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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-17 · Heft 11 (17.3.1916) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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Vesten vielleicht ein SichabschließeN gegen die Borsgenossen. In anderem aber wieder ein Darübersort, ein Hinauswollen aus der Kleinheit, aus der Enge. — Und wiederum: durch das Aufgehen ineinander: ein warmes, weiches, manchmal vielleicht allzu weiches Empfinden. — Durch das Hinauswollen: drängender Bildungstrieb. — Durch die Ehrfurcht vor den Eltern: auch Ehrfurcht vor alten lieben Gebräuchen. — Durch die Liebe zu der Familie: auch treue Liebe zu den frommen Festen der Väter und Urgroßväter. Wenn unter den Jugendgedichten Loewenbergs die schönsten dem Vater und der Mutter und gar ein ganzer Kranz von Versen dem Andenken der verstorbenen Schwester gewidmet sind, so ist das gewiß kein Zufall. Das Herdfeuer des Elternhauses war für den beschaulichen Knaben und Jüngling das Teuerste und Heiligste. Zugleich aber wärmte sich auch seine junge Kunst die Hände daran. Und wieder ist es natürlich, daß sie den jungen Poeten in dieser Umgebung vornehmlich zum Lyriker werden ließ. Frühreifes Empsindungsleben suchte nach dem natürlichsten Ausdruck. Als der Heranwachsende Jüngling sein ihm lieb gewordenes Dorf verließ, da war es, als strömten chm die zwei Lebensquellen nach. Im Seminar der Marx-Haindorfs-, Stiftung zu Münster ward ihm die Kraft und Schönheit des Alten Testaments so gut wie der ganze Reichtum deutscher Sage und Dichtung erschlossen. Er umfaßte beide mit gleicher Liebe. Und — eine so natürliche Folge — in den Balladen seiner Jugendzeit steht I u d a, d e r Makkabäer neben Königin Hel che und König Roth er. Und neben dem Rabbi, der sich für die Gemeinde opfert, der Friese I e n s L ü n g. Der kaum Achtzehnjährige wurde dann Lehrer. Da hielt ihn die gern getragene Bürde und Würde seines frühen Amtes in engstem Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinde. — Der Heidelberger Student wiederum trat an die Seite christlicher Freunde und' wählte sich gerade die deutscheste Wissenschaft: das Studium germanischen Altertums und deutscher Literatur. Und als Loewenberg dann — zum Doktor promoviert — ins Ausland ging, brauchte er selbst in Frankreich und England nicht ganz zu entbehren, was sein Leben reich gemacht hatte. Das Haus des alten Achtundvierzigers Eugen Oswald in London gab ihm mehr als französischer Esprit und englische Sitte. Erst nach seiner Rückkehr aus England suchte Loewenberg nach einem festen Wohnsitz. Lange Wanderjahre lagen hinter ihm. Später als andere kam er, der so früh schon selbständig gewesen war, zu Ziel und Rast. In der Nähe seines geliebten Meeres, hier in Hamburg, ließ er sich nieder und fand hier — freilich erst nach manchen Kämpfen — fröhliche Arbeit und ein eigenes Heim. Jakob Loewenberg wohnte damals, im Anfang seiner Hamburger Zeit, in einem hochgelegenen Zimmer, dessen Fenster ihm einen weiten Blick über den Hafen gewährte. Und do t — so erzählte er mir — stand er oft stundenlang und sah d e Schiffe hinein und hinaus fahren. Und bald gab es keim., Schiffstyp, den er nicht kannte. Bald erzählte ihm jede Flagc e am Mast, welchem Eigentümer und welcher Nation ei , Dampfer oder Segler gehörte und wohin er fuhr, woher n kam. Und draußen unter den Stauern und Werftarbeiter, hörte er sich um. Und von den Matrosen ließ er sich berichte,. Sein scharf beobachtendes Auge hatte bald herausgesunde:, was der alten Hansastadt ihre Besonderheit gab, und sei > warmes Herz umfaßte mit bewundernder Liebe die ne, e Heimat. Es war aber damals — zu Ende der achtziger, Anfang d« r neunziger Jahre — die Zeit der großen literarischen Rev, - lution. Die Jugend suchte na h neuen Motiven, nach neuen Fo - men. Ibsens und Hauptmam Dramen wurden damals zuerst in Deutschland gespielt; Zolas ui, > Tolstois Romane fanden b. geisterte Nachahmer. Da blie > auch Jakob Loewenberg von de Bewegung des Naturalismus niä unbeeinflußt. Er schrieb damal — nach der Mode der Zeit - seine Klein-Leute-Erzählung ui«' holte sich den Stoff dazu aus alle nächster Nachbarschaft, aus de , Gängen und Höfen. Aber war es wirklich nn; das Nachgeben gegen eine Stri mung der literarischen Mod. was Loewenberg zu diesem Stof? führte? Ein Nachahmen der Ho; und Schlaf und Kretzer? I,, glaube es nicht. Gerade b, Loewenberg lagen die Grünt ’ tiefer. Wie wir gesehen habe,, wohnte er ja damals in der Näl jener Gänge und Höfe. Da Milieu drängte sich ihm sörmli« > auf. Dann aber das Wichtiger,' Wenn eine derartige Stoffwal l bei manch anderen Dicht« jener Zeit nichts weiter a:• Modelaune war: bei Loewenbei i entspracht sie seinem soziale, Empfinden. Loewenberg h t immer mit denen gefühlt, d e im Schatten wohnen. Sei, e Neuen Gedichte und sein Novellenband „Still: Helden" sind Zeugnis davon. Das soziale Gewiffen, die Bereitschaft, jederzeit Hand a> zulegen, hat nie in Jakob Loewenberg geschlafen. Wie sich d> - in seiner politischen Tätigkeit zeigte, brauche > wir nicht zu berühren. Wie es sich in seinem Privatlebe > offenbarte, dürfen wir hier nicht einmal streifen. Nr von einer Liebestat muß ich sprechen, weil s i e ihm die Ai regung zu einem Gedicht, zu der kleinen Erzählung „Moje und zu dem wirksamen Schlüsse seines Romans gegeben ha Als im glühend-heißen Sommer 1892 das grauenvoll' gespenstische Weib, die Cholera, durch die Gänge und Hü: schritt, da ist Loewenberg nicht, wie so viele, angstvoll davoi geschlichen, sondern ist dem Grauen nachgegangen in du' engsten Höfe und schmälsten Gänge hinein und hat die Opß > herausgeholt und die Kranken gepflegt und für die Gesunder, Dr. Jakob Loewenberg geboren am 9. März J856.

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