Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen sLr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße *6 *9, zu richten. Verlag von Rudolf Messe, Berlin. Tttfttflf* Der Weltkrieg und der 23. Psalm. Von Dr. Ai. Steckel- J nlJOlK m ach er, Mannheim. — D^ie^Woche. — Dr. Heinrich arburger. Von F. — Die Lessingsche Handschriftensammlung. Von ndwig Geiger. — Feuilleton: Auge um Auge. Nuffischer Sozialr man von M. Pulvermann. — Schicksalslied. Von Dr. Alfred riedmaun. — Büchereinlauf. -- Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"), erlin, Königsberg i. Pr, Posen, Breslau, Neiße, Köln, Offenbach a. M.. rankfurt a. M., Mainz, Wien, New Nork. — Von Nah und Fern. Zer Weltkrieg und der 23. Ksslm. Von Dr. M.S teckelmach er. Mannheim. n Nummer 264 vom 23. September 1914 brachte die 1 „Frankfurter Zeitung" einen Aufsatz aus der Feder Hermann G unkels über „israelitische Kriegs- > dichte". An einer Reihe von Proben aus den Büchern eines esaja und Jeremia zeigt der Verfasser, wie diese Männer icht nur große Propheten, sondern auch große Dichter waren, ie iit einer Zeit, da sich die Kolosse altorientalischer Weltreiche egeneinander stürzten, „die gewaltigsten Schlachtgesänge genügen" haben. Trefflich wird der universalistische Blick gehildert, mit welchem die Propheten die heranstürmenden >eere als Heere Jahwes zur Vollstreckung seines Weltgerichts »schauten. Insonderheit äußere sich die Größe dieser -chlachtenpoesie darin, daß in ihr „männliche Herzen reden, ie auch vor dem Furchtbarsten nicht verzagen". Und dieser unzerbrechliche Mut quelle aus der felsenfesten Ueberzeugung, aß in dem Kriege, auch gerade dann, wenn er grausig und ntsetzlich ist, Gottes starke Hand waltet". Dem Forscher des llten Testamentes offenbare sich jetzt aufs neue „die wheit dieses alten Buches" darin, „daß es an Wucht und öröße nicht hinter den Schicksalen einer ganzen Welt, die sich 'vllziehen sollen, zurücktritt". Und so wünscht schließlich dunkel dem deutschen Volke den gleichen Glauben, „daß sich ii dem Großen und Furchtbaren, das nun kommen soll, ein ne Welt beherrschender Wille offenbart, durch viele Schauder iudurch gewaltsam das Antlitz der Welt wandelnd, und doch eilig: das Unsittliche. Niedrige, was nicht sein soll, zerchmetternd und das Kraftvolle, Tüchtige. Edle zum Siege rhebend". Der unterrichtete Jude, der da weiß, wie oft die neueren rvtestantischen Ausleger des Alten Testaments über dessen uigebliche Härten und Herbheiten schnell abzuurteilen pflegen. >ar gewiß über diese begeisterten Lobeserhebungen gerade ezüglich dieser kriegerischen Stellen in den alten prophetischen imdgebungen angenehm überrascht. Jetzt aber, nach zwanzig ümaten, die wir das göttliche Strafgericht durch des rutschen Volkes sittliche Kraft so wunderbar über die sündigen Völker haben herniederfahren gesehen, werden wir den auf die >lte israelitische Bibel hinweisenden Erinnerungen Gunkels gewiß mit noch größerer Genugtuung beipflichten. Jene alten israelitischen Prophetien, wie sehr werden sie in ihrem ewigen Gehalt durch die Zeitereignisse beleuchtet! Und so ist es vielleicht nicht zu gewagt, der Hoffnung Raum zu geben, daß die protestantischen Forscher des Alten Testamentes, durch die gegenwärtigen Zeitbegebenheiten eines Besseren belehrt, so manche ihrer vor diesen Zeitbegebenheiten vorgebrachten Bemängelungen nunmehr einer wohlwollenden Revision unterziehen werden. Möge ein Beispiel, nämlich die Auslegung des 23. Psalms, dartun. wie durch den Weltkrieg ganz von selber ein besseres Verständnis sich einstellt und so die erwähnte Revision nahegelegt wird. Gerade Gunkel war es, der in seinen ..Ausgewählten Psalmen", Göttingen 1905, wie schon vor ihm D u h m („Die Psalmen", Fveiburg i. B. 1899) an diesen erhabenen, namentlich schon von dem Kirchenvater Augustin (Bekenntnisse 9,4), dann von Luther (Vorrede zu den Psalmen), später von Herder, Ewald, Franz Delitzsch und Hupseid in ihrem ganzen Welterbauungswerte erkannten und gewürdigten Liedern gar oft eine recht unfreundliche, stellenweise verunglimpfende Kritik geübt hat. In einer Abhandlung, die seinerzeit als Beitrag zur Cohen-Festschrift nnter dem Titel „Die Psalmen in der Beleuchtung einiger ihrer älteren und neueren christlichen Interpreten" veröffentlicht wurde, bemühte ich mich, die gegen die Psalmen gerichteten Auffassungen zu entkräften. Gleich im Eingang meiner dortigen Darlegungen (S. 55) bemerkte ich: „In dem herzigen Psalm 23 heißt es: „Du richtest mir den Tisch an angesichts meiner Widersacher, usw." Der Dichter null sagen, obgleich der Feind Tn meiner unmittelbaren Nähe ist — er hat keine Gewalt über mich, kann mein Glück mir nicht rauben, Gottes höhere Macht wehrt ihn ab. Es wird Gottes schützende Allmacht gegenüber aller sonstigen unmittelbar bedrohenden Uebermacht — vgl. etwa Drm. Kap. 3 und 64 gepriesen. Was sagt aber Duhm? „Die Widersacher müssen zu sehen, wie Jahwe seinen Gast mit Uebersluß bewirtet. Es ist schade, daß selbst in diesem Idyll die Anspielung auf die Feinde nicht ansbleibt." Und noch.spitziger Gunkel: „Das Glück, das der P s a l m i st genieße, werde ihm d a d u r ch erst gewürzt, daß seine Feinde, die es ihm mißgönnen, das Zusehen haben. So wird durchaus unberechtigterweise ein kleinlicher Zug hineingedeutet, der das herrliche Lied, das schon unzähligen Trost und h Ich möchte hier noch weiter Hinweisen auf Ps. 27,2 u. 8. ferner s aus Exod. 14,20 und dazu Mechrlta Beschallach, wo zu lesen ist: „Die ' j int Finstern weilenden Aegypter sahen die Israeliten, die im Hellen \ allen und tranken und sich freuten. Da schleuderten die Aegypter s ans die Israeliten Pfeile und Wurssteine, aber die Wolke fing sie | mif und der Engel schützte sic . . . wie es heißt: „Mein Schild... | mein Helfer, vor Gewalt stehst du mir bei", ferner: „Ein Schild ist | er allen, die sich bei ihm bergen." jj