Jakob Cvh n , ist am 23. d. M. im 73. Lebensjahre verschieden. Der Heimgang dieses in den weitesten Kreisen des deutschen Judentums hochverehrten Mannes bedenket für die Synagogengeineinde Kattolvitz, in der er über 44 Jahre segensreich gewirkt hat, einen äußerst schmerzlichen Verlust. ---Die Zahl der Schulkinder in den Posener Mittelschulen betrug im vergangenen Jahre 4393. Davon loa reu 2622 Knaben- und 1771 Mädchen. Der Konfession nach zählte ntan 2207 Evangelische, 1975 Katholische und 211 Mosaische. — Dem L a n d e s r a b b i n c t D r. M ann - h cimcv in Olden b u r g wurde vom Großherzog von Oldenburg das Friedrich-August-Kreuz am rot-blauen Bande verliehen. — Am 1. Mai d. I. sind 30 Jahre verflossen, seitdem Fräulein Jda Cohn die Leitung des Ferienheims in Elmeil- Salze übernommen hat. Weit über 12 090 Berliner Kinder beiderlei Geschlechts und verschiedener Konfessionen haben in diesen: Heim Erholung, Verpflegung und Genesung gefunden und bewahren der Tante Jda ausnahmslos ein pietätvolles Dankgefühl. Trotz ihrer 75 Jahre erfreut sich Tante Jda noch eitler seltenen Rüstigkeit und Schaffens? krast. Möge der Jubilarin noch ein langer glücklicher Lebensabend beschieden sein. — Ans Straßburg i. E. wird uns geschrieben: Jtl der Plenarsitzung der drei Bezirkskonsistorien wurde Oberrabbiner Dr. N e t l e r aus Metz mit sechs Stimmen zum Mitglied der Ersten Kammer gewählt. Jnstizrat Dr. Schmoll, Vorsitzender des lllttereksässischen Konsistoriums, erhielt fünf Stimmen. -- Ans Wien wird geschrieben: Der Kaiser hat dem Oberstleutnant des Feldhaubitzenregiments Nr. . . . Moritz M a n s ch in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens vor dem Feinde den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Oberstleutnant Mansch, ein Sohn des verewigten Knltusverstehers in Lemberg Dr. Plansch, ist im Laufe des Krieges bereits mit dem Militärverdienstkreuz dritter Klasse und mit dem Signum laudis ausgezeichnet worden. — Der Kaiser hat den: Oberleutnant i. d. Evid. Sigismund Freiherrn v. Springer für vorzügliche Dienstleistung beim österreichischen Witwen- und Waisenfonds das Konltllrkrenz des Franz - Josef - Orderts verliehen. -- Der Ausschuß des ungarisch-israelitischen Landesstipendienvereins hat unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Moriz Stiller in der am 27. März abgehaltenen Sitzung über die im Schuljahr 1915/16 ans geschriebenen Stipendien Beschlllß gefaßt. Insgesamt standen 19 410 Kronen zur Verfügung, welcher Betrag an 104 Petenten angewiesen wurde. Die Stipendien variieren zwischen 400 und 120 Kronen. Der Ausschuß des Stipendienvereins hielt bei dieser Gelegenheit fünf Stipendien für eingerückte Rigorosenten (Mediziner) ztun Zlvecke enter später zn veröffentlichenden Konkurrenz zurück. — Seit einigen Wochen erscheint in Paris eine Halbmonatsschrift in französischer Sprache, „Tie jüdische Emanzipation", deren Ziel es ist, die öffentliche Meinung Frankreichs über die Lage der Inden in Rttßland cmfznkläreu und die Unterstützung der französischen Politiker für den Befr-eiungskatnpf der Juden zu gewinnen. — Die „Jewrejstäja Schisn" veröfsetitlicht folgende Atigabeii über die Zahl der int Jahre 1915 im Jekater: nvslaiver Kirchensprengel getauften jüdischen Kinder. Im gaiizen traten zur griechisch-orthodoxen Kirche 119 Personen über, davon 64 Männer und 55 Frauen. Der größte Teil der tauften sind Personen jüngeren Alters. Jin Alter von 14 bis 30 Jahren standen 80, zivischeu 30 bis 50 waren 13, zwischen 2 bis 8 Jahren 10 Personeti. Die Zahlen sprechet: für sich. — In Petersburg tft im Alter von 77 Jahren der Shitomirer Rabbiner I. I. K u l i s ch e r gestorben. Sein letztes bedeutendes Werk war das „Sammelbnch aller jüdischen Namen in Rußland", veranlaßt durch Stolypins Erlaß an den Synod, daß die Juden keilte nichtjüdischetl Namen tragen sotten. — Die Akademie der Wissellschäften in Petersburg erhielt vor kurzen: aus Persien eine Sammlung wertvoller hebräischer Manuskripte lnid alter kostbarer Drucke. Unter diesetl befindet sich auch eine sehr alte Kopie des Buches Sohar. — lieber die Zentralleihbibliothek in Jerusalein lesen wir im Geschäftsbericht des Hitfsvereins der deutsche!: Inder:: Infolge der Kriegsereignisse konnten während der Berichtsperiode Bücher nicht ati sge liehen werden. Hingegen komite mit ei tilge!: kurzen Unterbrechungen die Bibliothek für Besucher während der ganzen Tageszeit geöffnet bleiben. Die Leser rekrutierer: sich aus allen Schichten der Bevölkerung :uid ihre Zahl betrug in diesen: Jahr 25 105. Tie Anzahl der gelesenen Bücher betrug 22 018. — Der in Jerusalem kürzlich verstorbene deutsche Generalkonsul Schmidt hat in den langen Jahren seiner Wirksamkeit in Palästina großes Interesse für die jüdische Bevölkerung bekundet und sich den Ruf wohlwollender Sachlichkeit erworben. Der Hingang des verdienstvollen Beamten, der sich durchseine große Menschenfreundlichkeit die Achtung weiter Kreise erworben hatte, weckt allgemeine Teilnahme. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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