Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 europäische Berühmtheit geworden - mache dies recht anschaulich. Am Schluß meinte der Vortragende, daß wir wieder am Ende einer lveltgeschichtlichen Epoche ständen. Darum sollte die deutsche Judenheit das traute, innige Familienleben, geweiht durch die Religion und edle Sitte, als köstliches Erbgut der Vorzeit weiterpflegen, um so befähigt zu sein in einer neuen Zeit voll großer Aufgaben, würdig und freudig für Religion, Vaterland und die Menschheit zu arbeiten. — Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine interessanten und lehrreichen Aussührnngen. Berlin, 21. Marz. Der Verein „I ü d i s ch e L e s e h a lle, und Bibliothek" hielt am 4. d. M. in seinen Leseräumen die ordentliche (22.) Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Mar Ginsberg, erössuete die Sitznug und gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung in einem warmempfundenen Nachruf des auf dem -Felde der Ehre als Leutnant gefallenen Vorstandsmitgliedes Rechtsanwalt Dr. A l f r e d Stör y, dessen Andenken die Anwesenden durch Erheben von: ihren Sitzen ehrten. Er schilderte den Heimgegangenen als einen treuen Kämpfer für das Judentum und seine Ideale und beklagte den jähen Tod dieses tüchtigen Mitarbeiters als einen äußerst schmerzlichen Verlust für den Verein und seine Bestrebungen. In denn sodann erstatteten Geschäftsbericht führte der Vorsitzende aus: „Der Verein hat durch die schwere Kriegszeit erhebliche Einbußen erlitten, trotzdem ist es ihm gelungen, das Institut im Innern weiter ansznbanen und es zum Segen vieler Taufender, die dort Fortbildung und Belehrung suchen, aufrechtzuerhalteu. Die beim Ansbruch des Krieges eingeführten Beschränkungen in der Lesezeit und im Ausleihen von Büchern konnten wieder ansgehoben werden. Durch die .Herstellung eines überaus Praktischen und gut ansgestatteten Fachkntaloges ist die Benutzung der 9242 Bände umfassenden Bibliothek wesentlich erleichtert worden. In den Leserüumen, deren Benutzung jedermann freisteht, liegen ständig 04 jüdische Zeitungen ans. Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek nuirde im vergangenen Jahre von 11 479 Personen besucht. Dieses Ergebnis beweist, daß das Institut trotz der Ungunst der Zeit feine hervorragende Bedeutung als Stätte der Bildung und Belehrung für lveitesteKreise behalteil hat." Hierauf erstattete der Schatzmeister Herr Bonns Levy den Kassenbericht, der in Einnahmen und Ausgaben mit 8944,99 Mark bilanziert. Ans Antrag der Rechnungsprüfer erfolgte unter dankbarer Anerkennung der Mühewaltung des Schatzmeisters einstimmig die Entlastung. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurden durch Zuruf die bisherigen Vorstandsmitglieder wieder- und an Stelle des für das Vaterland gefallenen Rechtsanwalts Tr. Story Herr Justizrat Dr. Ignatz E ohn in den Vorstand neugewählt. Der Verein „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" verdient die weitestgehende Förderung. Seine Einrichtung hat sich tut Laufe der Jahre für unsere Jugend und unsere weniger bemittelten Glaubensgenossen als unentbehrlich gezeigt. Mögen sie au dieser Stätte auch ferner Belehrung suchen und finden. Aus seiner Vergangenheit, wird in dem mns vorliegenden Jahresbericht zum Schluß bemerkt, schöpft das Judentum seine Kraft! Durch Verbreitung der Kenntnis seiner Geschichte und Literatur in weiteste Kreise wird sein Bestand gewührleistet und gesichert. Berlin, 21. März. Die Zionistis ch e B e r e i n i g u n g f ü r Denk s ch l a n d beabsichtigt, auch diesmal wieder znm Pessachsest an etwa 2490 im Felde stehende oder sonstwie militärisch eingezogene Inden eine Pessachgabe in Form eines jüdisch-literarischen Sammelbandes zu senden. Wie bei den früheren Liebesgabensendnngen dieser Bereinigung soll auch diesmal wieder eine große Reihe solcher Soldaten berücksichtigt werden, die von Hause ans keinerlei Gaben erhalten. Die Sammelfchrift ist für obigen Zweck eigens heraestellt worden, und fouintcn in ihr hervorragende Autoren zu Wort. Geldsendungen werden an die Adresse des Herrn M'ar W o l l ste i it e r , Eharlottenburg, Roscherstraße 4, Postscheckkonto Berlin 4847, erbeten. Adressen jüdischer Soldaten, welche die Samulelschrist erhalten sollen, nimmt das Bureau der Zionistischen Bereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8, entgegen. 15. Danzig, 17. März. Tie B e r s a m m l it n g des W e st - p r e n ß i s ch e n R a b b i n e r v e r b a n d e s fand im Sitznugszimmer der Synagoacnaemeinde Danzig am 20. Februar statt. Anwesend waren sämtliche Rabbiner Westprenhens mit Ausnahme von P i ck (Strasburg), welcher amtlich am Erscheinen verhindert war, Ürner als Delegierter des Mitteldeutschen Rabbinerverbandes Salomonski (Frankfurt an der Oder), vom Vorstande 8i Synagogengemeinde Danzig Justizrat Fabian und Gehei nun T reitet und vom Verbände der West-preußischen Synagoge - gemeinden Justizrat Steinhardt. Der Ostpreußische und Obc - schlesische Verband, welche ebenfalls eingeladen waren, waren nicn vertreten. Nach den üblichen Begrüßungen berichtete der Vorsitzen c R o s e n b e r g (Thorn) über die Tätigkeit des Verbandes im letzt w Jahre unb erwähnte die Ansschußtagung des Allgemeinen Rabbinc Verbandes vom Dezember 1913, in welcher sein Referat über du Religionsunterricht an den höheren Schulen gebilligt wurde. 7 . Inspektionen der westpreußischen Religionsschulen, welche info > der Kriegsverhältnisse im abgelaufenen Jahre ausgefallen war sollen im gegenwärtigen wieder ausgenommen tverden. Da dr langjährige Kassenführer Gut'tmann verstorben ist, erstattete d r Vorsitzende selbst den Kassenbericht, welcher von der Versammln o mit Beifall an gehört und mit Entlastung beantwortet wird. — ö folgt ein Referat von K ä l t e r (Danzig) über die M i l i t ä r s e e sorge. Als Ergebnis des Referates und der darau sich knüpfend u lebhaften Diskussion, in welcher eine genaue Uebereinstimmung ,i den Ansichten der Rabbiner und des Verbandes der Westpreußisch Synagogengenwinden über diesen Punkt hervortritt, und Salomou i (Frankfurt) interessante und anfklärende Angaben macht, wird e Antrag Kälter mit Zusatz Rosenberg einstimmig angenommen. Zi i Besprechung gelangt dann ein Fall, in welchem eine Gemeinde ihrem L eh rer, den. sie vergebens zu reklamieren versucht hatte, kündig: Die Angelegenheit soll dem Verbände der Westpreußisch- : Syrmgogenaelneinden zur Erledigung empfohlen werden. Hiera: ' referiert R o s e n b e r g (Thorn) über die innere und ü n ß e - H e b u n g des Religion s n n t e r r i ch t« s a n den h ö h e r c i: S ch u l e n. Sein Vortrag und die in einer Diskussion besprochen .;t Leitsätze finden lebhaften Beifall und werden znm Teil neu geforu• Als besonders erwähnenswert kommt znm Ausdruck: „Der Regionsunterrichk muß vom ersten bis zum letzten Tage für jed jüdische Kind obligatorisch sein. Dispensation ist nur zuläs7u wenn Erchtzuuterricht dnirch einen Rabbiner oder geprüften Lehr i erteilt wird." Ueberhaupt toll „der Religionsunterricht an du höheren Schulen in der Reget nur von Rabbinern und dafür g Prüften Lehrern, in den Oberklassen nur von Akademikern versehe werden". Verlangt wird ferner: „Einrichtung des Religionsuni richts bei einer Zahl von zwölf Schülern unter allen Umstände: Uebernahme der Kosten durch den Schnlunterhalter, Aufstellu eines Lehrplanes, Ausnahme der Zensuren in sämtliche Zeugnis auch in das Reifezeugnis, und Teilnahme des Religionslehrers - n allen Konferenzen." Eine Spezialdebatte über den Norma l ehrPla n R o s e n b e r g s betreffend den Religionsunterricht an den höheren Knabensthuteu wird anfgeschoben, nur ein Antra « Kalter nach kurzer Besprechung einstimmig angenommen: „7 K ennkniss e des H e b r ä i s ch e n sind als Hilfswissenschaft fi das Verständnis der Gebete und die Teilnahme am praktischen re giösen Leben unentbehrlich. Deshalb sollen sie grundsätzlich v dem Normallehrplan für höhere Lehranstalten gefordert werd> Inwiefern die Grundlagen für diese Kenntnisse an den Anstal: :: selbst, zumal in den Vorschulen, oder an einer Religions-schnle worben werden sollen, darf den Ortsverhäliniffen überlassen w - den." — Zuletzt beantragt Kälter: „Die E i n b e r u f u l a einer a l l g e m einen K r i e g s t a g u n g des R a b b i n e Verbandes in Deutschland zu veranlassen mit der Tag« ordnung: Militärseelsorge, Stellung des Rabbiners in Krieg n Frieden, Bildung eines Ehrenrats, Anregung einer Kaiserspen! Antrag des Oberschlesischen Verbandes. Nachdem die dringen Notwendigkeit einer solchen Tagung in längerer Besprechung a.' gemein anerkannt rind durch Mitteilungen von Salornonski (Frau furt) besonders beleuchtet ist, beschließt die Versammlung, mit eine : entsprechenden Anträge unverzüglich an den Ausschuß des Ra binerverbandes in Deutschland heranzutreten. Während dieser Be; Handlung muß der Vorsitzende die Sitzung verlassen, um seinen 3h zu erreichen, und Loevy (Graudenz) übernimmt als sein Siel Vertreter den Vorsitz für den Rest der Tagung. Die Neuwahl d Vorstandes ergibt die Wiederwahl von Rosenberg (Thorn) als Vo. sitzenden und Loevy (Graudenz) als Schriftführer. An Stelle M verstorbenen Guttmann (Eulm) wird Kälter (Danzig) zum Kasseführer gewählt.