Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1916)
- Date
- 1916-04-07
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
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ersten und einzigen höheren, jüdischen Zivilbeamten zu sprechen, der vor einem vollen Jahrhundert in Preußen einen Versuch machte, in dein er jahrzehntelang keine» Nachfolger fand'). Dir tzrilisung des göttlichen Msmens. Von Rabbiner Dr. I. Stier. itr Ehre Gottes gehört auch die „Heiligung" seines Namens: Kiddusch haschöm. Obgleich Heiligkeit mit Ehre nicht verwechselt werden darf, kann doch, nach Auffassung des Talmuds, die Heiligung des Gottesnamens zur Ehre gezählt werden. Diese Auffassung geht dahin, daß der einzelne wie Gesamtheiten die Pflicht haben, von der Größe, Macht und Erhabenheit Gottes nicht nur im Herzen überzeugt zu sein, ivndern diese Ueberzeugung auch nach außen hin zu bekunden and zur Anerkennung zu bringen. Man kann sagen, daß die Talmudisten Begriffe von Heiligkeit und Ehre zusannnenfassen and, obgleich sie oft genug von der „Ehre" Gottes sprechen, unter Kiddusch haschem beides verstehen, sowohl die Heiligkeit selbst wie all das, was man unter Ehre begreift. Auf die Doppelbedeutung der „Heiligung" verweist uns eine stelle in Sota. Von den beiden Söhnen des Stammvaters, Loseph und Juda, wird gesprochen und behauptet: Joseph hat Gott im geheimen geheiligt, Juda öffentlich; der Lohn des letzteren war größer. Was also als Kriterium für die Ehre angesehen wird: das offene Bekunden unserer Gefühle und Emp- 'indungen, die öffentliche Anerkennung, das Hinaustreten mit unserer Ueberzeugung, wird auch als „Heiligung des Gottesuamens" bezeichnet. (Sota 10b.) Unter Heiligung des Gottcsnamens wird gewöhnlich das Martyrium verstanden, die Hingabe des Lebens für den öottesglauben. Gewiß ist dies eine der Hauptbedeutungen, sie st aber neben anderen Bedeutungen das letzte, höchste Glied >er Kette. Sie kann die alleinige Bedeutung schon darum nicht ein, weil angenommen wird, daß Gott selber die Pflicht habe', uif die Heiligung seines Namens zu achten, und die Auffordclrng unmöglich lauten könne, daß Gott für sich selbst mit Hingabe seines Lebens einstehe. Zur Zeit der Zerstörrurg Jerusaems rief Zofnat, die Tochter Peniels, in tiefer Entrüstung rmd Beschämung ob der unzüchtigen Zumutungen von seiten der Eroberer: „Gott, wenn du unser nicht schonst, warum trittst du licht ein für die Heiligkeit deines Namens." (Gittin 58a.) Es amu vielmehr der Satz aufgestellt werden: Unter Heiligung des oottesnamens wird allgemein das verstanden, was nicht nur ur Anerkennung, zur Ehre und Verherrlichung Gottes dient, andern auch alles, was zur Ehre, Verherrlichung des jüdischen Glaubens und des Judentums beiträgt. Geht man auf einelnes ein, so zeigt sich, daß schon die Selbstbeherrschung, das besiegen des Bösen rmd infolgedessen das Ueben des Guten als reiligung des göttlichen Namens angesehen wird. Dein gibt Nainmnides (Hilch. jesode hatora ö, 10) in folgender Weise Ausa'iuf: „Wer von der Sünde sich fernhält, ein Gebot erfüllt, licht im Hinblick auf ein zu erlangendes Gut, nicht aus Angst und Furcht und nicht aus Ehrsucht, sondern weil er Gott im herzen trägt, sich beherrschen kann, wie Joseph (der Sohn des Stammvaters) der Gattin seines Herrn gegenüber, der heiligt den Namen Gottes." Es ist damit ausgesprochen, daß Selbst- 'rherrschung einerseits, andererseits das Hinaustreten aus der Passivität, das Wirken des Guten um seiner selbst willen ge- ') Das diesen« Aufsatz beigegebeue Bild, daß seiner llmrahnuliig regen ungemein charakteristisch ist, findet sich in der in der ersten lmnerkuiig genannten Schrift. Als Erklärung der Randverzierung cs Titelbildes gibt der Verfasser an: „Rechts: die figürliche Dar- «olluug der Mathematik; links: die figürliche Darstellung der Bauiiinft; oberhalb: ein Symbol der Religion. Der Stern der Hoffnung uniiitteu der strahlenden Elvigkcit."! sordert wird, und zwar besteht die Forderung in einem Mehr j als das, was gewöhnlich als korrekt, gesetzmäßig und sittlich bezeichnet wird, in dem Hinneigerl der Wage nach dem Guten, Edlen.') „Wer strenge ist gegen sich, niilde und sauft gegen die Nebenmenschen, ans ihr Denken und Empfinden eingeht, selber treu nach dem Gesetze lebt, wer es dahin bringt, daß man rühmend sein gedenkt, ihn liebt, sein tätiges Eingreifen ersehnt, der heiligt Gott; von ihm heißt es: „Mein Knecht bist du, Israel, dessen ich mich rühme." (Maim., Hilch. jesode hatora 5, 11.) Wie das Wahren des Sittlichen und Guten, so ist auch die Anerkennung Gottes eine Heiligung seines Namens. Es ist das Bekenntnis, daß es ein höheres, überinenschliches Wesen gibt, das Leiter der Weltgeschicke ist. In diesem Sinne ist „Heiligung Gottes" nicht nur dem Israeliten, sondern auch dem Nvchaiden geboten. (Sanhed. 74b.) Also, wer voin Naturdienst sich freimacht, an eine über dem Irdischen und Materiellen erhabene Macht glaubt, heiligt den Namen Gottes. Weil die Alten gegeniiber dem noch weit verbreiteten Götzentnm unter Gottesglauben nur den Btvnotheismus verstanden, weil sie als die Träger desselben nur die Israeliten, das Judentum, die jüdische Religion ansahen, darum lvnrde alles, was zur Anerkennung der jüdischen Religion, zilr Verherrlichung des Judentums beitrug, Heiligring des GotteSnamens genannt. Israel, jüdische Religion, Gott bilden in den Anschauungen der Talmildlehrer eine aufsteigeirde Kette. Die Verherrlichung des einen ist die Verherrlichung des anderen. Tatsächlich ist ein Israel, ein Judentum, eine jüdische Religion ohne Gott ein Unding. Sv bilden hohe Sittlichkeit lind inniger Gvttesglaiiüe die Grundlage, auf der der Gedanke von der Heiligung des Gottesnamens sich aufbant. So können wir manche Aussprüche der Talmudlehrer begreifen, die, solange man linker „Heiligung des Gottesnamens" nur an ein Martyrium dachte/unverständlich blieben. Daher konnte der Blut der Wahrheit, der in dein freimütigen Geständnis Judas l«rg: „Sie ist gerechter als ich" (Gen. 38, 26), als eine Heiligung Gottes angesehen werden. (Sota t0b.) Die harte Strafe, die die Söhne Arons zu erleiden hatten, veranlaßte Moses zee dem Ansspruch: „Deine Söhne starben, um den Namen GotteS zu heiligen" (Sanhed. 15a), obgleich sie den Tod nicht freiwillig geivählt haben. Wenn Siinvn-ben-Schetach den am Halse des Esels gefundenen Edelstein znrückgibt, der Heide zu dem Ausspruch veranlaßt wird: „Gelobt sei der Gott Simons, des Sohnes Schetachs" (Jerns. Talm. B. mezia 2, i>), so wird diese Tat mit Recht als eine Heiligung des Gottesnamens angesehen. Denn eS ist eine Ehre Israels, daß es Männer mit solchen Anschauungen in seiner Mitte gibt, eine Ehre des Glaubens, der in seinen Bekennern solche Anschauungen zeitigt. Dasselbe gilt von dem Ausspruch, daß, wenn ein Jude und ein Heide den jüdischen Richter auffordern, ein Urteil zu fällen, der Richter verpflichtet ist, das Recht ohne Rücksicht auf Person und Glauben zu handhaben. Es ist eine Heiligung des Gvttesnamens. (B. Kamnia 113«, Midr. r. zu Absch öteb.) Ans diesem Grunde erhebt sich der Gedanke des Martyriums. Hat man Gott erkannt, trägt man die Ueberzeugung von feinem Dasein, seiner Güte, Allmacht usw. im Herzen, dann ist eS Pflicht, für diese Ueberzeugung mit dem Leben einzutreten. (Pessachiin 53a.) Dvch ist die Bestimmung darüber, wann der Fall, das Leben hinzugeben, als eingetreten zu betrachten ist, nicht jedem überlassen. Drei Fälle wurden bestimmt: Götzendienst, Unzucht, Mord. (Sanhedrin 74a.) „Liebe Gott mit ganzer Seele" soll heißen: selbst wenn seine Anerkennung dich die Seele, das Leben kostet. (Sifro zu Waethchanan.) Daß '» pn ml®» ö’jbS