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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-17 · Heft 11 (17.3.1916) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Wir glauben an den Fortschritt des Guten und der Wahrheit, weil dieser in dem bisherigen Verlauf der Geschichte sich offenbar vollzogen; wir glauben an den Sieg des Guten, weil das Böse notwendig eine Disharmonie schafft, an der es zugrunde gehen muß. Mein dieser Sieg der Wahrheit und des Guten darf keineswegs dahin verstanden werden, als könnte die wirkende Macht der Wahrheit und des Guten ohne Kampf sich selbst die Bahn brechen. Die rauhe Wirklichkeit zeugt gegen diese idealistische ° Ansicht. Die Geburt des Rechtes ist von heftigen Wehen begleitet. Alle großen Errungenschaften, welche die Geschichte zu registrieren hat, sind erst auf dem Wege langen und heftigen Kampfes gewonnen worden. Die Gerechtigkeit wird daher symbolisch nicht nur mit der Wage, sondern auch mit dem Schwert dargestellt. Wohl durchzieht das gesamte alte jüdische Schrifttum eine tröstliche Verheißung von einem zukünftigen goldenen Zeitalter der Menschheit, wo Wahrheit und Gerechtigkeit aus Erden herrschen werden; jedoch sollen wir diese glorreiche Zeit nicht etwa schmerzlos und tatenlos in die Wirklichkeit treten sehen, sondern erst durch lange und schwere Kämpfe soll dieser Sieg der Wahrheit und des Guten vorbereitet werden. Denn solange der Mensch auf Erden lebt, ist es seine Aufgabe, um Wahrheit und Recht zu kämpfen, wenn auch der Friede als letztes Ziel ihm immer vorschwebt. Str Woche. Berlin, den 14. März 1916. aß nun auch Portugal offiziell zu unseren Feinden gezählt wird, wird niemanden wundern; denn inoffiziell war es unser Feind schon lange, und die Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die portugiesische Negierung war ein allem Völkerrecht so widerstrebender Akt, daß der deutschen Regierung nichts anderes übrig blieb, als ihren Gesandten in Lissabon zu veranlassen, seine Pässe zu nehmen und dem portugiesischen Gesandten in Berlin seine Pässe zuzustellen. Einen sonderlichen Einfluß auf die Entwicklung des Krieges dürfte dieser Zuwachs unserer Feinde nicht üben. Es ist im Grunde gar keine Vermehrung unserer Gegner, da Portugals — eines reinen Vasallenstaates Englands — Haltung gegen uns schon längst eine unzuverlässige, wenn nicht geradezu feindselige war. Weit unangenehmer ist unser Verhältnis zu Amerika. Zu einem Bruch ist es bisher über die schon in der letzten Uebersicht erwähnte Frage der bewaffneten Handelsschiffe noch nicht gekommen, die Verhandlungen schweben noch. Die deutsche Regierung ist bereit, die deutschen Unterseeboote nach den Bestimmungen des Völkerrechts handeln zu lassen, wenn England sich diesen Bestimmungen gleichfalls fügt; eine beträchtliche Zahl der amerikanischen Abgeordneten scheint ans dem Standpunkt zu stehen, den Wünschen der deutschen Regierung zu willfahren, dadurch daß sie die Amerikaner vor der Benutzung.solcher Handelsschiffe warnen. Der Präsident da-., gegen und der Staatssekretär Lansing stehen auf dem ent-, gegengesetzten Standpunkt. Eine Entscheidung ist bisher noch, nicht getroffen. Daher darf man sich wohl der Hoffnung hingeben, daß wir Amerika nicht in der Reihe unserer offenen Feinde sehen. Während wir es ja schon seit langer Zeit beklagen müssen, daß es zu unseren heimlichen Feinden gehört," indem es unsere Widersacher mit allem möglichen Kriegs-; material in ungeheuerlicher Weise versorgt. Unsere großen, schönen Erfolge im Westen halten an,, wenn es-auch gelegentlich an kleinen, unangenehmen Rück- , schlügen nicht fehlt. Schon drei Wochen dauert das furchtbare >-. Ringen. Daß der Fall von Verdun nicht in wenigen Tagen zu bewirken war, sah jeder voraus, und auch heute steht der Fall der Stadt gewiß nicht unmittelbar bevor. Die Franzosen, die sich hier wie in allen anderen Schlachten tapfer und unerschrocken beweisen, machen die verzweifeltsten Anstrengungen. Die wirklich ernsten unter den französischen Politikern, z. B. Gustave Herv«, erkennen das Bedrohliche der Lage und gestehen offen die ungeheure Stoßkraft, die Energie und das zielbewusste, großzügige Handeln des deutschen Gcneralstabes ein, während die zahlreichen Unbesonnenen unter ihnen, daneben auch die Engländer, die deutschen Erfolge trotz der großen Zahl der Gefangenen (bisher über 28 000) und trotz der ungemein stattlichen Beute als eine Kleinigkeit zu belächeln, die früher als uneinnehmbar gepriesene Festung nun als einen vorgeschobenen und gleichgültigen Posten darzustellen den traurigen Mut haben und immer noch triumhierend ausrufen, daß alle solchen kleinen Vorteile, die sie ja nicht ganz in Abrede zu stellen vermögen, vor der großen Frühjahrsoffensive der Westmächtc zerfallen werden. Das Frühjahr naht, allerdings nur dem Kalender nach — denn sonst sieht es, wenigstens in Norddeutschland, noch gar nicht lenzmäßig aus —, aber außer leeren Worten und Beglückwünschungen hört man ans dem Westen nichts. Von England wird die begrohlich klinacnde Mitteilung verbreitet, daß das englische Heer auf 4 Millionen gebracht worden ist, eine Nachricht, die uns freilich nicht allzusehr zu erschrecke» braucht. Ganz gewiß nicht bedrohlich, ist die Kunde, das; sowohl der französische als der italienische Kriegsminister ihren Posten verlassen. Denn ein solcher Rücktritt der verantwortlichen Leiter beweist deutlicher als alle Zugeständnisse unserer Fortschritte, daß die Feinde selbst ihre Sache für recht faul ansehen und auf immer neue Mittel sinnen, immer neue Männer erküren, um endlich zu einem Erfolge, der ihnen bisher völlig versagt geblieben ist, zu gelangen. Wir vertrauen, wie wir es nun seit 19 Monaten tun, auch weiter unentwegt aus die Gerechtigkeit unserer Sache und hören nicht auf zu hoffen, daß in absehbarer Zeit uns der Sieg und damit der Friede beschieden sei. * Die neue deutsche Kriegsanleihe wird schon jetzt, wie aus den Zeitungsnotizen hervorgeht, in sehr namhaften Beträgen gezeichnet, und man darf erwarten, daß die Opferfrcudigkeit und das Pflichtbewusstsein der Daheimgebliebenen sich wiederum bewähren werden. Denn überall ist die richtige Erkenntnis verbreitet, daß Opfer gebracht werden müssen, und es ist wahrlich für die, die bequem zu .Hause leben, das kleinste Opfer, nämlich Geld. Keiner darf sich schrecken lassen durch die Aussicht aus die ungeheuren Zinsen, die ausgebracht werden müssen, durch die großen und zum Teil sehr verhängnisvollen Steuerpläne, die dem preußischen Landtage und dem Reichstage vorgelegt werden; ein.Volk, das seinen Mut und seine Tatkraft aus dem Schlachtselde so glänzend gewährt hat, wird und muß alle Entbehrungen tragen, die ihm durch diese Abgaben auferlegt werden und werden müssen zum Heile und zur Rettung des Vaterlandes. . * Durch die Zeitungen geht folgende Notiz, die wir einstweilen ohne Kommentar -wiedergeben, indem wir uns Vorbehalten, auf den die kurze Mitteilung enthaltenden Aufsatz demnächst ausführlicher zurückzukommen. Ein Lehrstuhl s ü r. j ü d i>s che.;2Ö istse ns chn fst. . - Eine Anzahl von Gelehrten iw akademischen Lehramt hat, wie nur hören, vor kurzem dem Preußischen Kultusminister die Bitte vörgetragen, demnächst einen Lehrstuhl für jüdische) Wissenschaft zu begründen. Besonders auf eine Einfügung ln die philosophische Fakultät der jüngsten preußischen Hochschule, der von Frankfurt a. M., wurde hingedeutet. Die Aufgaben eines solchen Lehrstuhles ninschreibt jetz! Professor Willy Staerk, der Ordinarius der alttestamentllchen Philologie an der Jenaer Universität, im letzten Hefte des „Neuen Merkur".

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