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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-10 · Heft 10 (10.3.1916) · p. Seite 111

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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111 Rumänien, 'das durch den Tod der Königin-Witwe warmen Sylva, einer hochbegabten Dichterin und menschlich beulenden, auch den Juden nicht ungünstig gesinnten Frau, einen schweren Berlust erlitten hat, ebenso wie Griechenland verhalten sich ruhig und neutral; es ist zu hoffen, daß durch sie die Zahl unserer Gegner nicht verwehrt wird. Während es an der italienischen Front ziemlich ruhig ist, haben im italienischen Parlament die Verhandlungen begonnen, die dazu geführt haben, den Ministern die bittersten Wahrheiten Nt sagen. Von manchen Seiten wird die energische Forderirng ausgesprochen, Deutschland den Krieg zu erklären, was bekanntlich noch immer nicht geschehen ist, doch ist irgendein Beschluß bisher noch nicht gefaßt worden. * Eine neue, v i e r t e Kriegs a n l e i h e wird in den Tagen vom 4. bis 22. März zur Zeichnung aufgelegt. In der letzten Nummer des „Gemeindeboten" ist schon auf diese Anleihe hingewiesen worden. Wir wollen auch an dieser Stelle nicht verfehlen, unsere Leser dring'lichst zur Zeichnung auszufordern. Wir, die Daheimgebliebenen, so vielfach wir aitdj für die Fürsorge arbeiten und zur Bekämpfung der zahlreichen Leiden und Notstände helfen mögen, können doch im ganzen so wenig für Vaterland und Reich tun, 'wenn wir unsere Tätigkeit mit der Arbeit und den Leiden unserer Krieger vergleichen, daß wir es als vornehmste Pflicht auffässen und erfüllen müssen, daß jeder nach seinen Kräften dazu beitrage, die Summen aufzübring-en, deren das Vaterland zum Durchhalten und zur siegreichen Beendigung des Krieges benötigt. Wir Juden haben überall während dieses laugen Krieges unsere Pflicht getan; es ist sicher zu erwarten, daß die deutschen Juden auch bei diesem neuen Appell es nicht werden an sich fehlen lassen. # Als ein Zeugnis, wie die deutschen Juden ihre Pflicht auffassen, sei folgende Notiz aus der Königsberger „Hartungschen Zeitung" wiedergegeben: An d i e deut sche n Iud e n. „M i 11 c n i -nt Weltkrieg" nennt sich ein vornehm ausglftattens Bändchen von eigenartigen Zeitgedichten von Josef Winckler, das mit der Ehrengabe des rheinischen Frauenbundes (seit 1916 .,F raitc m b u nd z u r E lh> r u n g d e u t s ch er Dichte r" preisgekrönt ist. Als Probe der Wincklerslchen Lyrik geben wir folgende „Walther Heymann zum Gedächtnis" geschriebenen Verse: „An die deutschoir Juden": Heil! Daß die Not des Heimatlands So st-ammisiolz auch euch zwingt Schulter an Schulter Zu uns! Hoch rauscht wieder das heiße Kriegerblut aus Makkabäersamen, Und das dunkle Volk springt zum blonden Volke Aufs Roß? Aufs Roß! Wie sang Hiob: Schrecklich ist sein prächtiges Schnauben. Cs stampft aus den Boden, und ist freudig mit Kraft, Und zeucht aus, den Geharnischten entgegen. Zittert und tobt, scharret die Erde, und läßt Nimmer sich zügeln. So oft die Drommete klingt, spricht es: Hui! und wittert Den Streit von ferne, das Schreien der Fürsten -und Jauchzen!- Versunkener Könige Glanz dämmert herauf: Die Tempelschätze, lang in Verbannung bewahrte; Saul, Samson, Jonatha hbr^ ich reden Durch verschüttete Jahrtausende. — Altes, Streitbares Volk, vor dem furchtbar im Feuer Jahre gewandelt. Mitten im Kampf,ge tümmel -erschienen euch goldene Männer, Blitze 'schlellderud, -und als Josua rief. Da säumte selbst die Sonne am Himmel! Mies, streitbares Volk, lang geknechtet, geschmäht. j Heil! Mit Hunderttausend Schulter -an Schulter einher, Wenn jetzt wieder Jehova die Erde mäht. Und in die Kirchen zerschlagener Völker seine Rache hiusnt, i Reiten wir, reitet ihr mit uns im Sturm durchs blutrote Meer! I Freilich, -gelohnt wird den Juden keineswegs immer, vielmehr scheint der „Burgfriede" schon längst in das Reich der Märchen übergegangen zu sein. Darüber erhalten wir ein betrübendes Zeugnis in folgender Nachricht des „Berliner Tageblatts: In der „K ö l n i s ch e n N o l k s z e i t u u g", die durch ihren Berliner Berichterstatter Eisele zu einem a u t i s e m i t i s ch e u Schi mp fb'la t t niederen Grades mugestaltet worden ist, schreibt der genannte Herr, „es könnte in der deutschen Presse trotz Burgfrieden und Zensurzwang -einmal eine Aussprache über die „Gesellschaft d e r U u a b k ö -m m l t ch e it beginnen". Eine solche Aussprache könnte tit der Tat sehr interessant werden. Sie würde vielleicht schätzbares Material über die Leistung derjenigen erbringen, die jeden in irgendeine Frage anders denkenden Staatsbürger so Heldenstotz als „Flaumacher" und „Schwächling" zu behandeln pflegen. Wir haben nicht häufig Gelegenheit, in diesen Uebersichten von der S ch w e i z zu sprechen. Die allgemeine politische Stellung dieser Republik, die durch ihre Vermittlertätigkeit und durch! die Unterstützung der Flüchtlinge sich wahrhaft grandios bej weist, haben wir an dieser Stelle ebensowenig zu erörtern wie! den tiefen Gegensatz zwischen der deutschen und der französischen Schweiz, und empfinden auch nicht den Beruf, unseren Lesern Kenntnis zu geben von den Geriehtsverhandlungen gegen zwei Schweizer höhere Offiziere, die sich in diesen Tagen abgespielt haben. Wohl aber lenken wir gern den Blick auf die jüdischen Verhältnisse in der Schweiz und geben daher mit Vergnügen einer erfreulichen Korrespondenz Raum, die uns von einem Berichterstatter aus Zürich zugesendet worden ist: M. W. Vor vielen Jahren begann ein Leitartikel in der „Frankfurter Zeitung" mit folgenden Worten: „Auch in Hinterpommern fängt es an zu tagen." Nun ist Zürich kein Hinterpommern, gleichwohl dämmert es hier lange und tagt es nur i langsam. Aber es tagt. Ten 22. Februar 1916 darf man buchen! Der zürcherische Kantonsrat (das Parlament des eidgenössischen Standes Zürich) hat heute den Handelsgerichtssekretär Dr. A r t h u r M a m c l o k als Nachfolger des verstorbenen Hnndelsgerichtsprnsidenten Professor Dr. Wächter zum Mitglied des Obergerichtes, des höchsten Gerichtshofes des Kantons, gewählt. Dr. Mamelok ist als Sohn russischer Eltern in Breslau 1876 geboren, woselbst er das Gymnasium absolvierte. Die Eltern mit ihren Kindern verfielen seinerzeit! der preußischen Ausweisungspraris, wie sie in der Zeit des j schlimmsten Stöckersehen und Hammersteinschen Radau-! antisemitismus beliebte, und fanden in Zürich, deren Bürger; sie geworden, ihre neue Heimat. Dr. Mamelok als Schüler! des in deutschen Juristenkreisen hochangesehenen, nunmehr verj storbenen Völkerrechtslehrers Friedrich Meili ward später sein > Mitarbeiter bei Herausgabe wissenschaftlicher Werke. Einige j Jahre Auditor und Substitut am Bezirksgericht, praktizierte er i dann als Anwalt, welcher Beruf dem stillen Gelehrten wenig i lag. Bald wechselte er das Barreau mit der Stelle, aus der j er nun in „Anerkennung seiner hervorragenden Eignung und! seiner Arbeitskraft" ins Obergericht gewählt wurde. Trotz I seiner Parteilosigkeit, das heißt, trotzdem er keiner politischen I Partei als eingeschriebenes Mitglied angehört! Man muß die! hiesigen Verhältnisse kennen und wissen, was das in Zürich; heißt.; Mit dieser Wahl ist ein Vorurteil aus der Welt geschafft,; und von gewisser Seite kann nun nicht mehr, wie vor kurzer l Zeit, als es sich auch um eine Oberrichterwahl handelte, damit! operiert werden, daß der Jude, oder wie es hieß, der polnische

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