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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-31 · Heft 13 (31.3.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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ist nicht zu erreichen: daß die Flüchtlinge die Sabbathruhe aufgeben. Diese Bemerkung klingt wie ein Vorwurf, der aber die Flüchtlinge keineswegs trifft. Menschen, denen die Religion alles ist, die im Glauben leben und wurzeln und in der Befolgung der religiösen Satzungen ihr höchstes Seelenheil erblicken, soll man nach ihrer Fasson selig werden lassen und sie nicht zu Handlungen verleiten,, die gegen ihre religiöse und innerste Ueberzeugnng sind. Diese Bekehrungsversuche sind auch nicht ethisch einwandfrei; man nehme.dempolnischen Juden seinen Glauben und er verliert jeden moralischen Halt . . . Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, denen im Zentralbureau die Staatsunterstützung. — bis Mai 1915 70 Heller Pro Tag und Kopf, vom l. Mai 90 Heller — ausbezahlt wurde, betrug im Januar ~ 1915 5918. Die Höchstzahl war im Monat Juni mit 6221 erreicht.! 'Da in letzterer Zeit wieder einige Orte für die Rückkehr freigegeben', wurden, dürfte die Zahl der. gegenwärtig in Brünn sich aufhaltenden : Flüchtlinge über 1000 noch betragen. Geboren wurden in der- Berichtszeit 121 Kinder von Flüchtlingen, gestorben sind 77 Flücht-. linge, so daß sich ein beträchtlicher Geburtsüberschuß ergibt. Getraut (staatlich) wurden 18 Paare. Aus diesen wenigen Zahlen ist zu-, ersehen, das; das. Zentralbureau das Problem der Flüchtlingsfürsorge richtig erfaßt und im wahren Sinne zentral gelöst hat. Die Lösung dieses überaus schwierigen Problems ist aber den Männern zu.- danken, die an der Spitze dieses überaus segensreich wirkenden Zentral-' bureaus stehen, in erster Reihe dessen Präsidenten, dem bekannten.' Philanthropen Jonas Löw-Beer, der unermüdlichzum Heile und- Wohle der seiner Obhut anvertrauten Flüchtlinge schafft und wirkt.. Von Aah und ffkrn. - Tie Berliner jüdische Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust! erlitten: In der Nacht vom letzten Sonntag zum Montag ist nach' kurzer Krankheit der bekannte Philanthrop Moritz Manheim er im 90. Lebensjahre verschieden. — Am 31. d. M. feiert der bekannte Augenarzt Geheimer Medizinalrat Dr. I. Hirschb e r g, ordentlicher Honorarprofessor an der Berliner Uni- ‘ versität, das 50jährige Doktorjubiläum. Hirschberg, der 1848 in Potsdam geboren wurde, ist ein Schüler von Albrecht v. Graefe und seit 1869 Dozent an der Berliner Universität. Er gehört mit zu den gesuchtesten Augenärzten. Tie ganz außerordentlich große Zahl seiner wissenschaftlichen Arbeiten umfaßt nahezu alle Gebiete der Augenheilkunde. — Die Humboldt-Akademie^.- F reie Hochschule bietet in ihrem Vorlesungsverzeichnis für das Lehrvierteljahr April—Juni 1916 eine Fülle von Belehrung und Unterweisung ans allen Zweigen der Wissenschaft durch den der-, einigten-Lehrkörper der beider: Volkshochschulen, dein bewährte Dozenten und hervorragende Redner angehören. Vorlesungsverzeichnisse und Hörerkarten sind in einigen Kaufhäusern, in zahlreichen Buchhandlungen', in den Geschäftsstellen vieler Vereine erhältlich. Hauptbureau: Berlin W 57, Kurfürstenstraße 166, I (Fernsprecher Lützow 8794;: 10 bis 12, 1 bis 5 Uhr). — Einen schweren Verlust hat Herr Jnstizrat Tr. L e w i n s k i - Eharlottenburg erlitten: sein einziger Sohn, dev Ingenieur Karl Lewinski, ist in russischer Kriegsgefangenschaft gestorben. Der hochbegabte junge Mann, der als technischer Leiter in der: Poznanskischen Fabriken bei Verwandten in Lodz tätig war, wollte bei Kriegsausbruch nach Deutschland, nur sich bei den Gardedragonern in Berlin, bei denen er gedient hatte, zu stellen, wurde aber von den! Russen sestgenommen und nach dem Gouvernement Wologda als Kriegsgefangener verschleppt. Jetzt ist die traurige Nachricht eingef troffen, daß er nach kurzer Krankheit in Ust-Kulom verstorben ist; Herr Justizrat Lew in skr spendete zum Andenken an seinetz in Zivilgefangenschaft verstorbenen Sohn 20 000 Rubel zH wohltätigen Zwecken in Lodz. — Stadtrat Mühlendirektor Jac. Krauskops in Ostrowo hat anläßlich seines 60. Geburtstages den: Bürgermeister der Stadt 2000 Mark ' überwiesen, deren Zinsen alljährlich zu Wohlfahrtszwecken verwendet .werden sollen. — Irr voller Rüstigkeit feierte das Kantor Pittkowskische Ehepaar in Kurnik seine goldene Hochzeit. Di^ - Gosamtgemeinde nahm freudigen Anteil an dieser seltenen Familienfeier. Der Vorstand ehrte das Jubelpaar durch liebe rre ich:: ng einer ansehnlichen Gabe. Ter Bürgermeister des Ortes beglückwünschte in seiner Eigenschaft als Oberhaupt der Stadt das Ehepaar. Die auswärtigen Standesgenossen ehrten ihren Kollegen auf mannigfach^, 'Weise. Am 1. April begeht Herr Oberlehrer-EmilBadriaÜin Hamburg das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit an der dortigen Talmud - Thora - Realschule. — Auf eine Eingabe des R a b b i n a t s hat das Oberbürgerrneisteramt in Köln den Zwang, neben Butter auch Schmalz zu entnehmen, für die jüdischen Haushaltungen ausgehoben. Es müssen jedoch die Brotbücher mit dem Stempel des Vorstandes der Synagogengemeinde Köln versehen sein, zu welcher Abstempelung im Bureau Roonstraße 50 von 9. bis 12 Uhr vormittags au den Wochentagen Gelegenheit geboten ist. — Der Staatsanwalt bei dem Obersten Landesgericht in München Eduard Silber mann ist zum Senats- Präsidenten am Oberlandesgericht München befördert worden; der Kunstanstaltsbesitzer Kommerzienrat Albert R o s e n f e l d e r in Fürth wurde zum Handelsrichter bei der Kammer für Handelssachen am Landgericht Fürth ernannt. — Aus Miltenberg wird geschrieben: In dem in London jetzt verstorbenen Sohne unserer Stadt Herrn Wilhelm Kli ng enstein verliert besonders die hiesige israelitische Kultusgemeinde einen großer: Wohltäter, der unter anderenr durch wiederholte große Geldspenden den Bau der neuen Synagoge ermöglichte. Vor zwei Jahren spendete Klingenstein unserer Stadt 5000 Wa\xt für die Einfriedigung des alten israelitischen Friedhofes. Ir: Hinsicht auf die vielen Verdienste und die große Anhänglichkeit an seine „liebe Vaterstadt" wurde er 1911 zum Ehrenbürger unserer Stadt ernannt. Vom Kaiser wurde ihm im Jahre 1907 für seine Verdienste um die deutsche Kolonie in London der preußische Kronenorden vierter Klasse verliehen. — Aus Frankfurt a. M. wird uns.geschrieben: Den im Krankenhause der israelitischen Gemeinde, Vereinslazarett Nr. 26, zu Frankfurt a. M. tätigen Schwestern Doris U n ge r, Henriette K o ch w a n n, Claire Simon, Dina Wolf, Berta S ch ö n f e l d, Trude S e i d le r, Bianca H e i m a nn, Sara A d els- Heime r, Bettina Lauda u, Erna Hein: berg, Edith Be: h y s f wurde in Anerkennung ihrer Tätigkeit bei der Pflege kranker und verwundeter Kriegsteilnehmer die Denkmünze der freiwilligen Krankenpflege verliehen. — Dr. oec. publ. Ernst Cahn, außerordentlicher Honorarprofessor für Verwaltungsrecht und Staatsrecht einschließlich öffentliches Der sicherungsrocht und Politik an der Frankfurter Universität, wurde zum Magistratssyndikus gewählt. — Wie ans Kopenhagen gemeldet wird, verlassen viele jüdische Familien, namentlich ans Rußland, die sich während des Krieges dort niedergelassen haben, die Stadt, um nach Amerika überzusiedeln. — Aus Wien wird gemeldet: Der Kaiser hat in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde dem Feldrabbiner Dr. Bernhard Templer das goldene Verdi enstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. — Generalmajor Karl Schwarz, Kommandant einer Landsturmbrigade, wurde abermals ausgezeichnet und erhielt das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration in Anerkennung erfolgreichen Verhaltens vor dem Feinde. — Die Wiener Brockensammlung für jüdische Arme erhielt 12 große Pakete mit Kleidern und Wäsche als erste Gabe der Schweizer jüdischen Frauen. — Aus London wird gemeldet: Die englische Regierung hat verfügt, daß die aus Rußland und Galizien verschleppten Juden nichts anderes als Kriegsgefangene sind und daß daher von jüdischen Unterstützungskonntoes ihnen keine Hilfe gewährt werden darf. Wie „Jewish Chronicle" schreibt, wird das in England für jüdische Kriegsopfer gesammelte Geld nicht für die Juden aus Galizien verwendet werden. — Der berüchtigte Geistliche Pranattis, der sich durch seine Expertise in den: Prozeß Beilis auszeichnete, hat sich wegen Unterschlagung von WohltütigkeiLsgeldern zu verantworten. — Die Zahl der obdachlosen Juden in Wilna ist, wie Warschauer jüdische Zeitungen berichten, nur noch klein. Der weitaus größte Teil der Juden, die vordem als Obdachlose eing-etroffen waren, erhielt FreifaHrtscheine und ist in seine Heimat zurückgekehrt. Die ständig ansässigen Juden sind zum größten Teile hier geblieben. Sie bildewin der Bürgerwehr 40 Prozent, im Bürgerausschuß 60 Prozent und in der Stadtverwaltung 3 Prozent. — Die vorbereitende Konferenz, welche über die Mittel und Wege zur Einberufung eines Amerikanisch-jüdischen Kongresses zu entscheiden haben wird, ist vom K o n g r e ß - O r g a n: s i e r ü n g s k o m i te e für den 26. März einberufen. Diese vorbereitende Konferenz stellt einen wesentlichen Schritt für die Organisierung der amerikanischen Judenheit zu einem Kongreß dar; sie wird die Aufgabe haben, einen Plan für die Wahl von Delegierten zum Kongreß anszuarbeiten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x H u n g e, Berlsil-F^iedttwu.;; Druck und Verlag von Rudolf Möffk ' H

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