Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1916)
- Date
- 1916-03-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Lehrkräfte geltenden Grundsätze weiter zu bewilligen. Zum Schluß dankte Herr Dr. Lavh dem Vorstand und Herr Direktor Dr. Minden den Repräsentanten für ihr mutiges Ausharren in der anstrengenden Arbeit der Gegenwart. 22 Berlin, 7. März. Jüdischen Lehrern, die ein über die Bedürfnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen auf dem Gebiete der Neligivnswissenschäften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer von: Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den gewünschten Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, die jährlich im März und September stattfindet, erstreckt sich aus folgende Gebiete: Methodik, biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Religionslehre, Neligivnsphilosophie und Einleitnngswissenschaft. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten: An den Schu ln u d Tal m nd - T h ora - B o r st a n d der jüdischen Gemeinde, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 29. Interessenten wird auf Ersuchen Abdruck des Prüfungsreglements verabfolgt. M. h. Berlin, 7. Rlärz. Mit einem atlsgeloähltett Programm h*nt der V e r e i n z u r P f l e g e h e b r ä i s ch c r G e s ä u g >e iu der verflossenen Woche Nu oder an die Oeffentlichkeit. Herr Albert Keller mann hat es verstanden, sich durch seine künstlerischen Eigenschaften sowohl als Komponist und Bearbeiter alter Melodien lvie als Chorleiter einen hervorragenden Platz int Berliner Musik-- l^ben zu sichern. Dank seiner rastlosen Arbeit steht heute der Chor ans einer solchen Höhe, daß er den Vergleich mit den besten Konzertchören in Ehren bestehen kann. So stolz der Chor auf seinen Führer sein kann, so stolz kann Herr Kellertnann aber auch auf seinen Chor seitr. Welch eine Fülle von Arbeit, vor allem von künstlerischer Jntelligenz steckt darin, tun diese feinen Abtönungen bei sauberster Intonation herauszuarbeiten; und welche restlose Hingabe der Mitwirkenden ist nötig, um dem Führer die gesteckten Ziele zu ermöglichen. Gleich der erste Chorgesang von Nossi (ans den: Ende des 16. Jahrhunderts) bewies dies. Neben dem historischen Interesse entsprach der musikalische Inhalt dieses Adon olom sehr hohen Ansprüchen.' Die Chorsätze von Sulzer und besonders die Vertonung des Psalms 115 von A. SlcII-mttmtit waren voll packender Kraft und dramatischer Steigerung. Sehr originell klangen die sogenannten sephnrdischen Gesänge. Scheinbar monoton, ganz im Stile der wenig modnlationssähigen orientalischen Musik, spiegelten sie ein Stück Kultur getreu ander. Das Heranziehen der Orgel mit unaufdringlicher origineller Untermalung machte diese etwas fremde Kost auch dem Westeuropäer schmackhaft. Daß Herr Professor I r r g a n g unermüdlich und meisterhaft — wie immer — den Orgelpart den Abend dnrchführte, erhöhte nur den künstlerischen Eindruck, den das Konzert als Ganzes machte. Die übrigen Solisten waren Herr Josef Schwarz ilnd der Cellist Felix Robert Mendelssohn. Herr Schtvarz, der „Vielberühmte", hat eine Orgel in der Kehle und besitzt eine Seele, die die Gabe hat, jedes gesungene Wort zu adeln-. Da noch ein mäch!- tiges technisches Können hinzukonunt, so ist eben der „gottbegnadete" Sänger und Künstler fertig. Er sang neben 'wertvollen Kompositionen von H. Hermann (Psalm 126) und M. Stange (aus Jesaia 57) das Solo in dem schon oben angeführten Psalm 115 mit Chor von Kellermann, das lauten Beifall anslöste. Nach den: Kol ttidr-e in der Bearbeitung von Lewandowsky mit Cello und Orgelbegleitung setzte aber ein nicht endenwollender orkanartiger Applaus ein. Aus dem Herzen tonunend, zum Herzett gehend, das war der allgemeine Eindrtlck, unter dem jener Beifall, der zu einer Huldigung wurde, entstand. Dem jungen hochbegabten Cellisten Felix Rob. Mendelssohn, welcher außerdem zwei hebräische Melodien von Kellertnann sehr wirkungsvoll ztmt Vortrag brachte, galt ein Teil der Ovationen mit, und dies mit Recht. Dem jungen Künstler, der sich so sieghaft neben der anerkannten Größe behauptete, winkt hoffentlich eine erfolgreiche Zukunft. Den Schluß des wohlgelnngenen Konzertes bildeten einige Stücke Hausmusik in der Bearbeitung vott Kellertnann. Lieblich und eittfach klangen sie. Man' sah im Geiste feingestitntnte jüdische Familien, die zusannnenkommett, mit sich den Feiertag heiter, künstlerisch und voller Jttnigkeit zu gestalten. Hoffentlich hat dies schöne Konzert dent Verein viele ttene Freunde zngeführt. — Königsberg i. Pr., 3. März. Eine zahlreiche Trauervorsammlung hatte sich am- 22. v. M. zum letzten Abschiednehmen von dem verstorbeneu Stadtrat a. D. ltnb Kauftnann L. 91 dam - s o h n in dessen Heim in der Vorderen Vorstadt eingefnnden. Den Etttschlafenen, der sich die Achtung weiter Kreise der Bürgerschaft in selten reichem Maße zu erwerben verstanden hatte, schmückte ein Fülle kostbarer Blumenspeuden. Magistrat -und Stadtverordnet waren zahlreich vertreten, die Kaufmannschaft und der Männer turn-verein, dessen Durn-r-at A. lange Jahre angehört hatte. Diwarnt entpfundene Gedächtttisrede hielt nach einem auf dem Har mo-nium gestiebten Largo von Händel Rabbiner Dr. Vogel st c i tt. Einen Mann der Arbeit habe der Tod allzufrüh dahin gerafft. Nach achtzehn Monaten schweren Ringens gegen die über mächtige Gewalt der Krankheit habe erst die Kraft des Körpergebrochen werden können. Gin vorbildlicher Charakter voll echte; Bürgertugenden sei dahingeschieden, von strenger Rechtschaffenheit dessen Sinn auf das Höchste gerichtet war, frei von jeder Selbst sucht, voll Idealismus. Groß und unerschütterlich sei seine Lieb zu seiner Heimatstadt gewesen, an der er mit allen Fasern seine- Herzens gehangen hat. Makellose Lauterkeit des Charakters Hab einen hervorstechenden Zug des Verklärten gebildet, und treu sei e. seinen zahlreichen Freunden mit Rat und Tat bis zum letzte; Atemzuge gewesen, danebenvoller Tatkraft und Entschl-ossetthei und echter Herzensgüte. Mit Trostesworten an die Gattin, ttti der der Verewigte volle 40 Jahre in innigster Gemeinschaft gelebt und an die übrigen Hinterbliebenen schloß die Ansprache. Ober bürgermeister Dr. Körte legte einen mächtigen, mit den Farben der Stadt! gezierten Lorbeerkranz nieder. Der Bortrag des Chorals „Es ist bestimmt in Gottes Rat" beendete die Trauerfeier. W. Posen, 3. März. In der dieser Tage stattgehabten ersten Sitzung der Repräsentantenversammlnng fand die Einführung der für eine vom 1. Januar d. I. ab laufende sechsjährige Amts Periode gewählten Repräsentanten und Stellvertreter durch den Abgeordneten der Aufsichtsbehörde statt. Im Anschluß an die Ein. führung erfolgte die Neukonstituterung des Repräsentanten kollegiums für das laufende Kalenderjahr. Es wurden hierbei gewählt: Geheimer Kommerzienrat Herz zum Vorsitzenden, Kaufmann Manasse Werner zum stellvertretenden Vorsitzenden. Justizrab Dr. Ka-empfer zum Schriftführer, Kaufmann Abr N e u m a r k zum stellvertretenden Schriftführer. Aus der von der nenkonstituierten Versammlung vorgenommenen Ergänzungswahl für den Gemeindcvorstand gingen hervor als wiedergewähl- Bankdirektor G o l d s ch m i d t, Geheimer Justrzrat S a l o m o tt, Rentier Salo Gell e r t und als neugewählt Kaufmann Pincus Pleßner, sämtliche für eine sechsjährige Amtsperiode. •### Breslau, 3. März. Dem soeben erschienenen Bericht über die Tätigkeit des I ü d i s ch - l i b e r a l c n I n g e n d v e r e i n s entnehmen wir folgende Angaben: Aus der Reihe der im Felde stehettden Vereinsbrüder starben den Heldentod das Vorstandsmitglied Herr Kurt F a b i s ch und Herr Herbert M e t h. Herr Fabisch, der mit zu den Begründern der Jugendorganisation gehörte, war ein leuchtendes Beispiel treuester Pflichterfüllung. Durch regste Anteilnahme an allen Arbeiten der Organisation suchte er die Ideale des liberalen Judentums zu verwirklichen. Der Verein betrauert ferner das Hinscheiden des außerordentlichen Mitgliedes Herrn Siegfried L a q u e u r, dessen Tod für den Verein einen schmerzlichen Verlust bedeutet. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1916: 191; gegenwärtig 232, nämlich 186 ordentliche und 46 außerordentliche Mitglieder. Die Zahl der außerhalb Breslaus wohnenden Mitglieder beträgt 13. Der Verein unterhält mit seinen 81 Feldgrauen einen regen Briefwechsel. Liebesgaben konnte er ihnen viermal zukommen lassen; die für die vierte Sendung veranstaltete Sammlung in Mitgliederkreisen hat ein günstiges Ergebnis gezeitigt. Trotz der großen Schwierigkeiten, die der Krieg hervorrief, ist die Vereinstätigkeit in vollem Umfange aufrechterhalten worden. Der Verein veranstaltete im Berichtsjahre elf wissenschaftliche Vorträge, einen musikalisch-deklamatorischen Abend und eine Chanukafeier, die von 225 Personen besucht war. Die Festansprache hielt Herr Rabbiner Professor Dr. Gnttrnann. Der Wunsch eines großen Teiles der Mitglieder, sich eingehender mit wichtigen Problemen des Judentums zu beschäftigen, veranlaßte die Leitung eine Diskusfionsabteilung zu gründen, die sich gut bewährt hat. Unter der Leituttg des Herrn Rabbiner Dr. Goldmann, Oppeln, fanden zwölf Diskussionsabende statt, an denen verschiedene Themen zttr Erörterung gelattgten. Die finanzielle Sicherstellung dieser Gruppe wurde durch eitte hochherzige Spende eines attßerordentlichen Mitgliedes, des Herrn Fabrikbesitzers John Levr, ermöglicht. "In"der"General-