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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-21 · Heft 16 (21.4.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 16 (21.4.1916)
Date
1916-04-21
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 16 Berlin, 21. April 1916 Der Gemetndevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". korrrlpsndrn?rn und Nachrichten. SeutWsnL. L2 Berlin, 17. April. Vom geschäftsführenden Ausschuß des Deutsch-Israelitischen G e m e i n d e b u n d e s erhalten wir mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Zuschrift: Durch die Zeitungen ging in jüngster Zeit die Mitteilung, daß die Gründung eines Waisenhauses für jüdische Kriegswaisen beabsichtigt ist, und es wurde auch eine Persönlichkeit genannt, die mit den Vorbereitungen betraut worden sei. Wir erfahren ferner, daß bereits ein in diesem Sinne erlassener Aufruf von einem Lokalkomitee in Schönlanke an die Synagogengemeinden Deutschlands gesandt worden ist. Wir wissen nicht, ob diese Mitteilungen in irgendeinem Zusammenhänge mit dem von der „Agudath Jisroel" zu demselben Zwecke ausgegangenen Aufruf steht. Wir müssen aber vor jeder Zersplitterung der Kräfte unb materiellen Mittel, die hier droht, dringend w arnen. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, zu dessen Aufgaben seiner Grund- Verfassung nach auch die Förderung der Wohltätigkeitsangelegenheiten der israelitischen Gemeinden im Deutschen Reiche gehört und der bisher drei wohlbekannte Erziehungsanstalten ins Leben gerufen hat und verwaltet, hat der Kriegswaisenfürsorge bereits kurz nach Ausbruch des Krieges sein Interesse zugewandt. Die von ihm neuerdings angestellte Umfrage bei den Waisenhausverwaltungen hat ergeben, daß die in Deutschland vorhandenen jüdischen Waisenhäuser für einen größeren Teil. der zu erwartenden Kriegswaisen ausreichen. Etwaige statutarische Bestimmungen, die der Aufnahme entgegenstehen sollten, werden mit Rücksicht aus den großen und heiligen Zweck ohne Zweifel geändert werden. Ueberdies wird die Kriegswaisenfürsorge doch höchstwahrscheinlich nur für die Minderzahl der Kinder in der Unterbringung in Waisenhäusern bestehen. Der andere und am Ende wichtigere Teil der Fürsorge wird vielmehr die Aufgabe haben, darauf bedacht zu sein, daß die vaterlos gewordenen Kinder bei ihrer Mutter bleiben können, wenn diese ausreichend unterstützt wird. Ferner geht das Bestreben der neueren Zeit dahin, Waisenkinder, wenn irgend möglich, in Familien erziehen zu lassen. Die Erfahrungen, die wir bei der Unterbringung von Kindern ostpreußischer Flüchtlinge gemacht haben, berechtigen zu der Erwartung, daß sich Familien in ausreichender Zahl finden werden, die die Erziehung von Waisenkindern übernehmen. Erwägt man endlich, daß ein jüdisches Kriegswaisenhaus doch höchstens zehn Jahre seinen: Zwecke zu dienen haben würde, so erkennt man, wie unzweckmäßig die geplante Gründung ist. Das große für den Bau und die Einrichtung eines Kriegswaisenhauses aufgewendete Kapital würde zum größten Teil verloren sein. Zu dem Ergebnis ist der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit in seiner Abteilung „Soziale Fürsorge für Kriegerwitwen und Kriegerwaisen", in die auch der geschästssührende Vorsitzende des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes berufen worden ist, ganz allgemein gelangt, und aus seinen Verhandlungen klingt der Warnungsruf heraus: „Keine neuen Kr i eg swai s enh äuser." Alle die hier berührten Fragen werden von der durch den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund eingesetzten Kommission in sachverständiger Weise geprüft, und wir müssen alle diejenigen, die H-erz und Sinn für diese große und heilige Sache haben, bitten, ihre Hilfe für die von dem Deutsch-Israelitischen Genreindebunde in Angriff genommene Kriegswaisenfürsorge bereit zu halten. — Berlin, 17. April. Der Magistrat in Neukölln ersuchte die Stadtverordnetenversammlung, sich damit einverstanden zu erklären, daß von Ostern 1916 ab für die Oberstufen der dortigen höheren Knabenschulen jüdischer Religionsunterricht mit zwei Stunden wöchentlich eingerichtet wird. Die hierdurch für das Jahr 1916 entstehenden Kosten sollen aus dem Dispositionsfonds der Stadtverordnetenversammlung entnommen werden. Zur Begründung des Antrages führt der Magistrat folgendes aus: „Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin hat uns mitgeteilt, daß nach seinen Ermittlungen zwar für die jüdischen Schüler der unteren und mittleren Klassen der höheren Knabenschulen durch die bestehenden Religionsschulen hinreichend gesorgt sei, daß aber die über vierzehn Jahre alten Schüler dieses Unterrichts sämtlich entbehren. Er hat uns darum ersucht, für diese Schüler eine gemeinsame Oberstufe für den jüdischen Religionsunterricht mit zwei Stunden wöchentlich einzurichten. Wir haben uns dem Antrag gegenüber zunächst ablehnend verhalten, da eine gesetzliche Verpflichtung für die Einrichtung eines solchen Unterrichts nicht vorliegt und die Zahl dieser Schüler (im Winterhalbjahr 11) zu gering ist, so daß die Kosten damit nicht im Verhältnis stehen würden. Die jüdische Gemeinde hat indes den Antrag aufrechterhalten und unter eingehender Begründung daraus hingewiesen, daß ein gleicher Unterricht von Berlin und den sämtlichen größeren Vorortgemeinden eingerichtet sei, und zwar zum Teil für Lehranstalten, bei denen die Anzahl der jüdischen Schüler noch eine geringere sei. Die Stadtverwaltung werde selbst darauf Wert legen, daß gerade Neukölln in dieser Hinsicht nicht eine Ausnahme bildet. Nachdem die Stadt sich mit der Einrichtung von besonderem jüdischen Religionsunterricht für das Lyzeum und Oberlyzeum schon seit Jahren einverstanden erklärt, glauben wir, uns dem Anträge schon aus Gründen der Parität nicht entziehen zu sollen, und bitten, die für die -Einrichtung von zwei Wochenstunden erforderlichen Kosten im Betrage von 240 Mark bewilligen zu wollen." Die Vorlage wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Berlin, 17. April. Der S ch u tz v e r b a n d d e it t f eh c r Schriftsteller wird unter Mitwirkung von Gelehrten und Künstlern eine Reihe kulturhistorischer Vortragsabende veranstalten, durch die den Zuhörern unter Fernhaltung aller Tagespolitik ein Einblick in verschiedene fremde Kulturkrcise verschafft werden soll, die uns durch den Weltkrieg geistig nähergerückt sind, über die mau aber in Deutschland im allgemeinen noch sehr wenig unterrichtet ist. So ist u. a. ein irischer, ein finnischer, ein flämischer, ein türkischer und ein bulgarischer Abend geplant. Zunächst 'soll am 29. April, abends 8 Uhr, im Festsaal des Abgeordnetenhauses, Leipziger Straße 4, ein Jiddischer Abend stattfinden. Die Ostjuden machen einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung Russisch-Polens aus. Mit dem Interesse, das damit für diese Juden erwacht ist, wird die allgemeine Aufmerksamkeit aus die sonderbare Erscheinung gelenkt, daß sich bei ihnen die deutsche Sprache in einer Form, die vielfach noch aus dem Mittelalter stammt, als Kulturdenkmal wiederfinde. Einen Begriff von dieser Sprache zu geben und Proben daraus durch erste Künstler vortragen zu lassen, in Lichtbildern die bildende Kunst bei den Ostjuden zu Zeigen sowie die gesamte Kulturerscheinung historisch zu erklären, soll die Ausgabe des Jiddischen Abends sein. Das Programm enthält u. a. einen einleitenden Vortrag „Jüdisch, eine Kulturerscheinung" von Dr. Heinrich Loewe, Gesana.svorträge von G o l a n i n und Vera G o l d b e r g und eine Reihe von Deklamationen. $$$ Berlin, 17. April. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Grenadier Siegfried D a n z i g e r; Unteroffizier d. R. Ernst H e ch t; Oberapotheker Leo L ö w i; Ofsizierstellvertreter Tr. H e h n em n n n; Bataillonsarzt, zurzeit stellvertretender Regimentsarzt Dr. Karl G e i s e n b erg- Weißensee; Bataillonsarzt Tr. Falk e nberg; Stabsarzt Tr. Rudolf Kiwi; Unteroffizier Referendar Stephan Iaeubowski, Sohn des Kaufmanns Herrn Alfred Jacubowski (Gr.-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Unteroffizier Herbert Cohn- Graudenz; Assistenzarzt Dr. Paul L ö w c n - ber g , Gefreiter Bertram H e y m a n n - Strausberg; Gefreiter Kautzuann Otto F r a e n k e l - Krotoschin; Leutnant Referendar Joseph A t t m a n n, Bizewachtmeister Baumeister Mar Richter- Rybnik; Bataillonsarzt Dr. Artur L e v h - Wilhelmsbnrg (Hamburg); Kriegsfreiwilliger Gefreiter Ernst Löwenst e i n - Landau (Rheinpfalz); Gefreiter Paul B e n j a m i n, Unteroffizier Robert M einhar d t, Bataillonsarzt Dr. H a nt nt e r - s ch m i d t - Stettin; Musketier Hans L c b c r m a n n, Unteroffizier Harry Cohen, Referendar Arnold Möller-Hamburg; Unteroffizier Julius A rchenh old-Elberfeld, Assistenzarzt Tr. Julius Bier- Köln; Bataillonsarzt Dr. Otto Jacobs o n - Lübeck; Unterarzt K. E lkn n-Parchim; Kriegsfreiwilliger Fritz B ernste in- Seeburg (Ostpr.); Unteroffizier Alfred W e i n b e r g - Werther i. W.; Landsturmmann Karl Meyer-Mülheim a. d. Ruhr; Vizewacht-

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