Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3229232-3229250--72186-3284613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 frage (Goldmann), 6. Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands (Freudenthal), 7. Neuwahl der Mitglieder des- Zentralausschusses, deren Stellvertreter und der Kassenrevisoren, 8. Sonstige Verbaudsaugelegenheiten. Eine Vorversammlung findet Montag, den 8. Mai, 4 Uhr nachmittags, im Sitzungssaal der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Berlin, Oranienburger Straße 30, statt. ### Berlin, 23. April. Unter großer Beteiligung wurde heute mittag Justizrat Dr. Fedor Stern, der nach kurzem Leiden am 10. d. M. verstorben ist, auf dern Friedhof in Weitzensee an der Seite seiner vor vier Monaten ihm im Tode vorangeganaeuen Gattin beigejetzt. Reben den Berivandten und vielen Derufsgenoffen des Entschlaseuen rvaren besonders zahlreich Mitglieder der Berliner Bne- Brith-Logen sowie sonstige Bekannte uni> Freunde und Abgeordnete verschiedener humanitärer und wissenschaftlicher Vereine erschienen, mit dem prächtigen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Die Trau-er-- rede hielt Rabbiner Dr. Weiße, der mit bewegten Worten das Lebensbild des Verblichenen zeichnete und den trauernden Angehörigen, insbesondere dem Hinterbliebenen einzigere Sohne den Trost der Veligiou spendete. Justizrat Fedor Stern gehörte seit 1911 dem r eschäftsführendeu Ausschuß des Verbandes der Vereines it r jüdi s ch e G e s ch i ch t e und Literat u r an, war Ehrenvorsitzender der „Hilfstässe für israelitische Kautoren und Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland" und nahm bei seinem lebhaften Interesse für das Gemeinwohl regen Anteil auch an allen anderen Bestrebungen, die zur Förderung des Judentums dienen. Er ivar ein edler, nmrinherziger Mensch, dessen Andenken bei allen, die ihn kannten, in Ehren fortleben wird. Er ruhe in Frieden. Berlin, 23. April. Das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse erhielten: Assistenzarzt Dr. Max Solinger; Stud. jur. Einjähriger Unteroffizier Kurt Ho ff mann, Sohn des Bankiers Herrn Wilhelm -Lwffmann; Kriegsfreiwilliger Ernst Bonwitt; Landsturm-mann Verthold Warschauer; Unteroffizier Schriftsteller Kurt Sternber g, Sohn des Wäschefabrikanten und Handelsrichters Emil Sternbc-rg: Lsfizierstellvertreter Dr. Leopold Frank; Kaufmann Joseph Metz; Paul Alex-ander, Vertreter der Firma L. Joachimsthal; Kanlmergerichtsreferendar Dr. Hermann Hör Witz, Sohn des Justizeats Dr. Maximilian Horwitz; Gefreiter Martin Davidsohn, erster Lehrer und Erzieher am- Waisenhaus der Jüdischen Gemeiiwe zu Berlin in Pankow; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Ernst E z a p s k i: Feldunterarzt Eugen K l e i u h a e u d l e r (Groß-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Referendar Herbert Loewy lKüstritt): Vizefeldwebel Louis Nordheimer, Sohn des Rentiers Simon 0ttrdheimer (Emden): Referendar Bruno Cohn (Linde, Kreis Flatow): Einjähriger Unteroffizier Kurt Zimmt, Sohn des Stadtrats Mar Zimmt (odjrtnini); Kriegsfreiwilliger Gefreiter Gand. jur. Alfred Seelig (Schwedt a. O.): Unteroffizier Referendar Dr. Kohlt (Görlitz): Kriegsfreilvilliger Julius M ü l l e r (Hannover); Unteroffizier Georg Herzberg (Magdeburg); Gefreiter Kurt Haarburger, Musketier Willy I s e n b e r g, Leutnant d. R. Rechtsanwalt Dr. Joseph P i z a (Hamburg): Unteroffizier Leo N a t h a u (Samter); Armiernugssvldat Simon Alfred Abromowicz (Ostrowo); Eerichtsassessor Dr. jur. Kurt Bö hm, Sohn des Herrn Adolf Böhm (Beuchen O.-S.). — Königsberg i. Pr., 21. April. Die Shna-gogengemeinde ztl Königsberg gibt ihren 49. Bericht über den R et sg'i ons unterricht, erstattet von Dr. Vogel stein, heraus/ Er enthält die Predigt, die zur Fünfzigjahrfeier der Religivnsschule am 1. Januar 19J(5, uud die Rede, die am 2. Januar in der Festsitzung Volt Rabbiner Dr. Vogelstein gehalten worden sind. Aus den Schulnachrichten des Dirigenten geht hervor, daß der Unterricht 37 Klassen mit 81 bzw. S2 Wochellstundelt umfaßt. Tie Frequenz betrug am 1. Februar d. I. 243 Knaben gegen 249 im Vorjahre und 457 Mädchen gegenüber 444 im Februar 1915. In einer Anlage wird der 43. Bericht des Bekleidunasvereins -für arme Zöglinge der Religionsschule gegeben. Nach dem Kassenbericht betragen die Einnahmen luib Ausgaben dieses Vereins 9369,15 Mark. YY\ Posen, 21. April. In der letzthin stattaehabteu Stadtverordlteteusitzung berichtete Stadtverordneter B r u n n e über eine Spende des früheren hiesigen Stadtverordnetenvorsteherü Herrn Jnstizrat Dr. Lewiltsti, jetzt in Charlottenburg. Es handelt sich um einen Betrag von s ü n f z e h n t a u send Al a r k, der zur Erinnerung au den jüngst verstorbenen einzigen Sohn von Justizrat Dr. Lewinski gestiftet worden ist, und der dem allgemeinen Rettungsfonbs zugeführt werden soll. Der Referent bittet, die Schenkung anzunehmen und bringt den herzlichen Dank für die hochherzige Schenkung znm Aus druck. Er spricht den Wunsch aus, daß Justizrat Dr. Lewinski de: großen Schmerz -über den Verlust des einzigen Sohnes überwinde: möge. Stadtverorduetenvorsteher Herr Jllstizrat Placzek bemerkt hierzu: „Wir nehmen mit Dank die Spende an, und ich glaube, dar wir uns alle den Worten des Stadtverordneten Brunne anschließet werden." (Allseilige Zustimmung.) — Breslau, 20. April. Die Gesellschaft „ I ü d i s ch e s V o l k s heim" (Tohnbee-Halle), die im Herbst vorigen Jahres ihre sozial Hilfstätigkeit auch in den Dienst des Krieges gestellt und in ihre: Raumen in der Reuschestraße 51 ein Verwuudetenheim errichtet, der anstaltete am vorletzten Sonntag eine Schlußfeier ihrer Wintertätig fett. Die Feier wurde mit dem von Oberkantor Ce r i n i stimmungsvoi gesungenen Kai sergebet eingeleitet. Hierauf gab D r. I. Schlesin g e r einen kurzen Bericht über das Wirken der Gesellschaft, die h den Wintermonaten über 46 000 Vaterlandsverteidigern nicht null'ährend einiger Tagesstunden in gemütlichen Räumen einen ange nehllten Aufenthalt geboten hat, sondern sie auch kostenfrei mit Tee Kaffee und Gebäck sowie mit Zigarren und Zigaretten bewirtete. E-: kam auf dell Abend ein Durchschnittsb-esnch von 262 Verwundeten Außerdem wurde nach 7 Uhr, als die Verwundeten fort waren, m Bedürftige Tee und Gebäck gegeben. Hier betrug der Besuch der Abend 40 Personen. Eine Sammlung, die etwa 10 200 Mark ein brachte (hier wurden Beträge von 50 Pf. bis zu 2000 Mark ge zeichnet) und die Beihilfe der Synago-gengemeinde, der R-eprüseu tantenversammlung sowie der Lessing-Loge und der 2. und 3. Brüder Gesellschaft u. a. setzten die Gesellschaft in den Stand, eine so mit fassende Kriegswohlfahatspflege leisten zu können. Ein Feldgrauer dankte mit tiefempfundenen Worten besonders den Frauen, die hier zu Hause wieder gutzumachen sich bemühen, was der Krieg zerstört. Mit einem Hoch auf den Kaiser wurde, nachdem Herr Cer i n i noch einige Lieder gesungen, die Feier geschlossen. gA) Neitze, 21. April. Es kann zu allgemeiner Befriedigung festgestellt werden, daß die M i l i t ä r b e h ö r d e n allen Wünschen religiöser Art während des Krieges aus das liebenswürdigste er-tgegengekommen sind. Bei den allwöchentlichen Bittgottesdienstelt, an allen Sabbaten und Festen wurde auf Veranlassung des Herrn Rabbiner Ellguther in Neiße durch Parolebefehl die Teilnahme der jüdischen Soldaten ungeordnet. Auch in dem Offiziersgefangenen lager wurde durch Herrn Rabbiner Ellguther allsabbatlich Gottes dienst mit Predigt abgehalten. Am gegenwärtigen Passahfeste wurden. an alle Gefangenen die Mazzoth verteilt, und durch das Kommando des Gefangenenlagers wurde ihnen die Erlaubnis gegeben den Festgottesdienst in der Synagoge zu besuchen. Mit großer Andacht folgten die russischen Glaubensbrüder dem Gebet und der Predigt, und aus den glückstrahlenden Gesichtern konnte man dic Befriedigung entnehmen, wieder einmal in einem richtigen Gottes hause gebetet zil haben. Tie Einrichtung hat sich so bewährt, das; von nun an der besondere Gefangenengottesdienst wegfallen kann, lveil die Gefangenen in regelmäßigen Zwischenräumen das Gottes Haus besuchen werden. 2/D Köln, 20. April. Der R h e i u i s ch e R a b b i n e r v e r b n u d hielt vor einiger Zeit hier seine zweite Kriegstagung ab. Tel Vorsitzende Tr. S ch e f t c l o lv i tz gab einleitend Kenntnis von einigen die inneren Verhältnisse des Verbandes berührenden Angelegettheiteu, worauf Tr. Roseuthal ein Referat über „Jüdische Gefangenen scelsvrge im 8. Armeekorps" hielt, in bem er den Werdegang der ge hoffeiteit Einrichtungen schilderte. „Im 8. Armeekorps liegen dic Verhältnisse insofern besonders, als überhaupt nur ein Stammlager. nämlich das iu Wahn vorhanden ist, von dem aus über 800 Filialen geleitet werden. Bei der einheitlichen Seelforgeeiurichtmtg auch für die Filiallager int Oktober vorigen Jahres erhielt Referent als der seit Kriegsbeginn im Stammlager tätige jüdische Seelsorger den militärbehördlichen Auftrag, für die Durchführung einheitlicher Maßnahmen der jüdischen Seelsorge in den Filiattagern Sorge zu tragen, worüber er sich int einzelnen verbreitet. In der Hattptsache ist die gemeinsame Tätigkeit mit den übrigen iu Betracht kommenden Persönlichkeiten gerichtet auf die Beschaffung von Ritualien für die Gefangenen und ihre regelmäßige Teilnahme am Gottesdienste iu der Nächstliegenden Synagoge, bzw. Abhaltung von Gottesdienst im Lager selbst; ferner nach der karitativen Seite ans die Nachweise jüdischer Gefangener in deren Heimatsorten, besonders des okkupierten östlichen Gebiets. Durch Veröffentlichung in den der