Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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204 gespielt. Doch Sie haben recht. Ditomsk ist noch weit entfernt, eine schöne Stadt zu sein oder überhaupt irgendeine interessante Unterhaltung zu bieten." „Das letztere möchte ich doch nicht unterschreiben. Ich glaube sogar, daß es hier sehr viel zu tun gibt." „Hier viel zu tun? Da bin ich wirklich neugierig und wäre Ihnen für jeden Wink nach dieser Richtung dankbar, Herr Tchmulikos." „Im Ernst, Komtesse?" fragte er mit gerunzelter Stirn. „Ganz gewiß, obwohl Sie so eine bärbeißige Miene aufzl'.sehen belieben," antwortete sie, die Sache noch immer scherzhaft behandelnd ... „Nun, ich sollte meinen, wo das Elend auf Schritt und Tritt einem entgegenstarrt, wo Not und Jammer jedem Gesichte ihre vernichtenden Spuren ausgedrückt, da dürfte es doch einem liebenswürdigen Mädchen durchaus nicht schwer fallen, die schönsten und erhabensten Franentugenden auszuüben, Milde und Hilfsbereitschaft walten zu lassen und dadurch dem eigenen Leben erst den tvahren Wert zu geben." Sie brach in unbändiges Gelächter aus. „Welche komische Ideen Sie doch haben! Das ist wirklich ulkig! Einen Zeitvertreib zu finden, indem man das menschliche Elend betrachtet!" Sie lachte noch immer. „Wie damals in Odessa, Ihr Vorschlag, die Juden nach dem heiligen Kreml zu führen, so scheint Ihr heutiges Anerbieten nicht minder spaßhaft zu sein. . ." „Nicht das Betrachten des Elends habe ich Ihnen vorgeschlagen, Komtesse, sondern das Lindern desselben." Sie merkte jetzt seinen vollen Ernst und riß die Augen weit auf. „Wie meinen Sie das eigentlich, Herr Schmulikof?" „Sollte ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt haben? Oder gibt es etwa kein Elend, keine Hungersnot hier?" „Freilich gibt es all das; wenigstens wird Papa unausgesetzt von Bettlern heimgcsucht und belästigt." „Mm?" (Fortsetzung folgt.) Lchicksstslikd. ie zum Eingang und znm Ausgang Dienet jede Tür und Pforte, Also wird dir Aus- und Eingang Fast mit jedem deiner Worte. Denn entweder führt zum Herzen Eines andern — leicht dein Wort- Oder scherzend, unter Schmerzen Führt dein Wort dich von ihm fort. Hält dich fern vom Freund,. dein treusten, Bon der Gattin, von dem Kinde, Macht Vertrauende zu Scheusten, Legt um Liebesaugen — Binde. Wenn der Pfeil entklang dem Bogen, Holt zurück ihm keine Macht, So, was dir hinausgezogen In des Gestern Todesnacht. Darf nicht leichten Sinn's gemacht sein, Trum bedenke wohl dein Ziel: Eh' du abdrückst, sollls bedacht sein; Setz' dein Glück nicht leicht aufs Spiel. Wie der Pfeil der Sehn' entsprungen. Wenn dein Blei verließ dein Rohr, Ist dein Schicksalslied erklungen — Bist du Weiser oder -- Tor! Dr. Alfred Friedman n. Lüchrrrinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. ' Arnold Zweig: Ritualmord in Ungarn. Jüdische Tragödie i i fünf Aufzügen. MDCCCCXVI. Hyperionverlag, Berlin. Silbe: - stein. Die Juden und die Gebildeten unserer Tage. Von Dr. Juline Simon, Berlin. Preis 15 Pf. 1916. Druck und Verlag Buchdrucker, i Alb. Sayffaerth (Otto Fleck), Berlin-Schöneberg. Bulletin der Studiengesellschaft für soziale Folgen des Kriege. Nr. 1, Kopenhagen, den 1. März 1916. Preis 1. Krone. Jüdisches Literatur-Blatt. Zweites Heft, Band XXXVII. Bgründet von Rabbiner Dr. M. Rahmer. Verantwortlicher Redakteur Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal, Berlin X 4, Chausseestraße 10.'. Berlin, Druck von H. Jtzkowski, 1916. 49. Bericht über den Religionsunterricht der Synagogengmreinl zu Königsberg i. Pr. für das Schuljahr 1915/16, erstattet von de: Dirigenten Dr. Bogelstein, Rabbiner der Synagogengemeinde. Könige berg i. Pr., Hartungsche Buchdruckerei. Tie Bodenreform. Grundsätzliches und Geschichtliches zur Erkenn! nis und Ueberwindung der sozialen Not von Adolf DainaschÜ 11., d-urchgesehene Allslage. 36. bis 40. Tausend. Jena, Verlag voi Gustav Fischer, 1916. Sprkchsasl. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin sendet ims folgende! Brief zur Veröffentlichung. (D. Red.) Krakau, dm 30. März 1916. Au den Hochtöblichen Vorstand der Jüdischen Gemeinde in B e r l i n. Ich erlaube mir hiermit, Sie höflichst mn Beistand in folgende Sache zu ersuchein. Im Winter 1914/15 habe ich zufolge behördlichen Auftrages di. Festung Krakau verlassen und in Oswiecim (Galizien) durch einig Monate — mit Familie - gewohnt. Am 18. Februar 1915 verschwaw plötzlich mein elfjähriger Sohn, Jsak Bergsohn, aus Oswiecim und ir Zither verschollen. Die von mir unternommenen Versuche nu. Nachforschungen blieben erfolglos. Bon den verschiedenen amtliche: ilnd öffentlichen Stellen, Behörden, Sektionen und Komitees, an die ie! mich wandte, erhielt ich zur Antwort, daß die eingeleiteten Schritt-, ohne günstiges Ergebnis geblieben sind. Ich habe aber seinerzeit, nämlich einige Wochen nach dem Ver schwinden meines Sohnes, gehört, daß man ihn an jenem Abend am Bahnhof in Oswiecim, später in Chrzanow (Galizien) gesehen habt und daß er von dort aus nach Dziedzitz (Oesterreichisch-Schlesien gefahren sein soll. Wenn auch diese Informationen nicht genügen um auf die Spur meines verschollenen Kindes zu kommen, so geben si doch vielleicht einen Anhaltspunkt für die Vermutung, daß mein Soh irgendwohin nach Oberschlesien und Deutschland gekommen sein ma, wo er vielleicht von einer mitleidigen jüdischen Familie in ihr Han ausgenommen wurde. Ich klammere mich an diesen Gedanken, de mir und meiner untröstlichen Frau eine leise Hoffnung gibt, daß unse Kind noch lebt und vor dem Untergange bewahrt wurde. — Da ic nicht weiß, auf welche Weise ich in Deutschland mein Kind suche: kann, und auch keine Mittel habe, um dieses durch Anzeigen n Zeitungen zu versuchen, wende ich mich an den löblichen Vorstand 111:1 der innigsten Bitte, mir in meiner Bedrängnis beizustehen. Sollte sich mit solchen Angelegenheiten eine andere Behörde oder jüdische Institution befassen, dann bitte ich, das Gesuch an die zuständige Stelle leiten zu wollen und mich hiervon gütigst zu verständigen. Mein Sohn heißt Jsak Bergsohn, ist (jetzt schon) 12 Jahre alt, hat blondes Haar, schwarze Augen und zwei Narben an beiden Seiten der Stirn. Ich danke Ihnen im voraus für Ihre Bemühungen und will hoffen, daß mir Gott mit Ihrer Hilfe mein Kind zurückgeben wird. Mit Ergebenheit und Hochachtung gez. M a r k u s B e r g s o h n, Krakau, Skalecznagasfe 7, JV. Stock. B c r litt, April 1916.