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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-17 · Heft 11 (17.3.1916) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 Lohn mit Freunden am 23. August 1838 die „Kupferhammer- Betriebsgesellschaft" zu Halberstadt mit 100 000 Talern Aktienkapital, eingeteilt in Aktien zu 100 Talern preußisch Kurant. Zu den Mitgründern gehörte der der Fanrilie befreundete Domherr Freiherr von Spiegel zum Desenberg, dessen Gechlecht noch heute im Braunschweigischen und in Westfalen «egtttert ist. Am 27. November 1841 war das für die damaige Zeit bedeutsame Walzwerk vollendet. Mit einem Brief vom genannten Tage, -datiert Jlsenburg aus dem Jahre 1841, gab -lron Hirsch dem verehrlichen Direktorium der Kupferhammer- Betriebsgesellschaft Kunde von der Inbetriebsetzung des Walzwerks. Charakteristisch für diesen Mann sind die einleitenden ind die Schlußworte dieses Schreibens. Der Brief beginnt: „Nachdem Gottlob nun das Ziel soweit erreicht ist, halte ich >üch verpflichtet. Ihnen, verehrte Herren, das bisherige Renltat mitzutei'len usw." und schließt mit den Worten: „So wird jetzt, wo mein Sohn mit Umsicht und Tatkraft >üt vorsteht, die Sache wohl gehen; der Lateiner sagt „Arbeite iud Bete", dies befolge ich und mein Sohn. So gehen wir jktrost und mit gutem Mut der Zukunft entgegen." Die Protokolle der Gesellschaft vom 23. August 1838 liegen >is zu ihrer Liquidation am 7. Juli 1891 vor und sind Dvkunente über die Entwicklung der Industrie im Konzern Aron ursch u. Sohn. Im Jahre 1842 starb, nur 60 Jahre alt, Aron Hirsch in oalberstadt, und das Geschäft wurde von seinen vier Söhnen, ein bereits genannten Joseph Hirsch und seinen ihm gleichgesinnten drei Brüdern Gustav Hirsch (gestorben 1898), Salouon Hirsch (gestorben 1859) und Siegmund Hirsch (gestorben 877) fortgesetzt und entwickelte sich im Laufe der Dezennien inmer mehr zu einem Unternehmen, das im Inland und lusland sowie überseeisch Metallhandel trieb und Metalludustrie förderte. Im Rahmen dieses Aussatzes würde es zu weit führen, ie Charaktereigenschaften eines jeden dieser vier Brüder äher zu beschreiben, und es soll nur gesagt werden, daß jeder er vier aus den verschiedensten Gebieten Hervorragendes geastet hat und daß sie sich in ihren Kreisen und im weiteren entschland der größten Wertschätzung erfreuten. Seit 1859 war der älteste Sohn von Joseph Hirsch, der :>10 verstorbene Kommerzienrat Benjamin Hirsch, mit für die tuternehmungen tätig, und mit seiner großen Tatkraft, geaart mit einem umfassenden Wissen, brachte er den Konzern ,i einer internationalen Bedeutung. Sein jüngerer Bruder iron Hirsch starb im Jahre 1880, nur 35 Jahre alt, nachdem r sich den Interessen des Jlsenburger Werkes während der tzten Jahre seines Lebens besonders gewidmet hatte. Den größten Fortschritt auf industriellem Gebiete bildete sn Jahre 1863 der Erwerb des Messingwerks bei Eberswalde om preußischen Staat, und dieses Unternehmen wurde bis Ulgust 1906 unter der Firma Aron Hirsch u. Sohn betrieben, "er vornehmlichste Leiter dieses märkischen Werkes war ülstav Hirsch, der seit 1869 in Berlin wohnte und später sein omizil nach dem Messingwerk verlegte. Gustav Hirsch, durch »d durch Industrieller, erkannte mit scharfem Blick die Anfällen der Zeit und war unermüdlich, um große Ziele zu erichen. Ihm verdanken es die Werke, in der Lage zu sein, ketalle zu den wichtigsten Produkten für Eisenbahn-, Heeresnd Marinezwecke verarbeiten zu können. Geschlechter gehen und kommen, und so vollzog es sich uch innerhalb der Familie Hirsch. Nach Gustav Hirsch' lode im Jahre 1898 übernahm Aron Siegmund Hirsch (der «veite Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Beruier jüdischen Gemeinde), der nach dem Ableben von Aron ü'seph Hirsch von Halberstadt aus die Leitung des Jlsenbuvger Werkes hatte, das Messingwerk bei Eberswalde und übersiedelte nach Berlin. In Halberstadt verblieben der unvergeßliche, 1913 verstorbene Stadtrat Gabriel Hirsch und die beiden ältesten Söhne von Benjamin Hirsch, die Doktoren Abraham und Emil Hirsch, und als jüngerer Mitinhaber Siegfried Gustav Hirsch: Die Verhältnisse brachten es mit sich, daß die Metallindustrie um die Jahrhundertwende einen großen Aufschwung nahm und die beiden industriellen Werke zu Messingwerk und Kupferwerk mit an führende Stelle brachten. Die Werke erfuhren Erweiterungen zu einer Metallgroßindustrie. Die Saat, welche Aron Hirsch-Göttingen und dessen Söhne gesät hatten, keimte weiter, und Kommerzienrat Benjamin Hirsch hatte noch das Glück, mit seinen Neffen und Söhnen diesen Aufschwung zu leiten. Da aber Hand in Hand damit auch der Aufstieg der Stammfirma in allen Teilen der Welt vor sich ging, entstand im Jahre 1906 die von Aron Hirsch-Göttingen im Jahre 1838 begründete Kupferhammer-Betriebsgesellschaft in einer neuen Rechtsforur als Hirsch, Kupfer- und Messingwerke-Aktiengesellschaft in Berlin und Halberstadt, welche die erheblich vergrößerten Werke bei Eberswalde und Jlsenburg umfaßte. Wenn auch die äußere Form verändert, der Kern ist der alte geblieben. Die Firma Aron Hirsch u. Sohn besitzt den weitaus größten Teil des Aktienkapitals, und die Leitung ruht in den Händen der Enkel, Urenkel und Ururenkel des Begründers; denn heute ist bereits der einzige Sohn von Aron Siegmund Hirsch, der junge Siegmund Hirsch, als hauptsächlichster Leiter des Messingwerks tätig. So hat der gelehrte Rabbi Aron Hirsch-Güttingen den Grundstein zu einem industriellen Unternehmen gelegt, das, in seinen Anfängen nach den Freiheitskriegen entstanden, dazu bestimmt war, im Weltkrieg 1914/16 mit in vorderster Reihe zu stehen, um Deutschlands Wehrmacht zu Wasser und zu Lande mit den zur Kriegsführung unerläßlichen Metallfabrikaten 31t versehen. Die Devise des Hauses war stets: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" A. K. Lnrk aus Msnaltir. monastir ist seit kurzem unser Quartier. Man kann es sich kaum besser wünschen. Nicht nur, weil man sich hier unter blauem Himmel von den Strapazen des serbischen Feldzuges erholen kann. Ich könnte mir keinen Platz denken, der mir willkommener gewesen wäre. Eine Fülle interessanter Menschen und Dinge bietet sich hier dein Auge des Fremden dar, und schwer fällt es, im Rahmen eines kurzen Briefes all das lviederzugeben, lvas des Erzählens wert wäre. Wer nach Monastir (bulgarisch Bitvlja) kommt, glaubt sich zuerst in ein zweites Babel versetzt. Unzählig sind die Sprachen, die hier gesprochen werden, und ich will nur als die hauptsächlichsten anführen: Bulgarisch, Serbisch, Türkisch, Griechisch, Albanisch, Kutzowallachisch, und endlich, was uns am meisten interessiert, — von den Juden Spaniolisch; seit der Besetzung wird jetzt natürlich auch viel Deutsch gesprochen, und wo es nicht anders geht, bedient man sich als Vermittlungssprache oft des Französischen. Nicht so zahlreich wie die Sprachen ist glücklicherweise die Anzahl der Nationen, die hier in sich geschlossen auftreten. Es sind deren vier: Bulgaren, Türken, Griechen und spaniolische Juden. Rein erhalten und wirklich rassenecht sind sicher nur die Türken und die Juden, bei denen schon allein das religiöse Verbot der Mischehe ein Aufgehen oder Vermengen in anderen Stämmen ausschließt. Es würde zu weit führen, an

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