Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 bin B n n zel. Laut letztwilliger Verfügung des Erblassers sind der Gemeinde 75 000 Mark zugefatten, die nach Abzug der Kosten für die dauernde Erhaltung und Pflege des Grabes des Erblassers zur freien Verfügung des Vorstandes für Wohltätigkeitszwecke gestellt ftnb. Die Versammlung nahin sodann den- Bericht des zur Prüfung der Gemeindeabrechnnng für das Jahr 1914 eingesetzten Ausschusses entgegen, namens dessen Herr Ludwig Mathiason die Entlastung des Vorstandes der Gemeinde beantragte. Das Kollegium fMmiU'tc diesem Anträge einstimmig zu. Eine weitere Vorlage des Bestandes betras die Bewilligung einer Teuerungszulage für die Beamtin neu der Gemeinde. Der Antrag wurde ohne Widerspruch mit der Maßgabe genehmigt, daß die Teuerungszulage nur für die Dauer des Krieges gezahlt wird. In der unmittelbar darauffolgenden geheimen Geling wurde eine Reihe von Wahlen erledigt. ^-München, 10. März. Die Israelitische Kultusgemeinde teilt in ihrem Jahresbericht mit, daß von rund 2700 Mitgliedern 144 000 Mark Steuern vereinnahmt wurden. Die Rechnung bilanziert mit ruird 200 000 Mark. Den Beamten mit einem Gehalt von nicht mehr als 4000 Mark wurde für 1916 eine zehnprozentige Zulage gewährt. Es wurde die Patenschaft über die jüdische Gemeinde Lyck übernommen und ihr auf drei Jahre eine jährliche Zuwendung von 500 Mark bestimmt. Am Religionsunterricht in den Volks- und Mittelschulen nahmen 848 Knaben und 768 Mädchen teil; die Stadt gewährt hierfür eine Beihilfe von 3000 Mark, während die Israeliten cm die Stadt etwa 600 000 Mark Schulumlagen zahlen, wofür sie glänzend einige jüdische Volksschulen erhalten könnten. 22 Nürnberg, 13. März.' Zu einem Ehrentag gestaltete sich die Feier des goldenen Ehejubiläums, das Herr Geheimer Kommerzienrat Ludwig Ritter v. Gerngros und Gemahlin am 11. d. M. in erfreulicher geistiger und körperlicher Frische unter der wärmsten Anteilnahme weiter Kreise der Bevölkerung begehen konnten. Nachdem König Ludwig bereits tags zuvor dem Jubelpaare auf telegraphischem Wege seine Glückwünsche ausgesprochen hatte, fand am Jubeltage, vormittags 10 Uhr musikalischer Morgengruß durch das Philharmonische Orchester statt. Um 11 Uhr begann die eigentliche Gratula Lionscour. Die Stadtverwaltung hatte eine Abordnung entsandt, welche aus den Leiden Bürgermeistern, einem MagistratsraL und zwei Gemeindebevollmächtigten bestand. Die Abordnung wurde beim Eintritt ins Haus mit musikalischem Gruß empfangen. Oberbürgermeister Dr. Geßler überreichte namens der Stadt eine künstlerisch ausgeführte Adresse und machte sich zum Dolmetsch der Glückwünsche der Stadtverwaltung. Alsdann folgte die Beglückwünschung durch den A lb re cht - D ü re r - B e re i n , in dessen Auftrag gleichfalls Oberbürgermeister Dr. Geßler sprach und eine Adresse übergab. Justizrat Dr. Held drückte die Glückwünsche der Israelitischen K u. l t u s g e m e i n d e Nürnberg ans, und das gleiche tat namens der Gemeinde Baiersdorf Bürgermeister Rösch und namens der Kültusgemeinde Baiersdorf Gemeindebevollmächtigter K o h n. Bon den zahlreichen anderen Körperschaften und Personen, die ihre Glückwünsche aussprachen oder übermittelten, erwähnen wir u. a. Prinzessin Therese von Bayern, Freiherrn v. Könitz, General der Kavallerie, Generaladjutant und stellvertretender kommandierender General des 3. Armeekorps, Regierungspräsidenten Dr. v. Blaul, das Germanische Museum, den Künstlerverein Nürnberg und den Turnverein Baiersdorf. Aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit hat Geheimer Kommerzienrat Ludwig Ritter v. Gerngros eine Stiftung von 300 000 Mark errichtet, deren Zinsen zu Ankäufen für die städtische Galerie verwendet werden sollen, der schon früher so mannigfach die freigebige Fürsorge des edlen Stifters gegolten hat. Geheimrat Ludwig v. Gerngros hat ebenso wie sein Bruder Kommerzienrat Wilh e l mv. G e r n g r o s für alle jüdischen Wohhlfahrtseinrichtungen ein lebhaftes Interesse und wohltätigen Sinnan den Tag gelegt. So hat er u. a. erst vor wenigen Wochen für den Neubau einer jüdischen Klinik, welche in Verbindung mit dem Schw-esternheim geplant ist, ein Kapital von 30 000 Mark in 314prozent,igen deutschen Staatspapieren in hochherziger Weise übergeben. — Bamberg, 10. März. Der Kaufmann Herr Max E h r l i ch sandte an den Stadtmagistrat 20 000 Mark in fünfprozentiger deutscher Kriegsanleihe, die laut letztwilliger Verfügung seines einzigen aus dem Felde der Ehre gefallenen Sohnes Fritz folgende Verwendung finden sollen: 10 000 Mark für eine „F r i tz - E h r l i ch - S t i f t u n g". Von ben Zinsen sollen dienen: 50 Mark zur Erhaltung des Grabes des Gefallenen und der Nest für Winterfürsorge zur gleichmäßigen Verteilung an die Notleidenden aller drei Konfessionen. 5000 Mark sollen der städtischen Hiuterbliebenenfürsorge aller Konfessionen — auch Krüppelfürsorge — und 5000 Mark zur Linderung der Notlage Barnberger Künstler, vor allem den am Stadttheater in Bamberg engagierten, zugewendet werden. Weiter stiftet Herr Max Ehrlich noch 1000 Mark in bar für eine städtische Bibliothek. K. P. Frankfurt a. M., 10. März. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete Carl Rehsuß, Lehrer am D r. Hochschen Konservatorium, einen musikalischen Abend, der lediglich religiöse Lieder, meist biblischen Textes, auf dem Programm auswies. An Komponisten figurierten Aron Friedm a n n , Louis Lewandowski, Haendel, Siegfried Ochs, Mendelssohn, Schumann und andere mehr. Durch die Auswahl der verschiedenartigsten Tondichter wurden die Vorträge ab wechslungsreich und gaben dem gesamten Abend ein lebhaftes Gepräge. Herr Rehsuß verstand es, dank seiner schön geschulten Stimme, den Gesängen eine weihevolle Würde zu verleihen und die zahlreich erschienene Zuhörerschaft in diesem Sinne an seine Darbietungen zu fesseln. Besonders lobend sei die außerordentlich deutliche ^lussprache des Sängers vermerkt, die dem Vortragenden sehr zustatten kam. Die Begleitung hatte, teils am Flügel, teils am Harmonium, Herr Willy Salomon übernommen. Er waltete mit großem Geschick und tiefgehendem Verständnis seines Amtes. <V2 Mainz, 10. März. Unter großer Beteiligung fand hier die Einäscherung des Geheimen Justizrats Dr. L u d w i g O p P e n - heim statt. Es war eine eindrucksvolle Trauerkundgebung, zu der sich die Feier gestaltete. Die würdevoll abgetönte Halle war gefüllt; eine auserlesene Gesellschaft hatte sich eingefunden, unter der wir die angesehensten Bürger der Stadt bemerkten. So den Oberbürgermeister Dr. G ö t t e l m a n n , den Vorsitzendendes Landgerichts der Provinz Rheinhessen, das Mitglied der Ersten Kammer Geheim rat Dr. Strecker, den Oberstaatsanwalt Dr. Stigell, den Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde Kommerzienrat Bernhard Martin Mayer u. a. nt. Nack einleitendem, wehmutatmendem Orgelklang begann Rabbiner Professor Dr. Salseld sein Gebet, um dann, sich' den in Trauer Versammelten zuwendend, ein kleines Lebensbild des allzufrüh dort uns Geschiedenen zu entwerfen. Er schilderte ihn als treuen Sohn [einer Eltern, die, einer angesehenen Alt-Mainzer jüdischen Familie entstammend, die Ueberlieferungen ihres Glaubens in dem Sohne wachzuhalten verstanden, so daß dieser späterhin die Interessen der jüdischen Gemeinde wahrzunehmen für seine hohe Pflicht hielt und mehr denn 20 Jahre in deren Vorstand auf das segensreichste wirkte. Der Geistliche zeigte ferner den Heimgegangenen als einen Mann der Wissenschaft, der Kunst und Freund werktätiger Liebe, der sich nicht scheute, in die Niederungen des Lebens hinabzusteigen, und allüberall, wohin seine gnadenspende Hand gelangte, Trost und Hoffnung zu -erwecken verstand. Der Herr Rabbiner berührte noch die Tätigkeit des Verstorbenen während des Krieges und daß es ihm vergönnt gewesen, seinen Sohn in führender Stellung für das von ihm so geliebte Vaterland und mit Auszeichnung kämpfen zu sehen, während seine Tochter sich in Werken der Liebe, in Linderung der Wunden, die der Krieg geschlagen-, sich in den Lazaretten betätigte. Das Andenken des Gerechten sei zum Segen. Markig, kern-ig und in gehobener Sprache widmete nunmehr der Vorsitzende des Landgerichts der Provinz Rheinhessen, Herr Dr. Hangen, sowohl im Aufträge dieser Behörde wie der großherzoglichen Staatsanwaltschaft dem- Entschlafenen einen Nachruf. Arbeit, Menschenliebe und die Muse, das seien die Leitsterne des Dahingeschiedenen gewesen. Sern Andenken wird unvergänglich fortleben unter den Mitgliedern der hessischen Justiz. Auck er legte im Aufträge seiner Behörden einen Kranz nieder. Das gleiche tat der Vorsitzende der rheinhessischen Anwaltskammer, Geh. Justizrat Dr. Cause. Auch dieser schilderte die hohen Tugenden des treuen Freundes in beredten Worten. Edel, hilfreich und gut sei er gewesen. Es folgte der ergreifende Gesang der Mitglieder der Mainzer Liedertafel: „Es ist bestimmt in Gottes Rat", worauf Herr Geheimrat Dr. Strecker den Werdegang des Heimgegangenen als Mitglied der Mainzer Liedertafel beschrieb. Für diese sei der 1. Januar 1872, der Tag seines Eintritts, ein glücklicher Dag gewesen; bald wurde