Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1916)
- Date
- 1916-04-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 utb der hohen Feiertage durch das weite Gebäude des jüdischen Gottesdienstes hindurch. Die int Lichtglanz erstrahlende Synagoge, rrf die die hiesige Gemeinde nicht wenig stolz ist, bot dazu die herrichste Folie und verstärkte den Eindruck ungemein. Ein solcher versuch konnte freilich nur gelingen durch die Mitwirkung eines Düngers, wie Oberkantor M a g n u s D a v i d so h n von der Beriner Fasanenstraßen-Shnagoge. Alan wußte nicht, sollte man i'it Glanz seiner Stimme mehr bewundern oder die erstandnisvolle Empfindung des Vortrages? Dabei war ulte Aufgabe keine leichte; neben bekannten sollten Uten gehörte, itn hiesigen Ritus heimische Melodien zur Geltung ommen. Oberkantor Davidsohn wurde ihnen allen gerecht; es mochte tun der Wffchomru von Ktrschner sein, oder die Festtagskeduscha von ent Bndapester Bachutann (die noch an die Mitwirkung von Strtger tnd Baß erinnert), oder Kl va ko ras roö ttnd Al taschlichenn von Lewanolvski. Hier steigerte sich die Wirkung zu wahrer Andacht; inan fühlte -s, der Krieg, macht alle Tage zu jomim noroün. Eilt Orgelolo von Bach, meisterhaft vorgetragen von unserem Organisten ind Chordirigenten Herrn Peter Hennes, leitete das Konzert in; der verstärkte Shnagogenchor sang mit Fräulein Julie!' osenberg aus Hagen als Solistin die liturgischen Chorpartien; erner Nr. 1 der hebräischen Gesänge von Max Bruch und Lewanvloskis prächtigen Psalm 150. Zum Schlußteil leitete ein von lräulein Erna Rofenberg (Hagen) mit Orgelbegleitung östlich vorgetragenes Violinkonzert von Tartini über. In den ausewählten Chörem und Soli aus Mendelssohns „Elias", die den Bechluß bildeten, wirkten als Vokalsolisten die Damen K l a r a ig i n n e ck e n , H a n n a R e u t e r und Toni He r z sowie Herr Stallknecht mit; aut Cembalo Herr R i e nt a n tt vom Königlichen üymnasinm und an der Orgel Herr Norbert Förster, ein ausübender Künstler, der mit Vorliebe synagogale Dichtungen unserer ildisch-fpanischen Tichterschule vertont. — Das Konzert fand zum Afften der Kriegsbeschädigten und der Hinterbliebenen gefallener melden der Stadt Essen statt; diesem schönen Zwecke konnten weit der 1000 Mark zugeführt werden. Die über 1300 Personen assende Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt; an die hwere Kriegszeit - erinnerten die zahlreichen, vom Kontitee eingeadenen Feldgrauen aus den Lazaretten, betten der Raum unmittelar vor dem Altar Vorbehalten war. Die Zuhörerschaft bot in ihrer usammensetzung ein Bild des konfessionellen Friedens: neben tmseren '.abbinern aus der Stadt und weiteren Umgebung sah man zahleiche evangelische und katholische Geistliche. Ihnen allen — und as war ein ideeller Gelvinn — spendeten jüdische Texte und Weisen u dacht und Erhebung. L. Frankfurt a. M., 14. Apri l. Aus'einem Feldpostbriefe aus cm Osten; „. . . Heute lvar ich in S... gnnt Gottesdienste in der .uzenannten Hirtdenbnrg-Halle und hatte große Befriedigung hiervon, iese Halle ist ein von den Pionieren .erbauter Nnterstand über der Erde, ie besitzt eine ansehnliche Größe, Galerie mtb Bühne. Das Holz, ts zu ihrem Bau verwendet wurde, würde sich auf ungefähr 10 000 'Hark stellen, wenn man es hätte kaufen müssen. Es wurde indessen ns den russischen Wäldern gewonnen. Die Halle ist zur Abhaltung ott allerhand Feiern und Festlichkeiten bestimmt. Am Vormittage robt darin die Kapelle eines Jnfanterieregitnentes. Arn kommeueit Sottutag uffrd sie — nur fünf Kilometer hinter der fyront -- itenx Kino ihre Pforten öffnen. Den Gottesdienst, den wir dort dhielten, leitete Herr Rabbiner Dr. Sonderling, ein ebenso iner wie liebettswürdi-ger Herr in Offtziersunisorm mit -dem Eisernen re uz. Nach Berrichttmg des Nlorgengebets hielt der Herr Rabbiner >te ergreifende Rede. Der Negimentskommandettr ebenso wie der djutant der Infanterie waren zugegen. Wir waren ungefähr ' Matttt, worunter acht Artilleristen. Man traf auch sehr viele beamte Frankfurter Persöultchketteu. Für Pessach lverden wir Urlaub nh Mitau durch Divis-tonsbefehl erhalten. Zum Seder finb lvir int Herrn Rabbiner eingeladen. Zwei Feldküchen werden zu diesem oecke gekaschert und ein Ochse rituell geschlachtet. Wein wird in ichlichem Maße fließett und ebenso die Datnpfwolken der Mann- Kisten zum Himmel steigen. Wir freuen uns alle sehr auf diese iden Tage. Es ist doch herrlich, wie für uns hier gesorgt wird, er Herr Rabbiner lud uns auch zu einem Besuch nach Schaulett zu mt eilt, wo es ein seines Schmäpschen >und andere gute Dinge gäbe. >m übrigen haben wir regelmäßig alle vier Wochen unseren GotieSienst, aus den wir uns stets sehr freuen. Man hat hier geradezu Verlangen dattach. In der Hoffnung, daß die Rttsseu sich toie seither weiter bei uns blutige Köpfe holen, verbleibe ich Euer 2/D Flehrngen, 14. April. Am 30. v. M. fand hier unter großer Beteiligmtg von nah uttd fertt, aller Schichtett der Bevölkernttg und zweier Kriegerverente mit ttmflorter Fahne die Bestatttntg des vor weit i gen Tagen int Dienste des Vaterlandes gefalletteu Louis Barth, Sohn des Herrn Leopold Barth vom hier, statt. Alle Liebe und Verehrung wie die ganze Fülle des Schmerzes mtb der Teilnahme au dem Verlust des einzigett Sohnes und Brttders kanten in -einer Weise zittn Attsdruck, die den Angehörigen einigen Trost in ihrem tiefen Leid bieten muß. Der erst 31jährige junge Mann, bereits cmt vierten Mobilmachungstage eittgerückt, beobachtete unter großen Schwierigkeiten und Persönlichen Opfern soviel als tunlich alle religiösen Vorschriften unserer Religion. Sein Freund und Kriegskamerad Herr N a ch nt a rt tt ans Rastatt, itt einem Regimettk mik ihm stehend, machte es sich zur Ehrenpflicht, dort teueren Heimgegangenett unter großen Opfern und Gefahren heimzugeleiten, um die sterbliche Hülle desselben nt heimatlicher Erde bestatten zu können. Bor dem Trauerhause sprach Herr Dr. Gryzmisch, Bezirksrabbiner von Bruchsal, tiefempfundene Worte des Abschieds ttltd des Trostes. Möge die schwergeprüfte Fautitie, die bereits dem teuren Vaterland ihren Tribut durch den Heldentod zweier braver tutd tüchtiger junger Männer gezollt hak, vor weiteren herben Schicksalsschlägen bewahrt bleiben. — Rottweil, 14. April. Unter militärischen Ehren tvurde vor kurzem ein Sohn unserer Stadt, der feilten int Kampf fürs Vaterland erlittenen schweren Wunden im Lazarett erlegen ist, auf dem Kriegsfriedhof zur letzten Ruhe bestattet; der 21jährige Musketier Erich Wolf vom Infanterieregiment 117, Lohn des Herrn Jos. Em. Wolf, hier. Dem Sarge voraus schritten nach der Stadtkapelle ein Kommando der hiesigen Landsturutkompagnie, das am Tratterhanse und am Grabe dem verstorben eit Krieger die militärischen Ehren erwies, und der Militärverein mit umflorter Fahne. Nach dem Leichenwagen, zu dessen Seiten Mitglieder der hiesigen Sanitätskolonne schritten, folgten die Leidtragenden, Offiziere der hiesigen Garnison und Verwundete der lpcsigen Lazarette mit reichen Blumenspenden. Nach den ergreifenden Worten des Herrn Lehrer S t r a u s b e r g e r gab unter Niederlegung eines Kranzes namens des Militärvereins Herr Pros. Geiger in packender Weise der Anteilnahme und dem Dank desselben für das auf dem Altar des Vaterlandes gebrachte Opfer Attsdruck. Von den Verwundeten wurde das Grab des Kameraden mit zahlreichen Bl tunen spenden geschmückt. Ter unausgesetzt hörbare d-n.mpfe Kanonendonner vom Kriegsschauplatz int Westert herüber erhöhte das Ergreifende der Feier am Grabe des jungen Kriegers. 8. P. Stratzbirrg i. E., 14. April. In einer am 29. v. M. von der Shnagogenverwaltung einberufenen Versammlung vott Vorständen der religiösen Vereine und von Vertrauensmännern der Knltusgemeinde wurde Rabbiner Dr. Uhry aus Schlettstadt mit 19 Stirn men als Oberr abbin er von Straßbnrg bezeichnet. Es erhielten ferner Stimmen: Dr. L e v y aus Charlottenburg 6, Tr. K o ch aus Weißenburg 1, Dr. Marx aus Straßburg 1. Es wurde insbesondere gegen die Anstellung eines orthodoxen Rabbiners Stellung genommen. Zwei hervorragende alldeutsche Persönlichkeiten Havert erklärt, in diesem Sinne für Dr. Uhry gestimmt zu haben. Tie Synago-genverwaltung hat beschlossen, Rabbiner Dr. Uhry dem Konsistorium in Vorschlag ztl bringen. Es wird allseits die Hoffnung ausgedrückt, daß das Konsistorium des Bezirkes Unter-Elsaß irrt Interesse der Einigkeit in der Gemeinde den in seinem bisherigen Rabbinat hochgeachteten, viele Tienstjahre zählenden Rabbiner ernennen möge. Der Dartk der Kultnsgemeinde ist dem Konsistorium gesichert. Gksterrrich-AiMM. 8. Graz, 14. April. Unserem hochgeschätzten Herrn Lanbesrabbtiter Universitäts-Dozenten Dr. D. Herzog ist von der Kaiserlich Deutschen Botschaft iu Wien folgendes Schreiben übermittelt worden: Die Kaiserlich Deutsche Botschaft beehrt sich, Euer Hochnwhlgelwr-en erhaltenein Aufträge gemäß ergebenst ntitzttteilen, daß die von Ihnen Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser urtd Kvrtige von Preußert dargebotenen Kriegspredigten (dieselben fiitb int Vertage von I. Kaussmann in Frankfurt a. Main erschienen) an Allerhöchster Stelle Vorgelegen haben, und spricht Ihnen für die liebenswürdige Absicht und die ihr zugrunde liegende bmtdesbrüderliche Gesinnung beit Verbindlichsten Dank aus.