Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Ermutigung gespendet, verunstaltet und gewissermaßen diskreditiert." Nun war Var einiger Zeit in der „Neuen Badischen Landeszeitung" (Rr. 379 vom 14. November 1915, Morgenausgabe) zu lesen, daß am Sonntag nach Martini, einem alten Brauche gemäß, in den evangelischen Kirchen des badischen Landes das Erntedankfest gefeiert wird, und wenn je, so müsse in dieser Zeit des Weltkrieges mit dankbarem Herzen des reichen Erntesegens gedacht werden, da ja unsere Feinde uns leicht zu überwältigen trachteten, indem sie durch das Abschneiden unserer Zufuhr eine Hungersnot in unserem Lande zu erzeugen und uns so auf die Knie zu zwingen hofften. Das wird ihnen nicht gelingen, dank der großen Ernte, die wir einheimsen dursten. Jenes Wort in dem 2 3. Psalm: „D u b er e i t est mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Tu s a l b st in i t O e l mei n H aupt u n d schenk st m i r voll ein" war für unser Volk noch nie so zeitgemäß als in unserem gesegneten Erntejahre. Darum danket dem Herrn, usw." Ich meine, durch solche selbstredend aus evangelischen Kreisen stammende und von ehrlicher Frömmigkeit eingegebene vollkommen unbefangene Anwendung des Psalmworts erweist sich die obige Richtigstellung als vollauf bestätigt und gerechtfertigt. Tie von mir gegebene Deutung erscheint von hier ails als die einzig mögliche, well natürlich aus der Sachlage sich ergebende, während jene sich als gezwungen'und tendenziös darstellt. Ob die große, erschütternde Zeit, die wir eben durchmachen unb die gewiß manchen großen Wandel herbeiführen wird, allch lehren rrnd befähigen wird, sich nunmehr überhaupt mit reiner Objektivität in die Situationen jener alten Propheten und Psälmisten zu versetzen und so in lleberwindung aller Voreingenommenheit gegen sie und damit auch gegen das Judentum ganz gerecht zu werden? Wir wollen es, wie so manches andere Gute, als edle Frucht des Weltkrieges erhoffen. Sie Woche. B e r lin, den 23. April 1910. ie folgende Nebersicht mllßte der Feiertage wegen - so früh in die Druckerei geschickt werden, daß sie nur wenige Tage nach der Drucklegung der letzten Wochenschau abgefaßt wurde. Einstweilen ist daher vom K r i e g s sch a n p l a tz nur zu melden, daß das Planmäßige Borgehen der deutschen Truppen in schönster Weise fortschreitet, daß ein befestigter Punkt nach denn andern genommen wird und daß die Menge der Gefangenen, wie gegenüber den Täuschungsversnchen rmserer Feinde seitens der deutschen Heeresverwaltung ansdrücklich konstatiert wird, bereits die Zahl von 40 000 übersteigt. Allch die Italiener haben im Suganatal eine größere Zahl Gefangener eingebüßt, und ihre am Col di Lama versuchten Vorstöße sind von keinem Erfolge begleitet gewesen. A ul erika hat, wie es behauptet, die letzte Note in der U.-Boot-Frage an Deutschland gerichtet. Sie ist in scharfem Tone abgesaßt und wiederholt die Anklagen wegen der ohne vorhergehende Androhung erfolgten Angriffe durch deutsche Unterseeboote. Sie konstatiert die Tötung amerikanischer Staatsbürger und droht mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Die Lage ist sehr ernst. Hoffentlich kommt es zwischen der mächtigen Repllblik und Deutschland zu keiner ernsteren Verwicklung. Auch in den letzten Tagen sind in dem U. - B v o t - K r i e g manche Erfolge zu verzeichnen, wenn sie auch nicht denselben großartigen Umfang einnehmen wie in der letzter Berichtswoche. * Bon einen: Mitarbeiter wird uns aus dem Felde geschrieben: „Wir haben hier einen sehr schönen Sederabend iw .streife der Kameraden verlebt, zu dem die Heeresverwaltung rrnd heimische Liebestätigkeit alles geliefert hat — nur wenig: Kilometer hinter der Front! Und unter dem Donner bei Kanonen fragten wir: „Warum ist diese Nacht ausgezeichnet vor allen anderen Nächten?" — Allzuschwer wird da ja bii Antwort wirklich nicht! Gebe Gott, daß es nicht noch eil drittes Kriegspassah wird! Zweifellos kann man hier im Felde ein Wiederaufleber des religiösen Sinnes feststellen, das uns hoffentlich auch für die Zukunft erhalten bleibt! Hoffentlich bleiben nur von einer Wiedergeburt des Anti semitismus nach dem Kriege bewahrt: aber man wagt es nid), zu hoffen!" * Es ist in Deutschland und anderwärts vielfach von: Frieden geredet worden. Von manchen Politikern wurde die Reise decösterreichischen Ministerpräsidenten Burian nach Berlin als Friedenszeichen angesehen, von anderen nur als ein Höflichkeitsbesuch gedeutet zur gemeinsamen Aussprache über schwebende Fragen. Auch der Aufenthalt des ehemaligen holländischen Ministerpräsidenten Kuyper in Berlin, dem ein solcher in Wien folgen soll, wurde von manchen als Anzeichen von Friedensverhandlungen betrachtet. Sehr günstig in dein gleichen Sinne wurde auch das Steigen russischer Papiere in Deutschland und die Besserung der Markvaluta gedeutet, mit der dann das Fallen der holländischen Währung und de: übrigen ausländischen Werte zusammenhängt. Doch ist ecunmög'lich aus diesen Börsenoperatioüen bestimmte Schlüsse zu ziehen, zumal hier der Wunsch der Vater des Gedankens sein kann, d. h. weil die Börsen ihrer Hoffnung mn Frieden mit dieser Herauf- und Herabsetzung Ausdruck geben. Allen -diesen Gerüchten trat die „Nordd. Allg. Zeitung" aust entschiedenste entgegen. Allerdings darf man sagen, daß sich Friedensstimmung an vielen Orten kundgibt. Zeugnis dafür ist folgendes: Die bulgarischen Blätter veröffentlichen den Wortlaut der E i n - g a b e von Mitglieder!: der Rechten de r r n s s i s ch e n D u m n , die durch den Deputierten von Kiew in der Dnwa verlesen wurde. Dieses Schriftstück, das nach „Rußkoje Slowo" große Sensation er regt hat, schließt.- Wir haben lange die Zweckmäßigkeit des Krieges erwogen und können nicht mit gutem Gewissen sagen, daß das Voll die Fortsetzung des Krieges wünscht. Wir sind nicht ermüdet, aber der frühere Enthusiasmus ist nicht mehr vorhanden. Wir sind well entfernt, die deutschen Wünsche ergebenst zu erfüllen, aber wir weisen nicht die Möglichkeit einer freundschaflichen Verständigung zurück, sobald sie sich' als Notwendigkeit erweist. Wenn nicht die feste Zu verficht ans einen völligen Sieg vorhanden ist, ist es die Pflicht der Staatsmänner, die Geduld des Volkes nicht -weiter uns eine harte Probe zu stellen. * Aus Deutschland, und zwar ails dem antisemitischen Lager ist nachstehender Artikel zu erwähnen, den wir der „Breslauer Zeitung" entnehmen: Die antisemitisch e n A e u ß e r u n g en des Abgeordnete u W e r n e r (Gießen), der am Donnerstag i m R e ichs - t a g als Vertreter der Deuts ch e n F r a k t i o n gesprochen hat, wollen den Freikonservativen nicht gefallen. Von parlamentarischer Seite wird der „Post" geschrieben: Man dürfe die antisemitischen Aeußerungen Werners nicht den anderen Gruppen, die sich zu der Deutschen Fraktion vereinigt haben, aufs Konto schreiben, insbesondere nicht der R e i ch s p a r t e i. Die Deutsche Fraktion sei eben eine reine Arbeitsgemeinschaft. Sie sei begründet worden, um den kleinen Gruppen, welche bisher von den