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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-10 · Heft 10 (10.3.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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S;). Jahrgang Nr. 10 Berlin, 10. März 1916 Der Oemeiridevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung drF Judentums". Lklchnet die vierte lkriegsanleihe! us deutsche Heer und das deutsche Volk haben -eine Zeit gewaltiger Leistungen hinter sich. Tie Waffen aus Stahl und die iberuen Kugeln haben das Ihre getan, dem Wahn der Feinde, das; Deutschland vernichtet werden könne, ein Ende zu bereiten. Auch er englische Aushungerungsplan ist gescheitert. Im zwanzigsten criegsmonat sehen die Gegner ihre Wünsche in nebelhafte Ferne ntrückt. Ihre letzte Hoffnung ist noch die Zeit; sie glauben, daß die umtschen Finanzen nicht so lange standhalten werden wie die Vermögen Englands, Frankreichs und Rußlands. Das Ergebnis der üerten deutschen Kriegsanleihe muß und wird ihnen die richtige 'lntwort geben. Jede der drei ersten Kriegsanleihen war ein Triumph des Tentchen Reiches, eine schwere Enttäuschung--der Feinde. Jetzt gi lt es Ulfs neue, gegen die Lüge von der Erschöpfung und Kriegsmüdigkeit Deutschlands mit wirksamer Waffe anzugehen. So wie der Krieger int Felde sein Leben au die Verteidigung des Vaterlandes setzt, so muß der Bürger zu Hause sein Erspartes dem Reich darbringen, am die Fortsetzung des Krieges bis zum siegreichen Ende zu ermöglichen. Tie vierte deutsche Kriegsanleihe, die laut Bekanntmachung?es Reichsbankdirektoriums soeben zur Zeichnung aufgelegt wird, muß der große deutsche Frtthjahrssieg auf dem finanziellen Schlachtfelde werden. Bleibe keiner zurück! Auch der kleinste Betrag ist nützlich' Tas Geld ist unbedingt sicher und hochverzinslich angelegt. E. Ja. Berlin, 5. März. In der heutigen Sitzung der Repräs e n t a n t e n o e r s a m m l u n g widmete nach Verlesung des Protokolls der letzten öffentlichen Sitzung der Vorsitzende, Herr Direktor Tr. Minden, dem kürzlich verstorbenen Geheimrat Tr. Julius B l u m euth n I einen warm empfundenen Nachruf: 28 Jahre Oabe der Entschlafene der Versammlung als Mitglied augehört. Obwohl seit Wochen schwer leidend, habe er doch einen Teil üiner Funktionen beibehalten. Am 2. Mürz wäre er 8 0 Jahre alt geworden. Tie Feier dieses Tages fei ihm leider nicht vergönnt gewesen. In Sachen der Religion dem konservativen Standpunkt huldigend, war er sonst ein Sohn des 19. Jahrhunderts. Er hatte sich aus vielen Gebieten der Wohltätigkeit, ganz besonders der jüdischen Glaubeusge.meiuschaft betätigt. Er Hatto ein heiteres Temperament, das ihm viele Freunde verschaffte, lins wird er stets in lebhaftem Andenken bleiben! Sodann beschließt die Versammlung die Annahme folgender Zuwendungen: 10 000 Mark von Frau Margarete Sommerfeld' geb. Pinkuß zur Grabeserhaltung: die Herren Leopold Salinaer und Leopold Feig haben zur Unterstützung weiblicher bedürftiger Personen jüdischen Glaubens über -"»0 Jahre 5-300 Mark gespendet, Herr Hugo Weigert für Gescheute au jüngere Waisenkinder JOOO Mark, Herr Georg Leichteutritt zur Erlwhung der Frau-Ktara-Leichtentritt-geb.-Kilttiier-Skiftuug 2000 Mark, Herr Isidor Hirsch für eine Zimmerstiftung in der Altersversorgnugsaustalk 12 600 Mark. — Hierauf verliest Herr L ew i u s k i den Entwurf des Haushaltsetaks der jüdischen Gemeinde zu Berlin für die Zeit vom l. April 1916 bis 31. März 1910. Ter Vorstand teilt folgendes mit: Mit Rücksicht auf die -gegenwärtigen außergewöhnlichen Verhältnisse gäbe er sich vor Beginn der diesmaligen Etatsberatungen die Frage vorgelegt, ob es sich empfiehlt, jetzt einen Etat in üblicher Weise aufzu- 'tellen. Durch den Krieg lverden iu den meisten Zweigen der Verwaltung besondere Ausgaben hervoraerufeu, deren Höhe im einzelnen nicht zu übersehen ist. Es handelt sich dabei besonders um die durch die allgemeine Teuerung hervoraerufeue Steigerung der Ausgaben. Dazu kommt die durch teilweise verschlechterte Vermögenslage der Ri itgl ieder bewirkte Minderung der Ei unahmen. Außerdem läßt sich nicht übersehen, wie lauge der Krieg dauert, wrner, ob und iu welchem Umfange die Teuerung nach dem Kriege bestehen bleiben wird, sowie ob und iu welcher Zeit nach dem Kriege die Bermögensverhältnisse der Mitglieder den Eingang normale Einnahmen erwarten lnsfeu. Mit Rücksicht auf alle diese Verhältnisse hat sich der Vorstand entschlossen, von der Aufstellung eines : vollständig neuen Etats für die Etatsperiode 1010 bis 10!8 a Hz u sehen, i Er behält sich aber vorj nach Beendigung des Krieges eine Revision des 1 Etats vorzuuehmen. Ter ausgestellte Etat schließt in Einnahme und Ausgabe für 1910 mit 0 410 042,25 Mark, für 1017 0 577 404,49 Mart, für 1018 0003 460,07 Mark ab. Tie durch Gemeindesteuern anst zubringende Summe'beläuft sich für 1010 ans 3 907 881,60 Mark, 1917 4 104043,03DMark, für 1018 4 250 700,41 Mart. Bei der Beratung entsteht eine lebhafte Debatte darüber, ob der Vorstand allein das Recht habe, die Steuerquote sestzu'etzen. Es beteiligen sieh dabei die Herren Syndikus Lilienthal, Tr. Js. L c v y, Tr. Ignatz (5 v h u , Tr. M i n d e u . Professor B l a s cl, l e und Bonns Levy. Schließlich wurden zwei Anträge angenommen: 1. Tie Nepräseutautenbersaunulung ersucht den Gemeindevorstand, die Frage der Mitwirkung der RePrä'euduNeoversaun nlung bei Festsetzung der zu erhebenden Stenern gelegentlich der Revision des Gemeindestatuts iu gemischter Deputation zu beraten. 2. Tie Repräseutauteubersammlnug erteilt der vom Vorstand augeordueten Ausschreibung einer Steuer von neun Zehntel vom Hundert des Einkommens, desgleichen den vorgenommenen Steuerausschreibuugeu ihre Zustimmung. — Eiugegaugeu ist eine Petition der Beausten der jüdischen Gemeinde gegen eine Erhöhung der Gehaltsskala der weiblichen Burennangestellten. Von seiten des Vorstandes erklärt Herr Justiz rat V r e s l a u e r, es liege kein Bedenken gegen eine solche Erhöhung vor, vor der Tätigkeit der Frauen müsse inan den Hut ziehen, derartige Anträge seien ein Zeichen von Rückständigkeit. Ter Vorstand voürde die znrückgekehrten Krieger doch nicht ans die Straße setzen. Besonders geeignete Damen, bisher zwei, sind in Bureanassistenteustellen beschäftigt worden und haben sich hier bewährt. Ta ihre Tätigkeit über den Rahmen der Leistungen der Erpedientinnen hinansaelst, ist es erforderlich, eine ihrer Beschäftigung entsprechende Gehaltsskala zu schaffen. Rach ferneren diesen Punkt betreffenden Ausführungen der Herren Pincus, Lilienthal, Platte und Eohn ging man zur Tagesordnung über. Ter Etat ward, rvie er vorliegt, angenommen. Zu Punkt -8 der Gemeindevorstand wird ersucht, die Abschaffung des Schulgeldes für den Besuch der Religionsschnlen iu die Wege zu leiten, spricht Herr Professor T ü r k. Ter Betrag des Schulgeldes für zwanzig Religiousstunden belief sich 1915 auf 060 Mark. Blau hätte die moralisch? Pflicht, für den Besuch ein Aeqnibal-ent zu birken. Ties ve schielst. Ein Antrag des Herrn Tr. Ginsberg betreffend die Verteuerung des Koscherfleisches wird zur Kenntnis genommen. Au Stelle des der' ftorbeuen Herrn Geheimen Sanitätsrat Tr. Vlumcnthal ist Herr Sanitätsrat Tr. Rosenberg iu die Repräsentantenversammlnug embernfen worden. Herr Professor Tr. Moritz Schäfer wurde Zinn Mitgliede der Rabbinerwahlkommission gewählt, in den Schul- und Talmnd-Thora-Borstand Herr Aron Hirsch, der gleichzeilig auch zum ersten Stellvertreter des Vorsitzenden der Repräseutanterwersammlnng gewählt lvnrde: als zweiter Stellvertreter wurde Herr Professor Blaschke, in die Redattivuskommission des „Gemeindeblattes" Herr Tr. Ignaz Eohn, iu die Kommission zur Ausioahl von Ehrenbeamten Herr Oskar Tietz, in die gemischte Deputation zur Beratung über die Verwertung des Krankenbansgrnudsti'lcks Angnststraße 14/16 Herr L e w hilft, in die gemischte Deputation zur Beratung über die Revision des Gemeindeftatnts Herr Komnrerzienrat Simon, in die gemischte Tep-ntativn zur B?- ratnng über die Frage der Umwandlung der Knaben'chule und der üll'ädchenschule in öffentliche Mittelschulen Herr Professor Türk gewählt. In die gemischte Deputation über den Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreffend die Vornahme von Amtshandlungen durch die Rabbiner der subventionierten Vereine wurden vom Gemeindevvrsiand die Herren Geheimrat Tr. Stern, Leopold Badt und Justizrat I. Magnus abgeordnet. In die Festgottesdiensttomnnssivn wurde Herr Geheimer Kommerzienrat Theodor Potsdamer, Mitglied des Vorstandes der Synagoge Lindenstraße, gewälstt. Ter David' Herzvgschen-Freitifch-Stiftnng ivnrden 800 Mark zur Beköstigung von Studierenden jüdischer Lehranstalten bewilligt. Beschlossen lvnrde, denjenigen zum Heere einbernfeuen Lehrern der subventionierten Vereine, welche vor ihrer Einberufung mindestens ein Jahr bei dem Verein tätig waren, für die Tauer ihrer Einberufung ihre Bezüge nach Maßgabe der für die im Gemeindedienste stehenden

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