Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-17 · Heft 11 (17.3.1916) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229244--72082-3284503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

132 „Aber, Kind, dann begreife ich nicht ..." „Ta-ß die anderen die Rolle nicht wollen, meinst du? Ich sagte dir doch, sic ist den Dmmnköpfen zu schwer. Als ständiger Logeninhaber des Breslauer Stadttheaters kann dir unmöglich unbekannt sein, daß die Rollen der Bösewichter und Intriganten die allerschwierigsten sind und daß gerade unsere größten Mimen alle Kraft und Begabung daransetzen mußten, wenn es galt, einen echten Franz Moor oder Mephisto glaubhaft auf die Bretter zu stellen. Freilich begründeten diese Partien alsdann ihren Weltruhm. Wenn es dir recht ist, werde ich die paar lumpigen Sätze, die Haman zu reden hat, mit dir einstudieren; auf die Probe brauchst du überhaupt nicht zu gehen; schließlich werde ich vor der Ausführung noch mit der Schammesfrau, die als Souffleuse „mitwirkt", einen vernünftigen Ton reden und die seine Fußfallszene mit der Dame Esther-Bella kann in meinem Salon unter meiner allerhöchsten Aufsicht einige Male durchprobiert werden, bis du sie kapiert haben wirst." „Ra, diese Szene begreife ich leicht." „Kann ich mir denken; übrigens hätte ich die Hauptsache fast vergessen: du mußt dir so schnell, wie möglich, ein reich gesticktes persisches Kostüm verschaffen, eine goldene Kette um den Hals, prächtige Ringe an den Händen, mit denen du ja doch so gern renommierst, kurz, es heißt, so elegant, wie es dem reichen Sohn der großen Breslauer Kohlenengrossirma eben möglich ist, austreten. Denn der erste Minister an einem so wohlhabenden Hose, wie es der des seligen Ahasveros war, muß pikfein und hochnobel angezogen sein. Gerade dies kriegen unsere jungen Leute hier am Ort auf keinen Fall heraus. Tu kannst die ganze Gesellschaft ausstechen und deine ,ingebetete Bella . . ." Tie schlaue Evusine brauchte ihr Lügen- und Sophismengespinst nicht weiter zu spinnen; Otto erklärte sich zu allem bereit und übernahm die Rolle, nachdem ihn auch der Spielleiter tatsächlich von der Teilnahme an den Proben dispensiert hatte und eine recht reichlich bemessene väterliche Postanweisung die Beschaffung eines prächtigen Kostüms gewährleistete, das ganz besonders Bella Stern bezaubern sollte. Tie Aufführung nahm einen glänzenden Verlauf und auch Otto Levi machte seine Sache recht gut. Im prachtvollen Gewände stolzierte er höchst würdevoll über die weltbedeutenden Bretter und wenn er auch die Nähe des Souffleurkastens mehrfach bevorzugte, hals ihm doch die angeborene Sicherheit des Auftretens über einige schwierige Momente hinweg. Mit hinreißendem Feuer siel er zum Schluß der schönen Esther-Bella zu Füßen und sah die junge Perserkönigin mit so verzückten Blicken an, daß man ihrem plötzlich hinzueilenden Gatten die geschichtlich überlieferte Eifersucht wohl glauben konnte. So kam es denn, daß dem Hamandarsteller völlig entging, was sich in eben diesem Augenblick in den Kulissen rechts und links gar Schlimmes vorbereitete. Ter schalkhafte Herr Verfasser des Stückes hatte hier nämlich eine kleine Anleihe beim Meister Richard Wagner gemacht und aus dessen Lustspieloper „Die Meistersinger von Nürnberg" jene unvergeßliche Szene nachgebildet, die aus gutem Grunde „die Prügelszene" heißt. Bei den Worten des Königs, der eifersüchtig wie ein Türke in Esthers Boudoir stürzt: „Ha, Ruchloser, auch noch ein Ueberfall auf meine Gemahlin! Düngt ihn!" warfen sich von rechts und links die mit Stöcken und Knitteln bewehrten Trabanten unter den Klängen der Wagnerschen Prügelmusik aus des guten Ottos Exzellenz und jagten den eben noch so hohen Herrn, jetzt eine gefallene Größe, nach der Vorschrift des Verfassers einige Male im Kreise über die Bühne. Daß sie hierbei auch der weiteren Bühnenbemerknng des Autors, die Prügel seien natürlich nur leicht zu m a r k i e r e n, gewissenhaft nachgekommen sind, dafür können wir uns leider nicht verbürgen. Die noch einige Zeit nach der glänzenden Ausführung auf dem Rücken und den Oberarmen Ottos vorhandenen blauen, gelben und grünen Flecke scheinen einigermaßen gegen diese Annahme zu sprechen. Doch soll Otto die Erlebnisse seines aktiven und leider nicht allzu wenig passiven Hamansdramas zur Veranlassung genommen haben, seine Kenntnisse von jüdischer Geschichte, Sitten und Gebräuchen 'schleunigst zu vervollkommnen. Nur wird er stets etwas verstimmt, wenn sein künftiger Schwager, Bella-Esthers Bruder Fritz, ihn ab und zu fragt: „Du, Otto, was ist eigentlich das sogenannte „ H a m a n - KI o p f e n?" Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. R a t g e b c r für di e deu t s ch e Kriege rfrau: Was muß ich hm, wenn mein Mann eingezogen, wenn mein Mann verwundet, wenn er in Gefangenschaft geraten, wenn er gefallen ift? Nach amtlichen Quellen herausgegeben von P. Riedel. 1916. E. A. Schwetschke u. Sohn, Berlin W 57. Preis 60 Pf. Central Conference of American Rabbis. Twenty-Sixth Animal Convention, June Twenty-Nintli To July Sixth Nineteen Hundred And Fifteen. Charlevoix, Michigan. Volume XXV. Edited by Rabbi Isaae E. Marcuson. David Wolffsohn. Bon Adolf Friedemann. Mit einem Bilde und dem Faksimile eines Briefes von D. Wolffsohn. Wien 1916. R. Löwit, Verlag. Die Motive der preußischen Judenemanzipation von 1812, mit besonderer Berücksichtigung ihres Verhältnisses 31t den Ideen der Judengesetzgebung der französischen Revolution. Von Dr. Phil. Rosa Dukas.' Verlag Louis Lamm, Berlin, 1916. Gedichte und Lieder von Dr. Mannheimer für die Soldaten- und Verwundetenabende zu Oldenburg. 2. vermehrte Auflage. Verlag Louis Lamm, Verlagsbuchhandlung, Berlin C, Neue Friedrichstraße. Das Vincenz-Lied. Nach dem von Rektor I. L. Schudt in feinen „Jüdischen Merkwürdigkeiten" (Frankfurt und Leipzig, 1714) aufgezeichneten „Vintz-Hanß-Lied". Metrisch ins Hochdeutsche übertragen von I. B. Levh. Mit zwei Bildern und einer Notenbeilage. Berlin 1916, Verlag von Louis Lamm. Die Polnische Judenfrage. Von Binjamin Segel, Lemberg. Verlag von Georg Stille, Berlin NW 7, Hofbuchhändler Seiner Kaiser!, und Königl. Hoheit des Kronprinzen. 1916. Covor, Sto Ga Je Drzao U Hramu. Prigodom Previsnjeg Rodjendana. God. 1915. Dr. Julije Diamant, Nadrabin u Vukovaru. Festrede zum allerhöchsten Geburtstage, gehalten am 18. August 1915 im Bethause des k. u. k. Epidemiespitals Nr. 1 in Brsadin von Dr. Julius Diamant, Oberrabbiner in Vukovar. Knjigotiskara Leopold H. Freund, Butovar. Das Judentum als wissenschaftliches Problem. Bon W. Staerk. Aus der Zeitschrift „Der Neue Merkur", Monatsschrift für geistiges Leben. 2. Jahrgang. 10. Heft. Bulletin Juif. Non periodi^pe. Adresse: „Bulletin Juif“, Imprimerie Fr. Ruedi, Lausanne, Junielles 3. Im Deutschen Reich. Zeitschrift des Zenlralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin, Januar/Februar 1916. 22. Jahrgang. Nr. 1/2. Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Zeitschrift für hebräische Bibliographie. Unter Mitwirkung namhafter Gelehrter herausgegeben von Dr. A. Fr ei mann. 18. Jahrgang. J'uli/Dezember. Nr. 4/6. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Prof. Dr. M. B r a n n. 59. Jahrgang. Neue Folge, 23. Jahrgang. . Breslau, Koebnerfche Verlagsbuchhandlung (Barasch u. Riesenseld). 1915. Quellenscheidung und Exegese im Pentateuch. Von B. Jacob. Leipzig 1916. Verlag von M. W. Kaufmann. Die Literarische Gesellschaft, Herausgegeben von der Literarischen Gesellschaft 31t Hamburg. Heft 3, Jahrgang 2. Gesammelte Schriften David Kaufmann, 3. Band, herausgegeben von M. B r a n n. Frankfurt a. M. Komnnssionsverlag von I. Kausfmann. 1915.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.