Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-14 · Heft 15 (14.4.1916) · p. Seite 171

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 15 (14.4.1916)
Date
1916-04-14
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229248--72141-3284566
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

chützen. iebenes >ich an :bä, die d wir rlt und annend de Zeit en, als rerksam n sonst mal in mernde iorgen« as tiefe i. Die großen znis ist Ls galt > besonchützen, die als öesetzesr jedem m Eifer Gefahr es, das it überlgt, vor schützen .jenigen tüm zu Äe Ge- Verrat aller Abfall nichtige ira, die igeworbn, an e histo Knecht^ >, emp- >en Ge l Lebei erbietei Augen scheuen ng voi oarntei der, di ott der :ft, dies eht, zu Worte en, der erechten enschen Was is' her de ist und 171 Von. der Zeiten Not gedrängt alten und neuen Weisungen folgend, in des Volkes Willen und Kraft den von den Vätern erwarteten Messias erblickt, der die so heiß ersehnte Befreiung von tausendjährigem Druck herbeizuführen vermöge. Diesem wie Onkelos ihn nennt, hielten sie das Schriftwort entgegen: „Mit starker Hand hat uns der Herr aus Aegypten geführt," er allein ist es, der uns auch künftig erlösen wird. „Er hat Israel beschworen," fuhren sie ermahnend fort, auf seine Befreiung aus Druck und Knechtschaft nicht zu drängen und sie nicht durch Gewalt herbeizuführen"). — Besondere Aufmerksamkeit wandten sie dem JHV IJ-’HtP der leicht zu beeinflussenden Volksmaffe zu, die, einem Kinde gleich, keine Zukunstssragen erörtert, der Gegenwart lebt und nur für Dinge, die ihr am nächsten liegen, Interesse bekundet. Diese suchten sie im Glauben an den erlösenden Gott, wie ihn die Geschichte der Befreiung aus Aegypten offenbart, zu stärken und über die Bedrängniffe und Enttäuschungen ihrer Zeit durch folgende Fabel hinwegzuhelfen: „Ein Löwe Hatte einst einen Knochen verschluckt, der ihm im Rachen stecken blieb und heftige Schmerzen verursachte. Um diese los zu werden, ließ er überall ankündigen, daß er denjenigen, der ihn vom Knochen befreie, königlich belohnen werde. Eine langhalsige ägyptische Schnepfe unternahm die Operation und führte sie mit Erfolg zu Ende. Als sie aber die versprochene Belohnung verlangte, sagte der Löwe zu ihr: „Geh hin und erzähle überall, daß du so glücklich aus dem Rachen des Löwen herausgekommen bist, wie du hineingeraten warst""). Diese Fabel enthält eine Lehre, die Israel in finsterer Leidensnacht vorangeleuchtet und ihm den Weg gezeigt, der zu seiner Erhaltung bis auf die Gegenwart geführt hat. fTUm "I1BS X!2lv Der Blinde, sagen unsere Alten"), ist der Verpflichtung, die Haggada zu lesen, enthoben; er wandelt in ewiger Nacht, die Hoffnung, das belebende Licht des herannahenden Tages zu erblicken, hat für ihn wenig Wert. Wer aber mit offenen Augen den Weg des Lebens zieht, der lese die Haggada nicht nur in der Passahnacht, sondern auch in allen andern gleichen Erinnerungen geweihten Tagen und Nächten. Und je aufmerksamer er sie liest und in ihren Inhalt sich vertieft, desto klarer hallt ihm der Ruf entgegen: „Der Morgen bricht an, die Zeit naht heran, in der die gesamte Menschheit, wie Israel in seinem „Schma", das Bekenntnis ablegen wird: es gibt einen Gott, der die Sklavenketten seiner Kinder zertrümmert und sie durch Finsternis und Knechtschaft zu Licht und Freiheit führt." Sie Woche. Berlin, «den 11. April 1916. as bedeutsamste Ereignis dieser Woche, ein Ereignis, dessen Wichtigkeit erst in Monaten voll gewürdigt werden kann, ist die Rede des deutschen Reichskanzlers im Reichstag. Mit wünschenswertester Deutlichkeit wurde in ihr das Kriegsziel der Deutschen davgelegt. Nachdem der Reichskanzler auf die Schwierigkeit der inneren L-age hingewiesen, die Bereitwilligkeit Deutschlands zum -Frieden betont, die unerhörten Bemühungen unserer Feinde, die auf unsere Vernichtung hinzielen, .auseinandergeseht, fuhr -er fort: Beim Ausbruch des Krieges habe ich an das Wort Moltkes erinnert, daß wir noch einmal in blutigen Kämpfen-würden verteidigen uüssen, was wir 1870 errungen hüben. Für die Wahrung der - i n h e i t u n d Freiheit Deutschlands sind wir, die ganze Nation 8) Ketubot lila. ö) Genes. Räbba, Kap. 64. Der Dichter dieser Fabel ist derselbe Rabbi Josua ben Chanania, der das eingangs erwähnte Gespräch mit Hadrian führte. ") Jalkut Schimoni, Bo. geschlossen wie -ein Mann, in den Kampf gezogen. Dieses einige und freie Deutschland, ist es, das unsere Feinde vernichten wollen. Ohnmächtig soll Deutschland wieder werden wie in vergangenen Jahrhunderten, dm Machtgelüsten der Nachbarn ausgesetzt, der Prügeljunge Europas, auch noch nach dem Kriege in der Entfaltung seiner wirtschaftlichen Fähigkeiten ewig in Fesseln geschlagen. Das verstehen unsere Feinde unter der Vernichtung der militärischen Macht Preußens. Sie werden sich die Köpfe einrennen. Was wollen wir dagegen? Sinn und Ziel dieses Krieges ist -uns -ein Deutschland, so fest gefügt, so stark beschir m t, daß niemand wieder in die Versuchung gerät, uns verruchten zu wollen, daß jedermann in der weiten Welt unser Recht ans Betätigung unserer friedlichen Kräfte anerkennen muß. Dieses Deutschland, nicht die Vernichtung fremder Nationen ist das, was wir erreichen wollen. Nnd es ist das Zugleich die Rettung des in seinen Grundfesten erschütterten europäischen Kontinents. Was kann die feindliche Koalition Europa bieten? Rußland das Schicksal Polens und Finnlands, Frankreich die Prätention der Hegemonie, jener Hegemonie, die unser Elend war, England die Zersplitterung, den Zustand dauernder Reizbarkeit, den es das Gleichgewicht -auf dem europäischen Kontinent Zn nennen beliebte und der die letzte und innerste Ursache für all das Unheil gewesen ist, das in diesem Kriegüber Europa uni> über die Welt gekommen ist. Hätten sich die drei Mächte nicht gegen uns zusammengeschlossen, nicht versucht, das Rad der Geschichte in ewig verflossene Zeiten Zurückzudrehen, dann hätte sich der europäische Friede durch die Kräfte stiller Entwicklung allmählich gefestigt. Das zu erreichen, war das Ziel der deutschen Politik vor dem Kriege. Wir können, was wir haben wollen, durch friedliche Arbeit haben. Die Feinde haben den Krieg gewählt. So muß der stille Friede Europas aus den Gräbern von Millionen erstehen. 3it unserer Verteidigung sind wir ausg-ezogen, aber das, was war, ist nicht mehr, die Geschichte ist mit ehernen Schritten vorwärtsgegangen, es gibt kein Zurück. Unsere und Oesterreich-Ungarns Absicht ist es nicht gewesen, die polnische Frage auszurollen, das Schicksal der Schlachten hat sie aufgerollt. Nun steht sie da und harrt der Lösung. Deutschland und Oesterreich-Ungarn müssen und w e r d e n s i e l ö s e n. Den Statusquo ante kennt nach so ungeheuren Geschehnissen die Geschichte nicht. Nach dem Kriege wird ein Neues sein; das Polen, aus das der russische Tschinownik (Polizeibeamter) unter Erpressungen und Ausräubungen seinen Fuß gesetzt, das der Kosak brennend und sengend verlassen hat, ist nicht mehr. Selbst Mitglieder der Duma haben offen anerkannt, daß sie sich die Rückkehr des Tschinownik, sei wem Deutschland und Oesterreich-Ungarn ehrlich für das unglückliche Land gesorgt haben, nicht inehr vorstellen können. Deutschland kann nicht freiwillig die von ihm und seinen Bundesgenossen befreiten Völker zwischen dem Baltischen Meer und den Wolhynischen Sümpfen wieder freiwillig dem reaktionären Rußland aus-li-esern, mögen es Polen, Balten, Litauer oder Letten sein! Nein, Rußland darf nicht zum zweiten Mate seine Heere aus die ungeschützte Grenze Ost- und Westpreußens anfmarschieren lassen, nicht noch einmal mit französischem Gelde Deutschland als Einsalltor benutzen und hi das ungeschützte Weichselland einrücken. Und wenn jenrand glaubt, daß wir die im Westen besetzten Länder, auf denen das Blut unseres Volkes -geflossen ist, ohne völlige Sicherung für unsere Zukunft sreiqeben werden — wir werden uns reale Garantien dafür schaffen, daß Belgien nicht englisch-sranzösischer Vasallenstaat, nicht nnlitärisch und wirtschaftlich als Bollwerk gegen Deutschland ansgebant wird. Auch hier gibt es keinen Status quo ante! Auch hier kann Deutschland das lange niedergehaltene flämische Volkstum nicht wieder der Verwelschung preisgeben. Wir wollen eine ihrer Anlage und Entwicklung -entsprechende, auf der Grundlage ihrer Sprache und ihrer innerlichen Einheit gesicherte Nation. ■ Wir wollen keine Nachbarn, die sich aufs neue gegen uns zusammenschließen, um uns zu erdrosseln, wir wollen Nachbarn, die mit uns und mit denen wir zusammen -arbeiten zu unserem gegenseitigen Nutzen. Die Rede wurde mit einmütigstem Beifall aller Parteien ausgenommen (die Stimme eines einzelnen unverbesserlichen Nörglers zählt nicht mit), sie ist auch von der Presse der neutralen Staaten mit ungeteilter Anerkennung und, soweit bisher bekannt, von den Zeitungen des feindlichen Auslands, obgleich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.