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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-31 · Heft 13 (31.3.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 J. A. Nürnberg, 24. März. Das Eif er n£ K reuz cr - hielten : Julius Ü sfenh ei mer aus Fürth, Unteroffizier bei einem Landsturm-Jnfanterie-Regiment im Osten, wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde. Die Auszeichnung wurde ihm vom Divisionskommandeur mit lobender Ansprache persönlich überreicht; Cand. Phil. Martin Weinberger aus Nürnberg, Gefreiter in einem bayerischen Pionierbataillon, Sohn des Großkausmanns Max Weinberger; Assistenzarzt Dr. Fritz Ottensovser, Sohn des Bankiers Eugen Ottensoofer; Leutnant d.R. Dr. Regensburger, Gymnasialdirektor in Wernigerode, Sohn des Agenten I. Regensburger in Fürth. Den bayerischen M i l i t ä r - verdien st orden IV. Klasse erhielt: Prakt. Arzt Dr. Binden st ein, Chirurg im Feldlazarett Nr. 5. Das bayerische Mi litürverdi enstkreuz III. Klasse erhielt : Unteroffizier Dr. Phil. Hans Offenbacher, Sohn des Großkauf- .manns Bapt. Offenbacher. Das bayerische M i l i t a r - v er dienstkreuz II. Klasse mit Krone und Schwertern erhielt: Bizefeldwebel d. L. Julius Reis, nohn des Hopfenhändlers Adolf Reis. Di e Rote K r eu z - M e d a i l l e III. Klaff e erhielt: Bankier Karl Wurzinger in München. K. Münster, 24. März. Am 14. d. M. verschied im 64. Lebensjahre einer der angesehensten jüdischen Bürger der westfälischen Provinzialhauptstadt, Siegfried F e i b e s. Fast ein Menschenalter wirkte er hier in seiner Geburtsstadt Münster und war zuletzt Seniorchef des bekannten Großhauses I. M. Feibes. Neben feiner angestrengten Tätigkeit als Großkaufmann fand er noch Zeit, im Dienste der Allgemeinheit sich zu betätigen. So war er seit 1905 Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, wo in den verschiedenen Kommissionen das sachliche Urteil des vielseitig gebildeten und an Erfahrung reichen Mannes sehr geschätzt war. Daneben verehrte man die ruhige und vornehme Art seines Wesens. Auch der hiesigen Synagogengemeinde galt feine Fürsorge. 22 Jahre stand er an der Spitze der Repräsentantenversammlung, in der er in Hingebung und Treue zum Heile der hiesigen jüdischen Genieinde wirkte. Im Jahre 1910 wählte ihn das Kuratorium der Marks- Haindorsschen Stiftung zum Präses. Mannigfache Forderung fand das israelitische Lehrerseminar durch ihn. Zur inneren Ausgestaltung der Anstalt verstand fein weitblickendes Auge die Mittel bereitzustellen. Biele Verbesserungen im Sem mar sind auf seine Initiative zurückzuführen. An der Ausführung schwebender Probleme hat ihn der Tod verhindert. Als Borsitzender des hiesigen Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nnd als Mitglied des Ausschusses des Verbandes der Synagogengemeindeu Westfalens betätigte er sich weiterhin für unsere Glaubensgemeinschaft. Die Achtung und Wertschätzung des verdienstvollen Mannes kam auch bei seiner Leichenfeier zum Ausdruck. Zahlreich erwiesen ihm seine Mitbürger und Freunde die letzte Ehre. Das Stadtverordnetenkollegium und der Magistrat mit dem Oberbürgermeister an der Spitze uw reu fast vollzählig erschienen. Die Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr. Koblenz aus Bielefeld. In schlichten unb einfachen, dem Wesen des Verstorbenen entsprechenden Worten entwarf der Geistliche, der dem Verstorbenen im Leben i-ahegestandeu, das Bild des Heimgegangenen, an die Worte des Propheten Habakuk anknüpfend: „Der Gerechte lebt in seiner Treue." Der Redner kennzeichnete den Verewigten als einen vornehmen, edlen Charakter von großer Geistes- und Herzensbildung. Arbeitsdrang und Pflichtbewußtsein waren die Leitsterne seines Lebens. Sein Andenken wird unvergeßlich sein. H. B. Hildesheim, 24. März. Am Pur im feste vollendete hier sein 95. Lebensjahr Herr Rentier Woks Gü bemann, ein Bruder des Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann in Wien. Groß war der Kreis der Verwandten und Freunde, die ihm persönlich ihre Glückwünsche aus-fprachen. Eine besondere Ehrung wurde ihm zuteil durch ein Schreiben des Magistrats, durch das ihm dessen Wünsche und die des Oberbürgermeisters besonders aus-gedrückt wurden mit dem Schlußsätze, daß der hochbetagte Greis wie die ernste gegenwärtige Zeit auch die Zeit erleben möge, da Deutschland nach glorreichem Fr leben stark und mächtig aus dem Kampfe hervorgehen werde. Der Gesamtvorstand der hiesigen Synagogengemeinde übermittelte seinem ältesten Mitgliede, das von der ganzen Gemeinde hoch verehrt ist, ebenfalls schriftlich seine Wückwüns-che. Der alte Herr, der geistig und körperlich noch recht rüstig ist, verfolgt lebhaft die Ereignisse der Zeit. Gott gebe ihm weitere glückliche Jahre! R. Worms, 24. März. Nach kurzer Krankheit ist Herr Salomon Honig im. Alter von 72 Jahren verschieden. Ein selbstloser, bescheidener Mann mit lvarmfühlendem Herzen. Noch als Inhaber einer großen Holzhandlung fand er Zeit, sich mit den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu beschäftigen, und als er sich vor längerer Zeit vom Geschäfte zurückgezogen, widmete er seine ganze Zeit der jüdischen Gemeinde und ihren Jnstitiltionen. So gehörte er mehr denn 32 Jahre, darunter 10 Jahre als Vorsitzender, dem Vorstände der jüdischen Gemeinde und des israelitischen Hospitals an. Er war langjähriger Präsident der Ehewra Kaddischa, bei der er sich, solange seine Gesundheitszustand es erlaubte, jederzeit betätigte, und gehörte den Verwaltungen fast aller hiesigen jüdischen Vereine an. Und in all diesen Bereinigungen wurde fein gerader Sinn, verbunden mit einem warmsühlenden Herzen, stets sehr geschützt. Besonders ans dem Gebiete der Wohltätigkeit hat er sich unsterbliche Verdienste erworben. Am Grabe würdigte Herr Rabbiner Dr. Holzer das Leben des Verstorbenen nach jeder Richtung. Herr Stadtverordneter S i eg m it n d M a y e r II, Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, sprach in dessen Namen und in dem verschiedener Vereine; Herr Rothschild im Namen der Talberg-Loge. Daß unter den überaus zahlreich Anwesenden sich sehr viele Armen befanden, denen er im Leben so oft Wohltäter gewesen, ist die schönste Ehrung, die dem Entschlafenen zuteil werden tonnte. Sein Andenken wird in der jüdischen Gemeinde stets ein gesegnetes bleiben. > Grsterrkich-Angarn. K. Wien, 24. März. (Schluß aus Nr. 8.) Wir lassen hier einige Zahlen und Ziffern aus den dem Berichte beigedruckten Tabellen folgen, die eine beredte Sprache führen. In der Zeit vom 15. Dezember 1914 bis 1. November 1915 wurden 1 365 415 Kronen eingenommen und fast ganz verausgabt. Die vom Staate gewährten Unterstützungen betrugen 1 190 289 Kronen, so daß, wie der „Tagesbote ans Mähren und Schlesien" mit Recht bemerkt, die von den Flüchtlingen in Brünn gemachten Auslagen aus wenigstens drei Millionen Kronen geschützt werden. Dieser Betrag kam in erster Reihe den Lebensmittelverkäufern und Gewerbetreibenden zugute. Aber auch die Brunner Hallsbesitzer kämen dabei auf ihre Rechnung, so daß die Einwohner der Hauptstadt Mährens keinen Grund zur - Klage über die Invasion der „polnischen Juden" hatten. Das Zentralen reau gewährte auch außerordentliche Unterstützungen; es verausgabte an Mietebeitrügen 52 053 Kronen, an Wochenbettbeitrügen 1980 Kronen, an Zehrgeld 9492 Kronen, an Fahrkarten 1220! Kronen, zusammen 64 715 Kronen. Dazu kamen: für Medikamente j 5120 Kronen, Badekarten 3437 Kronen, Milchbeschafsung 1942 Kronen, > zusammen rund 12 517 Kronen. Außerdem wurden zwei Schulen,! eine Knaben- und Nkädchenschllle, errichtet, für die religiösen Be-! dürfnisse der Flüchtlinge ausgiebig gesorgt, Kleider- und Wüscheverteilung-en im großen Mnßstabe vorgenvmmen: kurz alles getan, nm die Flüchtlinge insgesamt vor Not und Krankheit zu schützen. Aber nicht allein für das leibliche, auch für das seelische Wohl der Flüchtlinge wurde gesorgt. Bor allem wirkten in dieser Richtung die Schlilen. Tie Kinder werden von polnischen Lehrern in der polnischen Unterrichtssprache in allen Gegenständen der Volksschule j unterrichtet. Außer der polnischen Sprache wird Deutsch als obligater Gegenstand gelehrt, so daß den Kindern weite Horizonte eröffnet werden. Mit Rücksicht daraus, daß die galizischen Juden ohnehin einen der deutscher! Sprache angelehnten Jargon, das „Jiddisch", sprechen, machen sie in der deutschen Sprache erstaunlich rasche Fortschritte. So werden diese Lstjnden dem westeuropäischen Kulturkreise uähergebracht. — Nicht minder knltursördernd ist eine j große Näh schule, in der in geradezu fabrikmäßigem Betriebe von! galizischen Flüchtlingen jene Wäsche erzeugt wird, die dem Bedarfe! der Flüchtlinge dient. Um hnnderttansende Kronen wurde in dieser! Näh schule bereits Wäsche hergestellt. Auch diese Tätigkeit der Flücht-! linge erhält erhöhten Kulturwert dadurch, daß sie eine Anzahl armer! Flüchtlinge in einen Beruf einführt, den sie später in der Heimat! weiter verfolgen können. Endlich sei erwähnt, daß das Zentral- - burean mit allen Mitteln es versucht, männliche Flüchtlinge in Arbeit, und zwar als Handarbeiter, unterzubringen. Dazu ist die erste Voraussetzung, daß sich die Flüchtlinge in dem Aeuheren den Brunner Verhältnissen anpassen. Nur eines, bemerkt der Bericht,

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