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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-28 · Heft 17 (28.4.1916) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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201 geblieben und geachtet worden, von denen, die darauf halten und ihn kennen, aber nicht reich, und darum handeln wir/ Bloß darum wünschte ich, -aß auch dieser Einwand gegen Sie wegfiele, wenn Sie gleich deshalb nicht glücklicher sein würden." Mit Mendelssohn und Friedlaender ist die Reihe der jüdischen Chorführer des 18. Jahrhunderts nicht erschöpft, sondern manche andere der Genossen der Genannten treten in dieser so ungemein reichhaltigen Briefsammlung hervor. Hervorzüheben ist Isaak Euchel, von dem freilich nur ein unbedeutender Brief vorhanden ist. Dagegen ist ausgiebig Marcus Herz vertreten. Von ihm sind z. B. 18 Briefe an Kant vorhanden, alle freilich in der großen Briefsammlung der preußischen Akademie gedruckt, sodann ein ungemein interessantes Stück (Selbstbiographie) aus die vielleicht in anderem Zusammenhänge zurückgekommen werden mag. An ihn ist a. a. vorhanden ein Brief Alexander v. Humboldts und ein Brief von Herder, der dem Berliner Arzt und Philosophen seinen Sohn empfiehlt. Aus den von Herz herrührenden Schriftstücken, z. B. an den großen Bildhauer Schadow und an den Dr. Michael Friedlaender in Königsberg, sei nur eine einzige Notiz (an den letzteren gerichtet) vom 31. Dezember 1796 mitgeteilt. Herz schreibt über den Genuß, den ihm der Umgang mit Kant bereitet hat, und fährt fort: „Es inacht mir auch unendliche Freude, daß der große Mann, den ich ivic meinen Vater liebe und verehre, sich meiner mit einiger Wärme erinnert. Ich schäme mich fast, ihm unter die Augen zu kommen, nachdem ich die Bahn, auf die mich zu leiten er sich einst so viel Mühe gab, so ganz verlassen, sie mir so ganz fremd ward, und ich wünsche, durch Sie zu erfahren, ob ihm meine letzten Schriftstellereien, besonders meine Schrift über den Schwindel, bekannt sind." Von den Frauen Berlins aus jener und der unnrittelbar folgenden Zeit sind wenige vertreten; erwähnt seien Frau Sara Levy und Frau Amalie Beer. An die erstere, von der gleich noch einmal die Rede sein muß, ist ein Brief des Geschichtschreibers v. Müller erhalten, 18. Juli 1808, in dem sich der große Historiker des gastlichen Hauses der angesehenen Dame erinnert und teil an ihren schweren Prüfungen nimmt. Von Amalie Beer, der Mutter der beiden berühmten Söhne, Meyerbeer und Michael Beer, ist ein Brief an Gubitz vorhanden, 14. Dezember 1816, in dem sie berichtet, daß Meyerbeer Gubitz' „Lied an Gott", in das er ganz verliebt sei, zu komponieren gedenke. Merkwürdig arm ist die Sammlung an Briefen der bedeutenden Schriftsteller, die aus dem Judentum stammten: Boerne, von dem gar nichts vorhanden ist, Heine nur einzelnes längst Gedruckte, und L. Robert. Von jüdischen hervorragenden Männern des 19. Jahrhunderts sind Lassalle, Moritz Veit vertreten, aber auch sie nicht durch sonderlich wichtige Stücke. Zwei Notizen über Juden mögen den Schluß dieser, wie ich hoffe, allgemein interessanten Zusammenstellung machen. Die eine steht in einem hochwichtigen Briefe Jean Pauls an S. Wulf Friedlaender, vom 31. Dezember 1799, und .lautet so: „Der Verstand Ihrer Nation wird einen reineren und höheren Weg nehmen; aber wie sich das Herz derselben würnrer und heiliger bilde, ist schwer zu prophezeien, da zu dieser Bildung immer eine äußere Form — die der Regierung, der Religion usw. gehört. Die jetzige ist die ungünstigste, die des kleinen Handels. Unser ganzes Jahrhundert, zumal in England, trinkt aus dem merkantilischen Giftbecher; was aber Ihr Volk am tiefsten zerrüttet hat, war die Notwendigkeit weniger des Handels, als des Kleinen und die eines gegen Feinde. — Ich habe einen Freund unter Ihrer Nation, Emanuel in Bayreuth, mit dem ich wenige Freunde aus der meinigen vergleichen kann, moralisch vollendet, stark und weich, tätig und denkend, unerschütterlich und tolerant, für die Erde und den Himmel gemacht. Seine Liebe für sein Volk hatte, da er Ihre lieben Briefe sah, viel Anteil an der zweiten Antwort darauf." Diese herrliche Charakteristik des bekannten Emanuel ist ein schönes Denkmal für den Geschilderten und für den Schreiber des Brieses, dessen humane Gesinnung nicht so allgemein bekannt ist, wie sie es verdient. Den wirklichen Schluß dieser Mitteilungen soll ein Gedicht Staegemanns machen, das ich hier folgen lasse, obgleich es auch jüngst in der Sonntagsbeilage der „Bossischen Zeitung" gedruckt Wörden ist. Zur Erläuterung des Gedichtes sei zunächst aus dem Katalog eine Notiz des Herausgebers abgedruckt, die so lautet: „Diese Verse, die Staegemann David Friedlaender schenkte, beziehen sich nach den von Julius Friedlaender niedergeschriebenen Angaben seines Vaters auf folgenden Vorfall: Achim v. Arnim, der Dichter, erschien im Jahre 1812 in einer Gesellschaft der Frau Sara Levy geborenen Jtzig, die ein bureau d’esprit um sich zu versammeln pflegte, uneingeladen und ward von dein Neffen der Hausfrau, dem ältesten Sohn des Baurats Hitzig, sortgewiesen; er beleidigte diesen, lehnte aber, als er am folgenden Tage von ihm gefordert tvurdc, das Duell ab, weil, wie er schrieb, sieben seiner Freunde sich gegen das Duell mit einem Inden erklärt Hütten. Jtzig ging 1813 als Freiwilliger ins Feld und fiel in der Schlacht bei Lützen; eine Kanonenkugel nahm ihm das rechte Bein fort. Arnim hat den Krieg nicht mitgemacht." Das Gedicht Friedrich August v. Staegemanns, eines als Politiker und Dichter wohlbekannten Mannes, der der gegenwärtigen Generation durch die neuerdings herausgegebenen Briese von ihm, seiner Gattin, seiner Tochter, Hedwig von Olfers, und deren Kinder wieder ins Gedächtnis gerufen worden ist, lautet folgendermaßen: Eine G e s ch i ch t e. Der Jude fordert den Edelmann. Der Edelmann fragt Seinesgleichen: ob er den Juden möcht' ausweichend Die edle Jury also begann: „Dem Juden gibt der Edelmann mit Kugeln nicht Bescheid, allein mit Peitschenhieben. So steht's von Bersaba bis Van, von Potsdam bis Berlin geschrieben." Trotz diesem Spruch der edlen Sieben sind alle beide doch geblieben. „Wie ging das zu?" das höret an. Die Kriegstrompete scholl nach hüben und nach drüben. Zu Hause blieb der Edelmann: Der Jud' ist in der Schlacht geblieben. Gerade in unseren Tagen mag diese Erinnerung an Tapferkeit und Heldenmut eines Juden willkommen sein. pugr um puge. Russischer Sozialroman von M. P u l v e r m a n n. (Fortsetzung.) ©olche unfruchtbaren Wortklaubereien und Haarspaltereien halfen ihm, über die erste schwere Krisis hinwegzu schlüpfen. Sechs Monate lang war er seinem Vorsatze trengeblieben, ohne auch mm ein einziges Mal den Blick rückwärts zu

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