Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1916)
- Date
- 1916-04-14
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 man noch nicht. Davon hängt viel ab. Fest steht aber, daß wir jedenfalls von Deutschland aus einen erheblichen Einfluß auf diese Gebiete auszuüben in der Lage sein werden, und wenn bas der Fall, wird der Gesamtheit der deutschen Juden eine Aufgabe zugewies-en, schwer, verantwortungsvoll, aber auch erhebend großartig. Wer diese Gebiete keimt, wer dort mit der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung in Berührung getreten ist, der empfindet einen tiefen Schauder und ein tiefes Erbarmen mit diesen Menschenmassen, insbesondere mitdenJuden. Die Ausgaben, die bisher gelöst worden sind oder deren Lösung angebahnt ist, bilden nur einen verschwindend kleinen Teil der Aufgaben, die noch zu lösen bleiben, und die nach dem Kriege gelöst werden müssen. Der Hilfsverein der deutschen Juden wird diese Ausgabe in vollen: Umfange zu lösen nicht in der Lage sein, weil die Gesetzgebung es ihm als einer reinen Wohltätigkeitsinstitution verwehrt, sich mit politischen Angelegenheiten zu -befassen. In Voraussicht dieser Schwierigkeit und der Notwendigkeit, auch die rein Politischen Fragen zur Lösung zu bringen, ist in engster Anlehnung an den Hilssverein, aber durch Personalunion mit ihm verbunden, doch rechtlich in absoluter Selb- Müdigkeit, durch Herrn Dr. James Simon die „DeutscheVer* einigung für die Interessen der osteuropäischen Juden" ins Leben gerufen worden, der auch Redner angehört, und diese wird die Ausgabe haben, nach derpolitischen Seite hin die Arbeiten zu leisten, die nötig sind, um der Juden heit in den von den deutschen Truppen besetzten Teilen Rlißlands dadurch eine biirgeriich-men seheitmit r i>ige Exiski:z zu sichern. Die Hilfsaktion konnte vom Hiilssverein nicht allein geleistet werden. Es konnte nur in dem geschilderten Maße durch die großzügige Mithilfe der amerikanischen Freunde das geschehen, was der Redner in großen Zügen auseinandergesetzt hatte, und eine Fortführung ist nur möglich, wenn die deutsche Iudeuheit dem Hilssverein weiter Vertrauen entgegenbringt und die Mittel zur Verfügung stellt, um -der ständig steigenden Not in steigenden: Maße zu begegnen. (Anhaltender Beifall.) Herr I u st i z r a t Berg e r (Königshütte) dankt für die reichen Mittel, die der Hilfsverein dem ober schlesischen Hilfskomitee, das er vertritt, bereitwilligst gewährt hat. Er schildert die jruchtbare Hilfeleistung, die durch das Komitee im Gebiet von Czenstochau, Zawierce, Vendzin, Sosnowice vollbracht werden konnte in-harmonischer Zusammenarbeit mit den vorzüglichen lokalen Komitees wie de:: deutschen und österreichischen Behörden. Besonderer Segen sei auch erwiesen worden durch die Gewährung eines Darlehnssonds von. 15 000 Mark seitens des Hilfsvereins, dem nicht genug gedankt werden könne. Herr Stadtrat G i m k i e w i c z dankt dem Vorstand, insbesondere den Herren Dr. Simon, Dr. Nathan und Dr. Kahn, unter allseitiger lebhaftester Zustimmung sür die überaus großen Leistungen des Hilfsvereins in diesen schweren Kriegsjahren. Zur Ehrung oen Vorstandes erheben sich die Anwesenden vor: den Plätzen. Der Vorsitzende dankt namens des Vorstandes für-den Syu:pathiebeweis. Herr Armeera.bbine r Dr. Tänzer gibt seiner Freud.' Ausdruck, daß er auf dem Wege zur Front einer Generalversammlung des Hilssvereins habe beiwohnen können. Er dankt im Namen de Armeerabbiner für die denselben gezollte Anerkennung sür ihre Mit arbeit am Hilsswerk des Hilfsvereins in den okkupierten Gebieter und erklärt die Bereitwilligkeit namens der Armeerabbiner, and; fernerhin die gleichen Ziele wie der Hilssverein zur Ehre des Juden tmns wie des Deutschtums zu verfolgen. Herr B a n k d i r e k t o r Simon erstattete darauf den Finanz bericht. Die Versammlung erteilte einstimmig ohne Diskussion der Verwaltung Entlastung. Die Revisoren, Herr K o m m erzien r a t 'S i e g m u n i Pincus inti Herr Georc Tietz, wurden wiederge wählt Der V o]v s i tzende dankt noch' mals namens des Ausschusses für die Sympathieun d Beifallskundgebungen. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der furchtbare Krieg noch in diesem Jahre ende, weis! aber daran! hin, daß auch dann die Not sich nur allmählich lindern lassen werde und daß dann erst, wie Her: Tr. Nathan: dargelegt, ei gentlich die größten Aufgaben des Hilssvereins begönnen. — Es müsse: Versuche unternommen werden, die Juden in Polen z: Land bauern zu machen. Durch Abwanderung nach den Vereinigte:. Staaten sei trotz der großen Dimensionen derselben-keine endgültig- Entlastung des russisch-polnische:: Elends zu erzielen. Er wende sich gegen den zurzeit besonders eifrig propagierten Gedanken de Abwanderung aus Rußland nach der Türkei und gibt der Ueber zeugung Ausdruck, daß diese Bestrebungen in den nächsten Jahre: keine Einwirkung auf das Los der russisch-polnischen Bevölkerung haben können und werden. Es muß darum versucht werden, eine: erheblichen Teil der Glaubensgenossen in die polnische Landwirtschaft überzusnhren. Wenn das vernünftig mit der Hilfe deutscher Instruktoren ins Werk gesetzt werde, sei ein Erfolg zu hoffen. Dazr werde voraussichtlich auch die Hilfe der Jewisli Colonization Association zur Verfügung stehen und — wie wir hoffen — di: der amerikanischen Iudeuheit. Er appelliert daraus an die Anwesenden nachdrücklich, das Web des Hilfsvereins soweit möglich nach Berücksichtigung der deutsche: Not materiell zu fördern. Darauf schließt er unter nochmaligem Ausdruck des Dankes für die Beteiligung die Versammlung. i§S8! £ - Synagoge und altes Gemeindehaus