Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-28 · Heft 17 (28.4.1916) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229250--72185-3284612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

, 0. Jahrgang Nr. 17 Berlin, 28. April 1916 Der Oemeindevote. Beilasr zur „AllIrmrtnen Leitung drs Judentums". korrelpondkn?rn und Nachrichten. Seotschlanlk. 22 Berlin, 23. April. Anläßlich einer für den 9. April einbe- , ifenen Vorstandssitznng hatte die Ortsgruppe Berlin des Jüdischen , rauenbundes aut 8. d. M. zu einer Versammlung eingeladen. Iran r. Frankl hielt die einleitende Ansprache und erteilte dann der <; fielt Redner in des Abends, Frau Clementine Krämer (München), i as Wort, um über die „Aufgaben und Ziele des Jüdischen Franen-! undes" zu sprechen. Die Rednerirt führte aus, wie notwendig es fei, ort unsere Aufgaben zu suchen, wohinein wir geboren sind; das zeige cl) nirgends deutlicher als im Judentum. Nur indem wir unser i igenes Volk moralisch stützen und heben, können nur die Achtung der > ndeven erwerben und einen wertvollen Beitrag zur Hebung des Deutschtums liefern. Für diesen Zweck sei eine Menge jüdischer ilstitutionen entstanden, die die Aufgaben haben, Kulturarbeit an?m jüdischen Volk zu leisten. Insbesondere sei das Heim in Nensenburg, vom Indischen Frauenbund für ganz Deutschland gegründet, is Krankenhaus für Moralkranke, h ervorgeh oben. Unter einem hühenden Dach, umgeben von liebenden, verstehenden Menschen, erden die ans dem Wege Verirrten wieder einem würdigen Leben igeführt und lernen das Glück der Arbeit schätzen. Frau Henriette ■'lat) (Berlin) gab einen Arbeitsbericht des Jüdischen Frauenbundes, jtt zwölfjähriger Tätigkeit ist es dem Bund gelungen, verschiedene rtsgvuppen zu gründen und den Anschluß von zirka 190 Franeu- >ereinen zu erlangen, so daß der Bund, 43 000 jüdische Frauen nutassend, als geschlossenes Ganzes die Ideen der jüdischen Frauenwelt Zertritt und an ihrer Weiterentwickelung arbeitet. Durch den Beiritt an den Bund deutscher Franeuvereine wird der Jüdische Frauen- •ltitb zu jeder Arbeit herattgezogen und bekannt, so daß jetzt in keiner nchtigen Organisation eine jüdische Vertreterin fehlt. Die Jngendllege nimmt den ureitesten Raum der Arbeit ein. Eine Artzahl ülgendgruppen und Mädchenklubs ist tu den verschiedenen Städten :t§ Leben gerufen worden." lieber den Mädcheuklub der Berliner rtsgruppe berichtet Frau Paula Meyer (Berlin) Ausführliches. Der Klub ist ein Abendheim für junge Mädchen, die sich in ihren reistunden weiterbilden wollen, wozu durch Einrichtung von Unterichtsfächern, einer gut gelväh-lten Bibliothek, regelmäßigen Borträgen lnsikalischer und wissenschaftlicher Art die beste Gelegenheit geboten nrd. Anch der Anschluß an Altersgenossinnen und der Verkehr mit ebildeten Frauen haben einen ungemein fördernden Einfluß. Turnen, Spiele im Freien-, Gartenarbeit in -einem zum Klub gehörigen Lanbenntd ermöglichen die körperliche Ausbildung. Der religiöse Sinn nrd durch Heiligung der Freitagabende und der Feste gestärkt. Das enge gründete Wohnheim schließt unmittelbar an den Klub an und ereinigt so mit eigenen Vorzügen diejenigen des Klubs. In engem '.usammenhang mit der Jugendpflege steht die Fürsorgetätigkeit." lertha Pappen he im (Frankfurt a. M.), die Gründerin und mhrerin des Bundes, faßte in warmen begeisterten Worten als Hauptaufgabe des Jüdischen Frauenbundes die Selbsterziehung, 'nlgenderziehung, Kinderschntz und Jugendpflege zusammen. Sie childert die Lage, in der sich Oesterreich und Deutschland befinden, md fand eine Aehnlichkeit mit der Lage der Juden seit vielen Jahrunderten. Wir sind unbeliebt wegen unserer Tüchtigkeit, wegen itf-cr-er Anpassungsfähigkeit, lvegen eines gewissen Wohlstandes, wegen iner gewissen eigenartigen Kultur. Auch wir können uns halten, 'enu wir von ltnseren Reserven leben! Man sagt, daß die Abperrung, die eines hat erreichen wollen, uns stark gemacht hat. Es ist in großer Vorrat an Knlturwerten da. Wir brauchen keine Anleihe n inachen, wir brauchen «uns nicht sagen zu lassen, die Sonntagsiihe ist dasjenige, was die Welt kulturell höher gestellt hat, niir rauchen keine Mutterfchiutzeinrichtungen, denn der Respekt vor der werdenden Mutter ist der höchste, den es in der Welt je gab, wir rauchen uns nicht als etwas Neues erzählen zu lassen über „Familien- 'flege", denn es ist jüdisch, wie der Respekt vor Arbeit «und Arbeiter, lnd wenn man die Speisegefetze lächerlich gesunden hat — es wird 'ielleicht eine Zeit kommen, in der wir zur Erinnernng Kriegsl> ro t essen — und darin können wir Juden uns dieser Dinge leichter fügen. Und das sind die Aufgaben, das sind die Ziele, das sind die Reserven des Jüdischen Frauenbundes. Berlin, 23. April. Der Verein „F r e n n d e d e r T a n b - stummen Jedide II mim" hielt am Sonntag, den 16. d. M., seine 32. ordentliche Generalversamntlnitg ab, die von dein langjährigen Vorsitzenden, Geheimen Sanitätsrat Tr. I. Boas, eröffnet und geleitet wurde. Das vergangene Jahr — ist ans dem erstatteten Geschäftsbericht zu ersehen — fand die Anstalt in gedeihlicher Entwicklung. Obgleich während des Berichtsjahres weiter zwei Lehrer znm Heeresdienst einberufen worden sind, war es doch möglich, den Planmäßigen Schul-und Anstaltsbetrieb nusrechtzu erhalten. Freiwillig und unentgeltlich übernahmen die zurückgebliebenen fünf Lehrkräfte, von denen drei Herren seitens der Schulaufsichtsbehörde bei der Militärverwaltung für unabkömmlich erklärt worden sind, die frei gewordenen Stunden. Es befanden sich im verflossenen Jahre 42 Zöglinge in der Anstalt, ein weiteres Kind war nur Schulgänger. Bon diesen 43 Kindern, 24 Knaben und 19 Mädchen, stammten 14 aus Groß-Berlin und 29 aus verschiedenen Teilen des Reiches. Der Unterricht wird nach einem vom Königlichen Provinzialschulkolleginm zu Berlin genehmigten Lehrplan erteilt, die Schule steht unter der bewährten Leitung des Herrn K o l o d z i n s ky. Die Kinder werden in allen Bolksschulfächern, außer im Singen, unterrichtet. Besondere Sorgfalt wird außer dein Sprach- und Religi-ousunterricht, dein Zeichen- und Haudarbe itsunter richte zngewendet. Berständiguugs- und Unterrichtsmittel ist in allen Fächern und auf allen Stufen die Lautsprache. Das Ziel des gesäurten Unterrichts und der Anstaltserziehung ist stttlichreligiöse Lebensführung und Brauchbarkeit int bürgerlichen Leben. — Ter Gesundheitszustand der Kinder w-ar auch im abgelanfenen Jahre befriedigend. Der Zeit entsprechend wurden die Zöglinge im verflossenen Jahre auch mit Feld- und Gartenarbeit beschäftigt, ein Teil der benötigten Gemüse und Kartoffeln wurde von ihnen gebaut. Aus dem Rechnungsabschluß ergibt sich, daß die finanzielle Lage des Vereins noch immer keine gute ist. Die verbauten Stiftnngsgelder konnten noch nicht wieder flüssig gemacht und in Papieren angelegt werden. Die Jahresbeiträge sind etwas znrückgegangen, ebenso, was ja auch erwartet werden ntnßte, die Pensionsznschnsse der Eltern und Gemeinden. Da.gegeu sind glücklicherweise und namentlich dank der sparsamen, geradezu vorbildlichen Wirtschaftsführung von Frau Direktor Reich, die Ausgaben nicht in der befürchteten Weise gestiegen. Nur die Ausgaben für Unterricht und Lehrmittel zeigen die regelntäßige Erhöhung. Der Bericht weist darauf hin, daß die Zukuust weit größere Geldmittel für die Erhaltung der Anstalt fordern ivird. Tie Knappheit und ungemeine Preissteigerung aller Lebensmittel allein \mrd zu großen Mehrausgaben zwingen. Es muß anch wieder utöglich wer den, die tut Neubau steckenden Stiftnngsgelder heraitsznziehert und zinsbar anzulegen. Der Vorsitzende richtet znm Schluß an alle Freunde der Anstalt die dringende Bitte, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß die so segensreich wirkende Anstalt in Berlin-Weißen see die einzige jüdische Taubstummenanstalt in Dentschland ist, deren Aufgabe, möglichst alle jüdischen taubstummen Kinder aus dem ganzen Reiche zu sittlich-religiösen Meusche-n rmd brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen, sich nur erfüllen läßt, wenn ihr weiter reichliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Aus Antrag der Revisoren erfolgte einstimmig die Entlasturtg der Kasseuverwaltung sowie die Festsetzung des Haushaltes für das Jahr 1916 laut Voranschlag mit 59 000 Mark in Einnahmen und Attsgaben. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurden die turnusmäßig -ausscheidenden Vorstandsmitglieder sonne die Revisoren durch Zuruf wieder gewählt. Berlin, 23. April. Der R a b b i n e r Verb a n d i n Deutschland hält am Dienstag, den. 9., und Mittwoch, den 10. Mai, seine Generalversammlung ab. Tie Beratungen finden im Saal des Verwaltungsgebäudes der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Rosenstraße 3/4, statt und beginnen an beiden Tagen um 9K> Uhr vormittags. Die Tagesordnung weist folgende acht Punkte auf: 1. Bericht des geschäftssührendeu Vorstandes (Gnttmann), 2. Kassenbericht (Werner), 3. Militürseelsorge (Kopfstein), 4. Jüdischer Religionsunterricht an höheren Lehranstalten (Rosenberg), 5. Ostjuden--

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.