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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-07 · Heft 14 (7.4.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 bcr Verwaltung zugegangeuen Zuschriften hervorgeht, freudige Aufnahme in allen Kreisen. Die deutschen Rabbinerverbände haben wiederum lvie im Vorjahre bitö Protektorat der Veranstaltung übernommen, deren Ergebnis hoffentlich wiederum die Möglichkeit gewähren wird, Tausende von Seelen in den noch kommenden Atonalen schwerer Not vor dein Aeußersten zu bewahren. g/?> Frankfurt a. M., 31. März. Das preußische Kriegsministerium hat den stellvertretenden und mobilen Generalkommandos die Regelung des Pessachurlaubes, soweit solcher mit den dienstlichen Interessen vereinbar, nach folgenden Gesichtspunkten anheim gegeben: 1. Für die in heimatlichen Garnisonen oder in festen Standorten in den Etappengebieten befindlichen Alaun schäften Heimatsurlaub oder, wo dieser unmöglich, Dienstdesreiung an den vier Hauptfeiertagen (18., 19., 24., 25. April) und derm Vorabenden. An den beiden ersten Vorabendeil Stadtnrlanb bis 12 Uhr nachts zur Teilnahme am Gottesdienst und der häuslichen Andacht (Seder). 2. Für die Mannschaften a-n der Front, soweit die Kriegslage nicht weitergehende Erleichterungengestattet, die Möglichkeit zu gemeinsamer gottesdienstlicher Feier in Gruppen an den beiden Sederabendell. 3. Für diejenigen jüdischen Mannschaften im Felde, denen ein Heinlatsurlanb ohnedies in nächster Zeit geloührt werden würde, dessen möglichste Erteilung zum Osterfeste. Außerdem wird die Weiterleitung etwaiger Wünsche der in ELappenlazaretten und Reservelazaretteil befindlichen Verwundeten wegen österlicher Verköstigung an die nächstgelegeuen Rabbiner bzw. Synagogengemeinden empfohlen. . <v«> Kurls^uhe, 31. März. Die neueste Nummer des „Verordn nnngsblattes des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten" enthält eine warme Empfehlung des beabsichtigten Palästinatages der jüdischen Gemeinden. Die Shnagogenräte werden ersucht, am 23. April Listen zur Zeichnung von Beiträgen in Umlauf zu setzen und sämtliche an den beiden letzten Tagen des Pessachfestes eingehende Synagogenspenden dem Palüstina-Hilfswerk zuzuführen. Es lvird mitgeteilt, daß in den. Gemeinden Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg bereits größere Beiträge zur Steuerung der palästinensischen Not gezeichnet worden sind, daß jedoch umfassendere Leistungen, wie sowohl die Konsularbehörden in Palästina als die Kaiserlich Deutsche Botschaft in Konstantinopel mitteilen, notwendig seien. — Stratzburg, 31. März. Die Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen versendet soeben folgenden Aufruf: Die Stadt Straßburg hat die Gründung eines Kriegsmusenms beschlossen, das die unmittelbare T e i l n a Ii m € des E l s a ß a m K r i e g e und die Wirkung des K r i e g e s a u f d a s E l s a ß veranschaulichen soll. Dabei soll auch unsere Knltnsgeineinjchaft in möglichst vollständigem Maße mitberücksichtigt werden. Es kommen für die Kriegsgedächtnissammlung im allgemeinen für uns in Betracht: A. Bildliche Darstellungen: 1. Bildnisse der zum Heeresdienste einberufenen elsässischen Israeliten mit Angabe ihres Geburtsortes, Geburtsdatums, Standes, Berufes, Regiments, Auszeichnungen, Beförderungen und ob verwundet oder gefallen; Bildnisse der während des Krieges an wichtigen Stellen der freiwilligen Krankenpflege wie and) der beruflichen Verwundeteufürsorge tätigen Israeliten; Bildnisse der während des Krieges an hervorragenden Stellen der Staats- und Gemeindeverloaltungen tätiger: israelitischen Persönlichkeiten. 2. Photographische, gezeichnete oder gemalte Darstellungen vor: Vorgängen, die mit dem Kriege in irgendeiner Beziehung stehen, wie Feldgottesdienste, Mitwirkung der Rabbiner bei der Einweihung von Militärsriedhöfen, Beerdigung jüdischer Krieger, jüdische Kriegergräber, zerschossene Synagogen, Verpflegung jüdischer Soldaten usw. B. Drucksachen: 1. Alle mit der Kriegswirtschaft und Kriegsfürsorge zusammenhängenden, von den Konsistorien und Gemeindebehörden lvie von Vereinen heransgegebeuen Drucksachen. 2. Alle Kriegsliteratur, soweit sic sich auf die Israeliten im Elsaß bezieht. (1. Handschriftliches. Tagebücher und Allszüge alls denselben, Notizen über besondere Vorkommnisse während des Krieges, Bitt- und Kriegsgottesdienste, über die Entwicklung der Gemeinde im Kriege, Geburten, Heiraten, Todesfälle, Weg- und Zuzug von Mitgliedern, Veränderungen tut GemeindeLudget, in der Gemeindeverwaltung, der Beamtenschaft usw. D. Gegenstände anderer Art, wie Uniformen, Uni form teile, Waffen, Geschosse usw., die mit Israeliterl in Beziehung stehen. Allfragen und Angebote sind an das Kriegsmufenln in Straßlmra, Schloßplatz 2, oder all Herrn Rabbiner Dr. G i li s b ll r g e r in Colmar, Bartholdistraße 44, zu richten. Drucksachen werden in zwei Exemplaren erbeten, von bcncn eines der Kaiserlichen Universitüts- und Landesbibliothek iil Straßburg Zllr Verfügung gestellt werden soll. GNtrrrrich-Angarn. x. Wien, 31. März. Die Stadl Görz, die gegenwärtig in den Kriegsberichten oftmals zu lesen ist, hat seit langer Zeit auch eine jüdische blühende Gemeinde. Schon vor 1000 Jahren wohnten dort Inden, die zürn größten Teil aus Italien kamen und dort Handel trieben. Sie wohnten in einer besonderen Straße, unter deln Kastell, heute liennt man diese „Cocevia". Später wohnten sie in einem Ghetto, in dem Gebiet der heutigen Via Aseoli. Es durfte hinter Maltern nur eine bestimmte Anzahl Jllden wohnen, doch hielt sich eilt Teil derselben, lmmentlid) die Reichen, außerhalb dieses Ghettos auf. In nellerer Zeit befanden sich unter der Bevölkerung von 30 000 Seelen zrrka 300 jüdische Persollen. Die Gemeinde besitzt eine 150 Jahre alte Synagoge, die monumental hervorragend ist und auch jetzt noch, trotz des Bombardements der Stadt durch die Italiener, glücklicherweise unbeschädigt geblieben ist. Noch birgt die Synagoge etwa 40 Thorarollem wozu noch vor eüvn zehn Jahren die Thorarvlleu voll Gradista hmzukamen, da die dortige Gemeinde wegen Fortzugs aufgelöst wurde. Das Geineiudelebeu war vor dein Kriege ein recht reges irnb religiöses. Es bestehen dort gute Religionsschulen und Vereine für das Thorastndillm. Der Präsident der Gemeinde ist Herr David B v - lass io, der sich zurzeit in Zürich anfhält. Als Rabbiner fnngiertell dort in letzter Zeit die Herren della Bergola (jetzt in Alexandrien)! und Herr Friedenthal. Aus Görz stannnen die Gelehrten Jsaac Abram R e g g i o, Professor Lolli mld Professor Gradziodio A s c o l i, die sich in der wissenschaftlichen Welt eines hohen Rufes erfreuten. Es darf noch bemerkt werden, daß die österreichische Regierung stets gut zu den Juden war und aitd> alljährlich der Gemeinde einen höheren Beitrag für Schulzwecke leistete. Schweden. L/D Stoikhoöm, 31. Mürz. Als ein Glied der Hilfsaktion zugllllsten durch den Krieg in Not geratener Juden reihte sich ein aut 19. b. M. vom 0 ch w edis ch cn Zionisten v e r e in in Stockh o 1 in im Grand Hotel vor anstalteier P a l ä st i n a a b e li d ein, dessen Reinertrag für notleidellde Glaubensgenossen in Palästilla bestimmt war. Das Programul des Abellds wlirde eingeleitet durch einen Vortrag des Herrn R a b b i n e r Tr. E h r e n p reis über! „D a s H e i l i g e L a n d i m> G e f ü h l s l e b cn de r I lt d cn". Redner zeigte, wie auch llach der endgültigen Ausgabe Palästinas als politischen Mittelpunktes der Juden das Land zll allen Zeiten eine Art geistiger Zeutralstellung bei dem Juden eingenommen. Gebete und Kulkgebräuche erhielten ihre Form im Hinblick aus das Heilige Land. Auch in der jüdischen Literatur der Jahrhunderte nach 70 zeigte sich, wie Palästina als geistige Heimat in den Herzen der Juden fortlebte. Redner hob hier besonders die sehnsüchtigen Lieder des palästinakrankeu Jehuda Halevi sowie als vielleicht schönste Ausprägung des Pnlüstiuaempftndens den Roman „Dalliel Teronda" der (christlichen) englischen Schriftstellerin George Eliot hervor. Eine eigenartige Verdichtung erfuhr die durch den Druck des Mittelalters gesteigerte Sehnsucht nach dem Heiligen Lande in dem Auftreten der zahlreichen „Messiasse", das säst stets in enger Verbindung mit dem Palästinagedanken stand. Im neunzehnten Jahrhundert gewann dieser neue Gestalt einerseits in den Bestrebungen der großen Hilfsorganisation, andererseits in der Bewegung, die vornehmlich durch die Rainen Moses Heß und Theodor Herzt gekennzeichnet lvird. Heute ist Palästina das Zlitünstsland der zahlreichen Heiinatloseil unter den Juden. Im Genlüte derjeiligen europäischen und amerikanischen Juden aber, die sich als Vollbürger ihres Geburtslandes fühlen, bildet es ein Element, das nicht etwa dem Patriotischen Empfinden hindernd int Wege steht, vielmehr dem gesamten Gefühlsleben eine gelvisse Weihe und einen gewissen Adel verleiht. --- An den mit vielem Beifall anfgenoulmenen Bortrag schloß sich eine einheitlich znsaminengeftellte Folge von Gesangsstücken „aus jüdischer Seele" neben Gedichten jüdischer Verfasser. Bon diesen, durch Herrn Schauspieler Semmy Fried mann vorgetragen, rief besonders das in der deutschen Uebertragung von Kristeller wied-ergegebene „Sehnslicht nach Jerusalem" von Jehuda Halevi tiefen Eindruck hervor. Die Gesairgsnummern wurden teils von dem vor etwa anderthalb Jahren hier gegründeten, unter der Leitung des Herrn Felix San l stehenden Jüdische n G e s a n g v e r ein, teils von dein Dirigenten des Vereins allein ansgeführt. Von den Chorsachen

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