Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Des Lebens Gut geborgen so Im engsten kleinsten Haus, Und meine Seele segelt froh In endlose Welten hinaus. „Des Lebens Gut geborgen so" — das ist jetzt der Inhalt seines Dichtens, der Inhalt seines Höffens. Träume und Märchen mischen sich wohl darin und die scharf gesehenen Bilder starker Balladen. Und Reisen — besonders an sein geliebtes Meer — geben den Börsen immer neue, wechselnde Farben. Das Schönste und Tiefste aber bleibt doch immer: „Des Lebens Gut geborgen jo". Nur — daß die Sehnsucht des Dichters niemals schlafen ging. Stille Inseln schwimmen im Meer, Wvlkeninseln ziehen darüber her. Unten leuchtet hell die Dünenwand, Oben glüht der Sonne letzter Brand. Zwischen beiden, wie der Sehnsucht Zug, Auf und nieder einer Möwe Flug. Das ist Loewenberg in seiner letzten und schönsten Sammlung „Bon Strand und Straße". Und noch einmal sage ich es: er ist darin still und sein, ohne Künstelei, ohne Phrase. Und daraum braucht es auch keiner großen Untersuchung über die Mittel seiner Kunst. Wenn bei Theodor Sturm der Poeta iaureatus sprach: Es sei die Form ein Goldgefäß, In das man goldnen Inhalt gießt, . so antwortet Loewenberg mit dem großen Husumer Dichter: Die Form ist nichts als der Contur, Der den lebendigen Leib umschließt. Aufgehen der Form in seinem Inhalt, Hervorwachsen der einen mit dem anderen aus dem natürlichen Empfinden: das ist Loewenbergs Regelheft. — Das Wunderbare ist nur, daß ■ er danach zu schaffen verstand, und Dutzende wohlbekannter Dichter verstehen es nicht. So schließt bis heute die Entwicklung von Loewenbergs Lyrik. Der Frieden seines Herzens und seines Hauses führte ihn zu der Höhe reifer, geruhiger Kunst. Was noch an Sturm iu ihm war, das mußte sich jetzt hinausrellen in Epos und Drama. Und so schuf er in den letzten Jahren aus altenglischer Königssage ein Schauspiel, dessen Kraft und Schönheit alle entzücken wird, wenn er es einst der Oefsenllichkeit übergibt. Und ebenso vollendete er im Frieden, was er einst in Zerrissenheit und Kampf begann: seinen Lebe ns - io man „Aus zwei Quelle n", ein Werk, groß gesehen und mit seiner Kunst ausgeführt, reich au wirklichem Erleben, farbig in der Schilderung und vor allem geschöpft aus dem tiefsten Innern einer feinen Dichterseele. Nur — Gott Lob! .- in einem Einzigen nicht! Ta wnchs nämlich das Leben über die Dichtung hinaus. Was dort tragischer Konflikt geblieben war, in der Wirklichkeit löste es sich in edelster Harmonie. Die zwei Quellen seines Lebens strömten fortan, zu einem Flusse vereint, ruhig und kraftvoll dahin. In seinem Leben wie in seiner Kunst verschmolzen edelstes Judentum und warmherzigstes Deutschtum zu feinstem klingenden Glockenmetall. Das aber - meine ich — ist der Wunder größtes und schönstes, wenn — nach dem Goetheschen Ideal — lebenswarmes Menschentum zu voller A u s g e g l i ch e n h e i t e m p o r w ä ch st. Und darum, wenn über unser Deutschland endlich der Frieden kommt und es Wunden zu heilen, Zwiespalt zu lösen >md viel, viel Neues aufzubauen gibt, dann soll Jakob Loewenberg als Mensch und Dichter zu uns reden; dann soll er unter unseren Führern sein! Aron tzirlch-Göltinsen und lrmr Aachkommen. ie industriellen Betriebe Deutschlands haben während dieses Weltkrieges reichlich Gelegenheit gehabt, zum Ruhme des Vaterlandes beizutragcn und Heer und Marine mit denjenigen Fabrikaten zu versehen, die im wesentlichen zum Erfolg führten. Auch jüdische Männer haben ans vielen Gebieten Erfolgreiches geleistet, um unsere militärischen und wirtschaftlichen Rüstungen zu vervollkommnen. Diese haben freilich nicht als Juden gehandelt und gewirkt; sie erfüllten lediglich als Staatsbürger ihre Pflicht, um mit dem gesamten Deutschland alles auszubieten, durchzuhalten, bis nach beendigtem siegreichen Kriege unser Vaterland sich die Stellung errungen haben wird, die im kommenden Frieden Deutschlands Wirtschaftsleben zu neuen Erfolgen führen wird. Folgende der Familie Hirsch (Halberstadt) sowie der Friedens- und Kriegsindustrie ihres Konzerns gewidmeten Ausführungen zeigen nicht nur, wie sich ein Industriezweig innerhalb einer deutsch-jüdischen Familie aus kleinen Anfängen zu großer Bedeutung entwickelt hat, sondern sie bilden auch einen Beitrag zu der noch zu schreibenden Geschichte über den Anteil der Juden an der deutschen Industrie. * Im Jahre 1805 begründete Aron Hirsch, genannt Rabbi Aron Göttingen, da seine Vorfahren aus Göttingen stammten, die Firma Aron Hirsch u. Sohn und legte auch damit den Grundstein zu den industriellen Werken des Konzerns, die seit dem Jahre 1906 unter der Firma „Hirsch, Kupfer- und Messingwerke Aktiengesellschaft in Berlin und Halberstadt" mit dem Ales singwerk bei Ebersw älde und dem Kupferwerl bei Jlsenburg a. Harz bekannt sind. Der Begründer des Unternehmens, ein großer Talmudist, von dem hervorragende talmudische Abhandlungen noch heute im Blanuskript vorhanden sind, wollte von Haus aus nur Handel in alten und neuen Metallen betreiben, erkannte aber schon nach den Freiheitskriegen, daß ein ersprießlicher Handel nur mit gleichzeitiger Industrie zu einem Erfolg führen kann. Die ersten Anregungen kamen ihm zweifelsohne durch die Bergwerke des Halberstadt benachbarten Harzes und die damaligen Eisenwerke in Rübeland und Thale i. Harz. Aron Hirsch war zeitweilig Faktor (Verkaufsagent) des Thalenser Unternehmens, des noch heute blühenden Eisenhüttenwerks Thale. Um etwa 1820 betrieb er vorübergehend einen kleinen Kupferschmiedehammer bei Werne in der Nähe von Ellrich im Südharz, und gegen Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts erwarb er den Kupferhammer unterhalb Jlsenburg a. Harz (das heulige Kupferwerk Jlsenburg), welcher nach einer noch vorhandenen Urkunde vom 26. August 1595 von Wolf Ernst Graf zu Stollberg und Hohnstein seinem Untertan Jochim Delitzsch, Kupferschmied, als Kupferhammer zu betreiben privilegiert wurde. Der Gelehrte Aron Hirsch wandte nun seine ganze Energie auf, das Jlsenburger Unternehmen zu fördern und im Verein mit seinem Sohne, dem späteren Kommerzienrat Joseph Hirsch, gestorben 1871 zu Halberstadt, es zu einem der ersten in Deutschland vorhandenen Kupferwalzwerke auszubauen. Der älteren Generation wird der Name des genannten Kommerzienrats Joseph Hirsch noch geläufig sein. Er war in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine außerordentlich prominente Persönlichkeit und durch sein segensreiches Wirken in allen jüdischen und nichtjüdischen Kreisen bekannt. Mit dem Bau des Walzwerks war der Uebergang zu einer größeren Industrie geschaffen. Um aber das begonnene Werk in größerem Umfange auszubauen, begründeten Vater und