Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-21 · Heft 16 (21.4.1916) · p. Seite 186

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 16 (21.4.1916)
Date
1916-04-21
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229249--72161-3284587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

186 Friedlicher Brief aus Stockholm. Von Toni Klein. D ihrer Aufforderung, Ihnen einmal wieder etwas aus unserer Gemeinde mitzuteilen, komme ich heute nach, indem ich Ihnen von einer Geburtstagsfeier ganz ungewöhnlicher Art berichten will. Es handelt sich nämlich um zwei unserer Glaubensgenossinnen, die Zwillingsschwestern Agda und Gerda Meyerson, die am 1. Februar ihren 50. Geburtstag begehen konnten. Sicherlich ist es ein einzig dastehendes Fest, das an einem Dienstagabend im Strandhotel stattgcfunden, und an dem sich wohl beinahe alle sozial interessierten Persönlichkeiten beteiligt haben, um die Gelegenheit zu ergreifen, der allgemeinen Wertschätzung des bedeutenden Einsatzes auf den verschiedensten Gebieten, den die beiden Zwillingsschwestern gemacht, Ausdruck zu verleihen. Diese Art der Demonstration war allen Freunden, Gesinnungs- und Arbeitsgenosscn besonders willkommen, weil gerade auf diesen Gebieten jede äußere Anerkennung ausgeschlossen ist. Fräulein Agda Mehersons Tätigkeit liegt ausschließlich auf dein Gebiete der Krankenpflege. Selbst ausgebildete Rvte-Kreuz- Schwester, gehört sie zu den tüchtigsten und Initiative ergreifenden Persönlichkeiten in der sehr hochstehenden schwedischen Krankenpflegekorporation. Seit vielen Jahren ist sie Borsitzende des Schwedischen Krankenwärterinnenvereins, und als Schriftführerin des Königlichen Komitees, dessen Aufgabe es ist, die Verhältnisse aus diesem Gebiete zu untersuchen, hat sie seinerzeit vom Staate den Auftrag erhalten, die Lage der Krankenpflege in Deutschland und Dänemark zu studieren. Im Jahre 1908 gründete sie ein eigenes Krankenhcim in dein vornehmsten Stadtviertel Stockholms, und „Schwester Agdas Krankenheim" ist inanchem leidenden Stockholmer eine wohltuende Zusluchtstätte. Es ist keine leere Geburtstagsphrase, sie als eine Krankenschwester zu bezeichnen, die ihrem Stande alle Ehre macht und ihn weit über das gewöhnliche Mittelmaß erhebt, der ihre Arbeit zur Lebensaufgabe geworden, für welche sie ohne Bedenken ihre ganze Arbeitskraft und das weitestreichende Interesse weiht. Hinzufügen will ich noch, daß Schwester Agda seit Jahren ein tatkräftiges Mitglied der Israelitischen Krankenhilfe- und Beerdigungsgesellschaft ist. Was nun Fräulein Gerda Meyerson betrifft, so wissen wohl alle, die Gelegenheit hatten, einen Einblick in das hiesige soziale Arbeitsgebiet zu tun, daß sie unumstritten zu den hervorragendsten Arbeitskräften gerechnet werden muß. Die Lage der Jndustriearbeiterinnen zu verbessern, lag ihr am meisten am Herzen und die großartige Einrichtung der Arbeiterinnenheime, deren es gegenwärtig drei mit hl Anzahl von über 100 Mieterinnen gibt, ist wohl das hl kannteste ihrer Resultate. Als sie am Ende der 90er Jahr! den Verein für Arbeiterinnenheime gründete, hatte sie scho» viele Jahre vorher ihr warmes Interesse den Arbeiterinnen! Verhältnissen gewidmet und durch regelmäßige Abend! Unterhaltungen — die sie noch immer sortsetzt — versucht! ein wenig Zerstreuung und Abwechslung in das einförmig und oft freudlose Leben dieser Klasse zu bringen. Allmählil! kam Fräulein Meyerson zu der Ueberzeugung, daß die Bcrl besserung der Wohnungsfrage für die ganze Existenz b i! Mädchen von ungeheurer Bedeutung sein müßte. Und da lei ihr Einsicht und Handlung nicht weit auseinanderliegen, wo es gilt, Hilfe zu schaffen, entstand bald der erste anspruchslc,c Anfang der Institution, hc durch ihre Energie und persö lichen Einsatz nun einen o bedeutenden Umfang gewonm» hat. Fräulein Mehersons Arbem beschränkt sich aber nicht da-I auf. Ihr Sommerheim f> r Arbeiterinnen, in herrlicher Gegend der Schären Stocholms gelegen, wo jene f> r eine geringe Abgabe einno Wochen sorgenfrei sich au - ruhen können, bildet auch ein Glied in der Kette der B - strebungen. die Ferienfra-c dieser überarbeiteten Klare glücklich zu lösen. Es würde zu weit führen, Gerda Mehersons ganze Wir samkeit zu schildern, es kann au i kaunr für den ausländische i Leser von Interesse sein, von all den lokalen Einrichtungen, bei denen sie durch Vorträee anregend wirkte oder sonn beteiligt ist, zu berichten. Jl Interesse ist weitreichend mn ihr guter Wille unerschöpflicl und da dazu die genügend' Intelligenz und eigene Mitte die sic, selbst höchst anspruchslo lebend, dem allgemeinen Woh ' widmet, kommen, so kann man sich vorstellen, daß die Resulta t bedeutend sind. Außerdem ist sie eine fleißige Schriftstellerin, nicht nur in sozialen Fragen, sondern sie hat auch Arbeiten allgemei- - literarischen Inhalts — meist Jugendschriften — heran gegeben. Auch in dem Israelitischen Mädchenklub h> Fräulein Gerda zu verschiedenen Malen belehrende und <ti regende Vorträge gehalten. Und wenn auch ihre Arbei abseits der eigentlichen Gemeindeinteressen liegt, so könnewir doch auf sie stolz sein, indem sie das echtjüdische Gebe, gute Werke zu üben, in vollem Maße erfüllt. Nun will ich noch einige Worte über die Feier des Tagesagen. In einer stillen, vornehmen Straße liegt Schwester Agda Krankenheim, und im selben Hause in der dritten Etage ha sich ihre Schwester ein kleines behagliches Heim eingerichtet in dem sie schon früh am Morgen von einem Gesangchor, au ihren Arbeiterinnen bestehend, begrüßt wurde -und Ver treterinnen des ersten Heims eine wunderschöne Adresse über v*. ■ ,* * %•%- ** \y WAV %*♦«* * * 4 %*-**%% ***%„.***«,V* H **•*,*• )'■ 4 -4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.