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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-24 · Heft 12 (24.3.1916) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 12 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
Seite 144 (sequence 12)
Language
German
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144 ist er gab 1856 als Geburtsjahr an. Freilich kam W. als -dreizehnjähriger Knabe nach Deutschland, und zwar nach Memel, und gewann eine durchaus -deutsche Bildung. In unserem Schris-tchen wird geschildert, daß W. schon Zionist vor dem Zionismus gewesen, da st er dann durch Herzls Schriften gewonnen wurde und in dem Sinne des temperamentvollen Begründers dieser Richtung tätig war. Auf -die Einzelheiten der Biographie, die Darstellung der vielen Kämpfe, die W. zu bestehen hatte, will ich hier nicht eingehen; ich empfehle diese Schrift auch den Unserigen, die sich für die Entwicklung des Zionismus und für den tragischen Ausgang eines wirklich verdienstvollen Mannes interessieren. L. G. # ~ -Heinrich Heine: D e r deutsche Jude. Bon Max Fischer. 1916. Stuttgart und Berlin. I. G. Eottasche Buchhandlung Nachfolger. Der Gedaukengaug des Schriftchens ist etwa der: „der deutsche Jude möchte in die Gemeinschaft der Deutschen aufgehen, und doch (S. 68) überkommt ihn dann wieder in bangen Stunden das Gefühl eineranderen Artung und eines außerdeutschen Empfindens; er sehnt zurück (so und nicht „sehnt sich" schreibt der Verfasser grundsätzlich) nach der engen und doch so traulichen Heimat des jüdischen Elternhauses und irgendein schmerzvolles Zionsweh erfüllt seine Seele. Er fühlt, daß er doch ein Jude ist." Ter Bersasser steht also ans dem Standpunkte: eigentlich müßte der wahrheitersüllte deutsche Jude Christ werden. Er schildert zwar, lvie Heine als deutscher Dichter Treffliches geleistet habe, aber wie neben dem einzelnen Vortrefflichen doch vieles Platte und Unbedeutende sich hervordränge; von der Prosa urteilt er höchst ungünstig. Endlich kommt er zu dem Schluß: „Heine empfand, wie in ihm die Tragik seines Volkes zerstörerisch war, und aus dein Zwiespalt zwischen dem Boden, dein er entsprossen, und seiner unerfüllbaren Sehnsucht stanunte int tiefsten Grunde die Zerrissenheit seiner Seele, hier liegt die Tragik des Juden. Geboren und ausgewachsen in einer Atmosphäre, aus der er hinausstreben rnuß, je eigener und innerlicher er ist, vor: seinem Blute her belastet mit materialistischer Sucht und fluchbeladener Unrast, erstrebt sein Geist die Emanzipation von den: jüdischen Fleische, die nur dein Begnadeten zuteil wird. Die meisten aber zerbrechen an dem ungeheuren Kamps zwischen ihrer Sehnsucht und dem lastenden Erbe, leiden als zerrissene und problematische Naturen an einem halbschlächtigen Leben. Dem Wurzelstarken und Bodenständigen löst sich leicht organisches Werk ab. Aus der Not zwiespältiger Stellung werden nur halbgültige Werke gezeugt. Darin liegt die Fährnis, die Begrenzung des Juden. Heine hat selbst einmal geschrieben: „ein Jude sagte zum andern: Ich war zu schwach. Dies Wort -empfiehlt sich als Motto zu einer Geschichte des Judentums." Auch Heine war zu schwach. Er hat zwischen den Parteien geschwankt. Er war ein biegsames Rohr. Die starken Taten, nach denen e r sehnte, sind nur in sehr beschränktem Maße gelungen. Die Reinheit seiner Seele wurde immer wieder getrübt durch die Verzerrungen seiner Rachgier; die Harmonie seiner Stimmungen durch den nicht zu bändigenden Strom seiner giftigen Ironie. Das gab, wie fast allen jüdischen Persönlichkeiten auch seinem Leben die Tragik." Ich halte diese allgemeinen Betrachtungen für unhistorisch, ja gänzlich falsch; ich kann es nicht Zugeben, daß die Juden mit „materialistischer Sucht und fluchbeladener Unrast" belastet sind. Ich kann ebensowenig einräumen, daß die wirklich ganz innerlich deutschen Juden eine Emanzipation vom Fleische erstreben, was doch wohl bedeuten soll, daß sie zum Christentum überzugehen wünschen, und daß eine solche Emanzipation nur dein Begnadeten zuteil wird, d. h. Männer wie Stahl, Gans usw. Ich meine vielmehr, der deutsche Jude kann, wenn er wirklich ein glaubensstarker oder pietätvoll historischer Jude ist (was Heine beides nicht war, denn ihm fehlte sowohl der starke Glaube als der historische Sinn), und wenn er ein vollkommener Deutscher ist (was man von Heine bei seiner stark ausgesprochenen französischen Neigung gleichfalls nicht sagen kann), die Verbindung zwischen Deutschtum und Judentum in sich vollziehen, wie Barnberger, Laster, Berthold Auerbach und Hunderte, ja tausende späterer Generationen es wirklich taten. Dann ist sein Leben, wenn auch nicht frei von Bitternissen uub Verkennung, selbst gelegentlich von Zurückstoßung und Mißachtung, ein Leben ohne Tragik, vielmehr voll Freude, ein Leben, dem Ideal .geweiht und dienstbar gemacht dem Judentum und dem Deutschtum, die sich nicht ausschtießen, sondern ergänzen. I.. G. Mutterpflichten gegen die Ungeborenen. Ein Mahnung zur Bevölkernngsernenerung nach dem Kriege. Bo Dr. M.'B a erting. Berlin SW 11, „Coucordia", Deutsche Verlags anstatt, 1915. Preis 75 Pf. Der Verfasser geht von der Anschauung aus, daß die Liebe um Sorge der Eltern für das Kind viel zu spät beginnt, erst dann näm lich, wenn -bereits sein Lebenslos gefallen ist. Die Elternsorge müsst jedoch weit früher erwachen. An die Stelle der Elternliebe müsst mehr Clternerkenntnis kommen, und dieses Buch will den Elteri Wege weisen, -damit die Kinder körperlich und geistig möglichst krästü und tüchtig zur Welt kommen. Der Krieg hat Erbmassen vo höchstem Werte vernichtet. Die gesundesten und lebenskräftigste! Männer des Voltes sind entweder vom Kriege hinweggerafft oder i ihrer Gesundheit dauernd geschädigt und geschwächt worden. Am gäbe der Mütter sei es, nach dem menschenverheerenden Kriege di Völker neu zu schaffen und die Rasse an Körper und Geist zu vei bessern. In dieser Beziehung ist die Feststellung der Tatsache vo; Wichtigkeit — und das gilt besonders auch für uns Juden —, daß b: Ehen am fruchtbarsten und für die kraftvolle Entwicklung der Kinde am günstigsten sind, in denen der Mann jung, die Frau reifer ai Jahren ist, oder in denen die Frau wenigstens einige Jahre alte! ist als der Mann, zum mindesten dem Manne gleichalterig isl Namentlich haben die neueren Untersuchungen der Bevölkerungs statistik erwiesen, daß die Ehen mit einem mäßigen Altersübergewicht der Frau die fruchtbarsten und die der kräftigsten Nachtommenschaf sind. Da nun der Krieg gerade unter den kräftigsten und gesundester Männern des Landes die reichste Ernte hält, so ist ein, körperlicltüchtiger Nachwuchs rnehr als je eine Lebensfrage der Nation, di-, auch die kürzlich erfolgte Begründung der „Deutschen Gesellschaft ftt Bevölkerungspolitik" veranlaßt hat. Hinsichtlich der Unsruchtbarkei spielen die bei den Inden üblichen Ehen zwischen Blutsverwandte! noch eine ganz besonders verhängnisvolle Rolle. Das Buch gibt seh' beachtenswerte Ratschläge, und es ist zu wünschen, daß es im deutsche! Volk weite Verbreitung finden, möge. Sanitätsrat Dr. S ch e r b e l, Lissa i. P. * U nna , Dr. Joseph, Oberlehrer: M a i m o n i d e s. Eii Lebensbild für die jüdische Jugend. Berlin, Louis Lamm, 1914. So sehr zahlreich, ja man könnte fast sagen, so unzählig bu Monographien über Maimonides auch sind, so haben sie diesekleine, gediegene Schristchen doch nicht überflüssig gemacht. Diese in elf kurzen Kapiteln gebotene Lebensbild eines Mannes, der bi* Entwicklung des jüdischen Volkes in ganz neue Bahnen gelenk hat, ist dem Geiste und der Fassungskraft der Jugend so schm angepaßt, wie es wirklich nur ein erfahrener Jugendbildner fertig zubringen vermag. Die philosophischen Probleme und Systeme dieses größten jüdischen Religionsphilosophen sind -hier unberück sichtigt geblieben, und nur, was die Kinderseele interessieren und beschäftigen kann, ist hier in schlichter, -anmutender Weise zur Darstellung gebracht. Die schöne Form und die Lebhaftigkeit de: Schilderung verfehlen nicht, die Liebe zu diesem großen. Vertrete der jüdischen Wissenschaft in den Herzen der Jugend zu wecken. I a m p e l. Mchrreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Geschichte der freien Stadt Frankfurt a. M. (1814—1866.) Bo, Richard Schwemer im Aufträge der städtischen historischen Korn Mission. 3. Band, 1. Teil. Frankfurt a. M. Joseph Baer u. Eo 1915. Veröffentlichungen der historischen Kommission der Stad Frankfurt a. M., V. 1. Teil. Von Deutschen und Juden..- Eine Entgegnung. Von Hermam Goldschmidt-Faber. Sonderabdruck aus den Preußischen Jahrbüchern herausgegeben von Hans Delbrück. Band 163, Heft 2. Berlin Verlag von Georg Stilke, Hofbuchhändler S. K. u. K. H. des Krön Prinzen. 1916. Frontberichte eines Neutralen. Vom schweizerischen M a j o Tanner. 2. Galizien und Bukowina. Mit Bildern des Verfassern Verlag August Scheut G. in. b. H., Berlin. Srrichtigung. Der Verfasser des in Nr. 11, S. 125—128 nbgedrnckten Aufsätze über Jakob Loewenberg heißt Hans F. Gerhard.

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