Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1916)
- Date
- 1916-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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80. Jahrgang Nr. 14 Berlin, 7. April 1916 m alten re Spur strengte; ngskette x, fürchich noch 'olgt.> et in inne des agog-e zu Landes- Aloecken tschland" tragener in C 2, die Zeit Wolfen- )34. J Cynis iblished Üognatc ^ondon: ) ube k. kn von Kunst. itcn im 11 h a lt jüdische lenärzte 500 bis — Die lbhanden von Engelhte des Verlag. ürdas r Shn- Lamm, nd der idischen on den Hampel :" von t nachir den nischen Die Felde sowie stehen W35, Der Gemeindeüote. ÜStflage zur ..Allgemeinen Leitung deß Judentums". Sorrrlponl»kn?en und Aschrichtm. LeutschisnL. Berlin, 4. Ilpril. Am 29. v. M. ist Moritz Manh eim er auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee zur letzten Ruhe bestattet worden. Er hatte mündlich und schriftlich angeordnet, daß sein Hinscheiden erst nach der Beisetzung bekanntgemacht werden sollte. Diese von seltener Bescheidenheit zeugende Anordnungwurde 00N der Familie des. Verstorbenen ebenso streng erfüllt wie der Lei Lebzeiten vyn ihm ausgesprochene Wunsch, sein Leichenbegängnis so schlicht und einfach wie möglich zu gestalten. Neben den nächsten Angehörigen hatten sich zur Trauerfeier in der Friedhosshalle eingebunden: Mitglieder 'des Vorstandes und der Repräsentaütenversammlung 'der jüdischen Gemeinde, Abgeordnete mehrerer Wahlfahrtseinrichtungen, die Insassen der von ihm gegründeten Altersverforgungsa ristalt, eine Anzahl bekannter Berliner Persönlichkeiten sowie eine nach vunderten zählende spalierbildende Menge von Männern und Frauen, die trotz aller Geheimhaltung das Ableben Moritz Manheimers noch rechtzeitig erfahren batten und aus verschiedenen Stadtgegenden herbeigeeilt waren, um dem Nestor 'der jüdischen Gemeinde die letzte Ehre zu erweisen. Nach einem vorangegangenen Chorgesang sprach Rabbiner Dr. Weiße das alte Hazur-tomim-Oebet, dessen ergreifender, ewig wahrer Inhalt allen, die das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen kannten, die ergreifendste Trauerrede ersetzte. Dann stimmte der Chor das wehmütige Lied an: „Es ist bestimmt in Gottes Rat", worauf das, was sterblich an Moritz Manheimer war, der Erde übergeben wurde. Er ruhe in Frieden! Sein Andenken wird in der Berliner jüdischen Gemeinde segenspendend fortlebeu. gA> Berlin, 4. April. Am Dienstag, den 21. v. M. fand im Repräsentantensihungsisaale der jüdischen Gemeinde zri Berlin eine Sitzung des Z e n t r a l a u s s ch u s s e s des Rabbi ne rv e r ba nde s unter Vorsitz des Herrn Professor Dr. Guttmann (Breslau) statt. Nachdem der Vorsitzende nachträglich die Glückwünsche der Versammlung zu seinem 70. Geburtstage entgegengenommen hatte, gedachte er in warmen Worten der seit der letzten Tagung entschlafenen Kollegen. Sodann erstattete er einen umfangreichen Geschäftsbericht, an den sich eine kurze Aussprache schloß. Erster Verhandlungsgegenstand war die M i l i t ä r s e e l - sorg e, über die Dr. Kopfstein (Beuchen) eingehend referierte. Nachdem er dem Wirken der Feldrabbiner herzliche Worte der Anerkennung gewidmet hatte, behandelte er die verschiedenen schwierigen Fragen praktischer Natur, besonders die der Seelsorge durch Lehrer und Kultusbeamte, und forderte die Gleichstellung der jüdischen Religion mit den christlichen Konfessionen. Die interessante Debatte berührte vornehmlich das Verhältnis des Verbandes der deutschen Juden zur Militärseelsorge und die Maßregeln, die er selbständig getroffen hatte. Nach eingehender Aussprache wurde beschlossen, beim Verband der deutschen Juden in dem Sinne zu wirken, daß künftig alle Eingaben an Behörden in Angelegenheiten der Militärseelsorge wie der Religion überhaupt auch vom Rabbinerverbande unterschrieben werden sollen und daß bei einer zukünftigen Regelung der Frage Lehrer und Kultusbeamte nur als Stellvertreter der Rabbiner in der Seelsorge anzusehen seien. In der Nachmittagssitzung wurde festgesetzt, daß die von allen Seiten gewünschte Generalversammlung des Rabbinerverbandes am Dienstag und Mittwoch, den 9. und 10. Mai, in Berlin stattfinden solle. Ein früherer Termin konnte wegen der bevorstehenden Feiertage nicht gewählt werden. Nach längerer Debatte wurden außer dem Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden noch folgende Punkte auf die Tagesordnung gesetzt: Erstens ein Bericht über die bisherige Ausübung derMilitärscel sorge im Kriege und Anträge über ihr'e dauernde Regelung. Sodann wird über den Religionsunterricht an höheren Lehranstalten verhandelt werden. Die O st j u d e n f r a g e hat in Form eines Vortrages über die „Stellung des Rabbiners im Streit um die Ostjuden" Aufnahme gefunden. Schließlich wird noch über die „W itwen- und Waisenkasse" referiert werden. Andere Punkte wurden vorläufig nicht aus die Tagesordnung gesetzt. Insbesondere war eine Besprechung der „Stellung d e s R a b b i n e r s in Krieg und Frieden" gewünscht worden, damit — unabhängig von der Organisationsfrage der deutschen Judenheit — eine dlenderung und Besserung baldmöglichst in die Wege geleitet werden könne. Die Versammlung beschloß jedoch, diesen Gegenstand zunächst durch eine Kommission vorbereiten zu lassen. Zum Schlüsse der Tagung wurde über den Religionsunterricht an höheren Lehranstalten im Anschluß an ein Referat des Rabbiners Dr. Hosenberg (Thorn) verhandelt. Die in gemeinsamer Sitzung des Rabbinerverbandes, des Lehrerverbandes und des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes sestgeftellten Thesen wurden mit einer Ausnahme, die die Inspektion des Religionsunterrichtes betrifft, angenommen. Erst um 834 Uhr konnte die inhaltsreiche Tagung geschlossen werden. N. C. Berlin, 4. April. Das „Jüdische Mädchenstist E. B." hielt jüngst seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Verein hat in dem abgelaufenen Berichtsjahr durch den am 27. Januar erfolgten Heimgang seiner Mitbegründerin Frau Julie N e ii nt a n n einen schweren, fast unersetzlichen Verlust erlitten. Herr- Professor Strelitz, seit Begründung des Vereins dessen Vorsitzender, mußte zu allgemeinem Bedauern aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amte zurücktreten. Es ist gelungen, in dem in der Gemeinde, besonders auf deren humanitären Gebieten, sehr bekannten und bewährten Herrn Emil P i n c u s einen neuen Vorsitzenden zu gewinnen, der mit Einstimmigkeit gewählt worden ist. Die stellvertretende Vorsitzende, Frau Kommerzienrat Alfred Loe w e n b e r g, wurde einstimmig wiedergewählt. Der Verein hat während seines nunmehr 26jährigen Bestehens viel Gutes gewirkt. Er bildet ein nicht zu unterschätzendes Glied in der Kette der niodernen sozialen Bestrebungen: Gilt es doch, Mädchen im Alter zwischen 14 uuv 18 Jahren für den dienenden Stand durch geeignete Erziehung und durch Unterricht besonders in allen Gegenständen, die zum Haushalte gehören, vorzubereiten. Die Aufnahme ist eine völlig unentgeltliche. Es wird den Zöglingen während der zweijährigen Ausbildung freie Kost und Logis gewährt. Die einzige Verpflichtung besteht lediglich darin, daß die Mädchen für die Dauer von zwei Jahren n a ch beendeter Lehrzeit sich dem Dienstbotenstande widmen sollen. So werden. Mädchen aus kleinen Verhältnissen n i ch t nur für d e n Beruf, sondern für das Leben vor gebildet, indem sie zu tüchtigen Hausfrauen erzogen werden. Es wird hierdurch für sie die Möglichkeit, später ein eigenes Heim gründen zu können, in viel sicherere Aussicht gestellt als den Mädchen anderer Berufe. Am 1. d. M. ist die Anstalt in ihr neues Heim, Charlottenburg, Leibnizstraße 103, übergesiedelt. Helle, lustige, besonders gesunde Räume stehen dort zur Verfügung. Die Verpflegung der Zöglinge ist eine streng rituelle; es werden geeignete Mädchen aus ganz Deutschland ausgenommen. Wie wir hören, sind zurzeit noch einige Plätze frei. Berlin, 4. April. Der Verein Jüdische B l i n d e n - a n st a l t für Deuts ch l and, begründet von William N e u - mann, versendet soeben den Jahresbericht für 1915. Aus der Ghronik der Anstalt in Steglitz ist folgendeshervorzuheben: Die Zahl der Zöglinge und Pslieglinge betrug 1914: 18, dazu kämen 1915: 7. Die 22 Plätze des Hauses sind mit Insassen belegt. Zwei auswärtige blinde Herren wurden im Lesen und Schreiben der Blindenschrift und Maschineschreiben unterrichtet. Im Berichtsjahre fand eine ostpreußische Flüchtlingsfamilie, bestehend aus fünf Personen, Aufnahme in der Anstalt. Durch Erhöhung der Lebensmittelpreise haben sich die Kosten der Erhaltung des überfüllteu Hauses verdoppelt, ohne daß sich die Spenden vermehrt hätten. Der geplante Neubau kann nicht ausgeführt werden, schon io.il der Baumeister seit. Krieg'sbeginn. im Felde steht. Hingegen drängen die der Aufnahme Harrenden der schlechten Zeitläufte halber mehr denn je. Eine neue, im Frieden nicht erwartete, zu ehrende und zu pflegende Schar von Blinden, die Kriegsblinden, .wird irgendwie, wenn auch nur provisorisch, in der Nähe der Anstalt untergebracht werden müssen. Sonntag, 9. April, vormittags 11 Uhr findet in den Räumen der Anstalt zu Steglitz, Wrangelstraße 6—7,