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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-07 · Heft 14 (7.4.1916) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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Höre und staune! Der alte versoffene Fährmann hatte sich endlich zu Tode getrunken, und ich bin der Glückliche, sein Nachfolger zu sein! Die Art und die Umstände aber, durch welche ich diesen — hm-Posten erhielt, sind so komisch, daß ich sie Dir ausführlich beschreiben will, well sie Dich vielleicht interessieren. Ich hatte bald nach dem Hinscheiden meines Vorgängers mein Gesuch eingereicht und erhielt den Befehl, mit vielen anderen Muschiks, die ebenfalls nach dem fetten Bissen schnappten, persönlich vor dem Gouverneur Torakow zu erscheinen. Du wirst Dich vielleicht noch erinnern, das dieses seine Art ist, alle Geschäfte selbst zu besorgen, weil er keinen Aufpasser gebrauchen und so am besten betrügen kann. Ich erschien also vor seiner Hoheit, der mich wütend von oben bis unten betrachtete, wie ein bissiger Hund mich mit den Worten anfiel: „Jude, was willst du hier?" „Ich lechze nach dem Glück, in Ditomsk den Charon zu spielen", war meine Antwort. „Den Charon! Was weißt du, lumpiger Jude, von Charon?" war seine erstaunte Frage. Ich erzählte ihm von meinen Studien und von meiner Ausweisung aus Odessa. Eine ganze Weile blieb er still, und ich bemerkte, daß er eifrig nachdachte. Ich kenne Torakow und wußte, daß nichts Gutes herauskommen werde. Doch diesmal hatte ich mich getäuscht.-Lachend warf er sich in den Stuhl zurück, und mit Händen und Füßen zappelnd, schrie er belustigt: „Heilige Mutter von Kasan! Die Sache ist zu köstlich! Jude, du sollst den Posten haben! Schon des Spaßes halber, meiner Residenz Ditomsk einen akademisch und philosophisch gebildeten Fährmann zu geben!" Dann aber verzerrten sich seine Züge zu einer scheußlichen Fratze und seine Lippen zu einem höhnischen Grinsen, und ich merkte, daß das Niederträchtige nun doch noch kommen wird. „Jude, elender Hund!" rief er jetzt. „Mache dir nur keine falschen Vorstellungen, nicht etwa, um dir etwas Gutes zu erweisen, bekommst du die Anstellung — — Gott soll mich bewahren, einem Juden etwas Gutes zu erweisen! — sondern um euch Juden in den Staub zu treten, um euch die gebührende Stellung zu geben! Advokaten, Aerzte, Prosefsoren, Ingenieure wollt ihr werden! Ja, Prosit! Packesel, Lasttiere, Ziehochsen, Straßenkehrer, Schinderknechte, das paßt für euch und das sollt ihr auch werden und ewig bleiben. —-An mir habt ihr den richtigen Mann gefunden, der euch den richtigen Platz im Leben anweisen wird!" Ein humaner Mensch, ein liebenswürdiger Beamter, dieser Torakow! Nicht wahr? Ich wurde tatsächlich angestellt, bekomme anderthalb Rubel die Woche, außer den Trinkgeldern, und lebe herrlich und in Freuden, womit ich verbleibe Baruch, der Stygianec." Bald nach Empfang dieses Briefes hatte Schmulikof um eine Woche Urlaub gebeten und auch erhalten. Er fuhr aufs Land, mietete ein kleines Stübchen, zog die Schuhe aus, zündete ein Keines Oellämpchen als Seelenlicht an und setzte sich auf eine niedrige Fußbank, um die „Schiwo", die vorgeschriebene siebentägige Trauer für seine verstorbenen Eltern, abzuhalten. Er gab sich für einen auswärtigen Holzhändler aus, der hier die Todesnachricht erhalten, und mit Hilfe einiger Rubel konnte er sich morgens und abends >das „Minjan", zehn männliche Juden, verschaffen, um Trauergottesdienste abzuhalten und das „Kaddisch"-Gebet, die Ergebung in Gottes Fügungen und Verherrlichung seines heiligen Namens, zu verrichten. In seiner eleganten Wohnung in Odessa würde dieses unliebsames Aufsehen erregt haben. Und das war das einzige, was er tun konnte, um das Andenken der Eltern zu feiern.- Als er nach Odessa zurückgekehrt war, schien es ihm, als seien es nicht sieben Tage feit seiner Abreise, sondern hundert Jahre. Nach dem Tode der Eltern konnte er von dem alten Wege, der zu seinem ehemaligen Leben hinführte, keine Spur mehr entdecken, ob er auch noch so sehr seine Augen anstrengte; jenes kleine Nest hatte das letzte Glied der Erinnerungskette gebildet; nun aber war auch dieses zerbrochen, und er, fürchtete sich zu verirren, wenn er den Versuch machte, sich noch einmal dorthin zu begeben. (Fortsetzung folgt.) Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Gebet und Wohltun, eine Geburtstagsfeier im Sinne des Kaisers. Predigt am 27. Januar 1916, geholten in der Synagoge zu Schwerin i. M. von Dr. S. Silberstein, Großherzogl. Landesrabbiner. Preis 20 Pf. Der Ertrag, ist zu wohltätigen Zwecken bestimmt. Bericht des Vereins „Jüdische Blindenanstalt für Deutschland" (Beth Jwrim), begründet von William Neumann (Eingetragener Verein), für das Geschäftsjahr 1915. Geschäftsstelle: Berlin C 2, Nosenstr. 2/4. Samsonschule (Realschule) zu Wolfenbüttel. Bericht über die Zeit von Ostern 1915 bis Ostern 1916. Inhalt: Schillnachrichten. Wolfenbüttel 1916. Druck von Robert Angermann. Progr.-Nr. 1034. The Jewish Quarterly Review, New Series. Edited by Cynis Adler and 8. Schecbter. Vol. VI. January 1916, Nr. 3. Published quarterly by the Dropsie College for Hebrew and Cognate Learning. Broad and York Streets, Philadelphia, Penns. London: Macmillan and Co., Ltd. Subscription Price 3 per annum. Vom Geist des Judentums. Geleitworte von Martin Bube*. Leipzig 1916. Verlag von Kurt Wolfs. Blätter für deutsche Art und Kunst. Herausgegeben von Richard Benz. Zweites Heft: Verkündiger deutscher Kunst. Jena, bei. Eugen Diederichs. 1915. Zum Passahsest 1916, ein Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heere vom Verband der deutschen Juden. Was sind Ostjuden? Zur ersten Information. Von Dr. Nathan Birnbaum. Flugschriften zur Aufklärung über ostjüdische Fragen, Nr. 1. Wien 1916. R. Löwit Verlag. Die Augenärzte der Schweiz, 1800 bis 1875. — Die Augenärzte Belgiens, 1800 bis 1875. — Niederländische Augenärzte, 1800 bis 1875. — Die skandinavischen Augenärzte, 1800 bis 1875. — Die Augenärzte Rußlands, 1800 bis 1875. Geschichtliche Abhandlung, bei Gelegenheit feines Doktorjubiläums herausgegeben von Julius H i r s ch b e r g M. D. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. 1916. Elias, ein Mann Gottes. Betrachtungen über die Geschichte des Propheten Elias von Franz Spemann. 1915. Furche-Verlag. Kassel. Vom wahren Leben. Gedanken und Themen zu Predigten für das ganze Jahr. Von Dr. Phil. Siegfried Gelles, Rabbiner der Synagogengemeinde Lissa in Posen. 1916. Verlagvon Louis Lamm, Berlin. Lprechlsal. Sehr geehrte Redaktion! In der Anlage übersenden wir Ihnen ein vom „Verband der Deutschen Juden" zum Passahfest herausgegebenes Heft für die jüdischen Angehörigen des Heeres. Das Heft enthält: Psalm 114, „Von den Israeliten in Aegyptens Frondienst" von Rabbiner Dr. Jampel (Schwedt), „Vom Auszuge aus Aegypten", „Zur Sederfeier" von Rabbiner Dr. Hanover (Köln), „Das Lämmlein" (Chad gadja nachgedichtet) von Hugo Zuckermann, „Soziale Gesetzgebung", „Für den siebenten Tag des Befreiungssestes" von Josifja, „Ans dem rabbinischen Schrifttum", „Mirjams Lied" von Ferdinand Freiligrath. Die Schrift wird gewiß auch diesmal wieder von den Soldaten im Felde mit Freude begrüßt werden. — Gemeinden und Körperschaften sowie allen, die an Angehörige im Heere Exemplare versenden wollen, stehen solche im Bureau des „Verbandes der Deutschen Juden", Berlin W 35 Steglitzer Straße 9, zur Verfügung. Mit vorzüglicher Hochachtung Das Bureau des „Verbandes der Deutschen Juden". Glück.

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