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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-31 · Heft 13 (31.3.1916) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Das ansehnliche Ergebnis wurde noch erhöht durch Versteigerung des Benschens, eine in Süddeutschland eingeführte Sitte, die auch noch mehr als hundert Mark einbrachte." Herr Plldor ist offenbar der Ansicht, daß benschen ein anderer Ausdruck für „Kreuz" ist, wie ja seine Ueberschrift bezeugt, daß ein Eisernes Kreuz versteigert worden sei; zu seiner Belehrung sei hier bemerkt, daß „benschen" gleich „Segen" bedeutet, und daß es sich -bei der Versteigerung nur darum handelt, das Vorrecht des Segenssprechens bei der Mahlzeit zu versteigern. Man weiß wirklich nicht, was bei dem Herrn größer ist: seine Böswilligkeit oder seine Unwissenheit. Ich habe selbstverständlich keine Lust, alle die kleinen Anrempelungen des Herrn Pudor hier zu wiederholen. An den wenigen Proben mag es genug sein. Bedauerlich ist nur, daß man Herrn Pudor die Ausübung seines schmählichen Handwerks gestattet, und es sei hiermit recht nachdrücklich das sächsische Oberkommando auf das lichtscheue Treiben des Herrn hingewiesen. -* Daß dagegen die deutsche Regierung die Wünsche der Juden in jeder Weise berücksichtigt, lernen wir aus folgender Notiz, die wir der „Magdeburger Zeitung" entnehmen: Wie mustergültig die Lebensmittelversorgung bis ins kleinste organisiert ist und wie sehr sich die «deutschen Behörden bestreben, allen Religionen des Landes und ihren rituellen Vorschriften gerecht zu werden, beleuchtet der folgende Auszug aus dem Briefe eines Rabbiners in Schönlanke, der die Glaubensgenossen des Auslandes angesichts des nahenden Pejach-(Oster-)Fest>es, an dem den Juden der Genuß des Mazzoth (ungesäuertes Brot) vorgeschrieben ist, beruhigen will. Der Rabbiner schreibt u. n.: „Obschon wir im allgemeinen in Deutschland Kr-iegsbrot essen, das uns übrigens recht wohl schmeckt und ebenso bekommt, haben nur von der Regierung reinen Weizen zur Verfügung gestellt bekommen zum Zwecke der Mazzoth-bereitung. Das Wohlwollen der Negierung geht noch weiter und erstreckt sich auf die zahlreichen Gesungenen, die jetzt im Lande leben. So hat beispielsweise die „Vereinigte Schönlanker Mazzefabrik" den Auftrag für mehrere hundert Zentner Mazzoth für die Gefangenenlager erhalten. Es ist sÄbstverständlich, daß auch unsere im Felde stehenden Soldaten mit Mazzoth versorgt werden, und wie im Inlands arbeiten die deutschen Behörden auch in den besetzten Teilen von Russisch-Polen mit gleicher Toleranz für die jüdischen Einwohner jener Gegenden. Die amtliche Handelskammerstelle zu Wloclawek hat sich an die hiesige Mazzothfabrik behufs Lieferung von zwanzig Waggons Mazzoth für die jüdische Bevölkerung in Russisch-Polen gewandt." * Auch die ö st er r e i ch r s ch e Regierung sucht für die Juden in Polen vorzusorgen, wie aus folgender Notiz hervorgeht, die sich in vielen Zeitungen fand: Wien, 22. März. Eine Abordnung des österreichischen Z e n t r al k o m<i >t e e s zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung ilu nördlichen Kriegsgebiete unterbreitete dem Armeeoberkommandanten Feldmarschall Erzherzog Friedrich mehrere die politischen nnd kulturellen Interessen der Inden im Okkupationsgebiete betreffende Wünsche. Der Feldmarschall erkannte in loarmen Worten den von der jüdischen Bevölkerung Galiziens während des Feldzuges bewiesenen Patriotismus an und gedachte in herzlicher Teilnahme ihrer Leiden während der russischen Besetzung des Landes. Der Erzherzog erklärte, daß obgleich im Sinne der Haager Konvention das besetzte. Gebiet auf Grund der russischen Gesetze verwaltet werde, der Grundsatz der G l e i ch b e r e ch t i g lt n g aller in Oesterreich-Ungarn anerkannten Religionsbekenntnisse durch eine Verordnung vorn 1. März 1915 verkündet worden sei und seither in voller Geltung stehe. Die Mitglieder der Abordnung, die zur Mittagstafel beim Erzherzog zugezogen wurden, hatten Gelegenheit, sich im Hauptquartier den maßg.benden Beamten der Militärverwaltung Rnssisch-Potens voraustelleij. die gleichfalls «den Bestrebungen des Komitees im Sinne des Rechtsschutzes, der Gleichberechtigung und kulturellen Hebung der Wischen Bevölkerung der Okkupationsgebiete Förderung durch die Militärs Verwaltung zusagten. * Dagegen können sich die Russen von ihrem wahnsinnigen Judenhasse nicht losmachen. Glücklicherweise kommen ihre Verbündeten allmählich zu der Ueberzeugung, daß es so nicht weitergehen kann. Aus diesem Grunde geben wir hier einen Artikel ans der „Frankfurter Zeitung" wieder, in dem das unmenschliche Verfahren der Russen beleuchtet wird, zugleich aber die Auffassung vieler einsichtiger Franzosen zur Geltung kommt. Der Artikel lautet: Im Anschluß an einen früheren Aufsatz über die Judenhetze ux Lmninetz veröffentlicht die „Pariser Humanite" (vom 15.) einen weiteren Aufsatz: Juifs de Russic, aus der Feder von Marius Moutell. Es heißt darin: Die Behandlung der Juden ist k e i n e i n n e r r u s s i s ch e F r a g e in e h r. Besonders die Haltung A m erikas hat daraus eine' Frage gemacht, die das Interesse des Vierverbandes aufs nächste berührt. Die „Humanite" hat vor einigen Tagen die Veranstaltung eines amerikanischen Juden-Tages, Jewish Dah angeküudigt, einer gewaltigen Kundgebung, die ein Hilfswerk für die jüdischen Opfer der russischen Kriegführung bezweckt. Der amerikanische Senat hat die Leitung des Juden-Tages in die Hand genommen. Präsident Wilson hat eine vom Staatssekretär des Aenßern, Lansing, gegengezeichnete, also amtliche Kundmachung dazu erlassen. Mehr als 12 Millionen (Dollar) sind schon gesammelt . . . Vor einigen Wochen wurden auf die erste Kunde vom Elend der jüdischen Vertriebenen 750 000 Dollar auf einen Schlag zusammengebracht. Das kommt daher, daß in den Vereinigten Staaten die jüdische Bevölkerung durch zwei Millionen meist russischer Einwanderer vertreten ist. . ., die vor wenigen Jahren den Pogromen und Ausnahmegesetzen entflohen sind. Ihr Haß gegen die Ursachen ihrer Leiden belebt sich bei den Erzählungen der neuen Leiden ihrer Brüder. Sie sind ja darüber unterrichtet, jedenfalls besser als wir. Die in vielen Hunderttausenden von Abzügen verbreiteten jüdischen Zeitungen, die Ausgewanderten, die Rabbiner berichten von den Leiden ihrer Glaubensgenossen, die durch den Krieg nur noch vermehrt worden sind. Die Reden in der Reichsduma, zumal die des Abgeordneten Friedmann in der Sitzung vom 20. Juli 1915, haben auch uns davon einen verlorenen Klang gebracht.' Die russischen Juden haben mit Begeisterung dem Rufe des Zaren Folge geleistet, der sich ja an alle Völker Rußlands richtete. Aber sie und auch die mehr als 400 000 von ihnen, die iin Heere dienten, sind rechtlos geblieben, Opfer jedes gehässigen Verdachts, jeder Plackerei, jeder Maßnahme von Amtswillkür. Die Versprechen, die man den Juden gemacht hat, sie sollten auch außerhalb der schon stark bevölkerten Judenbezirke wohnen dürfen, hat man nicht g eh alt en. In Masse vertreibt man die jüdische Bevölkerung jetzt unter dem Vorwände, Verratsversuche zu vermeiden, aus den Grenzbezirken, wo sie bisher. zusammengepfercht haben Hausen müssen. Man mutet ihnen lauge Reisen zu, wobei sie in luftdicht geschlossene Eisenbahnwagen wie die Heringe in der Tonne zusammengedrängt werden, ohne daß irgendwer sich den Wagen nähern dürfte, um die Aermsten zu erquicken, die -an allem Not haben, die Hunger und Durst leiden und mitunter die Leichen der vor Entbehrungen gestorbenen Kinder noch mitführen. Die Judenzüge gehen unaufhaltsam weiter, weil die Gouverneure es ablehnen, die unerwünschten Einwanderer bei sich auszunehwen, während Rußland nicht Eisenbahnwagen genug hat, um auch nur die Geschosse und Lebensmittel für die erste Linie zu befördern. Verwundete jüdische S o ld a t e n, die das Georgskreuz schmückt, werden aus den Lazaretten geworfen, wenn diese außerhalb der Judenbezirke liegen. Ich besitze den Bericht über die Judenfrage, den im Namen der Kadetten der frühere Abgeordnete Vinaver erstattet hat. Er erinnert daran, daß die Reaktionäre und ihre Presse zuerst über der vaterländischen Haltung der Juden den Kopf verloren, dann aber sich wieder faßten, und nun den Juden vorwarfen, sie betrachteten die Vaterlandsliebe als Handelsware, um sofort die gleichen bürgerlichen Rechte 'mit den Russen zu ergattern. Pald folgten Anschuldigungen von Massenverrat, nnd beim Fehlen

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